Thomas Schirrmacher
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Die Grünen, Pädophilie, der damalige Zeitgeist und die Neuauflage heute

8. Februar 2016 von · 1 Kommentar 

Derzeit bestimmt das Verhältnis der Partei Bündnis 90/Die Grünen und ihrer Vorläufer zur Pädophilie die Medien, jüngst besonders das des Berliner Landesverbandes.

Ich möchte zu der ganzen Sache einige Aspekte hinzufügen.

Ich bin 1960 geboren. Ich habe die ganze Diskussion um die Pädophilie bei den Vorläufern der Grünen und später bei den Grünen bereits als Gymnasiast und dann als Student miterlebt. Was gerne vergessen wird:

1. In der Gesellschaft gab es meines Erachtens damals zahlreiche Kräfte, die sämtliche Grenzen in punkto Sexualität aufheben wollten, sei es zu Pornografie, Inzest, Sex mit Tieren oder eben Pädophilie. Befürworter dieser Sicht fanden sich beileibe nicht nur bei den ‚Grünen‘ und ihren Vorläufern, sondern auch etwa in Kreisen der evangelischen Theologie – um vor allem den Bereich zu nennen, den ich am besten kenne –, der Pädagogik oder in anderen Bereichen der Universitäten.

Zoe Jenny schreibt etwa dazu:

„Am liebsten hatte man damals die Kinder wie auf den Bildern von David Hamilton. Unbeschwert und nackt. Die Wände in den WGs und Kommunen waren damit tapeziert. Kinder waren allzeit zur Verfügung stehende sexuelle Projektionsflächen. Niemand störte sich daran. Das war der links-grüne Mainstream, der Zeitgeist, dem weite Teile der Gesellschaft zustimmten. Im Zuge der sexuellen Revolution wurden die Erwachsenen vor allem von einem befreit: von ihrer Verantwortung.“ (Zoe Jenny. „Meine Lehrer waren pädophile Weltverbesserer“. Die Welt 14.10.2013.)

2. Wer damals kritisch ‚gewarnt‘ hat, wurde zum Außenseiter, auch als Jugendlicher, wie ich es selbst erlebt habe – „die Alten“ wollte dazu eh meist keiner hören! Und zwar nicht nur durch die grüne Minderheit, sondern durch die Mehrheit, die auf dem großen Trip der sexuellen Befreiung war und trotz ihrem ständigen Pochen auf Toleranz intolerant keine Störenfriede duldete. Das gilt für das Thema Pädophilie ebenso wie das Thema ‚Vergewaltigung in der Ehe‘, Kinderpornografie oder Pornografiesucht: Niemand sollte den neuen Spaß stören. Warnungen, Gefahren, ja heute längst wieder strafbare Handlungen, wurden heruntergespielt. Und übrigens waren und sind es immer Erwachsene, die meinten und meinen, Jugendliche sexuell befreien zu müssen, nicht die Jugendlichen selbst, die die Forderungen stellten und stellen.

Ich erinnere mich, dass ich 2007 völlig erstaunt war, als Familienministerin Ursula von der Leyen aufgrund eines kleinen Gutachtens von mir, das RTL und der Kölner EXPRESS aufgriffen, – und sicher aufgrund weiterer Proteste – eine Broschüre zum Umgang der Eltern mit der Sexualität von Kleinkindern zurückzog, die ich als Anleitung zum sexuellen Übergriff durch die Eltern bezeichnet hatte, da darin Kinder etwa mit den Geschlechtsteilen des Vaters spielen sollten. Die Außerdienststellung der Broschüren ist Zeichen einer neuen Sensibilisierung, denn das Heft und ähnliche Hefte waren Jahrzehnte auf dem Markt.

3. Im Übrigen sind wir jetzt wieder so weit: Die Schulzimmer minderjähriger Schüler werden wieder zum Spielball sexueller Themen aller Art, die ohne Rücksicht auf die Besonderheiten Minderjähriger von Amts wegen – und damit nie wirklich freiwillig – so früh wie möglich von und mit Erwachsenen diskutiert werden sollen, die dabei rücksichtslos über ihre eigenen Sexualpraktiken sprechen und die Vorlieben der Minderjährigen hervorlocken wollen, gleich ob die das wollen oder nicht.

Es ist mir ganz gleich, ob die ‚Betroffenen‘, die nach Vorstellung mancher sogar mit den Schülern allein sprechen sollen, also ohne dass Lehrer anwesend sind, heterosexuell oder homosexuell, humanistisch oder katholisch, prüde oder offen für alles sind oder was auch immer für eine Sexualmoral vertreten oder bekämpfen: Die Gefahr, gegen den Willen von Minderjährigen in ihre sexuelle Privatsphäre einzudringen, ist viel zu groß, das voyeuristische Element der erwachsenen Zuhörer viel zu wenig ausschließbar. Was geht Lehrer, geschweige denn nicht pädagogisch ausgebildete ‚Betroffene‘, eigentlich in einer gesetzlichen verpflichtenden, öffentlichen Schulstunde an, was Kinder (tatsächlich oder vermeintlich) für sexuelle Vorlieben, Phantasien, aber auch Ängste und Sorgen haben?

Und wer nimmt Rücksicht darauf, wenn ein Teil der Kinder gar nicht darüber sprechen will oder zum Beispiel nicht vor anderen in der Öffentlichkeit oder nicht vor Erwachsenen? Werden die Kinder dann unter Druck gesetzt? Bekommen sie dann schlechtere Noten? Ja, ist es nicht schon zu viel Druck, dass die staatliche Schule nach Lehrplan – und damit nicht freiwillig – einzelne konkrete Fragen zu ihrer Sexualität stellt, offiziell natürlich in Rahmen von Rollenspielen, Malen oder Gruppendiskussionen? Sind es hier nicht wieder Erwachsene, die einfach erzwingen wollen, was sie für gut finden, und nicht dem folgen, was Minderjährige aus sich heraus entwickeln und wollen?

Und warum dürfen keine Eltern anwesend sein, wenn außer den offiziellen Lehrern auch nicht pädagogisch ausgebildete Personen dabei sind? Ein Verhör von Minderjährigen bei der Polizei darf ja auch nicht ohne Erziehungsberechtigte stattfinden.

Würden Eltern manche der geplanten Fragen ihren eigenen Kindern stellen oder manche der Spiele mit ihnen machen wollen, würden diese Kinder rebellieren und würde das von anderen als zu starker Eingriff in die Psyche der Kinder angesehen. Warum ist es aber besser, wenn erwachsene Nicht-Eltern und Nicht-Lehrer das in der Schule tun?

Und warum werden nicht auch von Heterosexualität ‚Betroffene‘ gebeten, ebenso im Unterricht ihre Erfahrungen darzulegen und so den heterosexuellen Schülern die Gelegenheit zu geben, ihre Identität herauszufinden? Immerhin hat nur eine Minderheit von ca. 3% der Bevölkerung und der Kinder eine homosexuelle oder verwandte Identität, das heißt 97% der Bevölkerung und Kinder haben sie nicht und brauchen genauso das Gespräch mit ‚betroffenen‘ Vorbildern.

Wenn neben den Lehrern andere ins Spiel kommen, die rund um das Thema Sexualität Unterricht gestalten, muss man doch fragen: Ersetzt Betroffenheit neuerdings die pädagogische Lizenz? Und warum dann nur für das Gebiet der Sexualität? Sollten wir dann nicht auch Versicherungsvertreter im Unterricht mit den Kindern ihre Zukunft planen lassen?

Zoe Jenny besuchte 1982 bis 1984 die Freie Volksschule Basel (FVB), eine der reformpädagogischen Schulen, „wie sie im Zuge der links-grünen Bewegung der Achtzigerjahre Mode waren“. Sie erzählt ein Beispiel, was passierte, als die Klasse mit dem Lehrer an einem Kiosk pornografische Zeitschriften gesehen hatten:

„Zurück im Klassenzimmer, mussten wir im Kreis auf dem Boden sitzen. Thema: Selbstbefriedigung. Jeder sollte der Reihe nach darüber Auskunft geben, wie wir uns selber befriedigen. Die Ältesten waren gerade mal neun Jahre alt. Wir wurden genötigt, über etwas Intimes zu sprechen, das wir noch nicht mal kannten. ‚Ich bohre gerne in der Nase‘, sagte ein Mädchen. Ende der Diskussion. Sichtlich enttäuscht stellten die Lehrer schließlich fest, dass wir längst nicht so sexualisiert waren, wie sie es sich erhofft hatten.“ (Zoe Jenny. „Meine Lehrer waren pädophile Weltverbesserer“. Die Welt 14.10.2013.)

Kommt das jetzt alles wieder?

Kurzum: Bei aller moralischen Empörung muss man feststellen:

Durch die heutige Empörung über die Grünen (bzw. ihre Vorläufer) versuchen sich viele Gesinnungsgenossen von einst – wie etwa der ‚Spiegel‘ – heute schön weiß- und reinzuwaschen. Warum etwa fördern die Medien massiv die Aufklärung bei den Grünen, bei den Kirchen, ja überall, nur nicht in Bezug auf die Medien selbst, die doch zweifelsohne eine zentrale Rolle in der sexuellen Revolution spielten?

In 30 Jahren wird vermutlich die Öffentlichkeit genauso erschrocken sein, wer seinerzeit nur vertreten und zulassen konnte, dass die Sexualität der Minderjährigen von Nicht-Lehrern im Unterricht abgefragt wird. Dabei wird er dann unter anderem auf einen grünen Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg stoßen und sich fragen, ob es wirklich nur Einzelne waren oder nicht zu einem Ministerpräsidenten auch eine Partei und viele Wähler gehören … Und man wird sich fragen, ob die Grünen wirklich etwas gelernt haben!1

Noch ein letztes Wort: Sexueller Missbrauch von Minderjährigen führt nach wie vor ein Schattendasein als Forschungsthema und pädagogisches Thema. Nichts weist darauf hin, dass die neuen Programme das Thema schwerpunktmäßig mit behandeln wollen. Und besonders erschreckend ist, dass es nicht so aussieht, als wenn es eindeutige, fach- und sachgerechte Richtlinien gegen sexuellen Missbrauch für alle geben wird, die in Zukunft mit Minderjährigen in der Schule über die Praktiken sexueller Minderheiten reden wollen! So sollte man etwa Kontakte derer, die im Unterricht zur Thematik erscheinen, außerhalb der Schule untersagen und auch sonst sicherstellen, dass kein Beteiligter die schulische Veranstaltung zur Anbahnung sexueller Kontakte nutzt. Damit will ich niemand speziell verdächtigen, aber derartige Aufklärung und Vorbeugung gehört nun heute einfach dazu, und es ist schon sehr verwunderlich, dass dies gerade da fehlt, wo es ausdrücklich um Sexualität und Minderjährige geht!

Wie wäre es einmal, Erwachsene würden einfach einmal die Hände von der Sexualität Minderjähriger lassen? Das wäre dann auch eine echte ‚Umkehr‘ gegenüber den Versäumnissen des letzten Jahrhunderts.

 


Fußnoten:

1 Dieser Text beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Grünen. Leider gibt es aber auch in anderen Bundesländern mit Ministerpräsidenten anderer Parteien ganz ähnliche Entwicklungen, die genauso zu kritisieren sind bzw. eines Tages rückblickend als genauso problematisch empfunden werden werden.

„Vom Wert christlicher Schule für die demokratische Gesellschaft“

1. Februar 2016 von · Schreiben Sie einen Kommentar 

Festrede von Thomas Schirrmacher zum 25. Geburtstag der Freien Evangelischen Schule Stuttgart

Thomas Schirrmacher während seiner Festrede in der Aula der Freien evangelischen Schule Stuttgart. In der ersten Reihe von rechts: 2.v.r. Vorsitzender Kellermann, 4.v.r. Staatssekretärin von Wartenberg, 6.v.r. Bürgermeisterin Eisenmann.

Thomas Schirrmacher während seiner Festrede in der Aula der Freien evangelischen Schule Stuttgart. In der ersten Reihe von rechts: 2.v.r. Vorsitzender Kellermann, 4.v.r. Staatssekretärin von Wartenberg, 6.v.r. Bürgermeisterin Eisenmann.

(Bonn, 25.01.2016) Die Freie Evangelische Schule Stuttgart (FES) feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Den Auftakt des Jubiläumsjahrs bildete ein Festakt am Freitag in der Aula der Schule auf den Hengstäckern. „In den Anfangsjahren haben wir uns nicht vorstellen können, dass die FES einmal so groß wird“, sagte Carmen Behling, die Leiterin des Schulverbundes. Im Herbst 1991 startete die erste Klasse mit 15 Schülern in einem Raum des CVJM-Heims an der Leinenweberstraße. Die Schule wuchs schnell. Inzwischen gibt es einen Haupt- und Realschulzweig und ein berufliches Gymnasium. 2007 zog die FES an ihren jetzigen Standort neben dem Sonderschulzentrum.

Die christliche Schule möchte ihre Schüler befähigen, sich mit der Welt auseinanderzusetzen, sagte Gerhard Ellermann, der Vorstandsvorsitzende des Trägervereins der FES. „Gemäß unserem Motto: weil Kinder Mut für morgen brauchen“, so Ellermann. Die christliche Orientierung sei ein wichtiger Bestandteil, dennoch müssen die Schüler nicht religiös sein. „Eine christliche Schule wäre nicht christlich, wenn sie ihre Kinder zum Christentum zwingt“, sagte Thomas Schirrmacher, der unter anderem Präsident des Internationalen Rates der International Society for Human Rights und Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz ist. Noch das ganze Jahr über wird die FES ihr Jubiläum mit verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen feiern.

Schüler der FES bei einer Theaterszene.

Schüler der FES bei einer Theaterszene.

Das Programm war gespickt mit einem Theaterstück der Grundschüler, Musikstücken der Lehrerband, der Schülerband und eines Jubiläumschors und zudem Grußworten öffentlicher Vertreter. Die im baden-württembergischen Kultusministerium unter anderem für Privatschulen zuständige Staatssekretärin Marion von Wartenberg lobte die Schule dafür, wieviele Anregungen sie beim Aufbau des neuesten Zweiges, des beruflichen Gymnasiums aufgenommen habe. Die Bürgermeisterin für Kultur, Schule und Sport der Landeshauptstadt Stuttgart, Dr. Susanne Eisenmann, lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Schule und Stadt, die FES erfülle offensichtlich aus der Sicht vieler Stuttgarter Eltern eine wichtige Aufgabe. Eckhard Geier, Geschäftsführer des Evangelischen Schulwerks und Vertreter des Oberkirchenrates der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, überbrachte die Glückwünsche der Kirche.

Die Festrede „Vom Wert christlicher Schulen für die demokratische Gesellschaft“ hielt der Soziologe und Theologe Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher. Schirrmacher ist weltweit als Präsident der IGFM, Botschafter für Menschenrechte und Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit in Sachen Menschenrechte unterwegs und vertritt als Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz etwa 600 Mio. evangelische Christen in ökumenischen Gesprächen.

„So wie die christliche Schulbewegung August Hermann Franckes im 18. Jahrhundert langfristig das staatliche Schulsystem mit Realschule und dualer Ausbildung bereichert hat, will unsere Verfassung auch heute, dass Privatschulen experimentieren und Vorreiterfunktion übernehmen, um Erfolgreiches dann der ganzen Gesellschaft zugutekommen zu lassen.“

BQ396_3Das gute Verhältnis der Freien Evangelischen Schule in Stuttgart zum Kultusministerium und zur Stadt Stuttgart belege, dass Staat und christliche Privatschule sich bis heute sinnvoll ergänzen und gegenseitig befruchten können.

In seiner Festrede beschrieb er das Spannungsfeld des christlichen Erziehungsauftrags. Der christliche Glaube sehe den Menschen am „positivsten und am negativsten zugleich“. Positiv durch den Wert und die Menschenwürde, die Gott jedem Menschen zuschreibe, als „Ebenbild seiner selbst“, aber auf der anderen Seite auch negativ als Menschen, die aufgrund der Sünde nicht mehr ihrer ursprünglichen Bestimmung entsprechend lebten und deswegen Erziehung vom Bösen weg bräuchten, was angemessene Grenzsetzung ebenso einschließe, wie Hilfe zum Einordnen und gnädige Seelsorge.

„Den Menschen, der für alle ein Segen ist, gibt es nicht. Bildung und Erziehung haben auch immer mit dem Hang des Menschen zu Korruption zu tun. Aber eine christliche Erziehung lebt von Komplementarität. Wir brauchen Kompetenz und Flexibilität nebeneinander, die Fähigkeit zu begrenzen und auf jeden Einzelnen einzugehen, die Fähigkeit zu garantieren, dass jeder mitkommt, und Potenzial herauszukitzeln.“

Christliche Schule baue auf einer durchgängigen Komplementarität auf:

„Gesetz und Gnade, Ermutigung und Begrenzung, Selbstständigkeit und Führung, Individualität und Integrationsfähigkeit gehören zusammen. Wer nur die ‚positive‘ Seite als Programm der Erziehung sieht, wird auch in der Schule irgendwann brutal vom Bösen überrollt, wer nur die ‚negative‘ Seite sieht, erklärt Erziehung und auch Strafe zum Selbstzweck und verliert das Ziel des Selbstständigwerdens und der Freiheit aus den Augen.“

Weitere Berichte:

Links:

Historisches globales Treffen von Kirchenführern in Sachen Christenverfolgung endet mit Entschuldigung für Verfolgung von Christen und Anderen durch Christen

25. November 2015 von · Schreiben Sie einen Kommentar 

(Bonn, 16.11.2015) 75 Kirchenführer aus Kirchen und Ländern weltweit mit „Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium“ berichteten und 75 hohe Repräsentanten aller Konfessionen hörten zu. In einer nicht öffentlichen Konsultation in Albaniens Hauptstadt Tirana, die das Global Christian Forum organisierte, wurde anschließend diskutiert, wie man auf die weltweite Herausforderung reagieren solle.

BQ385_1Die historische Bedeutung wird gut von einem Mitglied des Planungskomitees erläutert, das von Larry Miller, Generalsekretär des Global Christian Forum geleitet wurde:

  1. „Die historische Dimension der Konsultation hat zwei Gründe:         
    Es war das erste globale Treffen praktisch aller christlichen Konfessionen zum Thema „Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium“, um auf Zeugenaussagen von allen Kontinenten zu hören.
  2. Zum ersten Mal in der Geschichte entschuldigte sich die Weltchristenheit dafür, sich gegenseitig (und andere Religionen) verfolgt zu haben. Die Abschlussbotschaft formuliert das so: ‚Wir tun Buße darüber, dass wir zeitweise in der Geschichte einander oder andere Religionsgemeinschaften verfolgt haben und wir bitten einander um Vergebung und beten für neue Wege, Christus gemeinsam nachzufolgen.‘

Beide Schritte sind von historischer Bedeutung, sowohl für die Beziehungen der Kirchen untereinander als auch für den Kampf für Religionsfreiheit weltweit.“ (Thomas Schirrmacher)

BQ385_4Die vier Delegationen der vier Kirchen bzw. Zusammenschlüsse wurden von ihren obersten Repräsentanten vertreten, der Päpstliche Rat für die Förderung der Einheit der Christen von seinem Präsidenten Kurt Kardinal Koch, der Ökumenische Rat der Kirchen und die Weltweite Evangelische Allianz durch ihre Generalsekretäre, Pfarrer Olav Tveit und Bischof Efraim Tendero, die Pentecostal World Fellowship durch Vorstandsmitglied Pastor David Wells, der den erkrankten Vorsitzenden Prince Guneratnam vertrat. In seiner Botschaft an die Konsultation sagte Papst Franziskus:

„Ich denke mit großer Traurigkeit an die zunehmende Diskriminierung und Verfolgung von Christen im Nahen Osten, in Afrika, in Asien und an weiteren Orten weltweit. In vielen Teilen der Welt ist das Zeugnis für Christus bis hin zum Vergießen des eigenen Blutes eine gemeinsame Erfahrung von Katholiken, Orthodoxen, Anglikanern, Protestanten, Evangelikalen und Pfingstlern geworden.“

Die Delegationsleiter sprachen zur Eröffnung der Konsultation und hatten dann das letzte Wort um mitzuteilen, was ihre Konfession oder globale Körperschaft in Reaktion auf die Konsultation praktisch plant.

Bischof Efraim Tendero zum Beispiel sagte für die Weltweite Evangelische Allianz unter anderem:

„Wir wollen tun, was immer wir können, um unseren Mitgliedern zu helfen, Vorurteile gegenüber anderen christlichen Traditionen abzubauen und Geschehnisse der Vergangenheit nicht mit der Gegenwart zu verwechseln.“

Er rief vor allem dazu auf, die Erinnerungen an vergangene Verfolgung durch Christen zu heilen:

„Wir sind sehr dankbar, dass die Buße dafür, dass wir einander verfolgt haben, Teil unserer Abschlussbotschaft ist. Wir sehen es als wichtig an, die Erinnerung zu heilen, wo immer so etwas geschah. Wir werden unsere Pastoren und Kirchen ermutigen, dies auf lokaler Ebene einzuleiten, und wollen außerdem mit den vier globalen Körperschaften, die hinter dieser Konsultation stehen, diskutieren, wie wir diesen Prozess auf nationaler, kontinentaler und globaler Ebene ans Laufen bringen können.“

Die Entsprechungen der vier Körperschaften im gastgebenden Land Albanien wurden von dem Oberhaupt der Albanisch-Orthodoxen Kirche, Erzbischof Athanasios, vom Generalsekretär der Katholischen Bischofskonferenz, Bischof Georg Frendo, und vom Vorsitzenden der Albanischen Evangelischen Allianz, Pastor Ali Kurti angeführt.

BQ385_5Die Kooperation und die gleichmäßig aufgeteilte Beteiligung wurden in allen Aspekten der Konsultation deutlich. Im Planungskomitee saßen je zwei Vertreter der vier Körperschaften, dazu der Generalsekretär des Global Christian Forum und seine Konferenzdirektorin Joy Lee. Die Redner und Zeugen waren entsprechend aufgeteilt, aber auch die 40 Jugendlichen, die als Stewards die praktischen Belange organisierten und sich vorher mehrere Tage gemeinsam getroffen hatten.

Die Konsultation war nicht öffentlich, um Kirchenführer aus dem Nahen Osten und anderen gefährlichen Situationen zu schützen. Erst nach Ende der Konsultation wurde das Ganze durch einen Empfang durch den muslimischen Präsidenten von Albanien für die Delegierten öffentlich. Der Präsident dankte den Kirchenführern dafür, dass sie mit Albanien ein Land gewählt haben, in dem alle Religionen unter dem Kommunismus verfolgt und zerstört wurden – es stand am Ende praktisch keine Kirche oder Moschee mehr –, und dass sich danach für völlige Religionsfreiheit entschieden hat.

 
Downloads und Links:

  • „Historisches Treffen zur weltweiten Christenverfolgung“ – Bericht zur Konferenz durch Philipp Hildmann, Beauftragter für Interkulturellen Dialog der Hanns-Seidel-Stiftung: http://www.hss.de/politik-bildung/themen/themen-2015/historisches-treffen-zur-weltweiten-christenverfolgung.html
  • Abschlussdokument „Konferenzbotschaft“ (als pdf: englischdeutsch)
  • Schlussansprache von Bischof Efraim Tendero (PDF-Download)
  • Alle Fotos © Internationales Institut für Religionsfreiheit (IIRF)
  • Foto 1: Der Generalsekretär der Albanischen Evangelischen Allianz Akil Pano heißt die Delegierten der Konferenz „Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium“ in Tirana willkommen. Am Tisch die Repräsentanten der vier globalen christlichen Körperschaften und ihrer albanischen Entsprechungen.
  • Foto 2: Drei Delegationsleiter, von links: Bischof Efraim Tendero, Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz; Rev. Olav Tveit, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen; Kurt Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen
  • Foto 3: Godfrey Yogaraja, Direktor der Kommission für Religionsfreiheit (Religious Liberty Commission) der Weltweiten Evangelischen Allianz während seiner Plenarrede
  • Foto 4: Thomas Schirrmacher, Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, während seines Vortrages
  • Foto 5: Zwei Generalsekretäre vor der Kathedrale der Albanisch-Orthodoxen Kirche: Rev. Olav Tveit (links) und Bischof Efraim Tendero
  • Foto 6: Bischof Efraim Tendero und sein Frau während der Rede des Albanischen Präsidenten mit Thomas Schirrmacher (links) und dem Vorsitzenden der Albanischen Evangelischen Allianz (rechts)
  • Foto 7: Der Generalsekretär des Global Christian Forum, Larry Miller, und seine Frau Eleanor im Gespräch mit dem Präsidenten Albaniens
  • Foto 8: Kopien der verschiedenen Beiträge in unterschiedlichen Sprachen

MAKE LOVE zum Dritten

2. November 2015 von · Schreiben Sie einen Kommentar 

Jetzt ist „Make Love“ vom MDR ins ZDF-Hauptprogramm gewechselt und hat gewissermaßen die Hüllen fallen gelassen, das heißt das, was beim MDR noch wenigstens echtes Gespräch mit Paaren mit echten Problemen war, wurde nun endgültig eine nach Marketinggesichtspunkten gestylte Sex-Doku, in der das Meiste mit dem Problem des Paares wenig zu tun hat.

Genau das hatte ich erwartet und in meinem Beitrag („Make Love zum Ersten“) geschrieben.

Der SPIEGEL schreibt dazu:

„Schon bemerkenswert, zu welchen rhetorischen Schlüpfrigkeiten die ZDF-Sex-Doku ‚Make Love‘ Journalisten im Vorhinein inspirierte: ‚Mit dem Zweiten vögelt man besser‘, schrieb der ‚Tagesspiegel‘ über seine Kritik; ‚Neues von der Bettkante‘ stand in der ‚Focus‘-Überschrift. Und die ‚Bild‘ titelte gleich: ‚Popo-Sex-Unterricht im ZDF!‘ Selbst den ‚Bild‘-Chef persönlich brachte die Sendung, in der die Sexologin Ann-Marlene Henning Paare begleitet, aufklärt und Tipps gibt, in Wallung.“

Und in der WELT wird die erste neue Folge vom 28.7.2015 von MAKE LOVE unter der Überschrift „Und wie ist Ihr Sex so? Auch so schön spießig?“ von ‚Airen‘ wie folgt kommentiert:

„‚Make Love‘ war mal ein cooles Aufklärungsformat. Jetzt wandelt das ZDF es in eine fahle Dokusoap um: Fritz hat nicht so oft Lust wie Daniela. Und am Ende soll es der Basic-Instinct-Moment richten. Vor drei Jahren schrieb Ann-Marlene Henning ein Aufklärungsbuch für Jugendliche, es hieß ‚Make Love‘, wurde für seinen unverkrampften Ton gelobt und bald ein Bestseller. Ein Jahr später startete ein gleichnamiges Format im MDR, wo sich die Sexologin den Problemen echter Pärchen widmete, und das wegen seiner unkonventionellen Darstellung … dem Schunkelsender MDR einen bis dahin nicht gekannten Coolheitsfaktor verlieh. Jetzt hat das ZDF das Format übernommen … Leider misslingt der Versuch, über eine Länge von 45 Minuten einen Spannungsbogen zu ziehen, den das getrübte Sexualleben des Beispielpaars nicht hergibt. ‚Sex ohne Leistungsdruck‘ heißt das Motto der ersten Sendung, begleitet werden Daniela und Fritz aus Gräfelfing in Oberbayern. Fritz, Typ gezähmter Rocker, Ziegenbart, Pferdeschwanz, hat nicht so oft Lust wie Hausfrau Daniela (Nasenpiercing, blonder Mecki) es gerne hätte.“

Airen fährt fort:

„Nach der Sitte des Factual Entertainment werden scheffelweise Zahlen und Fakten über dem Zuschauer ausgeschüttet, auch ein promovierter Sexualforscher kommt zu Wort. … Die unumwundene Direktheit, die man aus Hennings Videos kennt, wird dabei den Zwängen des Storytelling geopfert. Und das nicht einmal besonders gut. Heraus gekommen ist die zuverlässig erprobte und tausend Mal gesehene Dramaturgie einer Dokusoap. Mit spannungsgeladener Geigenmusik aufgebauschte künstliche Aufreger (Daniela hat beim Einzelgespräch an der Tür gelauscht) und rührend gestellte Momente der Zweisamkeit auf sorgfältig auf einer Wiese drapierten Heuballen erzeugen Gefühlszustände und Momente, die man so oder so ähnlich schon unzählige Male gesehen hat.“

Und jetzt kommt es:

„Weil die Geschichte von Fritz und Daniela nicht so viel hergibt, hat man auch ein paar Normalbürger von der Straße in die Sendung eingebunden. Und wo findet man einen repräsentativeren Vertreter des deutschen Mannes als in der Umkleidekabine eines Fußballvereins, wo durchtrainierte Hetero-Tops mit Bierpulle und Bürstenhaarschnitt sitzen, von Quickies träumen und sich um den Ausdruck ‚Blowjob‘ herumdrucksen? Als weibliches Pendant muss eine Gruppe gestandener Landfrauen herhalten, die beim Kaffeekränzchen aus dem Nähkästchen plaudern. Diskutiert werden Sexualpraktiken, die wohl vor dem Krieg noch für Aufregung sorgten … Was das jetzt mit Fritzens Unlust zu tun haben soll, erschließt sich nur schwer und wird von der Sexologin mühsam übergeleitet.“

Und dann das eindeutige und berechtigte Urteil, genau das, was ich angekündigt hatte: „Function follows form“. Oder anders gesagt: Die reale Lebensgeschichte und der bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Rat muss sich dem unterordnen, was ‚sells‘, eben dem ‚Sex‘, schlüpfrigen Geschichten und scheinbaren Überraschungen.

Airen kommt zu dem Urteil:

„Was in Hennings YouTube-Videos gut funktionierte – anschauliche Tipps, ungeniert erörterte Praktiken – wird bei ‚Make Love‘ im realitytypischen Beratersprech zerlabert. Gefühle und Bedürfnisse werden wie die Variablen einer Gleichung isoliert, in mechanistische Worthülsen gepackt und mit Tortendiagrammen und Graphen entmenschlicht. Diese Krankheit, sich jedem Sachverhalt empathiefrei zu nähern und auch noch das Intimste zu abstrahieren, ist so dermaßen deutsch und vielleicht daher auch der Grund, warum hierzulande so viel Beratungsbedarf besteht.“

Airen nimmt dabei auf die Schippe, wie banal die Sendung ist, wenn man einmal die Bilder weglässt:

„Spirituell aufgewertet wird die Sendung mit seichtem Halbwissen frisch vom Kalenderblatt. Motto: Lass die Gefühle frei. Die Sendung gipfelt schließlich in der tiefschürfenden Weisheit: Nur wenn Fritz sich im Jetzt gut spürt, kann es mit dem Sex etwas werden. Die bahnbrechende Lösung: Er soll sich mehr Zeit lassen. Zu dieser banalen Einsicht ist jeder vernünftige Mensch fähig, der sich mal eine halbe Minute mit seinen Gefühlen auseinandergesetzt hat! Ein sachte rammelndes Modellpärchen darf dann den Satz ‚Gib Fritz mal eine Massage‘ tanzen.“

Erschreckend, dass Airen Recht hat, wenn er schreibt: „Problem gelöst? Nein.“ Die ganze Sendung entpuppt sich als Drumherum um das Üblich ‚Sex sells‘. Deswegen stimmt auch, was Airen zum Schluss schreibt:

„Irgendwie müssen jetzt ja noch die Sextipps untergebracht werden und genug Schweinkram hat man auch noch nicht gesehen. Es tut sich folglich eine weitere Baustelle auf: Daniela lässt sich gerne fingern, und auch Fritz ahnt seit einer Prostatauntersuchung, dass er ‚da unten‘ Gefühle hat. Wieder muss das Modellpärchen ran … Der Basic-Instinct-Moment, der dem Format die wohl nötige Aufmerksamkeit besorgen soll, ist an den Schluss gesetzt: für ein, zwei Sekunden prangt da eine gespreizte Vulva mitten auf dem bundesdeutschen Bildschirm. Alter Schwede!“

Mein Schluss: Wie vor einem Jahr schon einmal geschrieben: Bestenfalls war die Sendung „Sex ohne Leistungsdruck“ überflüssig, da sie keine Antwort gibt. Schlimmstenfalls hat sie das Gegenteil erreicht, nämlich Sex mit weiterem Leistungsdruck verbunden. Und genutzt hat sie niemand – doch, halt – dem Sender, der Dank nackter Bilder bessere Einschaltquoten bekommt. Das erhöht zwar die Einnahmen aus den Zwangsgebühren nicht, wohl aber die Werbeeinnahmen und die Wettbewerbsargumente.

MAKE LOVE zum Zweiten

30. Oktober 2015 von · Schreiben Sie einen Kommentar 

Im folgenden finden sich einige Gedanken, die entweder der Länge wegen aus meinem Beitrag „Aufklärungsformate im Fernsehen: Die Ironie der sexuellen Revolution“. S. 202-208 in: Die Medienanstalten (Hg.). Programmbericht 2014: Fernsehen in Deutschland: Programmforschung und Programmdiskurs. Vistas: Leipzig, 2015. ISBN 978-3-89158-610-5 herausgekürzt werden mussten oder aber thematisch am Ende nicht ganz zur vereinbarten Fragestellung passten. Ich stelle sie hier deswegen zur Verfügung. Kursiv gesetzte Absätze finden sich bereist in sehr ähnlicher Form in der Buchfassung.

1 Sexualität noch öffentlicher?

Ausgerechnet der STERN schrieb schon 2007:

„Die Klage über lockere Sexualmoral ist älter als der Minirock. Doch diesmal warnen keine verklemmten Spießer, Fundamentalfeministinnen oder prüde Kirchenmänner. Es sind Lehrer, Sozialpädagogen, Erziehungswissenschaftler, Hirnforscher, Therapeuten, Sexualwissenschaftler und Beamte in Jugendämtern. Sie beobachten nichts Geringeres als eine sexuelle Revolution. Doch dabei geht es nicht um freie Liebe. Mit Freiheit und mit Liebe hat es nichts zu tun. Der Motor für diese Umwälzung der Sexualität sind keine Ideale. Es ist Pornografie …, eine Form der Verwahrlosung: sexuelle Verwahrlosung.“1

Liest man die Sammelbände einschlägiger Fachtagungen wie etwa die von der Gesellschaft für Sexualwissenschaft e.V. veranstalteten Tagung „Sexualität und Neue Medien“2 oder Fachbücher, wie das Handbuch für Strafverfolgungsbehörden und Beratungseinrichtungen eines Psychologie- und eines Soziologieprofessors über Sexualstraftäter im Internet,3 ist man erstaunt, dass diese Ergebnisse einfach ignoriert werden. Dolf Zillmann, amerikanischer Psychologieprofessor und seit Jahrzehnten einer der führenden Pornografieforscher, schreibt etwa im ‚Lehrbuch der Medienpsychologie‘:

„Die intensive Nutzung pornografischer Medianangebote steigert die selbst zugegebene Vergewaltigungsbereitschaft von Männern. Sowohl zwangsausübende als auch nicht zwangsausübende sexuelle Darstellungen haben diese Wirkung.“4

Manche sehen nun die Lösung darin, Sexualität noch öffentlicher zu zeigen, noch öffentlicher zu diskutieren, weitere Befreiungsschläge zu versuchen. Aber verspricht diese Marschrichtung wirklich Erfolg oder endet sie nicht leicht bei dem, was aus der Pornografie wurde: Aus dem Traum, sie werde uninteressant, wenn gewissermaßen jeder jeden nackt sehen kann, wurde eine Spirale immer radikalerer Pornografie losgetreten, um den Kick zu finden (und mehr Geld zu verdienen), gleich ob es sich um größere Auswahl oder zunehmende Verrücktheiten handelt oder um illegale Varianten wie Vergewaltigungsdarstellungen (die sich heute jedes Kind mit drei Klicks anschauen kann) oder Kinderpornografie.

2 Privat gegen öffentlich-rechtlich?

Am 17.10.2011 diskutierte ich in der Sendung von Eins gegen Eins in Sat.1 mit der Porno-Rapperin Lady Bitch Ray, der Clubbetreiberin Dominique und dem Sexualwissenschaftler Prof. Jakob Pastötter unter der Moderation von Claus Strunz das Thema „Porno als Massenphänomen – macht das unsere Gesellschaft kaputt?“5 Die Sendung hatte die bisher höchste Einschaltquote der Serie mit 6,4% der Zuschauer. Also selbst Eins gegen Eins kann seine Einschaltquote mit Sex steigern. Sex sells. Wir beiden Wissenschaftler waren nur das Feigenblatt, denn der Moderator beschäftigte sich neben den vielen Einspielungen (weil ja sonst keiner weiß, was mit ‚Pornografie‘ gemeint ist) mehr mit den Utensilien, die die beiden Pornodarstellerinnen anhatten (bzw. fast nicht anhatten) als mit dem Thema der Sendung, was zur Freude der BILD-Zeitung zum „Schamhaar-Skandal“ führte.6 Trotz allem: Gelohnt hat sich für mich die Sendung, denn die Abstimmung der überwiegend jugendlichen Zuschauer zeigte eine starke Verschiebung von der harmlosen Position hin zu einer kritischen Hinterfragung der Werte der vorherrschenden Art der Pornografie, etwa der Gewaltpornografie.

Am meisten schockierte mich,7 dass, wenn immer ich von Vergewaltigungsvideos im Web sprach, ausgerechnet die beiden Frauen die Sache völlig verharmlosten. Das sei doch wie im Krimi. Da sehe man auch, dass Menschen getötet werden, und wisse doch, dass das nur ein Film sei. Die Millionen von Männern, die „rape sex“ bei Google eingeben, wollen also Kunst sehen und einen netten Filmabend verbringen? Und sie denken auch die ganze Zeit daran, dass das ja nur eine Aufnahme ist (und woher weiß man, ob es wirklich nur eine Aufnahme und nicht Realität ist?). Wollen sie sich nicht schlicht und einfach an der völligen Macht und brutalen Gewalt über Frauen berauschen? Der Feminismus hat uns gelehrt: Sexuelle Gewalt ist keine Form von Sex, sondern eine verschärfte, erniedrigendere Form von Gewalt

Ganz anders der Sonntagmorgentalk von fünf ganz unterschiedlichen Fachleuten und Betroffenen im West-Art-talk (WDR)8 zum Thema: „Sex im Überfluss – doch wo bleibt die Lust?“ unter Moderation von Holger Noltze. Sehr offenherzig, sehr selbstkritisch („Eltern klären heute ihre Kinder nicht leichter auf, als früher, sie überlassen es jetzt der Pornografie.“) Positionen prallten ernsthaft aufeinander, zeigten aber auch eine enorme Gemeinsamkeit, wenn es etwa um Hilfen für Kinder ging. Bilder und Einspielungen waren nicht nötig, jeder wusste auch so, worüber diskutiert wurde. Wenn ich die Sendung erneut anschaue, bin ich erfreut, wie hilfreich sie für ganz unterschiedliche Zuschauergruppen war. Nur die Einschaltquote reichte natürlich nicht in die Nähe von ‚Eins gegen Eins‘. Ähnlich erging es mir bei zahlreichen anderen Diskussionsrunden im öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehen in Deutschland.

3 Die Selbstdarstellung von MAKE LOVE

Während im deutschen Privatfernsehen in puncto Sexualität und Pornografie bis an die Grenzen des gesetzlich gerade noch Zulässigen alles möglich geworden zu sein scheint, war einer der Begründungen für die Existenz von durch gesetzlich vorgegebene Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Sendern gerade, dass sie es so nicht nötig haben, durch den Bruch (fast) aller Schamgrenzen die Zuschauerquoten zu steigern. Mit Dokus rund um das Thema Sexualität wird dieser Unterschied meines Erachtens zunehmend geringer. Man verweist darauf, Sexualität würde hier eben seriöser behandelt, aber man macht sich doch alle Elemente von ‚Sex sells‘ zunutze.

Ich möchte mich hier auf das bedeutendste Beispiel, die ARD-Sendereihe ‚MAKE LOVE‘ (www.make-love.de) von MDR & SWR beschränken. Denn während die einen meinen, dass damit das niedrige Niveau des Privatfernsehens erreicht ist, argumentieren MDR & SWR selbst gerade umgekehrt: Für sie ist MAKE LOVE der Beweis, dass sie seriöse Dokumentationen erstellen und diese trotzdem hohe Zuschauerquoten erreichen. So sagt Wolf-Dieter Jacobi, Fernsehdirektor des MDR:

„Die Stärke der ‚MAKE LOVE‘-Doku-Reihe ist ihre Seriosität. Das haben die Menschen honoriert.“ 9

Doch wie konnte man das alles so kurz nach der Ausstrahlung wissen? Hat man das untersucht? Oder behauptet man das einfach? Oder anders gesagt: Was hat man unternommen, um herauszufinden, ob es um ‚Sex sells‘ oder wirklich um soziales Lernen geht? Vermutlich nichts. Dem MDR fehlt meines Erachtens auch nach vielen Folgen der Serie eine echte Selbstanalyse, geschweige denn eine unabhängige Begutachtung, es handelt sich hier eher um Eigenwerbung.

Schon der Medienrummel rund um die Serie spricht eine deutlich andere Sprache, etwa die massive Unterstützung durch die Berichterstattung der BILD-Zeitung. Praktisch überall wurde der Kitzel in den Mittepunkt gerückt, dass nun auch die ARD Paare live beim Sex zeigt. Ist es Zufall, dass in den Online- und Printmedien fast ausschließlich Fotos gezeigt werden, auf denen die Therapeutin neben der Matratze steht, auf dem das Modellpaar Stellungen zeigt? Ist das nicht der Kitzel: wissenschaftliche Kommentare, während andere es machen?

Hören wir weiter den Originalton der Selbstdarstellung:

„Das gemeinsame multimediale MDR/SWR-Aufklärungsformat ‚MAKE LOVE – Liebe machen kann man lernen‘ traf den Nerv der Menschen und erzielte zwischen dem 3. November und 4. Dezember 2013 eine überdurchschnittliche Resonanz bei Zuschauern, Hörern, Online-Nutzern, im Social Web und in den Medien. Auch nach dem gelungenen bundesweiten Auftakt … im MDR FERNSEHEN (3.11. / 1,05 Mio.) und im SWR Fernsehen (6.11. / 0,80 Mio.) vertrauten die Zuschauerinnen und Zuschauer weiterhin der Kompetenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks lebensnah-informativ, erfrischend-ehrlich und wissenschaftlich-fundiert an das Thema Sexualität heranzugehen. Insgesamt haben 3,66 Millionen Menschen bundesweit mindestens eine von fünf Folgen der im Vorfeld heiß diskutierten Dokumentation im MDR FERNSEHEN oder im SWR Fernsehen gesehen. Das ‚MAKE LOVE‘-Onlineangebot von MDR und SWR erreichte bisher über zwei Millionen Page Impressions. Die Einzelvideos des Webspecials www.make-love.de und die gesamten Folgen in den Mediatheken wurden bisher mehr als 3,5 Millionen Mal abgerufen. ‚Damit hat das Webspecial im Bereich der Dokuserie alle Rekorde gebrochen‘, erklärt Georg Maas, MDR-Hauptabteilungsleiter Telemedien.“10 „Mit durchschnittlich 10,8% Marktanteil für die Serie konnte das MDR FERNSEHEN seinen Marktanteil am Sonntagabend nach 22.00 Uhr im MDR-Sendegebiet verdoppeln und gehörte damit zu den drei anziehungsstärksten Angeboten des deutschen Fernsehmarktes auf diesem Sendeplatz. Auch das SWR Fernsehen konnte mit der neuen Sendereihe punkten. Im SWR-Sendegebiet wurden durchschnittlich 7,2 % Marktanteil erreicht; damit verbesserte sich die Sendeplatzbilanz ebenfalls deutlich.“11

Will man also den privaten Sendern völlig die „Kompetenz“ absprechen, „lebensnah-informativ, erfrischend-ehrlich und wissenschaftlich-fundiert an das Thema Sexualität heranzugehen“? Und „wissenschaftlich-fundiert“? Dazu hätte man beispielsweise 20 TherapeutInnen befragen sollen, was sie angesichts ähnlich gelagerter Situationen von den Ratschlägen in der Serie halten. Meine persönliche undokumentierte Blitzumfrage unter ebensolchen ergab spontan Antworten wie „viel zu glatt“, „viel zu sehr auf Mechanik konzentriert“, „handverlesen und deswegen realitätsfern“, „es wird immer nur eine Sichtwiese präsentiert“. Oder wie wäre es gewesen, wenn jeweils drei TherapeutInnen befragt worden wären, was sie denken. Es hätte bestimmt erhebliche Diskussionen gegeben und die Zuschauer hätten gelernt, wie schwierig guter Rat in Sachen Beziehung und Sexualität ist. So aber widerspricht der moderierenden Therapeutin niemand, sie hat immer das letzte, fast päpstliche Wort, wie es ist.

In der Schule untersuchte unsere Lehrerin mit uns, wie Johannes Mario Simmel in „Es muss nicht immer Kaviar sein“ seiner Zeit schlüpfrige Geschichten für Konservative schrieb. Aus dem Blickwinkel der Entrüstung konnten die Konservativen lesen, was sonst als Unterschichterotikroman galt. Die BILD-Zeitung hat meines Erachtens diese Form vollendet: Voller Entrüstung berichtete sie jüngst über einen Fall von Sex einer Oma mit ihrem Enkel und bedient damit diejenigen, die mit ruhigem Wissen eine Steigerung des noch-nie-Dagewesenen lesen wollen. Bei MAKE LOVE scheint mir das ganz ähnlich zu sein.

4 Soziales Lernen?

Es hat sich auch niemand darum gekümmert, ob es zu sozialem Lernen kam, also erhoben, welche Veränderungen solche Sendungen bewirken. Wohlgemerkt: Bei Millionen Zuschauern wird es immer viele geben, die im guten Sinne gelernt haben. Die Frage ist aber: Erklärt das die Zuschauerzahlen und unterscheidet sich dieser positive Erfolg nennenswert von Sendungen des Privatfernsehens? Sendungen rund um Sexualität im Privatfernsehen werden überwiegend nicht von Paaren gemeinsam geschaut. Ist MDR/SWR gelungen, diesen Trend zu ändern, so dass Paare hinterher gemeinsam über das Gesehene sprechen und auf ihre Probleme beziehen können?

Die Selbstdarstellung dazu lautet:

„Obwohl sich jeder mit Fragen der Sexualität und des Alltags in Paarbeziehungen sowie im Singledasein identifizieren kann, fällt Männern und Frauen das Sprechen über die natürlichste Sache der Welt noch immer schwer. Um dieses Schweigen zu brechen, wurde das multimediale Fernsehformat im Auftrag von MDR und SWR von der Gebrüder-Beetz-Filmproduktion mit der Paar- und Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning als Protagonistin zielgerichtet für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk produziert.“12 „Vor allem von 30- bis 40-Jährigen kamen sehr viele Fragen über Telefon, SMS oder Chat. SWR3-Moderatorin Regina Beck wurde jede Woche aufs Neue überrascht, wie groß das Bedürfnis ist, die eigenen Probleme in puncto Sex und Partnerschaft mit der Expertin zu besprechen.“13

Aber hilft es, im Fernsehen das Schweigen zu brechen dabei, die Probleme mit dem Partner zu besprechen? Und kann die Erfahrung durchbrochen werden, dass es leichter ist, allein mit Experten zu sprechen oder moderiert darüber zu sprechen, als völlig natürlich und normal im häuslichen und alltäglichen Umfeld? Warum sagt die Therapeutin eigentlich nie: „Das können sie nur selbst im Gespräch miteinander lösen.“ Den Paaren, die Probleme haben, über ihre gemeinsame Sexualität sinnvoll miteinander zu reden, fiel es immer schon leichter, über die sexuellen Probleme anderer zu sprechen, oder anderen dabei zuzuhören, wenn sie über ihre Probleme sprechen. Und den Eltern oder Erziehungsberechtigten, die Probleme damit haben, mit ihren Kindern über Sexualität zu sprechen, fiel es immer schon leichter, im Fernsehen anzuschauen, wie andere in künstlichen Situationen nachgestellt und geschauspielert mit Kindern und Jugendlichen reden.

5 Zwei Beispiele

Wählen wir ein Beispiel. Antje Hildebrandt schreibt in der WELT kritisch zum interviewten ‚Frances‘ in Folge 4 von MAKE LOVE:

„Lieber breitet er sein Problem in der Fernseh-Sprechstunde mit Ann-Marlene Henning aus. Das spricht zwar für die Sex-Therapeutin, aber gegen den Erfolg einer solchen Nachhilfe. Denn wie muss sich Frances’ Partnerin im Bett fühlen, wenn er zuvor einem Millionenpublikum anvertraut hat, worüber er nicht mal mit ihr spricht?“14

Als Reaktion werden Frances bessere Techniken angeboten, unter anderem für die Selbstbefriedigung, als wenn das irgendetwas mit der von ihm befürchteten Zurückweisung durch seine Partnerin zu tun hätte. Es wir ihm aber nicht erklärt, wie er mit seiner Partnerin darüber ins Gespräch kommen kann. Die psychologische Hilfe, die nötig wäre, wird ersetzt durch vermeintlich noch bessere Techniken. Damit wird aber der Erfolgsdruck noch mehr erhöht. Wählen wir ein weiteres Beispiel.

Nicola Erdmann schreibt zur 2. Folge der 2. Staffel – meines Erachtens treffend:

Der Optimierungswahn macht vor keinem Lebensbereich halt. Selbst wenn im Bett alles gut läuft, glauben Paare, es müsse noch viel besser sein. … Britta und Matthias sind seit etwa eineinhalb Jahren ein Paar, sie wirken ziemlich glücklich, eigentlich ist alles gut. Aber, natürlich, es gibt ein Aber, es gibt einen Bereich, den sie optimieren wollen, wo man etwas tun könnte – im Bett. Denn: ‚Wir landen meist in der gleichen Stellung‘, erzählt Britta, ‚von hinten‘. So käme er gut zum Orgasmus, sie auch, aber das ginge doch nicht, immer diese gleiche Stellung. Das ist, ganz knapp, ein Aspekt des ‚Problems‘ von Britta und Matthias … Ann-Marlene Henning nickt übrigens sehr verständig, als Britta ihre Sorgen schildert – hier muss geholfen werden. Dabei könnte man, ganz harmlos, auch denken: Beide mögen das, beide befriedigt das, ist es dann nicht einfach auch mal gut? Zumal das Thema der Sendung ‚Sex statt Porno‘ lautete und für einen entspannteren Umgang mit Sex sorgen sollte: Das, was man da sehen kann, ist nicht echt, macht nicht immer Spaß, geht auch ganz anders, so die Botschaft. Britta und Matthias aber sollen nun andere Stellungen ausprobieren, abseits von den Klassikern. Dazu sehen sie sich das Modellpaar im Video an, das vorführt, was man so machen kann. … Das könne weh tun, ‚ja, das ist unangenehm‘, bestätigt Britta, aber ausprobieren sollen sie es trotzdem. … Immer ‚weiter arbeiten‘ müsse man, erklärt die Therapeutin, gibt dem Paar Hausaufgaben. Das übrigens irgendwann berichtet, dass es nun weniger Sex habe – aber ganz bestimmt, weil sie das ja nun alles ‚intensiver‘ besprechen und erleben würden. Die Gespräche klingen wie Problembehandlungen kaputter Computer, wie Diskussionen wissenschaftlicher Theorien. Und alles, weil ein Paar glaubt, es müsse mehr tun, mehr ‚performen‘, aufregender lieben.“15

Oder anders gesagt, die genannte Folge hat den Druck, den sie vermeintlich abbauen will, nur einmal mehr verstärkt – und jetzt sagt es sogar noch die Therapeutin! Hätte die Therapeutin wirklich die Freiheit gehabt zu sagen: Orientieren sie sich nicht an den Bildern anderer, sondern an ihrem Spaß – und dann auf ihre Videos verzichten können, weil sie in dem Fall vermutlich dem interviewten Paar mehr schaden als nutzen?

6 Drei weitere Bemerkungen

Nun noch drei weitere Fragen bzw. Gedanken, die ich einfach hintereinander stelle:

  1. Ist dies Format vor allem so gewählt, weil es aufklärt? Das kann man einfach ausprobieren: Man ersetzte die gezeigten Stellungen durch anschauliche Strichzeichnungen oder animierte Darstellungen. Der Informationsgehalt ist der gleiche, Nachahmen wird nicht schwieriger, aber die Einschaltquote wird sinken. Selbst Paare im Bikini dürften der Einschaltquote abträglich sein.
  2. Der MDR behauptet, der Sex in MAKE LOVE sei „live“. Die Realität ist: Die Stellungsvideos werden jeweils vorab am Stück an einem Tag gedreht. Und dass es sich bei den Darstellern um Paare aus dem realen Leben handelt, gibt es in der Internetpornografie schon lange, viele selbst eingestellte Pornos sind sicher viel mehr ‚live‘, als eine mit großem Aufwand produzierte Fernsehserie. Zudem hat offensichtlich der Regisseur vor allem bestimmt, was gezeigt wird. Offensichtlich wurden auch Szenen mehrfach gedreht, dazu sind die Szenen zu perfekt und auf Minutenzeit gedreht.
  3. Mut? Dass Leute in der Sendung ihre Probleme offen schildern, wird immer wieder als ‚mutig‘ bezeichnet. Angesichts vieler Sendungen, in denen Menschen im Fernsehen über ihre Probleme jedweder Art sprechen, und dem Umstand, dass sie dafür Schlange stehen, erweist sich der ‚Mut‘ eher als eine Werbeaussage. Soziologisch scheint die Möglichkeit, im Fernsehen zu einem großen Publikum zu sprechen und ‚berühmt‘ zu werden, die Hemmung, bestimmte Dinge zu sagen, aufzuheben, den ‚Mut‘, dann auch privat darüber zu sprechen, steigert das nicht.

Fußnoten

1 Walter Wüllenweber. „Sexuelle Verwahrlosung: Voll Porno!“. stern.de vom 14.2.2007 aus Stern 6/2007 (abgerufen 11.10.2010).

2 Kurt Seikowski (Hg.). Sexualität und neue Medien. Lengerich: Pabst Science Publ., 2005, siehe darin bes. Nadine Van Ngoc, Kurt Seikowski. „Sexualität und Kriminalität im Internet“. S. 133-149.

3 Dennis Howitt, Kerry Sheldon. Sex Offenders and the Internet. New York: Wiley, 2007.

4 Dolf Zillmann. „Pornografie“. S. 566-585 in: Roland Mangold u. a. Lehrbuch der Medienpsychologie. Göttingen: Hogrefe, 2004. S. 585.

8 10.04.2011, 11:00 Uhr west.art Talk.

10 Ebd.

11 Ebd.

13 Ebd.

14 Antje Hildebrandt. „Was tun, wenn der da unten nicht will?“. WELT 24.11.2013.

15 Nicola Erdmann. „Beiden gefällt der Sex – sie brauchen Hilfe!“. WELT vom 22.11.2014.

Thomas Schirrmacher