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Helft Pastoren mit Problemen mit Internetpornografie
April 30, 2004 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Thomas Josiger schrieb in einem Presseartikel folgendes über meine Vorträge auf der ‚Synode’ des Mühlheimer Verbandes.
Der Mülheimer Verband setzt eine Anlaufstelle für Internetpornografie-gefährdete Pastoren ein
Die Bundesleitung des Mülheimer Verbandes Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV) beschloß auf ihrer Delegiertentagung im April in Mühlheim, seelsorgerliche Begleitung für Pastoren, die von Internetpornografie abhängig sind, anzubieten. Sie griff damit einen Vorschlag von Professor Thomas Schirrmacher (Bonn) auf, der Hauptreferent auf der Synode war. Der Theologe sagte unter Berufung auf Untersuchungen der amerikanischen Zeitschrift „Christianity today“ (Christsein heute) und eigener Erfahrungen, dass man davon ausgehen müsse, dass es auch unter vollzeitlichen Mitarbeitern in evangelikalen Werken und Gemeinden viele von Internetpornografie abhängige gebe. „Das Problem ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet und macht deswegen auch nicht vor Pastorenfamilien halt“, so der Ethiker. Das sei zwar tragisch, jedoch nicht hoffnungslos. Denn durch offene Aussprache und kompetente seelsorgerliche Begleitung sei schon vielen geholfen worden. Schirrmacher betonte, dass darum jede Kirche eine Anlaufstelle für Pastoren und Mitarbeiter für diese Problematik brauche. Dort müsse man sich offen aussprechen und einen Therapieweg finden können, ohne sofortige Maßnahmen seiner Kirchenleitung befürchten zu müssen. „In der eigenen Gemeinde findet man nur sehr schlecht einen Ansprechpartner, aber auch die Vorgesetzten sind meist wenig zum Gespräch geeignet und oft auch mit der Thematik überfordert.“ Ideal als Gesprächspartner seinen pensionierte Leiter der Kirche, die über viel Erfahrung verfügten, aber nicht mehr zu Disziplinarmassnahmen verpflichtet bzw. berechtigt seien.
Schirrmacher hat zusammen mit Christa Mewes das Buch ‚Ausverkaufte Würde’ verfasst, dass aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen das typische Suchtverhalten Pronografieabhängiger beschreibt. Eine umfangreichere Neufassung soll aufgrund eines längeren Forschungsprojekts von Schirrmacher in drei bis vier Jahren erscheinen.
Zu meinen Vorträgen zu ‚Grundlinien ethischer Entscheidungen für Mitarbeiter’ und ‚Die drei Seiten von Ethik und Seelsorge’ siehe das Sonderheft des Mühlheimer Verbandes: Download hier.
Weitere Informationen:
- Mühlheimer Verband
- Ethische Entscheidungen treffen
- Siehe auch auch das daraus entstandene Buch des MV
Diskussion mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime
April 7, 2004 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Radiodiskussion des Deutschlandradio Köln
Moderation: Bernd Kallina
Teilnehmer: Dr. Nadeem Elyas (Vorsitzender des Zentralrates der Muslime), Werner Höbsch (Leiter des Referats für interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln), Rolf Stolz (Terrorismusexperte), Prof. Dr. Thomas Schirrmacher (Geschäftsführer des Arbeitskreises für Religionsfreiheit der Deutschen Evangelischen Allianz)
Dazu gebe ich folgenden Ausschnitt aus einem Pressebericht von Thomas Josiger wieder:
Auf die Frage des Moderators an den Theologen und Soziologen Prof. Schirrmacher, ob er eine Neubelebung des Christentums in Deutschland angesichts der weltweiten Herausforderung des Islam sehe, äußerte Schirrmacher Zustimmung. Weltweit und auch in Deutschland sei zu beobachten, dass einerseits Christen aller Konfessionen begännen, aufgrund der islamischen Herausforderung sich wieder intensiver mit den Grundlagen und Inhalten ihres eigenen Glaubens zu beschäftigen. Aber auch säkulare Politiker, Journalisten und Mitbürger begännen wieder ganz neu danach zu fragen, welche christlichen Wurzeln das friedliche Zusammenleben in einer westlichen Demokratie habe. So erscheine die weltweite, völlig friedliche christliche Mission heute in der Öffentlichkeit in einem viel positiveren Licht als noch vor 5 Jahren.
Der Leiter des Referats für den interreligiösen Dialog des Erzbistums Köln, Werner Höbsch, stimmte mit Schirrmacher darin überein, dass friedliche Mission ohne Zwang sowohl ein zentraler Bestandteil der Religionsfreiheit sei, als auch des christlichen Glaubens sei. Zwar würde er lieber von Dialog gegenüber Muslimen sprechen. Dieser schließe aber unbedingt ein, Jesus als das Heil der Welt zu bezeugen. „Dieses Zeugnis darf im Gespräch mit Muslimen nie fehlen“, betonte Höbsch.
Als Dr. Nadeem Elyas, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime, betonte, dass in Deutschland aufgrund einer anderen Koranexegese in den Moscheen ein friedlicher Islam gelehrt würde, als in manchen anderen Ländern, der auch Toleranz einschließe, erbat Schirrmacher die Nennung von in Deutschland erschienen Schriften für Muslime, in denen ein solcher Islam gelehrt werde oder Nennung von Moscheen, in denen im Sinne von Elyas gepredigt würde. Laut Elyas sei beides derzeit noch ein Desiderat, aber der Zentrlarat der Muslime würde intensiv daran arbeiten.


Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, die weltweit etwa 300 Mio. evangelische Christen vertritt und Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo).