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Der Römerbrief
Die Entfremdung von der Wahrheit ist kein neues Phänomen. Schon der Prophet Jesaja warnt im 59. Kapitel vor „Bullshit“: Die Menschen brüten Lügenworte aus und reden bedenkenlos daher (Vers 13). Das „Recht ist zurückgewichen, und die Gerechtigkeit hat sich entfernt; denn die Wahrheit ist auf der Gasse zu Fall gekommen, und die Aufrichtigkeit findet keinen Eingang“ (Vers 14). Die „Wahrheit ist dahin“ (Vers 15). Im 1. Kapitel des Römerbriefes spricht der Apostel Paulus sogar davon, dass wir Menschen die Wahrheit Gottes niederdrücken und in Lüge verkehren. Gott missfällt das sehr und sucht nach Menschen, die diesem Trend entgegen treten (also gegen den Strom schwimmen). „Aber niemand ist auf dem Plan“ (Jesaja 59,15).
Nach dem Zeugnis der Bibel ist Gott selbst wahr (z. B. Jeremia 10, 10; Johannes 14,6 u. 1. Johannesbrief 5, 6. 20). Seine Wahrheit ist die Festigkeit und Verlässlichkeit, mit der er zu dem steht, was er tut und sagt. In Jesus Christus brachte er den Menschen Gnade und Wahrheit (vgl. Johannes 1,14–17). Wer sein Leben auf Gottes Wahrheit aufbaut, baut nicht auf Sand, sondern auf Fels und kann deshalb die Stürme des Lebens überstehen (vgl. Matthäus 7, 24–27). Wer auf Jesus Christus hört und ihm folgt, der „ist aus der Wahrheit“, (Johannes 18, 37). Weil die Wahrheit „Jesus“ ist (vgl. Johannes 14,6 u. Epheser 4, 21), gilt es, ihr zu gehorchen (Galater 5, 7). Das Annehmen und Bleiben in dieser Wahrheit führt in die Freiheit und zum Leben (Johannes 8, 31–32). Deshalb legen Christen die Lüge ab und reden die Wahrheit (Epheser 5,25).


Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Sprecher für Menschenrechte und Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, die weltweit etwa 600 Mio. evangelische Christen vertritt und Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo)