ArchivFamilie, Ehe & Sexualität
Totgesagte leben länger: Die traditionelle Familie stirbt noch lange nicht aus
November 7, 2011 by Schirrmacher · 1 Kommentar
„Die Traditionelle Familie stirbt aus“ titelte der Spiegel 2007 und in ähnlicher Form bis in die Gegenwart im Einklang mit zahllosen Zeitungen und Medien und das Jahr für Jahr – man gebe diese Überschrift nur einmal bei Google ein. Ja, der Spiegel ist sogar prophetisch begabt und verkündet: „Das Zusammenleben von Vater, Mutter und Kind wird zum Auslaufmodell“.
Doch solche Ankündigungen offenbaren mehr über das, was ihre Autoren gerne hätten, als dass sie Berichterstattung sind. Zu derselben Entwicklung titelt nämlich die WELT treffend: „Ehe mit Kindern bleibt aber wichtigstes Lebensmodell in Deutschland“ (Die Welt vom 23.7.2008).
Denn es ist es richtig, dass der Anteil der Kinder, die in Patchworkfamilien leben oder unverheiratete und alleinerziehende Eltern haben, zunimmt. Derzeit wächst etwa jedes vierte Kind in einer alternativen Lebensform auf, wie die neuesten Zahlen aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes in dessen Bericht „Wie leben Kinder in Deutschland“ ausweisen.
Aber angesichts des Umstandes, dass seit Jahrzehnten der Untergang der traditionellen Familie verkündet, ja oft sogar gefordert und gefördert wird, erweist sie sich als erstaunlich zählebig. Denn wer hätte gedacht, dass Jahrzehnte später immer noch 75% aller Kinder bei verheirateten Eltern aufwachsen? Und das soll ein Auslaufmodell sein? Bis diese Zahl unter 50% sinkt, also nicht mehr die Mehrheit stellt, dürfte noch viel Zeit vergehen. In den letzten 15 Jahren sank der Anteil insgesamt um 6%. Selbst einmal angenommen, das Tempo hält an, wonach es derzeit nicht aussieht, wären es immerhin noch 60 Jahre bis zu den 50%.
Davon, dass viele derjenigen, die in alternativen Familienmodellen leben, trotzdem die traditionelle Familie als Ideal sehen, einmal gar nicht zu sprechen. Viele alternative Familienformen entstehen ja nicht dadurch, dass jemand sie begeistert propagiert, sondern durch den ungewollten Zusammenbruch von Beziehungen, die man sich einmal anders vorgestellt hat. „Etwas ist schief gegangen: Moderne Familienformen sind meist nicht geplant, sondern das Ergebnis gescheiterter Beziehungen“, titelte der Focus einst (Belege siehe in meinem Buch ‚Der Segen von Ehe und Familie‘, 2006, S. 29-31, 34-37). Und eine Studie des Bundesfamilienministeriums vermeldete: „Nichteheliche Elternschaft als bewußt geplante ‚unbemannte Mutterschaft‘ ist eine Ausnahmeposition.“
Auch in ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung braucht sich die traditionelle Familie nicht zu verstecken. So heißt es etwa treffend: „Der Zerfall der Familie ist denn auch eine Hauptursache für die starke Zunahme der Kinderarmut in Deutschland.“
Der britische Premierminister David Cameron hat vor allem den Zusammenbruch der traditionellen Familie für die Unruhen in britischen Großstädten im August (2011) verantwortlich gemacht. Auffällig viele der Täter seien de iure oder de facto vaterlos aufgewachsen. Die häufige Armut der Kinder alleinerziehender Eltern sei auffällig. Sicher sind solche Aussagen am Ende zu pauschal und monokausal, aber die grundsätzliche Erkenntnis ist richtig, dass wir einen hohen Preis für die Zerstörung der Familie bezahlen.
Weiter das kinderärmste Land Europas!
November 4, 2011 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Vor etwas mehr als einem Jahr veröffentlichte ich meinen Blogeintrag „Deutschland, einer der ärmsten Staaten der Erde – Geburtenzahl sinkt dramatisch: Über das einzige Land der Erde, dass seit 30 Jahren eine Geburtenrate unter 1,4 hat, obwohl 2,08 nötig wären“ (http://www.thomasschirrmacher.info/archives/1547).
Die neuesten Zahlen aus dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes in dessen Bericht „Wie leben Kinder in Deutschland“ bestätigen dies, obwohl einige Medien schon die große Wende verkündigen, weil die Geburtenrate ganz leicht angestiegen ist und neuerdings die Geburtenrate in den neuen Bundesländern etwas höher als die in den alten Bundesländern ist. Das ist ja durchaus eine positive Entwicklung, hat sich damit doch die Geburtenrate in den neuen Bundesländern von einem weltweiten historischen Tiefpunkt nach der Wiedervereinigung praktisch verdoppelt. Das ändert aber nichts daran, dass die Zahl der unter 18jährigen in den neuen Bundesländern seit 1990 um 29 % (S. 8) gesunken ist (in den alten Bundesländern um 10%).
Der Anteil der unter 18jährigen in Deutschland liegt bei einmalig niedrigen 16,5 % (= 13,1 Mio.; 2000: 18,8% = 15,2 Mio., S. 7) und ohne die vielen Kinder mit Migrationshintergrund läge die Zahl noch niedriger! Selbst in den Nachbarländern liegt der Prozentsatz überall über 20%. Der Präsident des Statistischen Bundeslandes, Roderich Egeler, sprach deswegen zu recht vom „kinderärmsten Land Europas“. Das Bundesamt berechnet, dass im Jahr 2030 der Anteil auf 15% sinken wird, bis 2060 auf 14%.
Die Finanzkrisen haben unmittelbar einen verheerenden Effekt, der Effekt der Kinderarmut wird demgegenüber zwar schleichend kommen, aber noch schlimmer sein. Denn Kinder kann man nicht schnell irgendwo leihen und auf den Markt ‚schießen‘. Von dem Moment, da man versucht, eine neue Generation von Menschen zu gewinnen, gerne und mehr Kinder zu haben, bis zu dem Moment, an dem diese Kinder in den Arbeitsmarkt eintreten und mit ihrem individuellen Schaffen und Können die Kultur bereichern, vergehen nämlich Jahrzehnte.
Das Statistische Bundesamt sagt: „Kinder sind das Wertvollste einer Gesellschaft“ (Bericht S. 5; auch hier). Was aber tun, wenn das zwar einflusslose Statistiker so sehen, breite Teile der Medien und Politik sich aber in immer neuen familien- und kinderfeindlichen Forderungen überbieten und seit Jahrzehnten schlicht nichts dagegen unternehmen? Wenn das Bundesverfassungsgericht immer wieder neu entscheidet, dass in Deutschland Familien systematisch im großen Stil benachteiligt werden und bisher kein Urteil wirklich umgesetzt wurde?
Gute Berichte zum Kinderbericht des Statistischen Bundesamtes: WELT, Focus
Deutschland, einer der ärmsten Staaten der Erde – Geburtenzahl sinkt dramatisch
Juni 7, 2010 by Schirrmacher · 4 Kommentare
Über das einzige Land der Erde, dass seit 30 Jahren eine Geburtenrate unter 1,4 hat, obwohl 2,08 nötig wären.
Deutschland einer der ärmsten Staaten? War Deutschland nicht bis 2008 Exportweltmeister, 2009 knapp hinter China Vizeexportweltmeister? Findet sich in Deutschland nicht ein soziales Netz, das wohl nur noch von den skandinavischen Ländern übertroffen wird? Da soll Deutschland arm sein?
Der Heidelberger Finanz- und Steuerrechtler und ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Paul Kirchhof schrieb 2006 in ‚Das Gesetz der Hydra‘ (München: Droemer) über „Das Drama der sterbenden Gesellschaft“ (S. 173): „Deutschland ist einer der ärmsten Staaten dieser Erde“ (S. 173, siehe S. 173–175) und machte darauf aufmerksam, dass einer der reichsten Länder der Erde eines der „kinderärmsten“ sei und Kinderarmut langfristig in echte Armut führen werde.
Während das Nachbarland Frankreich eine Geburtenrate von 2,02 aufzuweisen hat, liegt Deutschland für 2009 bei 1,35, einem der niedrigsten Werte weltweit – und dass schließt ja bereits die kinderreichen Familien von Migranten mit deutschem Pass ein. (Die Geburtenrate ist hier Zahl der Geburten pro Frau. Um die Bevölkerungszahl in Deutschland stabil zu halten, wäre eine Geburtenrate von 2,08 nötig. Es gibt auch eine Geburtenrate als Lebendgeburten pro 1000 Einwohner, die Ergebnisse für einen Ländervergleich sind dieselben.)
Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat schon lange vorgerechnet, dass schon lange jede Kindergeneration kleiner ist, als die jeweils vorangegangene – gleich welche man miteinander vergleicht, und nennt deswegen „Deutschland – eines der kinderärmsten Länder“ (Sabine Sütterlin. „Deutschland – eines der kinderärmsten Länder“).
Der 56. FDP-Bundesparteitag fasste das am 7.5.2005 so zusammen: „Demografische Veränderungen haben einen langen Vorlauf. Seit Jahren gehen in Deutschland die Kinderzahlen zurück. Seit Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts ist jede Kindergeneration um ein Drittel kleiner als die ihrer Eltern. Dieser Rückgang ist aus zwei Gründen bisher kaum wahrgenommen worden: Die Lebenserwartung ist in den letzten 30 Jahren um ca. acht Lebensjahre angestiegen, und in Deutschland leben mittlerweile zwölf Millionen Aussiedler, Ausländer und eingebürgerte Migranten und Migrantinnen.“ (parteitag.ftp.de)
Selbst der Spiegel schreibt zu den allerneuesten Zahlen für 2009: „Geburtenzahl in Deutschland sinkt dramatisch“ (spiegel.de).
Das Statistische Bundesamt gibt in „Mikrozensus 2008 – Neue Daten zur Kinderlosigkeit in Deutschland“ an, dass 2008 21% der 40–44jährigen Frauen kinderlos waren – in höherem Alter danach erhöht sich die Rate der Mütter kaum noch. Die zehn Jahre älteren Jahrgänge (1944–1948) waren zu 16% kinderlos, die zwanzig Jahre älteren zu 12%. Für 2008 lag der Anteil der Kinderlosen unter den 40–44jährigen Frauen unter Akademikerinnen noch höher, als der Durchschnitt, nämlich bei 28% (destatis.de).
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes („Geburten in Deutschland“, 2007) lag die Geburtenrate mit 2,5 Anfang der 1960er Jahre am höchsten, Tiefpunkt war mit weniger als 1,3 die Mitte der 1980er Jahre. Bis 1990 stieg die Geburtenrate auf 1,5, seit 1998 sinkt sie wieder bis auf 1,3 im Jahr 2006. In diesem Jahr hatten sich auch die Geburtenrate in den alten und den neuen Bundesländern einander angeglichen.
Frauen mit Migrationshintergrund (ohne Eingebürgerte) hatten Anfang der 1990er Jahre eine Geburtenrate von 2,0, aber auch hier ist die Rate bereits auf 1,6 gesunken.
Deutschland, so das Statistische Bundesamt, hat zwar nicht die niedrigste Geburtenrate der Welt, da Italien, Griechenland und sieben osteuropäische Länder ein bisschen niedriger liegen, aber Deutschland verfügt doch über eine besorgniserregende Besonderheit, weil es als einziges Land der Erde bereits seit fast 30 Jahren eine Geburtenrate unter 1,4 hat.
Übrigens gilt eine geringere Kinderlosigkeit bei Frauen mit Migrationshintergrund nur, wenn sie selbst, nicht schon ihre Eltern zugewandert sind. Bei den in Deutschland geborenen Frauen mit Migrationshintergrund hat sich die Zahl der kinderlosen Frauen praktisch der der Frauen ohne Migrationshintergrund angepasst!
Damit mich keiner falsch versteht: Jeder Rassismus ist mir fern und dem ‚deutschen‘ Boden dürfte es ziemlich egal sein, welche Menschen auf ihm leben. Und wenn ein Teil der ‚Deutschen‘ eben nicht mehr für eine Zukunft mit Kindern leben will, dann werden eben andere Menschen den Platz ausfüllen.
Aber ich gebe Kirchhof recht: „Wir stehen vor der Frage, ob wir eine im Erwerbsleben stehende oder eine im Kind vitale Gesellschaft sein wollen“ (S. 194). Ersteres funktioniert nur einige Jahre lang, nie aber über längere Zeit. Deswegen gilt: „Familienpolitik ist die beste Wirtschaftspolitik“ (S. 194) und „Familienpolitik ist deswegen kein Gegensatz zur Wirtschaftspolitik, sondern deren Grundlage“ (S. 195).
In den USA werden vor allem Afroamerikaner abgetrieben
August 3, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Uwe Siemon-Netto. „Gift direkt ins Herz”. Rheinischer Merkur Nr. 19, 7.5.2009 schreibt:
Es mutet seltsam an, dass sich ausgerechnet der Afroamerikaner Barack Obama im Krieg der Kulturen auf die Seite von Leuten wie Tiller und Sebelius stellt. Abtreibung ist ein Genozid gegen Schwarze: Dieser Schriftzug auf einem Transparent vor der PP-Anlage in St. Louis war keine Übertreibung, sondern entspricht den Statistiken aller einschlägigen Institute. Schwarze machen nur 12,3 Prozent der amerikanischen Frauen aus, aber 37 Prozent aller im Mutterleib getöteten Babys sind schwarz; die Hälfte der Schwangerschaften schwarzer Frauen wird gewaltsam beendet. In manchen Schwarzenvierteln kommen auf jede Lebendgeburt drei abgetriebene Babys, sagt Pastor Clenard Childress, ein afroamerikanischer Pastor. Die Abtreibung ist der größte Killer in unserem Gemeinwesen. In Mülltonnen hinter einer Klinik in Südkalifornien wurden vor einigen Jahren 15000 tote Föten gefunden; 12000 davon waren schwarz. Zu den verwirrenden Fakten der amerikanischen Politik gehört es, dass die Schwarzen fast ausschließlich für die Demokraten stimmen, bei denen das Bekenntnis zum Recht auf Abtreibung zum unerschütterlichen Dogma geworden ist. 78 Prozent aller Planned-Parenthood-Kliniken, auch jene in St.Louis, sind in schwarzen Wohngegenden angesiedelt, und dies kommt nicht von ungefähr: Die Gründerin dieser Organisation war die Eugenikerin Margaret Sanger (1879–1966), die vor dem Ku-Klux-Klan zu sprechen pflegte und für eine rigide Politik der Sterilisation und Segregation schwacher Bevölkerungsteile eintrat, so der Schwarzen, der irischen Katholiken und der Armen.
Ginge es um eine andere Thematik als um Abtreibung, wäre das ein Skandal erster Güte. Europäische Medien würden den USA ihren unterschwelligen Rassismus vorhalten, Antidiskriminierungsprogramme würden gefordert und das Thema täglich diskutiert. Da aber eine breite Wiederbelebung der Abtreibungsdiskussion nicht gewünscht ist, wird auch das Los der schwarzen Bevölkerung nicht diskutiert.
Ähnliches gilt für die millionenfachen Geschlechterselektion durch Abtreibung überall dort, wo Jungen wesentlich mehr gelten, als Mädchen, etwa in China, Indien, der islamischen Welt, ja, auch zunehmend in aller Welt. Soeben hat die Nationale Sozial- und Gesundheitsbehörde Schwedens entschieden, dass Abtreibungen aufgrund des Geschlechts nicht verweigert werden dürfen. Eine Mutter hatte nach zwei Töchtern bereits zwei weitere Mädchen abgetrieben und wollte nun das dritte Mädchen abtreiben, da sie nur einen Jungen zur Welt bringen will. Ginge es nicht um Abtreibung, wäre das ein Skandal erster Ordnung und Frauenbeauftragte aus aller Welt würden protestieren.
57% der Amerikaner sind gegen die Homosexuellenehe
Juli 27, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Das kalifornische Verfassungsgericht hat bekanntlich am 26.5.2009 mit 6 zu 1 Stimmen entschieden, dass das Ergebnis der Volksabstimmung gegen die Homosexuellenehe, bekannt als ‚Proposition 8‘ („Only marriage between a man and a woman is valid or recognized in California“), verfassungsmäßig zustande gekommen ist und nicht verfassungswidrig ist. Damit ist die Homosexuellenehe in Kalifornien wieder abgeschafft, die durch Entscheid desselben Gerichtes zuvor eingeführt worden war. Das Gericht entschied weiter, dass die 18.000 bereits geschlossenen Ehen dieser Art Bestand haben.
Bei der Volksabstimmung am 4. November 2008 hatten 52,2% gegen die Homosexuellenehe, 47,8% dafür gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei erstaunlichen 79,4% der 17,3 Mio. eingetragenen Wähler in Kalifornien. Die 52% setzten sich aus Katholiken (vor allem Latinos), Mormonen, Evangelikalen, aber auch nicht religiös bedingten Wählern zusammen.
Am Tag der Gerichtsentscheidung befragte Gallup die Bevölkerung der USA repräsentativ. 57% sind gegen die Homosexuellenehe. Seit 2004 schwankt diese Zahl zwischen 53 und 59%. 1996 lag sie noch bei 68%. Die Zahl der Befürworter ist von 47% in 2007 auf 40% 2009 zurückgegangen. 1996 lag sie bei 27%.
Abgesehen von den Präsidentschaftswahlen war dies der teuerste Wahlkampf, der je in den USA stattfand. Die Befürworter des Verfassungszusatzes, dass eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden kann, nahmen 39,9 Mio. US$ Spenden ein, die Gegner noch mehr, nämlich 43,4 Mio. US$. Die 22 bisherigen Volksabstimmungen in Kalifornien hatten alle zusammen 31,4 Mio. US$ Spendeneinnahmen zu verzeichnen.
Dass sich der amerikanische Präsidentschaftskandidat John McCain und andere führende Republikaner für den Verfassungszusatz aussprachen, ist kaum verwunderlich, dass sich aber Barack Obama nicht für die Homosexuellenehe aussprach, erstaunlich. Doch Obama leitet aus seiner Befürwortung eines homosexuellen Lebensstil nicht ab, dass Homosexuelle auch eine Ehe schließen können sollten.
Bisweilen werden die Evangelikalen für die Ablehnung der Homosexuellenehe verantwortlich gemacht. Dazu ein paar Angaben: Hauptbefürworter des Verfassungszusatzes waren die Kalifornische Katholische Bischofskonferenz, die Mormonen, die Orthodoxen Kirchen, die Union of Orthodox Jewish Congregations of America und die Republikaner. Das evangelikale Element spielte eine untergeordnete Rolle, viele evangelikale Pastoren hatten sich dafür ausgesprochen, aber längst nicht alle.
Auf der Gegenseite standen vor allem die anglikanischen Bischöfe (‚Episcopal Church‘), die ‚Rabbis of California‘ und andere jüdische Gruppen, der ‚California Council of Churches‘ und die Unitarier. Zudem hatten sich alle großen Tageszeitungen Kaliforniens dafür ausgesprochen, was sowohl ihre Unausgewogenheit zeigt, als auch, dass die Medien oft zusammen weniger als die Hälfte der Bevölkerung repräsentieren und die Bevölkerung bisweilen erstaunlich resistent gegen den geballten Druck der Medien sein kann.
Gegen die Theorie eines evangelikalen Coups steht auch: 70% der Afroamerikaner stimmten für den Verfassungszusatz, darunter sicher auch Evangelikale, aber eben nicht die rechtskonservativen Evangelikalen, die man in der Regel meint. 53% der Latinos stimmten für den Zusatz. Von den Protestanten stimmten 65% dafür – diese Zahl ergäbe sich niemals nur aus den Evangelikalen, 64% der Katholiken. 56% aller Gewerkschaftsmitglieder stimmten dafür, wobei Evangelikale sich bei Gewerkschaften eher zurückhalten. Übrigens stimmten auch 2% der LSB (Schwulen, Lesben, Bisexuelle) für den Zusatz und gegen die Homosexuellenehe. Von den Gegnern George Bushs stimmten immerhin 40% für den Zusatz.
Noch eine Anmerkung: Die Drohungen und Schmierereien gegen Befürworter des Verfassungszusatzes zeugen von Problemen mit der Demokratie. Dass die Spendenlisten genutzt wurden, um Spender für die Proposition ausfindig zu machen und dann öffentlich zu brandmarken und zu bedrohen, ist ebenso verwerflich. Dass der Direktor des Los Angeles Film Festival und der Art Director des California Musical Theatre zurücktreten mussten, weil sie gespendet hatten, zeigt, dass man gar nicht gedenkt, demokratische Entscheidungen zu respektieren.
Alle Zahlen und Quellen finden sich in dem ausgezeichneten englischen Wikipediaeintrag.
Will OECD Mädchen zwingen wie Jungen zu sein?
Mai 28, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Die OECD hat wieder einmal festgestellt, dass Mädchen und Jungen in der Schule unterschiedlich sind und macht dafür wieder einmal die bösen Eltern und die Umwelt verantwortlich. Es muss doch irgendwie möglich sein zu erzwingen, dass Mädchen und Jungen gleich werden, selbst wenn die Mädchen das gar nicht wollen, oder?
Meine Frau und ich haben fast den gleichen Beruf, sie als Professorin für Islamwissenschaft, ich als Professor für Religionssoziologie und für Theologie. Wir haben uns gegenseitig immer gefördert und sind beruflich beide etwa auf demselben Niveau angekommen. Auf unterschiedlichem Wege sind wir auch unabhängig voneinander zu Sprechern der Weltweiten Evangelischen Allianz geworden, ich für Menschenrechte, sie für Fragen des Islam.
Dennoch sind unsere beiden Kinder zweierlei Geschlechts der perfekte Beweis für die Ergebnisse der neuen OECD-PISA-Ergebnisse. Mehr will ich nicht sagen, da das Privatleben meiner Kinder hier nicht her gehört. Nur, an den Eltern oder an unserer Förderung und Ermutigung liegt es bestimmt nicht, dass unsere Kinder so typisch männliche und weibliche Interessen entwickeln. Meine Mutter war Chemikerin bei den Behringwerken und an der Universität in Marburg, warum sollte also meine Tochter nicht ebenfalls zu so etwas tendieren? Von klein auf habe ich ihr naturwissenschaftliche Bücher geschenkt, um unsere Einseitigkeit bezüglich Sozialwissenschaften auszugleichen – scheinbar erfolglos.
Nur: Könnte der Aufschrei der OECD, dass selbst in den skandinavischen Ländern, die ‚Gender Mainstream‘ schon viel länger, viel intensiver und teils mit der Brechstange durchgeführt haben, Schülerinnen immer noch in anderen Fächern im Durchschnitt besser seien als Schüler, nicht eher Anzeichen für ideologische und damit unwissenschaftliche Reflexe sein?
Oder anders gesagt: Soll ich jetzt meine Tochter zwingen, statt ihre Lebensträume zu verwirklichen und ihre Gaben und Fähigkeiten umzusetzen, etwas anderes zu machen, damit die OECD und Politiker zufrieden sind?
Im übrigen weiß ich aus eigener Erfahrung, dass manche Lehrerinnen Jungen regelrecht verachten und in Mädchen ‚umstricken‘ wollen. Warum wird das angesichts der sich aufhäufenden Belege für die Benachteiligung von Jungen in unserem Schulsystem von der OECD nicht thematisiert? Warum gilt es nicht als Benachteiligung, dass fast nur noch Frauen Lehrer werden? Warum immer nur dieselbe Leier, als lebten wir noch in den 1960er Jahren? Ich bin ein moderner Vater (siehe mein Buch ‚Moderne Väter‘) und habe keine Lust, mich an althergebrachten Weisheiten zu messen, die unterschiedlichen Gewichtungen und Interessen von Jungen und Mädchen seien nur Folge gesellschaftlicher und elterlicher Borniertheit. Vor 40 Jahren konnte man das nicht widerlegen, heute aber durchaus.
Gott hat Mann und Frau gleichwertig, gleichberechtigt, aber nicht gleichartig erschaffen. Diese uralte Einsicht der ersten Kapitel der Bibel scheint mir realitätsnaher und revolutionärer zu sein, als die Forderungen fundamentalistischer Strömungen in vielen Religionen einerseits, aber auch als der im wissenschaftlichen Gewand daherkommende Fundamentalismus des Gender Mainstream: Was nicht sein darf, das nicht sein kann.
Ich stimme dem folgenden Kommentar von Dorothea Siems voll und ganz zu:
Dorothea Siems. „Es lebe der Unterschied“. Die WELT vom 27.5.2009, S. 1:
„Der Aufschrei ist so laut wie erwartbar. Der Pisa-Bericht zu den Unterschieden von Jungen und Mädchen beim Bildungserfolg belegt das, was Lehrer und Eltern tagtäglich beobachten: Den Buben fällt das Rechnen leichter, die Mädels lesen besser. Für Gleichstellungspolitiker ist dieses Ergebnis ein Skandal. Schließlich verkünden sie uns seit Jahren die Botschaft, Rollenbilder seien lediglich antrainiert und ein Ergebnis von Erziehung und gesellschaftlichem Druck. Interessanterweise stehen auch die Vorreiter des Gender Mainstreaming, der Einebnung aller Geschlechterunterschiede, im Norden Europas nicht anders da als wir. Auch in Ländern wie Schweden oder Norwegen studieren die Frauen lieber Soziologie als Physik und werden lieber Krankenschwester als Fliesenlegerin.
Die OECD-Experten selbst weisen darauf hin, dass unabhängig von den jeweiligen Fähigkeiten die Jungen und Mädchen unterschiedliche Interessen haben: Frauen neigen dazu, einen Beruf zu wählen, bei dem sie es mit Menschen zu tun haben; Jungen sind dagegen an Fakten und Technik interessierter. Dass die männlichen Schüler heute häufiger in unserem Bildungssystem durch den Rost fallen, hängt offenbar auch damit zusammen, dass die Stärken der Jungen zu wenig im Vordergrund stehen. … Die Stärke der Männer liegt im Umgang mit Computern und technischen oder mathematischen Jobs. Ginge es nur nach der Neigung der Mädchen, könnten die Jungen diese Bastionen ruhig behalten. Der Zeitgeist aber will, dass die Frauen auf allen Feldern gleichziehen.
Bis zu einem gewissen Maße werden sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede verringern lassen. Schließlich haben die Mädchen in früheren Männerdomänen wie Medizin längst aufgeholt. Doch bedeutet Emanzipation nicht, dass die Frauen wie Männer werden sollten oder umgekehrt. Als Neutrum wäre der Mensch mit Sicherheit nicht glücklicher.“
Moderne Väter
Februar 28, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Die weltweite Vaterforschung beweist: Kinder verändern Männer zum Guten. Auch die besten Mütter können Väter nicht ersetzen. Väter prägen das Gottesbild ihrer Kinder und ihr gesamtes Leben. Doch wie wird man ein guter Vater? Was haben Männer Kindern zu geben, was Kinder Männern?
Bildungspflicht statt Schulzwang
Februar 27, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Die bisher umfangreichste Zusammenstellung in deutscher Sprache von Literatur und Daten zur Lage des sog. Homeschooling (home education, Hausschule, Schule zu Hause) weltweit und in Deutschland. Es handelt sich um den Vorabdruck eines Kapitels aus dem Buch Volker Ladenthin, Ralph Fischer (Hg.). Vom Hauslehrer zum Homeschooling. Ergon Verlag: Würzburg, 2005.
Spektakuläre Polizeiaktionen, bei denen Eltern, die ihre Kinder nicht auf allgemeine Schulen schicken wollen, verhaftet werden, lenken immer wieder die Aufmerksamkeit auf den Hausunterricht. Thomas Schirrmacher beleuchtet den pädagogischen Wert der Hausschule als einen möglichen Weg, Kindern die für ihr Leben notwendige Bildung zu vermitteln. Weiterhin setzt er sich mit der Frage auseinander, wie der Staat auf Hausschulen reagieren sollte, unabhängig davon, ob sie nun eine sinnvolle Alternative sein können oder nicht.
Familienplanung
Februar 25, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Kinder sind ein Segen Gottes und eine kinderfeindliche Gesellschaft ist eine menschenfeindliche Gesellschaft. Gerade in Deutschland müssen Menschen, ja auch die Christen unter ihnen, ermutigt werden, nicht nur in Ausbildung, Häuser oder Altersversorgung zu investieren, sondern auch in Ehe, Familie und Kinder. Da schiene es am einfachsten, Christen würden jede Form von Empfängnisverhütung und Familienplanung ablehnen. Doch alle christlichen Konfessionen gehen davon aus, dass Kinderfreundlichkeit und Kinderwunsch mit verantwortungsvoller Planung der Familienerweiterung vereinbar sind. Umstritten ist lediglich, welche Methoden dabei zulässig sind. Dieser Frage will die vorliegende Aufsatzsammlung nachgehen.
Der Segen von Ehe und Familie
Februar 25, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
“Sie wollen alt werden? Sie wollen lange gesund bleiben? Sie wünschen sich ein erfülltes Sexualleben? Sie möchten glücklich sein? Dann folgen Sie modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen – und heiraten Sie! Denn damit steigen Ihre Chancen rapide, daß Sie das Ersehnte finden. Das jedenfalls hat ein Bonner Theologe herausgefunden” (Marcus Mockler).
In vielen Bereichen war man vor einem Vierteljahrhundert nur auf Vermutungen angewiesen, welche Folgen die grundlegenden Änderungen des Ehe-und Familienrechts, des Sexualstrafrechts und derGesetzgebungzu Pornographie und Abtreibung haben würde. Dies galt für Befürworter, die die Zukunft ausschließlich rosig sahen, genauso wie für Warner, die zwar später in ihren dunklen Prognosen Recht behielten, dies damals aber nicht im Detail belegen konnten.
Heute, über ein Vierteljahrhundert später, sind die Folgen in vielen Details wissenschaftlich untersucht und belegt, ohne daß die Öffentlichkeit davon wirklich Kenntnis bekommt, da die Massenmedien nur ungern darüber berichten und zum Teil von der sexuellen Freizügigkeit und dem andauernden Verfall der Familie zu sehr profitieren, als daß sie an einem Kurswechsel Interesse hätten.
Die vorliegende Dokumentation will einen ersten, allgemeinverständlichen Einblick in zahlreiche dieser Untersuchungen geben und damit Mut machen, daß sich die Investition in Ehe und Kinder weit mehr lohnt als alles andere.




Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Sprecher für Menschenrechte und Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, die weltweit etwa 600 Mio. evangelische Christen vertritt und Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo)