ArchivReligion & Staat
Einschränkung der Kirchen auf leisen Sohlen?
September 26, 2010 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Ein Auszug daraus erschien in der Evangelischen Zeitung
Gemessen an der Lage eines Großteil der Weltchristenheit in Ländern ohne wirkliche Religionsfreiheit ist es vermessen, in den westlichen Demokratien von der Gefahr der Christenverfolgung zu sprechen. Christen in China oder gar Iran können nur den Kopf schütteln, wenn bei uns vorschnell von Verfolgung gesprochen wird, da sie sehen, welche Freiheiten Christen bei uns haben, wie der Rechtsstaat funktioniert und von Christen in Anspruch genommen werden kann und welche Möglichkeiten Christen haben, sich über eigene und andere Medien breites Gehör zu verschaffen.
Das darf aber nicht dazu führen, dass man sich nicht mit drohenden Gefahren für die Religionsfreiheit auch bei uns auseinandersetzt. Dabei muss man nüchtern sehen: Wenn es innerhalb der EU oder überhaupt innerhalb der westlichen Wertegemeinschaft zu einer Bedrückung von Kirchen und Religionsgemeinschaften kommt, dann sicher nicht auf dem plumpen Weg der Gewalt, sondern auf dem sanften Weg des Gesetzes und auf dem Weg der verzerrten Darstellung in den Medien. Gegen letztere kann man sich dabei durch Aufklärungsarbeit wehren, gegen das Gewaltmonopol des Rechtsstaates ist dagegen nur wenig auszurichten, wenn nicht zuständige höchste Gerichte selbst ungerechte Gesetze eingrenzen.
18 Menschenrechtsorganisationen und religiöse Verbände wie die Katholische Bischofskonferenz und der Amerikanisch-Islamische Kongress, sowie die Generalstaatsanwälte von 13 amerikanischen Bundesstaaten haben gerade eine gemeinsame Eingabe beim Supreme Court der USA gemacht, dass das Recht religiöser Gemeinschaften, selbst über ihre Mitgliedschaft entscheiden zu können, unbedingt geschützt werden müsse. Anlass ist ein Rechtsstreit um eine christliche Studentenorganisation, die eine juristische Fakultät nicht zugelassen hatte, weil sie dadurch, dass ihr nur Christen angehören könnten, andere Menschen diskriminiere. In den USA ist eine massive Auseinandersetzung darüber entbrannt, inwieweit neuere Gesetze im Interessenkonflikt zwischen Religionsfreiheit und anderen Werten die Religionsfreiheit weit stärker einschränken dürfen, als es bisher üblich war.
Und tatsächlich haben die zunehmenden Antidiskriminierungsbestimmungen, so begrüßenswert sie in manchen Bereichen sind, zwei Folgen, die die Kirchen betreffen, auch im Bereich der EU.
Zum einen geht es beim Arbeitsrecht darum, inwiefern die Religionsgemeinschaften noch selbst entscheiden können, wer für sie arbeitet und wer sie repräsentiert. Deutschland hat sich entschieden, den diesbezüglich Ausnahmetatbestand für religiöse Organisationen der EU-Antidiskrimierungsrichtlinie sehr großzügig auszulegen, warum uns bisher Urteile gegen Religionsgemeinschaften erspart blieben – die dazugehörigen Rechtsstreitigkeiten gab es bereits gelegentlich. Großbritannien etwa ist den umgekehrten Weg gegangen und hat den Ausnahmetatsbestand noch weiter eingeschränkt. Katholische Adoptionsstellen mußten im Dutzend geschlossen werden, weil sie keine Kinder an homosexuelle Paare vermitteln wollen, obwohl diese Paare doch eigentlich genügend andere Vermittlungsstellen finden. Die EU-Kommission ringt derzeit um weitere Antidiskriminierungsrichtlinien, der Ausnahmetatbestand für religiöse Organisationen steht dabei zur Disposition.
Zum anderen geht es darum, inwiefern Religionsgemeinschaften ihre Sicht weiterhin öffentlich vertreten können, oder inwieweit in ihren ethischen Positionen oder in ihrer Abgrenzung von anderen Religionen oder etwa Sekten Hassrede gegen andere gesehen wird. Auch hier hat Deutschland sehr zurückhaltend reagiert. Großbritannien dagegen ist so weit vorgeprescht, dass bereits zweimal harmlose anglikanische Bischöfe in das Räderwerk der Justiz gerieten, weil sie sich in Predigten zu ethischen Fragen geäußert haben. Der eine wurde freigesprochen, der andere zu einer Geldstrafe und einem Antidiskriminierungskurs verurteilt. Die Gesetze gegen Hassrede, so moralisch wünschenswert es ist, dass Menschen einander nicht hassen, sind aber meist Gummiparagraphen, die die Meinungsfreiheiten immer weiter einschränken.
Türken: EU will das Christentum in der Türkei verbreiten
Juni 2, 2009 by Schirrmacher · 1 Kommentar
Laut der Tageszeitung Die Welt hat eine vom britischen Außenministerium finanzierte und von der privaten Bahcesehir-Universität in Istanbul durchgeführte Umfrage ergeben, dass 57% der Türken einen Beitritt der Türkei zur EU befürworten. Allerdings meinen 71%, das oberste Ziel der EU sei es, dass Christentum – auch in der Türkei – zu verbreiten, ein typisches Beispiel, dass die Angst vor „Mission“ in der Türkei nicht auf Fakten, sondern auf Desinformation und Verschwörungstheorien beruht. Nicht nur, dass es aus christlicher Sicht sowieso nicht Aufgabe des Staates oder der EU sein könnte, zu missionieren, sondern man muss geradezu schmunzeln, dass ausgerechnet die EU, nicht etwa der Vatikan, der Missionsgrossstrategie verdächtigt wird.
Befragt, wen sie gerne als Nachbarn hätten und wen nicht, gaben 52% keine christlichen Nachbarn, 64% keine jüdischen Nachbarn und 66% keine Atheisten als Nachbarn. Auch wenn dass natürlich schade ist und erfreulicherweise für die meisten in Deutschland lebenden Türken nicht gilt, müßte sich die ablehnung des Atheismus doch eher gegen die EU richten.
Die Türken werden sich nach einem Beitritt zur EU noch wundern, dass die EU nicht das Christentum verbreiten will, sondern den Atheismus, oder zumindest typisch christliche Positionen in Ethik oder Pädagogik scharf bekämpft.
Quellen: www.welt.de und www.welt.de.
Marburg: Christus als gekreuzigtes Schwein
Mai 19, 2009 by Schirrmacher · 2 Kommentare
In verschiedenen Veröffentlichungen der letzten Zeit habe ich betont, dass die zunehmenden Angriffe auf Evangelikale letztlich alle Christen meinen und nur ein Schulterschluss aller Christen verhindern kann, dass christliche Werte und Inhalte Freiwild in Deutschland werden.
Der Protest gegen einen evangelikalen Psychologenkongress in Marburg beweist von Tag zu Tag mehr nicht nur, dass hier zu Schmierereien und gewaltsamen Behinderungen bereite Extremisten am Werk sind, sondern auch, dass der christliche Glaube, ja Jesus Christus selbst gemeint sind.
Die gotteslästerliche Darstellung an einer Eingangstür der Universität zeigt jetzt Jesus als gekreuzigtes Schwein. Hier geht es nicht mehr um vermeintliche Menschenrechte oder um Sexualethik, hier geht es für Christen um alles oder nichts.
Und den Journalisten, die derzeit in Buch (‚Mission Gottesreich‘), Zeitung (‚Q-Rage‘) und allerlei Medien gegen die Evangelikalen zu Felde ziehen: Werdet ihr die Geister wirklich wieder los, die ihr da ruft? Und wann distanziert ihr euch von den Schmiereien, Spöttereien und Androhungen von gewaltsamen Behinderungen?
Mit „Q-rage“ gegen Rassismus? (kurz)
Mai 11, 2009 by thomas · Schreiben Sie einen Kommentar
Hinweis: Liegt nur als pdf-Datei vor.


Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Sprecher für Menschenrechte und Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, die weltweit etwa 600 Mio. evangelische Christen vertritt und Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo)