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Im Bundestag; Religionsfreiheit und die Rolle der Medien
Oktober 28, 2010 by Schirrmacher · 4 Kommentare
In meiner gestrigen Aussage als Sachverständiger im Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages wurde besonders meine Aussage zur Rolle der Medien diskutiert. Ich drucke hierzu vorab den Abschnitt aus meinem Gutachten ab. Das umfangreiche Gutachten wird zusammen mit allen Aussagen und dem Sitzungsprotokoll noch im November vom Bundestag veröffentlicht werden.
Hier einige erste Berichte:
- Pressemeldung Bundestag: www.bundestag.de
- PRO: www.pro-medienmagazin.de
- Humanistitischer Pressedienst: hpd.de
- Baha’i: iran.bahai.de
„Viel zu wenig berücksichtigt wird meines Erachtens, dass es vor allem die Medien im weiten Sinne sind, die darüber bestimmen werden, ob die Diskussion über die Integration islamischer Glaubensgemeinschaften in Europa zu einem sinnvollen Ergebnis führt oder nicht. Dies hat die Mediendiskussion rund um das Buch von Thilo Sarrazin oder einen Satz in der Rede des Bundespräsidenten gerade eben wieder bewiesen.
Ein Beispiel ist die Rolle der internationalen (auch der deutschen) Medien im Umgang mit einem verrücken und isolierten Prediger in den USA, der die Verbrennung eines Korans ankündigte, in einer Welt von 2,5 Milliarden Muslimen und Christen aller Schattierungen ein völlig bedeutungsloser Vorgang, wären denn da nicht die Medien. Man wollte unbedingt endlich die friedlichen Evangelikalen im Kulturkrieg mit den Muslimen sehen – Fundamentalisten gegen Fundamentalisten, da waren die Einschaltquoten sicher. (Mein Kronzeuge ist dabei ein tiefschürfender Kommentar des ‚Spiegels‘ im Rückblick.) Schnell rechnete man Gewalttaten von Muslimen in Afghanistan und anderen Ländern daz. Ob die wirklich im Zusammenhang mit der angekündigten Koranverbrennung standen, konnte so schnell sicher niemand prüfen, aber für die Medien stand es fest. Dass man dabei tatsächlich die Gefahr von Mord und Totschlag in Kauf nahm, interessierte nicht. Die 420 Mio. Mitglieder starke Weltweite Evangelische Allianz hatte sich dagegen längst empört und lautstark gegen die Koranverbrennung gewandt (und diese übrigens auch konkret verhindert). Und keiner von ihnen verbrannte einen Koran. (Dass zeitgleich ständig weltweit Bibeln und Kirchen, ja bisweilen sogar Christen, oder im Iran Baha’ischriften und in Indien Korane verbrannt werden, war bisher übrigens kaum einer Medienanstalt eine Meldung wert.)
So tragen die Medien nicht zum sozialen Frieden zwischen Religionen bei, sondern für den billigen Effekt der Einschaltquoten und Leserzahlen zur emotionalen Aufladung zwischen religiösen Gruppen. Die Rolle der Medien in Belgien oder orthodoxen Ländern oder der Türkei liefert viele Beispiele, dass die Medien gerne Religionskonflikte anheizen oder ausnutzen, um dann hinterher den moralischen Richter zu geben.
Die Medien werden eine wesentliche Rolle dabei spielen, ob religiöse Spannungen zwischen großen Religionen oder gegenüber religiösen Minderheiten zunehmen oder abnehmen. Denn Übergriffe gegenüber anderen Religionen setzen oft voraus, dass zuvor böswillig Falschdarstellungen oder Verallgemeinerungen (‚Juso biss wehrloses Kind‘) verbreitet werden und die Menschen sich an Pauschalierungen gewöhnen und die enorm differenzierte und aufgefächerte Welt des Islam (oder der Evangelikalen) allesamt in einen Topf werfen und auf handliche Stammtischnenner bringen. Hier sollte gerade Deutschland die Geschichte der Judenhetze studieren, die der Judenvernichtung voranging.
Wer die Evangelikalen als gewalttätig, die Yezidis als „Teufelsanbeter“, katholische Geistliche als Kinderschänder aufgrund des Zölibats und Muslime als zur ‚Lüge‘ gegenüber Ungläubigen berechtigt darstellt oder jedes Mal, wenn das Wort Islam im Fernsehen fällt, Bilder vom 11.9.2001 zeigt, und beim Wort ‚Evangelikale‘ ein Bild von George Bush einblendet und den Irakkrieg zeigt, bereitet religiöse Gruppierungen zum ‚Abschuss‘ vor, indem er durch ständige Wiederholung die Bevölkerung gegen sie einnimmt.“
Kirchen planen Verhaltenskodex für christliche Missionare
Oktober 23, 2010 by Schirrmacher · 1 Kommentar
Hier eine Pressemeldung von epd (Evangelischer Pressedienst) aus Kapstadt:
Lausanne: Kirchen planen Verhaltenskodex für christliche Missionare
Die großen christlichen Konfessionen wollen Anfang 2011 einen Verhaltenskodex für christliche Missionare verabschieden.Damit solle gezeigt werden, dass Christentum nichts mit körperlicher oder seelischer Gewalt zu tun habe, sagte der Direktor des Instituts für Religionsfreiheit der weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher (Bonn), am Mittwochabend auf der 3. Internationalen Lausanner Kongress für Weltevangelisation in Kapstadt.
Der Ethikkodex spreche sich für Mission aus, verdamme jedoch alle unmoralischen Formen wie psychologischen Druck oder materielle Anreize für Menschen, die ihre Religion wechseln wollen, fügte der Religionswissenschaftler Schirrmacher hinzu, der auch Sprecher für Menschenrechte der Evangelischen Allianz sowie Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit ist.
Das Dokument soll den Angaben zufolge vom Vatikan, dem Ökumenischen Rat der Kirchen sowie der Evangelischen Allianz verabschiedet werden. Die Evangelische Allianz ist nach eigenen Angaben Plattform für weltweit mehr als 400 Millionen theologisch-konservativer Christen aus mehr als 120 Ländern. Der Weltkirchenrat, ein Zusammenschluss von protestantischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen, repräsentiert mehr als 500 Millionen Christen. Der Vatikan vertritt mehr als eine Milliarde Menschen. Alle drei Organisationen vertreten zusammen 97 Prozent aller Christen.
Über einen Verhaltenskodex für religiöse Bekehrung wird seit einigen Jahren beraten, auch unter Beteilung der römisch-katholischen Kirche. Bekehrungen sorgen nicht nur für Kontroversen zwischen den Religionen, sondern auch für innerchristliche Spannungen. Ursprünglich war geplant, den Verhaltenskodex in diesem Jahr zu vereinbaren.
Auch Peter Beyerhaus, emeritierter Professor für Missiologie an der Universität in Tübingen, unterstützt einen Ethikkodex für Missionare. Die Mission habe in der Öffentlichkeit oft einen schlechten Ruf, sagte er dem epd in Kapstadt. Nur wenn man genau definiere, wo die Freiheit und die Grenzen der Mission liegen, könne diesen Vorwürfen entgegengetreten werden.
Mehr als 4.000 evangelikale Führungskräfte und Missionsexperten aus 190 Nationen treffen sich bis zum 24. Oktober beim 3. Internationalen Lausanner Kongress für Weltevangelisation in Kapstadt. Christen aus aller Welt diskutieren dort über die Zukunft der Kirchen und Möglichkeiten der Mission.
27.10.2010, 17:00: Sachverständiger im Menschenrechtsausschuss des Bundestages
Oktober 20, 2010 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Öffentliche Anhörung „Religionsfreiheit und europäische Identität“, Fraktionssaal der SPD (RTG 3S001) de Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe sechs Sachverständigen zu einem 14teiligen Fragenkatalog.
Nähere Information hier (Download bei mir selbst) und hier.
Kultur und Politik der Versöhnung
Oktober 18, 2010 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Auch wenn man sicher als Christ zwischen der tatsächlichen geschehenden Versöhnung für glaubende Christen und dem allgemeinen Versöhnungsaufruf an jedermann unterscheiden muss, so prägt doch eine christliche Kultur auch diejenigen in Richtung Versöhnung, die sie selbst nicht glaubend oder religiös in Anspruch nehmen.
Ebenso gilt: Auch wenn man zwischen Kirche und Staat unterscheiden muß und man zwischen der Versöhnung und Vergebung, die die Kirche verkündigt und praktiziert und der Bedeutung der Versöhnung für den Staat, der irdische Gerechtigkeit aufrichten soll, unterscheiden muß, gilt doch: Christliche Kulturen sind von dem Versöhnungs- und Vergebungskonzept auf allen Ebenen der Gesellschaft geprägt (Eltern und Kinder, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Völker untereinander), auch wenn dies oft nur noch säkular vollzogen wird.
Die aufs Ganze gesehen erfolgreiche Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach zwei Weltkriegen war zwischen zwei christlichen Völkern möglich, auch wenn sie wirksame Hilfsmittel wie den gigantischen Schüleraustausch der Nachriegsjahre zu Hilfe nahm. (Sie war aber nicht zwingend, wie Nordirland leider lange bewies und Belgien von Tag zu Tag mehr beweist). Es war kein Wunder, dass das Symbol der Versöhnung zwischen Adenauer und De Gaulle ein Gottesdienst in der Kathedrale von Reims am 8.7.1962 war (leider kann ich das Foto hier nicht einstellen, siehe also hier).
Wo dagegen dieser kulturelle Hintergrund fehlt, ist eine Versöhnung viel schwieriger. So ist eine entsprechende grundlegende Versöhnung zwischen Juden und Palästinensern aufgrund der anderen religiösen Hintergründe kaum zu erwarten, so dass wohl bestenfalls ein Waffenstillstand wie zwischen Israel und Ägypten in Aussicht stehen kann.
Das Christentum
Oktober 5, 2010 by Schirrmacher · 1 Kommentar
Das Christentum ist die auf Jesus (ca. 7/4 v. Chr.–30 n. Chr.) zurückgehende und nach dessen Ehrentitel Christus (griech: der Gesalbte, hebr. Messias) benannte Religion, deren Anhänger schon im N.T. ‚Christen’ und seit Bischof Ignatius von Antiochien (†107/117) als ‚Christentum’ (griech. christianismos) bezeichnet wurden. Wegen seiner Herkunft aus dem Judentum gehört das Christentum ursprünglich zu den vorderasiatischen Religionen.
Das Christentum ist mit 2,1 Milliarden Anhängern (1/3 der Weltbevölkerung) und aufgrund seiner geographischen Verbreitung noch weit vor dem Islam die größte Religion der Welt und wird dies wohl auch auf lange Zeit bleiben. Denn während in Europa die Zahl der Mitglieder der ehemaligen Staatskirchen sinkt, nimmt selbst dort die Zahl der Mitglieder kleinerer Kirchen, insbesondere die Zahl evangelikaler, charismatischer und fundamentalistischer Gruppen stark zu und wächst die Zahl der Christen in Afrika und Asien wesentlich schneller als die Weltbevölkerung.
Das Christentum ist in 223 Ländern der Erde verbreitet, darunter als Mehrheitsreligion mit über 50% Anteil an der Bevölkerung in 138 Staaten. Das Christentum war lange in der einen oder anderen Form Staatsreligion oder Volksreligion in fast allen westlichen Staaten und ist heute noch Staatskirche in der evangelisch-lutherischen Form in Finnland und Norwegen, in seiner anglikanischen Form in Großbritannien und in seiner katholischen Form in Bolivien, Kolumbien, Paraguay, Monaco und der Vatikanstadt.
Das Christentum ist zugleich neben dem Islam die Religion, die in Geschichte und Gegenwart weltweit den größten Einfluß und die meisten – positiven wie negativen – Folgen hatte und hat. Seine Geschichte ist mit fast allen Höhepunkten und Tiefpunkten der Weltgeschichte eng verwoben.
Das Christentum ist auch in seiner Spiritualität und seinem missionarischen Eifer ungebrochen. Täglich werden schätzungsweise 122.000 Menschen getauft, und während etwa der Islam sein Wachstum vor allem dem Geburtenzuwachs zu verdanken hat, gehen rund die Hälfte der Taufen auf Überzeugungs- und Missionsarbeit zurück. Seine heilige Schrift, die Bibel, ist das mit Abstand am meisten gedruckte Buch der Geschichte (jährlich werden 61 Mio. Bibeln, 122 Mio. N.T., 4,5 Milliarden Bibelteile verbreitet) und kein Buch wurde und wird auch nur annähernd so viel übersetzt (vollständig übersetzt in 1.943 Sprachen, nur das N.T. zusätzlich in 2.897 Sprachen, Teile der Bibel in 2.063 Sprachen, Übersetzungen in Arbeit in 1.355 Sprachen), ja Hunderte von Sprachen liegen nur wegen einer Bibelübersetzung in Schriftform vor und blieben deswegen erhalten.
Das Christentum ist einerseits von einer unglaublichen Vielfalt an geschichtlichen, geographischen und kulturellen Erscheinungsformen bestimmt und insbesondere die Vielfalt im protestantischen Bereich bringt fast täglich neue Ableger hervor. Gleichzeitig ist aber die katholische Kirche mit dem Papst an der Spitze nicht nur die mit 1,1 Milliarde Mitgliedern mit Abstand größte Organisation in Geschichte und Gegenwart, sondern auch mit Abstand die älteste, kontinuierlich bestehende Organisation, die seit dem römischen Reich gewaltige Umbrüche aller Art überdauert hat. Daneben nimmt sich das britische Königshaus als die zweitälteste ununterbrochen existierende Institution, in Alter, Umfang und Bedeutung geradezu bescheiden aus.
Auch wer selbst keiner oder einer anderen Religion angehört, kommt kaum an dem prägenden Einfluß des Christentums auf die westliche Kultur und über sie auf alle Kulturen in Vergangenheit und Gegenwart vorbei. Lange Zeit waren Kunst, Literatur und Musik ebenso wie Wissenschaft, Recht und Wirtschaft und auch der Alltag von christlichen Denkmustern beeinflußt. Maler verwendeten christliche Symbole, Dichter nahmen biblische Stoffe als Vorlage, Komponisten vermittelten die christliche Botschaft durch ihre Musik. Bevor sich die Wissenschaften zu eigenen Disziplinen verselbständigten, waren sie eng mit der Theologie verflochten. Das westliche Fortschrittsdenken basiert auf dem linearen Geschichtsbild des Christentums mit seiner Annahme einer unwiederholbaren Einmaligkeit der historischen Prozesse. Ohne die Kenntnis des christlichen Hintergrunds sind Ursprung und Entwicklung der europäischen und nordamerikanischen Kultur und ihr Einfluß in der ganzen Welt nur schwer zu verstehen. Bestimmte typisch christliche Erscheinungen, wie der arbeitsfreie Sonntag, haben sich weit über den Bereich der praktizierenden Christen hinaus etabliert, weswegen er etwa auch in Tunesien, Japan, Indien und Indonesien den Lebensrhythmus bestimmt.
Darüber hinaus sind auch die beiden anderen monotheistischen Weltreligionen und ihre Geschichte ohne das Wechselspiel mit dem Christentum nicht zu verstehen, denn das Judentum ist der Wurzelboden des Christentums und seit dem 1. Jh. maßgeblich von dessen Wohlwollen abhängig, während der Islam aus beiden herauswuchs, bereits im Koran detailliert zum Christentum Stellung nimmt und mit dem Christentum sowohl im fruchtbaren Kulturaustausch, wie auch im dauernden kriegerischen Auseinandersetzungen stand. Aber auch weltweite Bewegungen wie Kapitalismus (Aufhebung des Zinsverbotes), Kommunismus oder Atheismus sind ohne ihr Wechselspiel mit dem Christentum kaum zu verstehen.
Das Christentum unterscheidet sich von allen anderen Weltreligionen dadurch, daß es seinen Stifter völlig und in jeder Hinsicht in den Mittelpunkt stellt und göttlich verehrt. Jesus ist für die Kirche nicht nur Urheber oder Wiederentdecker metaphysischer und ethischer Lehren, wie Buddha oder Konfuzius, nicht nur der Gesandte eines sich ihm offenbarenden Gottes, wie Mose oder Mohammed, nicht nur eine Inkarnation des Weltenherrn, der göttliche Weisheit verkündet, wie Krishna, sondern er ist dies alles zusammen und darüber hinaus Gott selbst. Er ist durch Geburt, Kreuzestod, Auferstehung und Himmelfahrt Mittel- und Wendepunkt der Weltgeschichte und als Weltenrichter im Jüngsten (= letzten) Gericht Ziel der Weltgeschichte. Trotz aller Unterschiede in Einzelfragen herrscht bei den zahllosen christlichen Kirchen und Gruppen in einem Punkt Einigkeit: Gott hat sich in Jesus Christus offenbart und an ihm hängt das Schicksal und die Erlösung der Menschheit.
Das Christentum wurde von Jesus Christus gestiftet. Keiner seiner ersten Anhänger und keiner der bedeutenden Kirchenführer der Geschichte hätte sich jemals als Stifter bezeichnet. Unter den Persönlichkeiten der ersten Stunden haben die hier dargestellten Apostel Paulus und Petrus und außerdem der Apostel Johannes den Kurs des jungen Glaubens wie niemand sonst maßgeblich bestimmt. Daneben hat das Christentum eine nicht enden wollende Liste von bedeutenden Theologen, Philosophen, aber auch Sozialreformern und Mystikern hervorgebracht, wie Aurelius Augustinus oder Martin Luther King, um nur zwei zu nennen. Die Reformatoren des 16. Jh. stehen am Anfang eigener Kirchen, die teilweise nach ihnen benannt wurden, doch sie waren nicht die ersten und nicht die letzten, die den Kurs der christlichen Kirche ganz neu bestimmten, waren doch Reformen zumindest in den westlichen Kirchen immer eine Selbstverständlichkeit, wie etwa das 2. Vatikanische Konzil der kath. Kirche gezeigt hat. Und dennoch hätte sich niemand von all diesen Persönlichkeiten als Stifter des christlichen Glaubens bezeichnet. Denn gestiftet hat Jesus Christus das Christentum aus Sicht der Christen nicht nur durch seine Lehren, Gedanken, Ideen oder Reformversuche, sondern vor allem durch sein Handeln. Er selbst steht nicht nur am Anfang der christlichen Botschaft, sondern schuf die reale Grundlage für sie, ja ist die Botschaft selbst.
Der Name Jesus (griech.-lat. Form des hebr. Namens Josua / Jeschua, kurz für Jehoshua = ‚Jahwe ist Rettung’) war ein verbreiteter jüdischer Personenname, während Christus (griech. Übersetzung des hebr. maschiach = ‚der Messias’, der Gesalbte’) ursprünglich nur als Hoheitstitel verwendet wurde. So ist ‚Jesus Christus’ oder ‚Christus Jesus’ die älteste und kürzeste Form des christlichen Urbekenntnisses: Jesus ist der zur Rettung der Welt gesandte Messias (1Joh 2,2; 5,1; Joh 20,31; Apg 9,22; 17,3; 18,5+28), Jesus von Nazaret der verheißene Christus, also der Messias. ‚Jesus Christus’ wurde schon sehr früh einfach als Doppelname verwendet.



Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Sprecher für Menschenrechte und Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, die weltweit etwa 600 Mio. evangelische Christen vertritt und Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo)