ArchivHomosexualität
Evangelische Allianz gegen Diskriminierung von Homosexuellen
November 1, 2011 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Zum Thema Homosexualität schreibt die Deutsche Evangelische Allianz in ihrer Stellungnahme zu allen wichtigen Politikfeldern „Sucht der Stadt Bestes“ von 2010:
„Wir wenden uns ebenso gegen die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der geschlechtlichen Orientierung, auch angesichts der verhängnisvollen Unterdrückung der Homosexuellen im Dritten Reich. Wir begegnen Vertretern einer anderen geschlechtlichen Orientierung mit Respekt und Würde, sehen allerdings praktizierte Homosexualität – wie andere Formen der außerehelichen Sexualität – grundsätzlich als unvereinbar mit der für den christlichen Glauben maßgebenden biblischen Ethik an. Wir wenden uns außerdem gegen Versuche, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften der im Grundgesetz herausgehobenen klassischen Ehe gleichzustellen, auch wenn wir respektieren, dass sich das Rollenverständnis der Geschlechter im Laufe der Geschichte immer wieder verändert.“
Hier wir doch die Diskriminierung von Homosexuellen eindeutig verworfen. Dass sich aus dem Ideal der christlichen Ehe als monogam, lebenslänglich und zweigeschlechtlich eine Ablehnung aller anderen Formen von Sexualität – nur unter anderem der Homosexualität – ergibt, liefert in keiner Weise eine Legitimation, für die Diskriminierung anderer und andersdenkender Menschen. So sicher wie Menschen, die heterosexuell ohne Trauschein zusammenleben, vor Evangelikalen sein können, so sicher sind es auch Homosexuelle. Auf irgendeine evangelikale Tradition, Homosexuelle zu diskriminieren, öffentlich zu demütigen, geschweige denn Gewalt gegen sie zu rechtfertigen oder gar auszuüben, kann keiner verweisen. Ich war auf dem Schulhof oft am freundlichsten zu Homosexuellen, da meine Eltern mich strikt zu Gewaltlosigkeit, Respekt und Freundlichkeit allen gegenüber erzogen. Andere Klassenkameraden hatten zum Thema Homosexualität zwar keine theologische Auffassung, ja überhaupt keine eigentliche Begründung für ihre Sicht, aber was nützte das den Homosexuellen, wenn sie bewitzelt, bloßgestellt, gerempelt oder gar verprügelt wurden?
Man soll Menschen nach dem beurteilen, was sie wirklich tun, nicht nach dem, was man meint, was sie aufgrund ihrer Weltanschauung oder missverstandenen Äußerungen vermeintlich tun müssten. Gerne werden falsche Schlüsse aus Äußerungen gezogen, die man missversteht, ohne zu schauen, ob die Betreffenden selbst dies auch tun und dann praktizieren. Man kann sagen: „Gott wird dich richten“ und damit meinen, dass der andere den Tod verdient – und dabei gar nachhelfen –, man kann damit aber auch genau das Gegenteil meinen, dass eben Gott jeden einmal beurteilen wird und keinem Menschen dieses Gericht zusteht. Die Freimaurer schwören beim Einstieg drakonisch, dass sie mit dem Verrat der Geheimnisse ihr Leben verwirken. Gestorben ist deswegen noch keiner, zumindest schon lange nicht mehr.
57% der Amerikaner sind gegen die Homosexuellenehe
Juli 27, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Das kalifornische Verfassungsgericht hat bekanntlich am 26.5.2009 mit 6 zu 1 Stimmen entschieden, dass das Ergebnis der Volksabstimmung gegen die Homosexuellenehe, bekannt als ‚Proposition 8‘ („Only marriage between a man and a woman is valid or recognized in California“), verfassungsmäßig zustande gekommen ist und nicht verfassungswidrig ist. Damit ist die Homosexuellenehe in Kalifornien wieder abgeschafft, die durch Entscheid desselben Gerichtes zuvor eingeführt worden war. Das Gericht entschied weiter, dass die 18.000 bereits geschlossenen Ehen dieser Art Bestand haben.
Bei der Volksabstimmung am 4. November 2008 hatten 52,2% gegen die Homosexuellenehe, 47,8% dafür gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei erstaunlichen 79,4% der 17,3 Mio. eingetragenen Wähler in Kalifornien. Die 52% setzten sich aus Katholiken (vor allem Latinos), Mormonen, Evangelikalen, aber auch nicht religiös bedingten Wählern zusammen.
Am Tag der Gerichtsentscheidung befragte Gallup die Bevölkerung der USA repräsentativ. 57% sind gegen die Homosexuellenehe. Seit 2004 schwankt diese Zahl zwischen 53 und 59%. 1996 lag sie noch bei 68%. Die Zahl der Befürworter ist von 47% in 2007 auf 40% 2009 zurückgegangen. 1996 lag sie bei 27%.
Abgesehen von den Präsidentschaftswahlen war dies der teuerste Wahlkampf, der je in den USA stattfand. Die Befürworter des Verfassungszusatzes, dass eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden kann, nahmen 39,9 Mio. US$ Spenden ein, die Gegner noch mehr, nämlich 43,4 Mio. US$. Die 22 bisherigen Volksabstimmungen in Kalifornien hatten alle zusammen 31,4 Mio. US$ Spendeneinnahmen zu verzeichnen.
Dass sich der amerikanische Präsidentschaftskandidat John McCain und andere führende Republikaner für den Verfassungszusatz aussprachen, ist kaum verwunderlich, dass sich aber Barack Obama nicht für die Homosexuellenehe aussprach, erstaunlich. Doch Obama leitet aus seiner Befürwortung eines homosexuellen Lebensstil nicht ab, dass Homosexuelle auch eine Ehe schließen können sollten.
Bisweilen werden die Evangelikalen für die Ablehnung der Homosexuellenehe verantwortlich gemacht. Dazu ein paar Angaben: Hauptbefürworter des Verfassungszusatzes waren die Kalifornische Katholische Bischofskonferenz, die Mormonen, die Orthodoxen Kirchen, die Union of Orthodox Jewish Congregations of America und die Republikaner. Das evangelikale Element spielte eine untergeordnete Rolle, viele evangelikale Pastoren hatten sich dafür ausgesprochen, aber längst nicht alle.
Auf der Gegenseite standen vor allem die anglikanischen Bischöfe (‚Episcopal Church‘), die ‚Rabbis of California‘ und andere jüdische Gruppen, der ‚California Council of Churches‘ und die Unitarier. Zudem hatten sich alle großen Tageszeitungen Kaliforniens dafür ausgesprochen, was sowohl ihre Unausgewogenheit zeigt, als auch, dass die Medien oft zusammen weniger als die Hälfte der Bevölkerung repräsentieren und die Bevölkerung bisweilen erstaunlich resistent gegen den geballten Druck der Medien sein kann.
Gegen die Theorie eines evangelikalen Coups steht auch: 70% der Afroamerikaner stimmten für den Verfassungszusatz, darunter sicher auch Evangelikale, aber eben nicht die rechtskonservativen Evangelikalen, die man in der Regel meint. 53% der Latinos stimmten für den Zusatz. Von den Protestanten stimmten 65% dafür – diese Zahl ergäbe sich niemals nur aus den Evangelikalen, 64% der Katholiken. 56% aller Gewerkschaftsmitglieder stimmten dafür, wobei Evangelikale sich bei Gewerkschaften eher zurückhalten. Übrigens stimmten auch 2% der LSB (Schwulen, Lesben, Bisexuelle) für den Zusatz und gegen die Homosexuellenehe. Von den Gegnern George Bushs stimmten immerhin 40% für den Zusatz.
Noch eine Anmerkung: Die Drohungen und Schmierereien gegen Befürworter des Verfassungszusatzes zeugen von Problemen mit der Demokratie. Dass die Spendenlisten genutzt wurden, um Spender für die Proposition ausfindig zu machen und dann öffentlich zu brandmarken und zu bedrohen, ist ebenso verwerflich. Dass der Direktor des Los Angeles Film Festival und der Art Director des California Musical Theatre zurücktreten mussten, weil sie gespendet hatten, zeigt, dass man gar nicht gedenkt, demokratische Entscheidungen zu respektieren.
Alle Zahlen und Quellen finden sich in dem ausgezeichneten englischen Wikipediaeintrag.


Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Sprecher für Menschenrechte und Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, die weltweit etwa 600 Mio. evangelische Christen vertritt und Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo)