Thomas Schirrmacher
Archivkatholische Kirche

Schirrmacher zieht positive Bilanz des Papstbesuches in Aserbaidschan

  • Papst Franziskus entdeckt Schirrmacher beim Einzug © L’Osservatore Romano (Foto 07061_02102016)

(Bonn, 28.12.2016) Der stellvertretende Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, hat eine positive Bilanz des Papstbesuches in Aserbaidschan gezogen. Der Papst habe damit die kleine Zahl der Christen ermutigt und deutlich gemacht, dass er nicht nur dorthin gehe, wo ihm der Beifall von Massen garantiert sei. Auch sei der Dialog mit anderen Kirchen und Religionen im Land in Aserbaidschan alles andere als einfach – wie schon zuvor in Georgien, wo Papst Franziskus noch am Tag vorher war. Es gibt schätzungsweise 7000 Protestanten und 400 Katholiken in Aserbaidschan.

Nach Albanien war Aserbaidschan das zweite muslimische Mehrheitsland, in dem der Papst ebenso wie Schirrmacher für die Weltweite Evangelische Allianz der Regierung und den obersten islamischen Führern dankten, dass sie gegen islamischen Extremismus vorgehen und die christliche Minderheit in vergleichsweiser Freiheit leben könne.

Im Gottesdienst des Papstes in der einzigen katholischen Kirche in Baku, der sog. Pro-Kathedrale der Apostolischen Präfektur, war Schirrmacher der einzige ökumenische Gast. Seine Begrüßung durch den Papst wurde wie der ganze Gottesdienst im staatlichen Fernsehen und Fernsehen des Vatikan übertragen.

Zuvor hatte er ein Gespräch mit dem Leiter der katholischen Gemeinde, Fr. Jozef Cerkov, der ihn zu dem Gottesdienst eingeladen hatte. Schirrmacher hatte bereits einige Wochen vorher Aserbaidschan besucht und Mitglieder der Regierung, die Führer der Religionen besucht und die Verantwortlichen der Kirchen im Land getroffen.


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Schirrmacher über den Papst: „80 Jahre weise, aber kein bisschen leise“

Dezember 17, 2016 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

Papst Franziskus: „Heute gibt es keine Kaffeepause mit dem Papst“

  • Das Cover wird dem Papst vorgestellt © Bonner Querschnitte / Martin Warnecke

(Bonn, 17.12.2016) Thomas Schirrmacher hat zum 80. Geburtstag von Papst Franziskus das Oberhaupt der katholischen Kirche vor allem als einen integren Mann gewürdigt, der auch die ungewöhnlichsten Ankündigungen und Versprechungen wahr mache.

Das beste Beispiel sei der Eröffnungsgottesdienst des Reformationsjahres in Lund (Schweden) gewesen, an dem der Papst nicht nur als Gast, sondern als Gastgeber teilgenommen habe.

Schirrmacher hatte sein Buch „Kaffeepausen mit dem Papst“ mit der Geschichte eröffnet, wie es zu ‚Lund‘ gekommen war, und berichtet, dass die ersten Äußerungen des Papstes dazu bereits wenige Wochen nach seiner Amtseinführung gefallen seien.

Gefragt, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn Papst Franziskus früher Papst geworden wäre – schließlich lag er beim vorangegangen Konklave auf Platz 2 –, antwortete Schirrmacher, dass es die Frage sei, ob er dann schon über die Weisheit verfügt hätte, da er selbst berichtet habe, im Alter in Einigem grundsätzlich umgedacht zu haben. Der Papst, so Schirrmacher wörtlich, sei „80 Jahre weise, aber kein bisschen leise“.

Chronologie der „Kaffeepausen mit dem Papst“ mit Papstzitaten

  • 12.04.2016: Genehmigung der Verwendung des Titelbildes des Papstfotografen für das Cover des Buches. Später folgte die Genehmigung für die Verwendung eines Dutzend weiterer Fotos des Papstfotografen.
  • 10.06.2016: Cover und Titel werden dem Papst in großer Runde vorgestellt. Der Papst: „‚Kaffeepausen mit dem Papst‘, das ist ja witzig, da bin ich aber gespannt.“
  • 22.06.2016: Es wird öffentlich. Der Papst zur Begrüßung: „Wo bleiben meine ‚Kaffeepausen‘?“
  • 28.09.2016: Übergabe des ersten Exemplares. Der Papst: „Wir sehen und dann in Baku.“
  • 28.09.2016: Übergabe des Buches an Kardinal Koch, dem das Buch gewidmet ist, im Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen
  • 02.10.2016: Diskussion des Buches und Ehrung des Papstfotografen in Baku (Aserbaidschan).
  • 05.10.2016: Offizielles Bestätigungsschreiben des vatikanischen Staatssekretariats.
  • 12.10.2016: Conference of Secretaries of Christian World Communions (CSCWC). Der Papst: „Kaffeepausen mit dem Papst, das ist wirklich ein gutes Buch. Aber heute gibt es keine Kaffeepause mit dem Papst, da ich zur Generalaudienz gehen muss.“
  • 12.10.2016: In einer kleinen Feierstunde im Rahmen eines gemeinsamen Essens der Secretaries of Christian World Communions in Rom wird Kardinal Kurt Koch von Schirrmacher vor den Führern der Konfessionen der Welt gemäß der Widmung im Buch für seinen Einsatz für die „Ökumene der Märtyrer“ geehrt.
  • 31.10.2016: Verwirklichung des Eröffnungskapitels des Buches „Kaffeepausen mit dem Papst“ in Lund (Schweden). Der Papst: „Ich freue mich, dass ihr dabei seid.“
  • 05.11.2016: Direkt nach Lund sind die ersten 1000 Exemplare von „Kaffeepausen mit dem Papst“ verkauft.


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„Papst sieht Evangelikale als vorbildlich“

Oktober 30, 2016 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2015 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Bonn, 03.11.2015) Die Familiensynode hat gezeigt: Papst Franziskus sieht evangelikale Christen als vorbildlich für Katholiken an. Für Konservative bietet das Abschlussdokument Anlass zur Zufriedenheit wie auch Enttäuschung. Ein Kommentar von Thomas Schirrmacher.

Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Papst Franziskus (© Thomas Schirrmacher)

Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Papst Franziskus (© Thomas Schirrmacher)

Als einziger Evangelikaler auf der Synode muss ich mit einem großen Lob beginnen: Keine protestantische Kirche, bei der ich zu Gast war, hat mich so unmittelbar in die laufenden Diskussionen mit hineingenommen und als gleichwertigen Gesprächspartner behandelt, wie es der Vatikan getan hat. Denn wir ‚Brüderliche Delegierten‘ waren keine ‚Beobachter‘, wir standen den anderen Delegierten außer beim Stimmrecht in nichts nach. Wir hatten genauso drei Minuten in den Plenarreden, waren bei allen Interna dabei, diskutierten in den Sprach­gruppen ohne jede Einschrän­kung mit, was Textvorschläge für das Abschlussdokument einschloss. Dass ich noch täglich ein kurzes Gespräch mit dem Papst hatte, gilt nicht für alle und ist sicher der speziellen Situation zwischen Katholiken und Evangelikalen in Fragen Ehe und Familie geschuldet.

Die Synode selbst war viel besser als ihr schriftliches Ergebnis. Die intensive dreiwöchige Diskussion, oft auf hohem Niveau, erst recht die in den 13 Kleingruppen mit selbstgewählter Leitung, spiegelt sich nur bedingt in dem Dokument wieder, das nicht die gegensätzlichen Positionen beschreibt, sondern einen Konsens in der Mitte sucht. Es richtet vor allem Bitten an den Papst und lässt ihm bewusst Möglichkeiten zur Antwort offen. Die große Mehrheit, die das beschloss, bedeutet aber gerade, dass sich die Gegner einer vorsichtigen Öffnung im Sinne des Papstes, die in den letzten Tagen entgegen allen Abmachungen lautstark und warnend an die Öffentlichkeit gegangen waren, nicht durchgesetzt haben.

Insgesamt ist die Sprache des Schlussdokumentes wesentlich positiver als die des Ausgangsdokumentes. Stand dort die Warnung vor dem Ende von Ehe und Familie und allerlei anderen Entwicklungen im Vordergrund, stehen jetzt erst einmal die realen vielen Ehen und Familien im Vordergrund und die uneingeschränkte Unterstützung derer, die in widrigsten Umständen – etwa auch Bürgerkrieg und Armut – füreinander einstehen. Auch wird viel stärker betont, dass Gott die Ehe nicht nur gestiftet hat, sondern ermöglicht und trägt.

Synode war anders als in den Medien dargestellt

Die Delegierten der Synode in Rom (© Thomas Schirrmacher)

Die Delegierten der Synode in Rom (© Thomas Schirrmacher)

Man wird nun gespannt sein, was der Papst daraus macht. Franziskus hat aber in seiner Schlussansprache schon deutlich gemacht, dass er weiter in Richtung Dezentralisierung denkt, da die Synode allen gezeigt habe, dass viele der Probleme sehr auf die jeweilige Kultur bezogen seien und nur im Rahmen dieser Kulturen angemessen gelöst werden könnten. Als erste Konsequenz hat der Papst noch auf der Synode die alten drei Räte für die Familie, für die Laien sowie die päpstliche Akademie für das Leben aufgelöst. An ihre Stelle tritt eine neue Kongregation, eine Art Behörde, für Familie, Laien und Leben. Dadurch wird das Thema Familie, aber auch die Laien stark aufgewertet, denn Räte haben mit der Leitung der katholischen Kirche nichts zu tun, während die Kongregation Ministerien in einer Regierung entspricht.

Anders als von den Medien oft dargestellt, ist die Synode nicht einfach in zwei Lager zerfallen. Wenn dies der Fall gewesen wäre, dann wäre die große Zahl der Delegierten in der Mitte anzusiedeln. Vielmehr sind die Verhältnisse bei jedem Thema anders ausgefallen: Wer beim einen Thema ‚konservativ‘ ist, kann beim nächsten Thema ‚progressiv‘ sein.

Zum Anderen wurde jede Diskussion sehr stark von den spezifischen Problemen der Kontinente überlagert. Und so bilden etwa die Afrikaner keine automatischen Allianzen mit den Asiaten, gehen beide doch mit Fragen der Polygamie, der arrangierten Ehe oder des Umstandes, dass die kirchliche Trauung lange herausgezögert wird, weil erst das Geld für die teure Hochzeit und die Mitgift zusammengespart werden muss, sehr unterschiedlich um.

Katholische Kirche ist Öltanker, keine Jacht

Zu den Themen, auf die die Öffentlichkeit besonders gewartet hat, möchte ich vorwegschicken: Die Katholische Kirche ist keine schnittige Jacht, die sich, wie das die Evangelikalen tun, manchmal zum Guten, manchmal vorschnell, auf die Menschen einstellt, die für das Evangelium erreicht werden sollen. Sie gleicht vielmehr einem gewaltigen Öltanker, der nur vorsichtig neu ausgerichtet werden kann. Dabei wird versucht, den Eindruck zu erwecken, es ginge nur um kleine Kurskorrekturen. Da es aber ein Tanker ist, haben auch kleine Änderungen auf Zeit gewaltige Änderungen zur Folge.

Das Thema Homosexualität kam insgesamt nicht sehr häufig vor, obwohl es seitens der Medien zum zentralen Thema gemacht wurde. Die Logik war für die meisten Delegierten, dass es auf der Synode um Familie gehe und Homosexualität nichts damit zu tun habe. So haben viele damit gerechnet, dass das Thema einfach übergangen wird oder ein sehr schroffes Statement befürchtet. Nun steht aber ein erstaunlich freundliches Statement im Paragraph 76, das zudem überwiegend aus dem Mund der Glaubenskongregation stammt. Es besagt, dass die Menschenwürde der Homosexuellen gewahrt werden muss und ihre Diskriminierung in jeder Form abzulehnen ist. Die gleichgeschlechtliche Ehe wird deutlich abgelehnt, was auch niemand anders erwartet hat, aber es wird doch kurz gesagt, dass es auch unter Homosexuellen echte Fürsorge füreinander geben kann. Es gab auch nur halb so viele Gegenstimmen, wie etwa bei der Frage der Kommunion von Wiederverheirateten, über 80% stimmten dafür.

Wo Hardliner enttäuscht sind

Im Gespräch mit (l.) Christoph Kardinal Schönborn (Wien) und (r.) Reinhard Kardinal Marx (München) (© Thomas Schirrmacher)

Im Gespräch mit (l.) Christoph Kardinal Schönborn (Wien) und (r.) Reinhard Kardinal Marx (München) (© Thomas Schirrmacher)

Zur Teilnahme an der Kommunion von kirchlich Getrauten, die geschieden und wiederverheiratet sind, bleibt das Abschlussdokument bewusst vage. Es fordert aber dazu auf, sehr gründlich zu unterschieden, welche unterschiedlichen Situationen es gibt. Der Papst wird gebeten, für solche Fälle, in denen nicht nachzuvollziehen ist, warum aktive Katholiken am gesamten kirchlichen Leben außer der Kommunion teilnehmen dürfen, eine Lösung geschaffen wird. Schließlich sind diese Leute nicht exkommuniziert. Das wird die Hardliner gar nicht freuen, die noch nicht einmal ein Drittel an Gegenstimmen zusammenbrachten.

Sicher gibt es auch Enttäuschendes. So hatten die meisten Gruppen gefordert, dass Polygamie, arrangierte Ehen, religionsverschiedene Ehen und konfessionsverschiedene Ehen nicht einfach in einem Satz als Probleme aufgezählt werden sollten. Zudem klingt der Satz so, als sei in konfessionsverschiedenen Ehen automatisch der nichtkatholische Partner schuld an den Problemen. Trotzdem steht dieser Satz unverändert da.

Immerhin gibt es dann weiter hinten im Abschlussdokument einen sehr substanziellen und gewissermaßen progressiven Abschnitt zu konfessionsverschiedenen Ehen, der ganz im Sinne von Papst Franziskus davon ausgeht, dass hier zwei Christen miteinander verheiratet sind. Die Andeutung, darüber nachzudenken, ob der nichtkatholische, gläubige Partner nicht ausnahmsweise an der Kommunion teilnehmen könne, ist für die katholische Kirche schon erstaunlich, wenn auch für orthodoxe Partner sowieso schon Realität, nicht aber für evangelische.

Werden Evangelikale nun katholisch?

Interview mit Thomas Schirrmacher in der WELT am SONNTAG „Einer roch den Duft des Teufels“ (© Thomas Schirrmacher)

Interview mit Thomas Schirrmacher in der WELT am SONNTAG „Einer roch den Duft des Teufels“ (© Thomas Schirrmacher)

Noch ein Wort zur Sorge mancher Mitevangelikaler, morgen würden wir in Scharen zur Kirche dieses netten Papstes übertreten. Täglich treten Tausende Katholiken in Lateinamerika und im Globalen Süden zu Pfingstkirchen und evangelikalen Gemeinden über, eine Gegenentwicklung ist nicht zu erkennen. Heute führen wir vor allem ernsthafte Lehrgespräche und es wird vom Vatikan ausdrücklich gewünscht, dass wir unsere Sicht deutlich formulieren und einbringen. Der Unterschied ist aber heute: Der Papst sieht evangelische Christen als vollwertige Gläubige an und spricht offen an, dass das aktive Christsein der Evangelikalen und Pfingstler in Gebet, Heiligung und Zeugnis geben für Katholiken vorbildlich ist.

Man muss bei allen Lehrunterschieden, die wir derzeit in Dialogen sehr intensiv aufarbeiten, sehen: Wir haben im praktischen Kampf gegen die Ungerechtigkeit viel zu viele Themen, bei denen wir mit anderen gemeinsam am Ball sein müssen (beispielsweise bei den Themen Menschenhandel und Korruption). In anderen Fällen sieht es sogar so aus, dass wir über weite Strecken nur noch uns gegenseitig haben, nämlich bei den Themen Abtreibung und lebenslange Ehe. Immerhin: Zusammen sind Protestanten und Katholiken fast zwei Milliarden Menschen. Klar spürt man, dass der Papst mit uns viel größere Gemeinsamkeiten sieht als mit den ehemaligen evangelischen Staatskirchen. Zudem spielen diese Staatskirchen natürlich nur im Westen eine große Rolle, außerhalb des Westens ist die Mehrzahl der Protestanten oft evangelikal, in einem Land wie Korea sind es beispielsweise neunzig Prozent.

Zuerst erschienen im www.pro-medienmagazin.de


Links (alle Fotos © Thomas Schirrmacher):

Die Päpstliche Bibelkommission wird konservativer in ihrer Bibelhaltung

September 14, 2016 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

Soeben habe ich festgestellt, dass ich meinen Artikel  „Die Päpstliche Bibelkommission wird konservativer in ihrer Bibelhaltung“ aus Glauben und Denken heute 8 (2015) 1: 24-35 nie in meinem Blog zur Verfügung gestellt habe. Das hole ich hiermit nach:

Die Causa Latzel:
Warum ich weder Pfarrer Latzel, noch seine Gegner verstehe

Juli 15, 2016 by · 5 Kommentare 

Meine Stellungnahme zur Causa Latzel kann hier heruntergeladen werden.

Ich veröffentliche meine Gedanken zur Causa Latzel erst jetzt, da ich sie aus der emotionalen erhitzten Debatte seinerzeit heraushalten wollte und ein gediegenes Gespräch mit allen Beteiligten suche, keinen medialen Schlagabtausch.

Papst Franziskus und Frauen ins Diakonenamt

Diesen Beitrag können sie hier auch herunterladen: PDF-Download

Papst Franziskus will eine Kommission einsetzen, die überprüft, ob das Diakoninnenamt für Frauen geöffnet werden kann.

Die Frühe Kirche kannte das Diakoninnenamt. Die orthodoxen Kirchen führen es seit 2004 sukzessive wieder ein, derzeit noch nach Maßgabe der Ortsbischöfe. Auch andere Kirchen, die die Frauenordination zum Pastoren- oder Priesteramt nicht kennen, haben trotzdem das Diakonenamt wieder für Frauen geöffnet. Wie bei den katholischen Diakonen heute, haben Diakone und Diakoninnen in der Frühen Kirche am Vollzug der Taufe und des Abendmahls mitgewirkt, nicht aber die Sakramente selbst vollzogen bzw. eingesetzt.

IMG_8433Gerne würde ich einige unterstützende Gedanken zum Diakonat für Frauen, wobei ich Ausführungen aus meiner „Ethik“ (20094ff; Band 5, S. 346-354) kürze, adaptieren und neuere Literatur einbeziehen. Denn ich gehe davon aus, dass im Neuen Testament Diakoninnen als selbstverständlich berichtet werden und unterstütze deswegen die Rückkehr jeder Kirche zu dieser neutestamentlichen (und deswegen auch frühkirchlichen) Praxis.

Es ist viel diskutiert worden, ob in 1Tim 3,11 mit den „Frauen“ die Ehefrauen der Diakone oder weibliche Diakone gemeint sind. Die besseren Argumente[1] scheinen mir auf der Seite derer zu sein, die hier die Bedingungen für das Amt von Diakoninnen se­hen. Wesentlich scheint mir, dass es keine Qualifikationslisten für die Frauen von Ältesten gibt. Warum sollte aber von den Diakonen in Bezug auf ihre Frauen mehr gefordert werden als von den Älte­sten?[2] Der Umstand, dass es eine eigene Qualifikationsliste für Diako­ninnen neben derjenigen für Diakone gibt, jedoch keine Qualifikati­onsliste für weibliche Bischöfe und Aufseher, stimmt mit dem restli­chen Befund des Neuen Testaments überein.

Dass es weibliche Diakone gab, wird aus Röm 16,1 ersichtlich. Phöbe wird hier als „Schwester…, die ein Dia­kon der Gemeinde in Kenchreä ist“, bezeichnet. Der Zusatz „der Ge­meinde in Kenchreä“ spricht dafür, dass es um das Amt in einer konkre­ten Ortsgemeinde, nicht um ein allgemeines Dienen geht[3]. Nicht ge­nug, Phöbe wird auch noch „Patronin“ (Röm 16,2) ge­nannt, was noch einmal ihr offizielles Amt unterstreicht. Das griechische Wort ‚prostatis‘ meint die „Beschützerin“, „Patronin“[4]. Die entsprechende männliche Form bedeutet Pa­tron, der Voran­stehende, der Vorstand, der Vorgesetzte, der Rechtsbei­stand[5].

Die Frühe Kirche kannte das Diakoninnen- bzw. Diakonissen­amt[6]. In der byzantinischen Kirche war es bis ins 12. Jh. selbstverständlich und weit ver­breitet[7], in Rom, Italien und im Westen ist es bis ins 5./6. Jh. verbreitet[8], bis ins 12. Jh. nach­gewiesen[9], bevor es sich ganz in die Nonnenklöster auflöst. In den altorientalischen Kirchen (fälschlich „monophysitisch“ genannt) ist es bis ins 13. Jh. nachgewiesen[10]. Die Ostkirche verteidigte – vor allem im Ge­folge von Johannes Chrysostomos, der in seinem Römerbriefkommentar zu Röm 16,2 vehement für das Diakonenamt von Phöbe eintritt – das Amt län­ger, wäh­rend die West­kirche es schon früher aus Angst vor einer Förderung der Frauenordi­nation von Priestern – so etwa Ambrosiaster oder später Erasmus von Rotterdam – aufgab oder seine Einführung verhinderte[11].

Die Diakoninnen waren in der Frühen Kirche im geistlichen Dienst und in einem kirchlichen Amt tätig: „Das Beweismaterial ist erdrückend, das die Diakonisse als Ange­stellte der Kirche ihre Aufgabe … als kirchlichen Dienst bezeichnet, sie unter die kirchlichen Beamten einreiht.“[12] Sie teilen deswegen „die Sonder­rechte der kirchlichen Personen“, zum Beispiel das Recht auf Versorgung[13], erhielten die Weihe[14] und mussten deswegen im Zölibat[15] leben. Die Diakoninnen werden des­wegen in Kanon 19 des Konzil von Nicäa genannt[16].

In vielen Kirchen wurde das Diakonat zu einem reinen Durch­gangsstadium auf dem Weg zum Presbyterat. Diese Entwicklung war maß­geblich schuld daran, dass Frauen keine Dia­kone werden konnten, weil dies praktisch bedeutet hätte, dass sie auch Älteste bzw. Pastoren bzw. Priester hätten werden können[17]. Es macht durchaus Sinn, im Diakonenamt eine natürliche, wenn auch nicht zwingende Vorstufe für das Pres­byteramt, also mit Calvin darin eine „Stufe zur Presbyter­würde“[18], zu sehen. Aber dies erfordert nicht, dass das Diakonenamt zwingend zum Presbyteramt führen muss und man sich mit Über­nahme des Diakonenamtes bereits verpflich­tet, das Presbyteramt in absehbarer Zeit anzustreben. Vielmehr ist ein ‚ständiges‘ Diakonat lebenslänglich denkbar. Selbst die katholi­sche Kirche hat 1967 vom 2. Vatikanischen Konzil her kommend das ständige Diako­nat als ei­genständige Leitungsebene, die man auch über lange Zeit innehaben kann, wiederhergestellt[19]. Sie greift in der katholischen Kirche automatisch, wenn der Diakon verheiratet ist – wobei er dort nur vor seiner Ordination heiraten darf, aber immerhin. Wenn es denn nun ein ständiges Diakonat für Männer gibt, warum sollte es dann dasselbe nicht für Frauen geben? Oder anders gesagt: auch innerkatholisch ist die Diskussion, die Papst Franziskus anstößt, nur eine logische Konsequenz aus dem 2. Vatikanischen Konzil und eine Rückkehr zum Neuen Testament und zur Frühen Kirche.

Während die reformierte Ämterlehre auf Calvin zurückgeht und Reformierte sich deswegen oft auf Calvin berufen, ist Calvins große Wertschätzung des Diakonen- und Diakoninnenamtes bei den Reformierten fast völlig in Vergessenheit geraten[20]. Diese Wertschätzung hatte Calvin von Mar­tin Bucer übernommen und in Straßburg in der Praxis kennenge­lernt[21]. Für Calvin war Apg 6,1-6 kein einfacher Bericht, sondern mit der Alten Kirche zugleich eine Anweisung für alle Zeiten[22]. Calvin hat dabei bewusst auch das Diakoninnenamt neu entwickelt[23], das er mit den drei neutestamentlichen Texten begründete, die von weiblichen Diakonen sprechen[24] und die im Mittelalter bis zur Reformationszeit meist einfach ignoriert wurden.

Die Aufgabe der Diakone und Diakoninnen – Apg 6,1-7

Um die spezielle Aufgabe der Diakone und Diakoninnen näher zu er­fassen, wurde seit der Zeit der Frühen Kirche bis heute Apg 6,1-6[25] herangezogen.[26] Die Aufgabe der Apostel „im Ge­bet und im Dienst des Wortes zu ver­harren“ (Apg 6,4) wird von der Auf­gabe „zu Tisch zu dienen“ und „über dies Geschäft be­stellt zu sein“ (Apg 6,2-3) un­terschieden. Es werden eben­falls ge­wisse Qualifikationen vorgege­ben, und eine Wahl wird vorge­nommen. Es ist durchaus zu­lässig, hier den Beginn des Diakonenamtes zu sehen, obwohl der Be­griff ‚Diakon‘ in Apg 6,1-6 nicht vorkommt, denn auch in anderen Fällen können in der Bibel Aufgaben bespro­chen wer­den, ohne dass die ‚richtige‘ Amtsbezeichnung dabei er­scheint. Entscheidend ist die Aufgabe, nicht die – oft dazu wech­selnde – Bezeichnung.

Ein Vergleich[27] der erforderlichen Qualitäten für die Ältesten und Aufseher (Tit 1,6-9; 1Tim 3,2-7) und die Diakone (1Tim 3,8-12)[28] zeigt, dass die einzige Quali­tät, die Älteste und Aufseher mehr als die Diakone haben mussten, die Lehrbefä­higung war: „fähig zu lehren“ (1Tim 3,2); „der an dem der Lehre entsprechenden zuverläs­sigen Wort festhält, damit er fä­hig ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Wider­sprechenden zu überführen“ (Tit 1,9). Dafür spricht auch, dass in Apg 6,1-6 die Diakone eingesetzt werden, damit die Apostel und Älte­sten nicht „das Gebet und den Dienst am Wort“ (Apg 6,4) vernach­lässigen.

Die soziale Aufgabe der Diakone steht sicher im Vordergrund. Das schließt aber nicht aus, dass Diakone auch weitere verantwortli­che Aufgaben wahrnehmen. Die einzigen Diakone aus Apg 6,1-6 oder überhaupt im Neuen Testament, über die wir Näheres erfahren, sind Stepha­nus (Apg 6,8-7,60) und Philippus (Apg 8,4-40; 21,8). Beide waren demnach als Evangelisten tätig.[29] Philippus führte als Diakon Tau­fen durch (Apg 8,12+16+36-39). Die an die Taufe anschlie­ßende Hand­auflegung (vgl. z. B. Hebr 6,2) konnte jedoch Philippus offensicht­lich nicht durch­führen, sondern dazu kamen ei­gens die Apostel Pe­trus und Johannes als Vertreter aller Apo­stel nach Sama­ria (Apg 8,14-17). Außerdem führten diese beiden Apo­stel, nicht Philippus, den Gemeindeausschluss von Simon Magus durch (Apg 8,18-24).

Die Aufgabenbestimmung der Diakone wird auch deutlich, wenn man – bei aller gebotenen Vorsicht – die alttestamentli­chen Leviten als erläuternde – nicht gesetzgebende – Parallele heranzieht.[30] Auch die Leviten unterstanden den eigentlichen geistlichen Leitern des Volkes Gottes, den Priestern, gingen diesen im Gottesdienst und in der Belehrung des Volkes zur Hand, organisierten die Verteilung des Zehnten und die Armenver­sorgung, stellten musikalische Beiträge zur Verfügung und nahmen weitere Aufgaben wahr.

 

Fussnoten

[1] Siehe die Argumente in Gerhard Lohfink. „Weibliche Diakone im Neuen Testament“. Diakonia 11 (1980) 1: 385-400; in Gleason L. Archer. Ency­clopedia of Bible Difficulties. Zonder­van: Grand Rapids (MI), 1982. S. 414; Jennifer H.Stiefel. “Women Deacons in 1 Timothy: A Linguistic and Literary Look at ‘WomenLikewise …’ (1 Tim 3.11).” New Testament Studies 41 (1995): 442-457 und in Hermann Cremer, Julius Kögel. Biblisch-Theologisches Wör­terbuch des neutesta­mentlichen Grie­chisch. F. A. Perthes: Stuttgart, 1923. S. 290. Thomas R. Schreiner. “The Valuable Ministries of Women in the Context of Male Leadership: A Sur­vey of Old and New Testament Exam­ples and Teaching”. S. 209-224 in: John Piper, Wayne Grudem (Hg.). Re­covering Biblical Manhood and Woman­hood. Crossway Books: Wheaton (IL), 1991 nennt S. 213-214 die Ar­gumente für ein neutestamentli­ches Dia­koninnenamt, folgt aber den S. 219-221 dagegen angeführten Argumenten.

[2] So auch Gerhard Lohfink. „Weibliche Diakone im Neuen Testament“. a. a. O. S. 396.

[3] Vgl. Thomas Schirrmacher. Der Römerbrief. Bd. 2. Hänssler: Neuhau­sen, 1993. S. 310-311; so auch Gerhard Lohfink. „Weibliche Diakone im Neuen Testament“. a. a. O. S. 390; Alfons Weiser. „Die Rolle der Frau in der ur­christlichen Mission“. S. 158-181 in: Gerhard Dautzenberg, Hel­mut Mer­klein, Karlheinz Müller (Hg.). Die Frau im Urchristentum. Quaestiones Disputatae 95. Herder: Freiburg, 1983. S. 175-176; Gleason L. Archer. En­cyclopedia of Bible Difficulties. a. a. O. S. 414 und Hermann Cremer, Ju­lius Kögel. Biblisch-Theologi­sches Wörterbuch des neutesta­mentlichen Griechisch. a. a. O. S. 290.

[4] Walter Bauer, Kurt und Bar­bara Aland. Griechisch-deutsches Wör­terbuch zu den Schriften des Neuen Te­staments … W. de Gruyter: Berlin, 19886. Sp. 1439.

[5] G. E. Benseler, Adolf Kaegi. Benselers Griechisch-Deut­sches Schul­wörterbuch. B. G. Teub­ner: Leipzig, 192614. S. 794.

[6] Adolf Kalsbach. Die altkirchliche Einrichtung der Diakonissen bis zu ihrem Erlöschen. Römische Quartalsschrift. Supplementheft 22. Herder: Freiburg, 1926, ganz, bes. S. 63-71, Dorothea Reininger. Diakonat der Frau in der einen Kirche. Schwabenverlag: Ostfildern, 1999. S. 76-122, wobei beide Verfasser gründlich die ganze Proble­matik des Verhältnisses von Witwenschaft, Jungfrauschaft und Diakonin­nenamt in der Frühen Kirche diskutieren.

[7] Adolf Kalsbach. Die altkirchliche Einrichtung der Diakonissen. a. a. O. S. 65 u. ö.

[8] Vgl. L. Duchesne. Christian Worship: Its Origin and Evolution: A Study of the Latin Liturgy up to the Time of Charlema­gne. Society for Promo­ting Christian Knowledge: New York, 1931. S. 342-343.

[9] Adolf Kalsbach. Die altkirchliche Einrichtung der Diakonissen. a. a. O.  S. 79-94 im Detail.

[10] Ebd. S. 59-60.

[11] Alles nach Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. Travaux d’Humanisme et Renaissance 197. Librairie Droz: Genf, 1984. S. 161-163.

[12] Ebd. S. 65.

[13] Ebd. S. 66.

[14] Ebd.

[15] Wie die Priester mussten die Diakoninnen unverheiratet bleiben, was Prote­stanten nur als Möglichkeit, nicht aber als Gesetz befürworten können, was aber ein untrüglicher Beleg dafür ist, dass das Diakoninnenamt als geistli­ches Amt verstanden wurde. Dieser Befund ist allerdings nicht universal und stabil, sondern wird regional und zu bestimmten Zeiten durchbrochen, siehe Dorothea Reininger. Diakonat der Frau in der einen Kirche. a. a. O. S. 78-90.

[16] Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. a. a. O. Ebd. S. 46-49.

[17] So auch Leon Morris. „Church Government“. S. 238-241 in: Walter Elwell (Hg.). Evangelical Dictionary of Theo­logy. Baker Book House: Grand Ra­pids (MI), 1986 (Nachdruck von 1984).

[18] Johan­nes Calvin. Unter­richt in der christlichen Religion. Institu­tio Chri­stianae Religio­nis. Neukir­chener Verlag: Neukir­chen, 19885. S. 745 (4. Buch 4, 5. Kap., Abschnitt 15), vgl. S. 720 (4. Buch, 3. Kap., Abschnitt 9).

[19] Rudolf Weigand. „Der ständige Diakon“. S. 229-238 in: Joseph Listl, Hubert Müller, Heribert Schmitz (Hg.). Handbuch des katholischen Kirchen­rechts, F. Pustet: Regens­burg, 1983, hier S. 229; Kongregation für das katholische Bildungswesen, Kongregation für den Klerus. Grundnormen für die Aus­bildung der Ständigen Diakone, Direktorium für den Dienst und das Leben der Ständigen Diakone: 22. Februar 1998. Ver­lautbarungen des Apostoli­schen Stuhls 132. Sekretariat der Deutschen Bischofskonfe­renz: Bonn, 1998. bes. S. 7+14; vgl. zur Alten Kirche S. 12-16.

[20] So bes. auch Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgi­cal Almsgi­ving. a. a. O. S. 13; vgl. etwa Jean Calvin. Calvin-Studienausgabe. Bd. 2: Gestalt und Ordnung der Kirche. Neukirchener Verlag: Neukirchen-Vluyn, 1997. S. 257-259 (aus Ordonnances ecclésia­stiqes [1541/1561] S. 227-279).

[21] Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgi­cal Almsgi­ving. a. a. O. S. 129+153; vgl. S. 179 den Verweis auf Bucers Schrift ‚Von der Wa­ren Seelsorge‘ von 1538. Neben Bucer nennt McKee ebd. S. 153 außer­dem Jo­hannes Chryso­stomos als einflussreichsten Anreger für Calvins Gedanken zum Diakonat. Nach ebd. S. 185-204 wurde allerdings im Ge­folge Bucers (bes. S. 193-195) Röm 12,8 zum wichtigsten Text über das Diakonenamt, ein Text, den heute kaum noch ein Ausleger darauf be­zieht.

[22] Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. a. a. O. S. 156.

[23] So bes. ebd. S. 213-217.

[24] Ebd. S. 205-210.

[25] Vgl. zur Auslegungsgeschichte von Apg 6,1-6 Elsie Anne McKee. John Cal­vin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. a. a. O. S. 139-158 (bis zum 17. Jahrhundert) und Heinz-Werner Neudorfer. Der Stephanuskreis in der Forschungs­geschichte seit F. C. Baur. Brunnen: Gießen, 1983 (für die neuere Zeit).

[26] Ebd. Neudorfer S. 108-126 + 242-249 + 340-341 fasst gut zusammen, wie von den Auslegern Apg 6 verstanden wurde und welche Funktion das dort einge­setzte Amt hatte (beachte die übersichtliche Tabelle ebd. S. 124-125).

[27] Vgl. die Tabelle in William Hendriksen. I & II Timothy & Titus. New Te­stament Commentary. Banner of Truth Trust: Edinburgh 1976 (Nachdruck von 1960/1957). S. 347-349.

[28] Vgl. zur Auslegungsgeschichte des Textes Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. a. a. O. S. 149-184.

[29] Dies betont Hermann Cremer, Julius Kögel. Biblisch-Theologisches Wörter­buch des neutesta­mentlichen Griechisch. a. a. O. S. 289-290.

[30] Zur Übernahme der drei Stufen Diakon, Presbyter, Bischof aus den alttesta­mentlichen Stufen Levit, Priester und hohepriesterliche Familie vgl. Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. a. a. O. S. 168 (allgemein) und S. 142 (bei Isi­dor von Sevilla und Gratian) und S. 183-304 in: Kenneth E. Kirk. The Apostolic Ministry: Essays on the Hi­story and the Doctrine of Episcopacy. Hodder & Stoughton: Lon­don, 1957 (erweiterter Nachdruck von 1946). S. 246, nach dem Klemens von Alexandrien (1. Klemensbrief xl-xli) die Abend­mahlsfeier mit alttestamentli­chen Begrif­fen beschreibt: dem Hohepriester wurde die Li­turgie gegeben, den Prie­stern ihr spezieller Platz und den Le­viten ihr spe­zielles Dienen.

Keine „Felsblöcke“ werfen!: Vier Gründe gegen ein Machtwort – Papst Franziskus und Amoris Laetitia

Sprachlich und wesensmäßig trennt die Schrift „Amoris Laetitia“ zu Ehe und Familie Welten von Schreiben früherer Päpste zur Sexualethik, auch wenn sie die offizielle Lehre der Kirche kaum ändert. Die Schrift ist normaler, manchmal sogar banaler, allgemeinverständlich, an der Realität orientiert. Der Papst bedankt sich für viele Beiträge, die ihm geholfen haben, Familie zu verstehen (4) und lehnt eine für alle gültige Lösung, das heißt ein „Lehramtliches Eingreifen“ (3) ab. Das Dokument enthält sehr viel „Selbstkritik“ (36), reichlich ungewöhnlich für ein päpstliches Schreiben, zumindest für die vor 2013.

Durchgängig findet sich eine positive Würdigung von Sexualität und Erotik, ohne das, wie früher üblich, gleich wieder einzuschränken. Das hat durchaus Konsequenzen, etwa wenn der Papst selbstkritisch schreibt, dass die Berufung zur Liebe und gegenseitigen Hilfe „überlagert wurde durch eine fast ausschließliche Betonung der Aufgabe der Fortpflanzung“ (36).

Der Papst weigert sich, die eigentlichen Streitfragen der beiden letzten Bischofssynoden in Rom allgemeingültig zu entscheiden, obwohl ihn beide Bischofssynoden im Schlussdokument darum gebeten haben: „… möchte ich erneut darauf hinweisen, dass nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen“ (3). Dafür nennt er im Wesentlichen vier Gründe:

  1. Regionale und kulturelle Unterschiede: „Außerdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen“ (3). Die vom Papst besonders in „Evangelii gaudium“ und der Abschlussrede der Familiensynode 2015 geforderte Dezentralisierung setzt sich fort, die schon bei der Eheannulierung radikal umgesetzt wurde, indem jetzt nicht mehr die Glaubenskongregation in Rom, sondern die Ortsbischöfe und die jeweiligen Seelsorger zuständig sind. Was sowieso schon der Fall ist, wird nun offiziell ermöglicht, dass sich nämlich die Praxis der katholischen Seelsorge in Deutschland von der etwa in Polen oder Afrika unterscheidet.
  2. Die Anwendung idealer Forderungen auf konkrete Situationen: Der Papst schreibt: „Daher darf ein Hirte sich nicht damit zufrieden geben, gegenüber denen, die in ‚irregulären‘ Situationen leben, nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft.“ (305) Der Seelsorger muss sich jeden Fall einzeln genau anschauen und dabei zugleich die Barmherzigkeit berücksichtigen, „aus unserem Bewusstsein des Gewichtes der mildernden Umstände – psychologischer, historischer und sogar biologischer Art“ (308). Der Papst eröffnet deswegen die Möglichkeit, dass in Einzelfällen wiederverheirateten Geschiedenen der Zugang zur Kommunion eröffnet wird.
  3. Ein Plädoyer für die Gewissensentscheidung der Gläubigen: Die Aufwertung des Gewissens des Gläubigen gegenüber der kirchlichen Belehrung zieht sich wie ein roter Faden durch das Dokument (37, 42, 83, 222, 265, 298, 300-303), etwa im Falle der Kommunion wiederverheirateter Geschiedener oder bei der Empfängnisverhütung. Die letzte Entscheidung treffen die Gläubigen in ihrem Inneren. Zwar kann man das alles schon bei dem vom Papst mehrfach zitierten bedeutendsten mittelalterlichen Kirchenlehrer Thomas von Aquin (1225-1274) nachlesen, aber insbesondere unter Papst Johannes Paul II. wurde das Gewissen eher als Vollzugsorgan der kirchlichen Lehre gesehen.
  4. Kein Lebenslänglich: Es geht um Barmherzigkeit und um „Integration“ der schuldig gewordenen Gläubigen, denn „niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums!“ (297). Denn, so der Papst, man kann nicht weiter behaupten, dass die in bestimmten „irregulären“ Situationen lebenden Gläubigen im Zustand der Todsünde und ohne die Gnade leben (301). Das Urteil „lebenslänglich“ ist gewissermaßen abgeschafft.

Für den konservativen Flügel der katholischen Kirche ist das Schreiben ein Albtraum, wie die Diskussionen im Web bereits jetzt zeigen. Denn an die Stelle unaufgebbarer gesetzlichen Normen, die jeden Einzelfall binden, treten zahlreiche Gründe, warum Priester und Gläubige im Einzelfall von der Norm abweichen können. Folgenschwer wird dabei die Veränderung sein, dass es ab jetzt für die Glaubenskongregation schwierig, wenn nicht unmöglich sein wird, Bischofskonferenzen oder Bischöfe in den angesprochenen Fragen abzumahnen. Denn grundsätzlich gibt die Kirche mit dem Schreiben einen Teil ihrer Kontrollinstanz in Fragen der Sexualität auf.

All das tut der Papst, ohne an einer Stelle die kirchliche Lehre an sich zu ändern, wenn man nicht in der Betonung von Kultur, Situation und Gewissen eine Verschiebung der gesamten Morallehre der Kirche auf einen Schlag sehen will. Deutlich wird das beim Thema Homosexualität. Es ist kein aufgeregtes Zentralthema der Sexualethik, sondern wird fast beiläufig behandelt, nicht mehr und nicht weniger als etwa das Zusammenleben unverheirateter Heterosexueller, das auch als nicht dem Ideal der Schöpfung entsprechend angesehen wird.

Ökumenisch öffnet das Dokument Türen in Richtung der orthodoxen oder der klassischen protestantischen Ethik – Karl Barth wäre erfreut gewesen. Eher liberal orientierte Protestanten werden tief enttäuscht sein, aber weite Teile der evangelikalen Welt werden das Schreiben als Annäherung an ihre Position verstehen: Biblisch vorgegebene ethische Grundsatzpositionen und eine auf das Leben und Gewissen bezogene Seelsorge werden nicht im Gegensatz zueinander gesehen. So habe ich etwa in „Führen in ethischer Verantwortung: Die drei Seiten jeder Entscheidung“ argumentiert, dass „Gebot“, „Weisheit“ und „Herz“ gleichermaßen biblisch begründete Quellen der Ethik sind. Der Papst benutzt eine etwas andere Begrifflichkeit, zielt aber auf dasselbe ab. Aus meinen Gesprächen mit ihm weiß ich, dass es genau darum geht: Die Breite des göttlichen Umgangs mit den Menschen in der Heiligen Schrift zu wahren, die Ermutigung und Ermahnung, Gebot und Weisheit, Lehre und persönliche Gewissensentscheidungen zugleich umfasst.

Auch sonst findet eine Annäherung an evangelikale und klassisch-protestantische Positionen statt. Ausgangspunkt sind durchgängig kleine, über die ganze Schrift verteilte Bibelarbeiten. Nicht nur die Barmherzigkeit wird betont, sondern auch, dass die Gnade Gottes immer zuerst kommt und der Mensch Gottes Ordnungen und „Bund“ ohne Gottes beständige Gnade nicht verwirklichen kann (36, 37, 35). Typisch Katholisches tritt stark zurück. Selbst das auch bei Papst Franziskus bisher übliche lange Schlusskapitel über Maria samt Gebet zu Maria ist einem kurzem „Gebet zur Heiligen Familie“ gewichen.

Gekürzt erschienen:

Leicht gekürzter Nachdruck davon in:

Historisches globales Treffen von Kirchenführern in Sachen Christenverfolgung endet mit Entschuldigung für Verfolgung von Christen und Anderen durch Christen

November 25, 2015 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

(Bonn, 16.11.2015) 75 Kirchenführer aus Kirchen und Ländern weltweit mit „Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium“ berichteten und 75 hohe Repräsentanten aller Konfessionen hörten zu. In einer nicht öffentlichen Konsultation in Albaniens Hauptstadt Tirana, die das Global Christian Forum organisierte, wurde anschließend diskutiert, wie man auf die weltweite Herausforderung reagieren solle.

BQ385_1Die historische Bedeutung wird gut von einem Mitglied des Planungskomitees erläutert, das von Larry Miller, Generalsekretär des Global Christian Forum geleitet wurde:

  1. „Die historische Dimension der Konsultation hat zwei Gründe:         
    Es war das erste globale Treffen praktisch aller christlichen Konfessionen zum Thema „Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium“, um auf Zeugenaussagen von allen Kontinenten zu hören.
  2. Zum ersten Mal in der Geschichte entschuldigte sich die Weltchristenheit dafür, sich gegenseitig (und andere Religionen) verfolgt zu haben. Die Abschlussbotschaft formuliert das so: ‚Wir tun Buße darüber, dass wir zeitweise in der Geschichte einander oder andere Religionsgemeinschaften verfolgt haben und wir bitten einander um Vergebung und beten für neue Wege, Christus gemeinsam nachzufolgen.‘

Beide Schritte sind von historischer Bedeutung, sowohl für die Beziehungen der Kirchen untereinander als auch für den Kampf für Religionsfreiheit weltweit.“ (Thomas Schirrmacher)

BQ385_4Die vier Delegationen der vier Kirchen bzw. Zusammenschlüsse wurden von ihren obersten Repräsentanten vertreten, der Päpstliche Rat für die Förderung der Einheit der Christen von seinem Präsidenten Kurt Kardinal Koch, der Ökumenische Rat der Kirchen und die Weltweite Evangelische Allianz durch ihre Generalsekretäre, Pfarrer Olav Tveit und Bischof Efraim Tendero, die Pentecostal World Fellowship durch Vorstandsmitglied Pastor David Wells, der den erkrankten Vorsitzenden Prince Guneratnam vertrat. In seiner Botschaft an die Konsultation sagte Papst Franziskus:

„Ich denke mit großer Traurigkeit an die zunehmende Diskriminierung und Verfolgung von Christen im Nahen Osten, in Afrika, in Asien und an weiteren Orten weltweit. In vielen Teilen der Welt ist das Zeugnis für Christus bis hin zum Vergießen des eigenen Blutes eine gemeinsame Erfahrung von Katholiken, Orthodoxen, Anglikanern, Protestanten, Evangelikalen und Pfingstlern geworden.“

Die Delegationsleiter sprachen zur Eröffnung der Konsultation und hatten dann das letzte Wort um mitzuteilen, was ihre Konfession oder globale Körperschaft in Reaktion auf die Konsultation praktisch plant.

Bischof Efraim Tendero zum Beispiel sagte für die Weltweite Evangelische Allianz unter anderem:

„Wir wollen tun, was immer wir können, um unseren Mitgliedern zu helfen, Vorurteile gegenüber anderen christlichen Traditionen abzubauen und Geschehnisse der Vergangenheit nicht mit der Gegenwart zu verwechseln.“

Er rief vor allem dazu auf, die Erinnerungen an vergangene Verfolgung durch Christen zu heilen:

„Wir sind sehr dankbar, dass die Buße dafür, dass wir einander verfolgt haben, Teil unserer Abschlussbotschaft ist. Wir sehen es als wichtig an, die Erinnerung zu heilen, wo immer so etwas geschah. Wir werden unsere Pastoren und Kirchen ermutigen, dies auf lokaler Ebene einzuleiten, und wollen außerdem mit den vier globalen Körperschaften, die hinter dieser Konsultation stehen, diskutieren, wie wir diesen Prozess auf nationaler, kontinentaler und globaler Ebene ans Laufen bringen können.“

Die Entsprechungen der vier Körperschaften im gastgebenden Land Albanien wurden von dem Oberhaupt der Albanisch-Orthodoxen Kirche, Erzbischof Athanasios, vom Generalsekretär der Katholischen Bischofskonferenz, Bischof Georg Frendo, und vom Vorsitzenden der Albanischen Evangelischen Allianz, Pastor Ali Kurti angeführt.

BQ385_5Die Kooperation und die gleichmäßig aufgeteilte Beteiligung wurden in allen Aspekten der Konsultation deutlich. Im Planungskomitee saßen je zwei Vertreter der vier Körperschaften, dazu der Generalsekretär des Global Christian Forum und seine Konferenzdirektorin Joy Lee. Die Redner und Zeugen waren entsprechend aufgeteilt, aber auch die 40 Jugendlichen, die als Stewards die praktischen Belange organisierten und sich vorher mehrere Tage gemeinsam getroffen hatten.

Die Konsultation war nicht öffentlich, um Kirchenführer aus dem Nahen Osten und anderen gefährlichen Situationen zu schützen. Erst nach Ende der Konsultation wurde das Ganze durch einen Empfang durch den muslimischen Präsidenten von Albanien für die Delegierten öffentlich. Der Präsident dankte den Kirchenführern dafür, dass sie mit Albanien ein Land gewählt haben, in dem alle Religionen unter dem Kommunismus verfolgt und zerstört wurden – es stand am Ende praktisch keine Kirche oder Moschee mehr –, und dass sich danach für völlige Religionsfreiheit entschieden hat.

 
Downloads und Links:

  • „Historisches Treffen zur weltweiten Christenverfolgung“ – Bericht zur Konferenz durch Philipp Hildmann, Beauftragter für Interkulturellen Dialog der Hanns-Seidel-Stiftung: http://www.hss.de/politik-bildung/themen/themen-2015/historisches-treffen-zur-weltweiten-christenverfolgung.html
  • Abschlussdokument „Konferenzbotschaft“ (als pdf: englischdeutsch)
  • Schlussansprache von Bischof Efraim Tendero (PDF-Download)
  • Alle Fotos © Internationales Institut für Religionsfreiheit (IIRF)
  • Foto 1: Der Generalsekretär der Albanischen Evangelischen Allianz Akil Pano heißt die Delegierten der Konferenz „Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium“ in Tirana willkommen. Am Tisch die Repräsentanten der vier globalen christlichen Körperschaften und ihrer albanischen Entsprechungen.
  • Foto 2: Drei Delegationsleiter, von links: Bischof Efraim Tendero, Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz; Rev. Olav Tveit, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen; Kurt Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen
  • Foto 3: Godfrey Yogaraja, Direktor der Kommission für Religionsfreiheit (Religious Liberty Commission) der Weltweiten Evangelischen Allianz während seiner Plenarrede
  • Foto 4: Thomas Schirrmacher, Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, während seines Vortrages
  • Foto 5: Zwei Generalsekretäre vor der Kathedrale der Albanisch-Orthodoxen Kirche: Rev. Olav Tveit (links) und Bischof Efraim Tendero
  • Foto 6: Bischof Efraim Tendero und sein Frau während der Rede des Albanischen Präsidenten mit Thomas Schirrmacher (links) und dem Vorsitzenden der Albanischen Evangelischen Allianz (rechts)
  • Foto 7: Der Generalsekretär des Global Christian Forum, Larry Miller, und seine Frau Eleanor im Gespräch mit dem Präsidenten Albaniens
  • Foto 8: Kopien der verschiedenen Beiträge in unterschiedlichen Sprachen

Is the Pope the Antichrist?

Oktober 17, 2015 by · 1 Kommentar 

My blog of 12 October 2015 Is The Pope the Antichrist? Not according to sola scriptura! has been placed under the original article I reacted to, on the website of the World Reformed Fellowship. Because of the strong personal reaction of the other author, I added the following paragraphs:

Appendix added on October 15, 2015, at the request of Thomas Schirrmacher:

  1. Of course I have read Turretin, yet, he supposes a whole eschatological system, which goes far beyond what the short verses on the antichrist state. I do not find his arguments convincing as good exegesis of the Greek text of those verses. He also argues, „that the Antichrist will not openly deny Christ as a professed enemy but as a professed friend of Christ who praises Him with their words, yet fights Him with his actions.“ But where does any NT verse say something like this? And if the Antichrist openly confesses Christ, how can you know, who else professing Christ beyond the Pope could be the Antichrist. John does not say, that the Antichrist secretly in his heart denies Christ, but with his mouth preaches him, he says: „This is the Antichrist, that denies …“.
  2. Turretin argues, that Islam cannot be meant. But he wrote in a time, when information about Islam still were not very in-depth. I am very careful in giving a final opinion on eschatological things happening before Christ’s return. But if I would look for an anti-Christian institution denying Christ in the way, John defines it, Islam would be my first choice. Of course they do not deny it only in their heart, as Turretin thought, but very openly. Yet, if I have to choose between the Papacy and Islam, only the latter would fit the description.
  3. One could say, that by saying, that Papacy is the antichrist, one does not say that Pope Francis is the Antichrist. But Luther, Wesley and Spurgeon and others also included the living Pope’s and attacked them as antichrist. Turettin meant successive Popes, but that clearly included the one living at his time. And the blog discussed, says „that the Pope is the Antichrist.“ Yes, this means every Pope, but of course it also means the present Pope. So of course one may ask, whether the present Pope really is, what comes to your mind, when you read Scripture.
  4. To say that Papacy is the antichrist is part of a whole complicated eschatological system, and you have to take the whole system or leave it, you cannot single out the one idea that papacy is the antichrist. What Turretin wrote in the 17th century seems to argue with a different world from ours today, many developments took a different road than he thought.

Is the Pope the Antichrist? Not according to sola scriptura!

Oktober 12, 2015 by · 1 Kommentar 

Thomas Schirrmacher with Thomas K. Johnson

While I am representing the World Evangelical Alliance at the Vatican synod and shake hands with the Pope daily, the Vatican Files state as “Evangelical Theological Perspectives” that the Pope is the “Antichrist” and references 1 John 2:18; 2:22; 4:3; 2 John 1:7 and the Beast of Revelation 13:17-18. It quotes historic persons such as Martin Luther, historic confessions such as the Westminster Confession, and especially explains the views of Francis Turretin (1623-1687), who is often seen as the master of classical Protestant theology.

So etwas geht heute: Foto vom Papst während ich mit ihm rede.

So etwas geht heute: Foto vom Papst während ich mit ihm rede.

I am very grateful for the references to Reformation and early Reformed sources. There is much that we modern Evangelicals can learn from these sources that will strengthen the work of the gospel today. I have written about Reformation theology and have translated Reformation texts into modern language, as have some of my closest colleagues. But for Evangelicals, sola scriptura counts. The Bible stands as an authority even over our own traditions. So I wished that the blog would have given convincing exegetical arguments why the texts in 1 and 2 John and Revelation 13:17-18 relate to the Pope. The antichrist is the one who “denies that Jesus is the Christ” and denies “that Jesus Christ came in the flesh.” Is this an honest description of the current Pope or the papacy in general? I think not. Pope Benedict wrote three volumes on Jesus, the Christ, God incarnate. The central descriptions of the antichrist in all the texts by John are the opposite of what the Pope stands for. Indeed, it is 1 John 4:2,3 that makes me think we have to talk with the Pope and most Roman Catholic leaders in a very friendly manner, expecting that the Holy Spirit is active in their lives, even if we disagree with very important and well-known themes in their teaching.

“This is how you can recognize the Spirit of God: Every spirit that acknowledges that Jesus Christ has come in the flesh is from God, but every spirit that does not acknowledge Jesus is not from God. This is the spirit of the antichrist, which you have heard is coming and even now is already in the world.”

The Vatican Files mention but then put aside the fact that there are numerous opinions in the Evangelical world how to understand the New Testament texts about the Antichrist, and the view that the Antichrist is or was the Pope is a minority position even among Evangelicals. But if Evangelicals are far from agreeing on the meaning of the texts about the Antichrist, how can such a hard judgement about the Pope be built on them and stand as the standard Evangelical perspective?

As far as I can see, none of the present day Evangelical exegetical commentaries on 1 John and Revelation find the Pope or the Catholic Church in those texts. This should be, I believe, the end of debate. If we cannot prove an opinion by exegesis of Holy Scripture, history gives us no authority to make this harsh judgement. Even Luther did not exegete the texts in John to prove that the Pope is the antichrist; he just used the term against the Pope. Let’s follow Luther and the Reformation in using the principle of sola scriptura, even if that means disagreeing with some opinions of those Reformers.

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Thomas Schirrmacher