Thomas Schirrmacher
Archivkatholische Kirche

Die Causa Latzel:
Warum ich weder Pfarrer Latzel, noch seine Gegner verstehe

Juli 15, 2016 by · 5 Kommentare 

Meine Stellungnahme zur Causa Latzel kann hier heruntergeladen werden.

Ich veröffentliche meine Gedanken zur Causa Latzel erst jetzt, da ich sie aus der emotionalen erhitzten Debatte seinerzeit heraushalten wollte und ein gediegenes Gespräch mit allen Beteiligten suche, keinen medialen Schlagabtausch.

Papst Franziskus und Frauen ins Diakonenamt

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Papst Franziskus will eine Kommission einsetzen, die überprüft, ob das Diakoninnenamt für Frauen geöffnet werden kann.

Die Frühe Kirche kannte das Diakoninnenamt. Die orthodoxen Kirchen führen es seit 2004 sukzessive wieder ein, derzeit noch nach Maßgabe der Ortsbischöfe. Auch andere Kirchen, die die Frauenordination zum Pastoren- oder Priesteramt nicht kennen, haben trotzdem das Diakonenamt wieder für Frauen geöffnet. Wie bei den katholischen Diakonen heute, haben Diakone und Diakoninnen in der Frühen Kirche am Vollzug der Taufe und des Abendmahls mitgewirkt, nicht aber die Sakramente selbst vollzogen bzw. eingesetzt.

IMG_8433Gerne würde ich einige unterstützende Gedanken zum Diakonat für Frauen, wobei ich Ausführungen aus meiner „Ethik“ (20094ff; Band 5, S. 346-354) kürze, adaptieren und neuere Literatur einbeziehen. Denn ich gehe davon aus, dass im Neuen Testament Diakoninnen als selbstverständlich berichtet werden und unterstütze deswegen die Rückkehr jeder Kirche zu dieser neutestamentlichen (und deswegen auch frühkirchlichen) Praxis.

Es ist viel diskutiert worden, ob in 1Tim 3,11 mit den „Frauen“ die Ehefrauen der Diakone oder weibliche Diakone gemeint sind. Die besseren Argumente[1] scheinen mir auf der Seite derer zu sein, die hier die Bedingungen für das Amt von Diakoninnen se­hen. Wesentlich scheint mir, dass es keine Qualifikationslisten für die Frauen von Ältesten gibt. Warum sollte aber von den Diakonen in Bezug auf ihre Frauen mehr gefordert werden als von den Älte­sten?[2] Der Umstand, dass es eine eigene Qualifikationsliste für Diako­ninnen neben derjenigen für Diakone gibt, jedoch keine Qualifikati­onsliste für weibliche Bischöfe und Aufseher, stimmt mit dem restli­chen Befund des Neuen Testaments überein.

Dass es weibliche Diakone gab, wird aus Röm 16,1 ersichtlich. Phöbe wird hier als „Schwester…, die ein Dia­kon der Gemeinde in Kenchreä ist“, bezeichnet. Der Zusatz „der Ge­meinde in Kenchreä“ spricht dafür, dass es um das Amt in einer konkre­ten Ortsgemeinde, nicht um ein allgemeines Dienen geht[3]. Nicht ge­nug, Phöbe wird auch noch „Patronin“ (Röm 16,2) ge­nannt, was noch einmal ihr offizielles Amt unterstreicht. Das griechische Wort ‚prostatis‘ meint die „Beschützerin“, „Patronin“[4]. Die entsprechende männliche Form bedeutet Pa­tron, der Voran­stehende, der Vorstand, der Vorgesetzte, der Rechtsbei­stand[5].

Die Frühe Kirche kannte das Diakoninnen- bzw. Diakonissen­amt[6]. In der byzantinischen Kirche war es bis ins 12. Jh. selbstverständlich und weit ver­breitet[7], in Rom, Italien und im Westen ist es bis ins 5./6. Jh. verbreitet[8], bis ins 12. Jh. nach­gewiesen[9], bevor es sich ganz in die Nonnenklöster auflöst. In den altorientalischen Kirchen (fälschlich „monophysitisch“ genannt) ist es bis ins 13. Jh. nachgewiesen[10]. Die Ostkirche verteidigte – vor allem im Ge­folge von Johannes Chrysostomos, der in seinem Römerbriefkommentar zu Röm 16,2 vehement für das Diakonenamt von Phöbe eintritt – das Amt län­ger, wäh­rend die West­kirche es schon früher aus Angst vor einer Förderung der Frauenordi­nation von Priestern – so etwa Ambrosiaster oder später Erasmus von Rotterdam – aufgab oder seine Einführung verhinderte[11].

Die Diakoninnen waren in der Frühen Kirche im geistlichen Dienst und in einem kirchlichen Amt tätig: „Das Beweismaterial ist erdrückend, das die Diakonisse als Ange­stellte der Kirche ihre Aufgabe … als kirchlichen Dienst bezeichnet, sie unter die kirchlichen Beamten einreiht.“[12] Sie teilen deswegen „die Sonder­rechte der kirchlichen Personen“, zum Beispiel das Recht auf Versorgung[13], erhielten die Weihe[14] und mussten deswegen im Zölibat[15] leben. Die Diakoninnen werden des­wegen in Kanon 19 des Konzil von Nicäa genannt[16].

In vielen Kirchen wurde das Diakonat zu einem reinen Durch­gangsstadium auf dem Weg zum Presbyterat. Diese Entwicklung war maß­geblich schuld daran, dass Frauen keine Dia­kone werden konnten, weil dies praktisch bedeutet hätte, dass sie auch Älteste bzw. Pastoren bzw. Priester hätten werden können[17]. Es macht durchaus Sinn, im Diakonenamt eine natürliche, wenn auch nicht zwingende Vorstufe für das Pres­byteramt, also mit Calvin darin eine „Stufe zur Presbyter­würde“[18], zu sehen. Aber dies erfordert nicht, dass das Diakonenamt zwingend zum Presbyteramt führen muss und man sich mit Über­nahme des Diakonenamtes bereits verpflich­tet, das Presbyteramt in absehbarer Zeit anzustreben. Vielmehr ist ein ‚ständiges‘ Diakonat lebenslänglich denkbar. Selbst die katholi­sche Kirche hat 1967 vom 2. Vatikanischen Konzil her kommend das ständige Diako­nat als ei­genständige Leitungsebene, die man auch über lange Zeit innehaben kann, wiederhergestellt[19]. Sie greift in der katholischen Kirche automatisch, wenn der Diakon verheiratet ist – wobei er dort nur vor seiner Ordination heiraten darf, aber immerhin. Wenn es denn nun ein ständiges Diakonat für Männer gibt, warum sollte es dann dasselbe nicht für Frauen geben? Oder anders gesagt: auch innerkatholisch ist die Diskussion, die Papst Franziskus anstößt, nur eine logische Konsequenz aus dem 2. Vatikanischen Konzil und eine Rückkehr zum Neuen Testament und zur Frühen Kirche.

Während die reformierte Ämterlehre auf Calvin zurückgeht und Reformierte sich deswegen oft auf Calvin berufen, ist Calvins große Wertschätzung des Diakonen- und Diakoninnenamtes bei den Reformierten fast völlig in Vergessenheit geraten[20]. Diese Wertschätzung hatte Calvin von Mar­tin Bucer übernommen und in Straßburg in der Praxis kennenge­lernt[21]. Für Calvin war Apg 6,1-6 kein einfacher Bericht, sondern mit der Alten Kirche zugleich eine Anweisung für alle Zeiten[22]. Calvin hat dabei bewusst auch das Diakoninnenamt neu entwickelt[23], das er mit den drei neutestamentlichen Texten begründete, die von weiblichen Diakonen sprechen[24] und die im Mittelalter bis zur Reformationszeit meist einfach ignoriert wurden.

Die Aufgabe der Diakone und Diakoninnen – Apg 6,1-7

Um die spezielle Aufgabe der Diakone und Diakoninnen näher zu er­fassen, wurde seit der Zeit der Frühen Kirche bis heute Apg 6,1-6[25] herangezogen.[26] Die Aufgabe der Apostel „im Ge­bet und im Dienst des Wortes zu ver­harren“ (Apg 6,4) wird von der Auf­gabe „zu Tisch zu dienen“ und „über dies Geschäft be­stellt zu sein“ (Apg 6,2-3) un­terschieden. Es werden eben­falls ge­wisse Qualifikationen vorgege­ben, und eine Wahl wird vorge­nommen. Es ist durchaus zu­lässig, hier den Beginn des Diakonenamtes zu sehen, obwohl der Be­griff ‚Diakon‘ in Apg 6,1-6 nicht vorkommt, denn auch in anderen Fällen können in der Bibel Aufgaben bespro­chen wer­den, ohne dass die ‚richtige‘ Amtsbezeichnung dabei er­scheint. Entscheidend ist die Aufgabe, nicht die – oft dazu wech­selnde – Bezeichnung.

Ein Vergleich[27] der erforderlichen Qualitäten für die Ältesten und Aufseher (Tit 1,6-9; 1Tim 3,2-7) und die Diakone (1Tim 3,8-12)[28] zeigt, dass die einzige Quali­tät, die Älteste und Aufseher mehr als die Diakone haben mussten, die Lehrbefä­higung war: „fähig zu lehren“ (1Tim 3,2); „der an dem der Lehre entsprechenden zuverläs­sigen Wort festhält, damit er fä­hig ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Wider­sprechenden zu überführen“ (Tit 1,9). Dafür spricht auch, dass in Apg 6,1-6 die Diakone eingesetzt werden, damit die Apostel und Älte­sten nicht „das Gebet und den Dienst am Wort“ (Apg 6,4) vernach­lässigen.

Die soziale Aufgabe der Diakone steht sicher im Vordergrund. Das schließt aber nicht aus, dass Diakone auch weitere verantwortli­che Aufgaben wahrnehmen. Die einzigen Diakone aus Apg 6,1-6 oder überhaupt im Neuen Testament, über die wir Näheres erfahren, sind Stepha­nus (Apg 6,8-7,60) und Philippus (Apg 8,4-40; 21,8). Beide waren demnach als Evangelisten tätig.[29] Philippus führte als Diakon Tau­fen durch (Apg 8,12+16+36-39). Die an die Taufe anschlie­ßende Hand­auflegung (vgl. z. B. Hebr 6,2) konnte jedoch Philippus offensicht­lich nicht durch­führen, sondern dazu kamen ei­gens die Apostel Pe­trus und Johannes als Vertreter aller Apo­stel nach Sama­ria (Apg 8,14-17). Außerdem führten diese beiden Apo­stel, nicht Philippus, den Gemeindeausschluss von Simon Magus durch (Apg 8,18-24).

Die Aufgabenbestimmung der Diakone wird auch deutlich, wenn man – bei aller gebotenen Vorsicht – die alttestamentli­chen Leviten als erläuternde – nicht gesetzgebende – Parallele heranzieht.[30] Auch die Leviten unterstanden den eigentlichen geistlichen Leitern des Volkes Gottes, den Priestern, gingen diesen im Gottesdienst und in der Belehrung des Volkes zur Hand, organisierten die Verteilung des Zehnten und die Armenver­sorgung, stellten musikalische Beiträge zur Verfügung und nahmen weitere Aufgaben wahr.

 

Fussnoten

[1] Siehe die Argumente in Gerhard Lohfink. „Weibliche Diakone im Neuen Testament“. Diakonia 11 (1980) 1: 385-400; in Gleason L. Archer. Ency­clopedia of Bible Difficulties. Zonder­van: Grand Rapids (MI), 1982. S. 414; Jennifer H.Stiefel. “Women Deacons in 1 Timothy: A Linguistic and Literary Look at ‘WomenLikewise …’ (1 Tim 3.11).” New Testament Studies 41 (1995): 442-457 und in Hermann Cremer, Julius Kögel. Biblisch-Theologisches Wör­terbuch des neutesta­mentlichen Grie­chisch. F. A. Perthes: Stuttgart, 1923. S. 290. Thomas R. Schreiner. “The Valuable Ministries of Women in the Context of Male Leadership: A Sur­vey of Old and New Testament Exam­ples and Teaching”. S. 209-224 in: John Piper, Wayne Grudem (Hg.). Re­covering Biblical Manhood and Woman­hood. Crossway Books: Wheaton (IL), 1991 nennt S. 213-214 die Ar­gumente für ein neutestamentli­ches Dia­koninnenamt, folgt aber den S. 219-221 dagegen angeführten Argumenten.

[2] So auch Gerhard Lohfink. „Weibliche Diakone im Neuen Testament“. a. a. O. S. 396.

[3] Vgl. Thomas Schirrmacher. Der Römerbrief. Bd. 2. Hänssler: Neuhau­sen, 1993. S. 310-311; so auch Gerhard Lohfink. „Weibliche Diakone im Neuen Testament“. a. a. O. S. 390; Alfons Weiser. „Die Rolle der Frau in der ur­christlichen Mission“. S. 158-181 in: Gerhard Dautzenberg, Hel­mut Mer­klein, Karlheinz Müller (Hg.). Die Frau im Urchristentum. Quaestiones Disputatae 95. Herder: Freiburg, 1983. S. 175-176; Gleason L. Archer. En­cyclopedia of Bible Difficulties. a. a. O. S. 414 und Hermann Cremer, Ju­lius Kögel. Biblisch-Theologi­sches Wörterbuch des neutesta­mentlichen Griechisch. a. a. O. S. 290.

[4] Walter Bauer, Kurt und Bar­bara Aland. Griechisch-deutsches Wör­terbuch zu den Schriften des Neuen Te­staments … W. de Gruyter: Berlin, 19886. Sp. 1439.

[5] G. E. Benseler, Adolf Kaegi. Benselers Griechisch-Deut­sches Schul­wörterbuch. B. G. Teub­ner: Leipzig, 192614. S. 794.

[6] Adolf Kalsbach. Die altkirchliche Einrichtung der Diakonissen bis zu ihrem Erlöschen. Römische Quartalsschrift. Supplementheft 22. Herder: Freiburg, 1926, ganz, bes. S. 63-71, Dorothea Reininger. Diakonat der Frau in der einen Kirche. Schwabenverlag: Ostfildern, 1999. S. 76-122, wobei beide Verfasser gründlich die ganze Proble­matik des Verhältnisses von Witwenschaft, Jungfrauschaft und Diakonin­nenamt in der Frühen Kirche diskutieren.

[7] Adolf Kalsbach. Die altkirchliche Einrichtung der Diakonissen. a. a. O. S. 65 u. ö.

[8] Vgl. L. Duchesne. Christian Worship: Its Origin and Evolution: A Study of the Latin Liturgy up to the Time of Charlema­gne. Society for Promo­ting Christian Knowledge: New York, 1931. S. 342-343.

[9] Adolf Kalsbach. Die altkirchliche Einrichtung der Diakonissen. a. a. O.  S. 79-94 im Detail.

[10] Ebd. S. 59-60.

[11] Alles nach Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. Travaux d’Humanisme et Renaissance 197. Librairie Droz: Genf, 1984. S. 161-163.

[12] Ebd. S. 65.

[13] Ebd. S. 66.

[14] Ebd.

[15] Wie die Priester mussten die Diakoninnen unverheiratet bleiben, was Prote­stanten nur als Möglichkeit, nicht aber als Gesetz befürworten können, was aber ein untrüglicher Beleg dafür ist, dass das Diakoninnenamt als geistli­ches Amt verstanden wurde. Dieser Befund ist allerdings nicht universal und stabil, sondern wird regional und zu bestimmten Zeiten durchbrochen, siehe Dorothea Reininger. Diakonat der Frau in der einen Kirche. a. a. O. S. 78-90.

[16] Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. a. a. O. Ebd. S. 46-49.

[17] So auch Leon Morris. „Church Government“. S. 238-241 in: Walter Elwell (Hg.). Evangelical Dictionary of Theo­logy. Baker Book House: Grand Ra­pids (MI), 1986 (Nachdruck von 1984).

[18] Johan­nes Calvin. Unter­richt in der christlichen Religion. Institu­tio Chri­stianae Religio­nis. Neukir­chener Verlag: Neukir­chen, 19885. S. 745 (4. Buch 4, 5. Kap., Abschnitt 15), vgl. S. 720 (4. Buch, 3. Kap., Abschnitt 9).

[19] Rudolf Weigand. „Der ständige Diakon“. S. 229-238 in: Joseph Listl, Hubert Müller, Heribert Schmitz (Hg.). Handbuch des katholischen Kirchen­rechts, F. Pustet: Regens­burg, 1983, hier S. 229; Kongregation für das katholische Bildungswesen, Kongregation für den Klerus. Grundnormen für die Aus­bildung der Ständigen Diakone, Direktorium für den Dienst und das Leben der Ständigen Diakone: 22. Februar 1998. Ver­lautbarungen des Apostoli­schen Stuhls 132. Sekretariat der Deutschen Bischofskonfe­renz: Bonn, 1998. bes. S. 7+14; vgl. zur Alten Kirche S. 12-16.

[20] So bes. auch Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgi­cal Almsgi­ving. a. a. O. S. 13; vgl. etwa Jean Calvin. Calvin-Studienausgabe. Bd. 2: Gestalt und Ordnung der Kirche. Neukirchener Verlag: Neukirchen-Vluyn, 1997. S. 257-259 (aus Ordonnances ecclésia­stiqes [1541/1561] S. 227-279).

[21] Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgi­cal Almsgi­ving. a. a. O. S. 129+153; vgl. S. 179 den Verweis auf Bucers Schrift ‚Von der Wa­ren Seelsorge‘ von 1538. Neben Bucer nennt McKee ebd. S. 153 außer­dem Jo­hannes Chryso­stomos als einflussreichsten Anreger für Calvins Gedanken zum Diakonat. Nach ebd. S. 185-204 wurde allerdings im Ge­folge Bucers (bes. S. 193-195) Röm 12,8 zum wichtigsten Text über das Diakonenamt, ein Text, den heute kaum noch ein Ausleger darauf be­zieht.

[22] Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. a. a. O. S. 156.

[23] So bes. ebd. S. 213-217.

[24] Ebd. S. 205-210.

[25] Vgl. zur Auslegungsgeschichte von Apg 6,1-6 Elsie Anne McKee. John Cal­vin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. a. a. O. S. 139-158 (bis zum 17. Jahrhundert) und Heinz-Werner Neudorfer. Der Stephanuskreis in der Forschungs­geschichte seit F. C. Baur. Brunnen: Gießen, 1983 (für die neuere Zeit).

[26] Ebd. Neudorfer S. 108-126 + 242-249 + 340-341 fasst gut zusammen, wie von den Auslegern Apg 6 verstanden wurde und welche Funktion das dort einge­setzte Amt hatte (beachte die übersichtliche Tabelle ebd. S. 124-125).

[27] Vgl. die Tabelle in William Hendriksen. I & II Timothy & Titus. New Te­stament Commentary. Banner of Truth Trust: Edinburgh 1976 (Nachdruck von 1960/1957). S. 347-349.

[28] Vgl. zur Auslegungsgeschichte des Textes Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. a. a. O. S. 149-184.

[29] Dies betont Hermann Cremer, Julius Kögel. Biblisch-Theologisches Wörter­buch des neutesta­mentlichen Griechisch. a. a. O. S. 289-290.

[30] Zur Übernahme der drei Stufen Diakon, Presbyter, Bischof aus den alttesta­mentlichen Stufen Levit, Priester und hohepriesterliche Familie vgl. Elsie Anne McKee. John Calvin on the Diaconate and Liturgical Almsgi­ving. a. a. O. S. 168 (allgemein) und S. 142 (bei Isi­dor von Sevilla und Gratian) und S. 183-304 in: Kenneth E. Kirk. The Apostolic Ministry: Essays on the Hi­story and the Doctrine of Episcopacy. Hodder & Stoughton: Lon­don, 1957 (erweiterter Nachdruck von 1946). S. 246, nach dem Klemens von Alexandrien (1. Klemensbrief xl-xli) die Abend­mahlsfeier mit alttestamentli­chen Begrif­fen beschreibt: dem Hohepriester wurde die Li­turgie gegeben, den Prie­stern ihr spezieller Platz und den Le­viten ihr spe­zielles Dienen.

Keine „Felsblöcke“ werfen!: Vier Gründe gegen ein Machtwort – Papst Franziskus und Amoris Laetitia

Sprachlich und wesensmäßig trennt die Schrift „Amoris Laetitia“ zu Ehe und Familie Welten von Schreiben früherer Päpste zur Sexualethik, auch wenn sie die offizielle Lehre der Kirche kaum ändert. Die Schrift ist normaler, manchmal sogar banaler, allgemeinverständlich, an der Realität orientiert. Der Papst bedankt sich für viele Beiträge, die ihm geholfen haben, Familie zu verstehen (4) und lehnt eine für alle gültige Lösung, das heißt ein „Lehramtliches Eingreifen“ (3) ab. Das Dokument enthält sehr viel „Selbstkritik“ (36), reichlich ungewöhnlich für ein päpstliches Schreiben, zumindest für die vor 2013.

Durchgängig findet sich eine positive Würdigung von Sexualität und Erotik, ohne das, wie früher üblich, gleich wieder einzuschränken. Das hat durchaus Konsequenzen, etwa wenn der Papst selbstkritisch schreibt, dass die Berufung zur Liebe und gegenseitigen Hilfe „überlagert wurde durch eine fast ausschließliche Betonung der Aufgabe der Fortpflanzung“ (36).

Der Papst weigert sich, die eigentlichen Streitfragen der beiden letzten Bischofssynoden in Rom allgemeingültig zu entscheiden, obwohl ihn beide Bischofssynoden im Schlussdokument darum gebeten haben: „… möchte ich erneut darauf hinweisen, dass nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen“ (3). Dafür nennt er im Wesentlichen vier Gründe:

  1. Regionale und kulturelle Unterschiede: „Außerdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen“ (3). Die vom Papst besonders in „Evangelii gaudium“ und der Abschlussrede der Familiensynode 2015 geforderte Dezentralisierung setzt sich fort, die schon bei der Eheannulierung radikal umgesetzt wurde, indem jetzt nicht mehr die Glaubenskongregation in Rom, sondern die Ortsbischöfe und die jeweiligen Seelsorger zuständig sind. Was sowieso schon der Fall ist, wird nun offiziell ermöglicht, dass sich nämlich die Praxis der katholischen Seelsorge in Deutschland von der etwa in Polen oder Afrika unterscheidet.
  2. Die Anwendung idealer Forderungen auf konkrete Situationen: Der Papst schreibt: „Daher darf ein Hirte sich nicht damit zufrieden geben, gegenüber denen, die in ‚irregulären‘ Situationen leben, nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft.“ (305) Der Seelsorger muss sich jeden Fall einzeln genau anschauen und dabei zugleich die Barmherzigkeit berücksichtigen, „aus unserem Bewusstsein des Gewichtes der mildernden Umstände – psychologischer, historischer und sogar biologischer Art“ (308). Der Papst eröffnet deswegen die Möglichkeit, dass in Einzelfällen wiederverheirateten Geschiedenen der Zugang zur Kommunion eröffnet wird.
  3. Ein Plädoyer für die Gewissensentscheidung der Gläubigen: Die Aufwertung des Gewissens des Gläubigen gegenüber der kirchlichen Belehrung zieht sich wie ein roter Faden durch das Dokument (37, 42, 83, 222, 265, 298, 300-303), etwa im Falle der Kommunion wiederverheirateter Geschiedener oder bei der Empfängnisverhütung. Die letzte Entscheidung treffen die Gläubigen in ihrem Inneren. Zwar kann man das alles schon bei dem vom Papst mehrfach zitierten bedeutendsten mittelalterlichen Kirchenlehrer Thomas von Aquin (1225-1274) nachlesen, aber insbesondere unter Papst Johannes Paul II. wurde das Gewissen eher als Vollzugsorgan der kirchlichen Lehre gesehen.
  4. Kein Lebenslänglich: Es geht um Barmherzigkeit und um „Integration“ der schuldig gewordenen Gläubigen, denn „niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums!“ (297). Denn, so der Papst, man kann nicht weiter behaupten, dass die in bestimmten „irregulären“ Situationen lebenden Gläubigen im Zustand der Todsünde und ohne die Gnade leben (301). Das Urteil „lebenslänglich“ ist gewissermaßen abgeschafft.

Für den konservativen Flügel der katholischen Kirche ist das Schreiben ein Albtraum, wie die Diskussionen im Web bereits jetzt zeigen. Denn an die Stelle unaufgebbarer gesetzlichen Normen, die jeden Einzelfall binden, treten zahlreiche Gründe, warum Priester und Gläubige im Einzelfall von der Norm abweichen können. Folgenschwer wird dabei die Veränderung sein, dass es ab jetzt für die Glaubenskongregation schwierig, wenn nicht unmöglich sein wird, Bischofskonferenzen oder Bischöfe in den angesprochenen Fragen abzumahnen. Denn grundsätzlich gibt die Kirche mit dem Schreiben einen Teil ihrer Kontrollinstanz in Fragen der Sexualität auf.

All das tut der Papst, ohne an einer Stelle die kirchliche Lehre an sich zu ändern, wenn man nicht in der Betonung von Kultur, Situation und Gewissen eine Verschiebung der gesamten Morallehre der Kirche auf einen Schlag sehen will. Deutlich wird das beim Thema Homosexualität. Es ist kein aufgeregtes Zentralthema der Sexualethik, sondern wird fast beiläufig behandelt, nicht mehr und nicht weniger als etwa das Zusammenleben unverheirateter Heterosexueller, das auch als nicht dem Ideal der Schöpfung entsprechend angesehen wird.

Ökumenisch öffnet das Dokument Türen in Richtung der orthodoxen oder der klassischen protestantischen Ethik – Karl Barth wäre erfreut gewesen. Eher liberal orientierte Protestanten werden tief enttäuscht sein, aber weite Teile der evangelikalen Welt werden das Schreiben als Annäherung an ihre Position verstehen: Biblisch vorgegebene ethische Grundsatzpositionen und eine auf das Leben und Gewissen bezogene Seelsorge werden nicht im Gegensatz zueinander gesehen. So habe ich etwa in „Führen in ethischer Verantwortung: Die drei Seiten jeder Entscheidung“ argumentiert, dass „Gebot“, „Weisheit“ und „Herz“ gleichermaßen biblisch begründete Quellen der Ethik sind. Der Papst benutzt eine etwas andere Begrifflichkeit, zielt aber auf dasselbe ab. Aus meinen Gesprächen mit ihm weiß ich, dass es genau darum geht: Die Breite des göttlichen Umgangs mit den Menschen in der Heiligen Schrift zu wahren, die Ermutigung und Ermahnung, Gebot und Weisheit, Lehre und persönliche Gewissensentscheidungen zugleich umfasst.

Auch sonst findet eine Annäherung an evangelikale und klassisch-protestantische Positionen statt. Ausgangspunkt sind durchgängig kleine, über die ganze Schrift verteilte Bibelarbeiten. Nicht nur die Barmherzigkeit wird betont, sondern auch, dass die Gnade Gottes immer zuerst kommt und der Mensch Gottes Ordnungen und „Bund“ ohne Gottes beständige Gnade nicht verwirklichen kann (36, 37, 35). Typisch Katholisches tritt stark zurück. Selbst das auch bei Papst Franziskus bisher übliche lange Schlusskapitel über Maria samt Gebet zu Maria ist einem kurzem „Gebet zur Heiligen Familie“ gewichen.

Gekürzt erschienen:

Leicht gekürzter Nachdruck davon in:

Historisches globales Treffen von Kirchenführern in Sachen Christenverfolgung endet mit Entschuldigung für Verfolgung von Christen und Anderen durch Christen

November 25, 2015 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

(Bonn, 16.11.2015) 75 Kirchenführer aus Kirchen und Ländern weltweit mit „Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium“ berichteten und 75 hohe Repräsentanten aller Konfessionen hörten zu. In einer nicht öffentlichen Konsultation in Albaniens Hauptstadt Tirana, die das Global Christian Forum organisierte, wurde anschließend diskutiert, wie man auf die weltweite Herausforderung reagieren solle.

BQ385_1Die historische Bedeutung wird gut von einem Mitglied des Planungskomitees erläutert, das von Larry Miller, Generalsekretär des Global Christian Forum geleitet wurde:

  1. „Die historische Dimension der Konsultation hat zwei Gründe:         
    Es war das erste globale Treffen praktisch aller christlichen Konfessionen zum Thema „Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium“, um auf Zeugenaussagen von allen Kontinenten zu hören.
  2. Zum ersten Mal in der Geschichte entschuldigte sich die Weltchristenheit dafür, sich gegenseitig (und andere Religionen) verfolgt zu haben. Die Abschlussbotschaft formuliert das so: ‚Wir tun Buße darüber, dass wir zeitweise in der Geschichte einander oder andere Religionsgemeinschaften verfolgt haben und wir bitten einander um Vergebung und beten für neue Wege, Christus gemeinsam nachzufolgen.‘

Beide Schritte sind von historischer Bedeutung, sowohl für die Beziehungen der Kirchen untereinander als auch für den Kampf für Religionsfreiheit weltweit.“ (Thomas Schirrmacher)

BQ385_4Die vier Delegationen der vier Kirchen bzw. Zusammenschlüsse wurden von ihren obersten Repräsentanten vertreten, der Päpstliche Rat für die Förderung der Einheit der Christen von seinem Präsidenten Kurt Kardinal Koch, der Ökumenische Rat der Kirchen und die Weltweite Evangelische Allianz durch ihre Generalsekretäre, Pfarrer Olav Tveit und Bischof Efraim Tendero, die Pentecostal World Fellowship durch Vorstandsmitglied Pastor David Wells, der den erkrankten Vorsitzenden Prince Guneratnam vertrat. In seiner Botschaft an die Konsultation sagte Papst Franziskus:

„Ich denke mit großer Traurigkeit an die zunehmende Diskriminierung und Verfolgung von Christen im Nahen Osten, in Afrika, in Asien und an weiteren Orten weltweit. In vielen Teilen der Welt ist das Zeugnis für Christus bis hin zum Vergießen des eigenen Blutes eine gemeinsame Erfahrung von Katholiken, Orthodoxen, Anglikanern, Protestanten, Evangelikalen und Pfingstlern geworden.“

Die Delegationsleiter sprachen zur Eröffnung der Konsultation und hatten dann das letzte Wort um mitzuteilen, was ihre Konfession oder globale Körperschaft in Reaktion auf die Konsultation praktisch plant.

Bischof Efraim Tendero zum Beispiel sagte für die Weltweite Evangelische Allianz unter anderem:

„Wir wollen tun, was immer wir können, um unseren Mitgliedern zu helfen, Vorurteile gegenüber anderen christlichen Traditionen abzubauen und Geschehnisse der Vergangenheit nicht mit der Gegenwart zu verwechseln.“

Er rief vor allem dazu auf, die Erinnerungen an vergangene Verfolgung durch Christen zu heilen:

„Wir sind sehr dankbar, dass die Buße dafür, dass wir einander verfolgt haben, Teil unserer Abschlussbotschaft ist. Wir sehen es als wichtig an, die Erinnerung zu heilen, wo immer so etwas geschah. Wir werden unsere Pastoren und Kirchen ermutigen, dies auf lokaler Ebene einzuleiten, und wollen außerdem mit den vier globalen Körperschaften, die hinter dieser Konsultation stehen, diskutieren, wie wir diesen Prozess auf nationaler, kontinentaler und globaler Ebene ans Laufen bringen können.“

Die Entsprechungen der vier Körperschaften im gastgebenden Land Albanien wurden von dem Oberhaupt der Albanisch-Orthodoxen Kirche, Erzbischof Athanasios, vom Generalsekretär der Katholischen Bischofskonferenz, Bischof Georg Frendo, und vom Vorsitzenden der Albanischen Evangelischen Allianz, Pastor Ali Kurti angeführt.

BQ385_5Die Kooperation und die gleichmäßig aufgeteilte Beteiligung wurden in allen Aspekten der Konsultation deutlich. Im Planungskomitee saßen je zwei Vertreter der vier Körperschaften, dazu der Generalsekretär des Global Christian Forum und seine Konferenzdirektorin Joy Lee. Die Redner und Zeugen waren entsprechend aufgeteilt, aber auch die 40 Jugendlichen, die als Stewards die praktischen Belange organisierten und sich vorher mehrere Tage gemeinsam getroffen hatten.

Die Konsultation war nicht öffentlich, um Kirchenführer aus dem Nahen Osten und anderen gefährlichen Situationen zu schützen. Erst nach Ende der Konsultation wurde das Ganze durch einen Empfang durch den muslimischen Präsidenten von Albanien für die Delegierten öffentlich. Der Präsident dankte den Kirchenführern dafür, dass sie mit Albanien ein Land gewählt haben, in dem alle Religionen unter dem Kommunismus verfolgt und zerstört wurden – es stand am Ende praktisch keine Kirche oder Moschee mehr –, und dass sich danach für völlige Religionsfreiheit entschieden hat.

 
Downloads und Links:

  • „Historisches Treffen zur weltweiten Christenverfolgung“ – Bericht zur Konferenz durch Philipp Hildmann, Beauftragter für Interkulturellen Dialog der Hanns-Seidel-Stiftung: http://www.hss.de/politik-bildung/themen/themen-2015/historisches-treffen-zur-weltweiten-christenverfolgung.html
  • Abschlussdokument „Konferenzbotschaft“ (als pdf: englischdeutsch)
  • Schlussansprache von Bischof Efraim Tendero (PDF-Download)
  • Alle Fotos © Internationales Institut für Religionsfreiheit (IIRF)
  • Foto 1: Der Generalsekretär der Albanischen Evangelischen Allianz Akil Pano heißt die Delegierten der Konferenz „Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium“ in Tirana willkommen. Am Tisch die Repräsentanten der vier globalen christlichen Körperschaften und ihrer albanischen Entsprechungen.
  • Foto 2: Drei Delegationsleiter, von links: Bischof Efraim Tendero, Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz; Rev. Olav Tveit, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen; Kurt Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen
  • Foto 3: Godfrey Yogaraja, Direktor der Kommission für Religionsfreiheit (Religious Liberty Commission) der Weltweiten Evangelischen Allianz während seiner Plenarrede
  • Foto 4: Thomas Schirrmacher, Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, während seines Vortrages
  • Foto 5: Zwei Generalsekretäre vor der Kathedrale der Albanisch-Orthodoxen Kirche: Rev. Olav Tveit (links) und Bischof Efraim Tendero
  • Foto 6: Bischof Efraim Tendero und sein Frau während der Rede des Albanischen Präsidenten mit Thomas Schirrmacher (links) und dem Vorsitzenden der Albanischen Evangelischen Allianz (rechts)
  • Foto 7: Der Generalsekretär des Global Christian Forum, Larry Miller, und seine Frau Eleanor im Gespräch mit dem Präsidenten Albaniens
  • Foto 8: Kopien der verschiedenen Beiträge in unterschiedlichen Sprachen

Is the Pope the Antichrist?

Oktober 17, 2015 by · 1 Kommentar 

My blog of 12 October 2015 Is The Pope the Antichrist? Not according to sola scriptura! has been placed under the original article I reacted to, on the website of the World Reformed Fellowship. Because of the strong personal reaction of the other author, I added the following paragraphs:

Appendix added on October 15, 2015, at the request of Thomas Schirrmacher:

  1. Of course I have read Turretin, yet, he supposes a whole eschatological system, which goes far beyond what the short verses on the antichrist state. I do not find his arguments convincing as good exegesis of the Greek text of those verses. He also argues, „that the Antichrist will not openly deny Christ as a professed enemy but as a professed friend of Christ who praises Him with their words, yet fights Him with his actions.“ But where does any NT verse say something like this? And if the Antichrist openly confesses Christ, how can you know, who else professing Christ beyond the Pope could be the Antichrist. John does not say, that the Antichrist secretly in his heart denies Christ, but with his mouth preaches him, he says: „This is the Antichrist, that denies …“.
  2. Turretin argues, that Islam cannot be meant. But he wrote in a time, when information about Islam still were not very in-depth. I am very careful in giving a final opinion on eschatological things happening before Christ’s return. But if I would look for an anti-Christian institution denying Christ in the way, John defines it, Islam would be my first choice. Of course they do not deny it only in their heart, as Turretin thought, but very openly. Yet, if I have to choose between the Papacy and Islam, only the latter would fit the description.
  3. One could say, that by saying, that Papacy is the antichrist, one does not say that Pope Francis is the Antichrist. But Luther, Wesley and Spurgeon and others also included the living Pope’s and attacked them as antichrist. Turettin meant successive Popes, but that clearly included the one living at his time. And the blog discussed, says „that the Pope is the Antichrist.“ Yes, this means every Pope, but of course it also means the present Pope. So of course one may ask, whether the present Pope really is, what comes to your mind, when you read Scripture.
  4. To say that Papacy is the antichrist is part of a whole complicated eschatological system, and you have to take the whole system or leave it, you cannot single out the one idea that papacy is the antichrist. What Turretin wrote in the 17th century seems to argue with a different world from ours today, many developments took a different road than he thought.

Is the Pope the Antichrist? Not according to sola scriptura!

Oktober 12, 2015 by · 1 Kommentar 

Thomas Schirrmacher with Thomas K. Johnson

While I am representing the World Evangelical Alliance at the Vatican synod and shake hands with the Pope daily, the Vatican Files state as “Evangelical Theological Perspectives” that the Pope is the “Antichrist” and references 1 John 2:18; 2:22; 4:3; 2 John 1:7 and the Beast of Revelation 13:17-18. It quotes historic persons such as Martin Luther, historic confessions such as the Westminster Confession, and especially explains the views of Francis Turretin (1623-1687), who is often seen as the master of classical Protestant theology.

So etwas geht heute: Foto vom Papst während ich mit ihm rede.

So etwas geht heute: Foto vom Papst während ich mit ihm rede.

I am very grateful for the references to Reformation and early Reformed sources. There is much that we modern Evangelicals can learn from these sources that will strengthen the work of the gospel today. I have written about Reformation theology and have translated Reformation texts into modern language, as have some of my closest colleagues. But for Evangelicals, sola scriptura counts. The Bible stands as an authority even over our own traditions. So I wished that the blog would have given convincing exegetical arguments why the texts in 1 and 2 John and Revelation 13:17-18 relate to the Pope. The antichrist is the one who “denies that Jesus is the Christ” and denies “that Jesus Christ came in the flesh.” Is this an honest description of the current Pope or the papacy in general? I think not. Pope Benedict wrote three volumes on Jesus, the Christ, God incarnate. The central descriptions of the antichrist in all the texts by John are the opposite of what the Pope stands for. Indeed, it is 1 John 4:2,3 that makes me think we have to talk with the Pope and most Roman Catholic leaders in a very friendly manner, expecting that the Holy Spirit is active in their lives, even if we disagree with very important and well-known themes in their teaching.

“This is how you can recognize the Spirit of God: Every spirit that acknowledges that Jesus Christ has come in the flesh is from God, but every spirit that does not acknowledge Jesus is not from God. This is the spirit of the antichrist, which you have heard is coming and even now is already in the world.”

The Vatican Files mention but then put aside the fact that there are numerous opinions in the Evangelical world how to understand the New Testament texts about the Antichrist, and the view that the Antichrist is or was the Pope is a minority position even among Evangelicals. But if Evangelicals are far from agreeing on the meaning of the texts about the Antichrist, how can such a hard judgement about the Pope be built on them and stand as the standard Evangelical perspective?

As far as I can see, none of the present day Evangelical exegetical commentaries on 1 John and Revelation find the Pope or the Catholic Church in those texts. This should be, I believe, the end of debate. If we cannot prove an opinion by exegesis of Holy Scripture, history gives us no authority to make this harsh judgement. Even Luther did not exegete the texts in John to prove that the Pope is the antichrist; he just used the term against the Pope. Let’s follow Luther and the Reformation in using the principle of sola scriptura, even if that means disagreeing with some opinions of those Reformers.

Beachten Sie auch den neueren Beitrag: Is the Pope the Antichrist?

Schirrmacher fordert in einem offenen Brief seinen Kollegen Geldbach auf, zur ökumenischen Gesprächskultur des 21. Jahrhunderts aufzuschließen

(Bonner Querschnitte, 21.03.2015) Der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, hat seinen Kollegen, den Bochumer baptistischen Konfessionskundler Erich Geldbach, in einem offenen Brief aufgefordert, Begriffe wie ‚Erzfeinde‘ aus der Sprache der ökumenischen Beziehungen zu verbannen und sich intensiv mit den Mitgliedskirchen der Weltweiten Evangelischen Allianz im Globalen Süden vertraut zu machen.

Geldbach hatte auf einem evangelikalen Symposium in Marburg am 14.3.2015 ein sehr negatives Bild der Weltweiten Evangelischen Allianz gezeichnet und Schirrmacher als „strengen Fundamentalisten“ bezeichnet. Zudem warf er ihm vor, keinerlei Expertise in Sachen Religionsfreiheit und Menschenrechte erkennen gelassen zu haben, aber wohlklingende Titel zu führen.

Schirrmachers offener Brief schließt mit den Worten: „Lieber Herr Kollege, bitte beenden Sie Ihre ad-personam-Argumentationen und verunglimpfenden Äußerungen über andere weltweite christliche Bewegungen und klinken Sie sich in die theologische Gesprächskultur des 21. Jahrhunderts ein. Unsere unruhige Welt braucht ein aufeinander Zugehen aller Christen, kein auseinander Gehen.“

Wir dokumentieren hier den Offenen Brief. (Der Offene Brief als PDF zum herunterladen.)

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Geldbach, lieber Kollege,

Sie haben in Ihrem Vortrag „Sind Baptisten Evangelikale?“ auf einer evangelikalen Studientagung in Marburg am 14.3.2015 einen tiefen Graben zwischen Evangelikalen und anderen Christen ausmachen oder sogar aufreißen wollen.

Sie verwenden, wenn auch anderen in den Mund gelegt, das Wort „Erzfeinde“ für andersdenkende globale Ströme der Christenheit. Ich glaube, dass diese Art der Auseinandersetzung sicher im 20. Jh. verbreitet war, aber nicht mehr zu den weltweiten Beziehungen der großen Ströme der Christenheit im 21. Jh. passt. Sie verwerfen die Weltweite Evangelische Allianz (WEA), weil sie Ihrer Meinung nach unmöglich theologisch einig sein könne (statt nach der globalen Realität zu fragen), und loben den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), weil er auf Einheit aus sei. Nun hat gerade der ÖRK große innere Schwierigkeiten mit der Einbindung etlicher konservativer werdender orthodoxer Kirchen, während die WEA verhältnismäßig geschlossen da steht. Aber wie dem auch sei: Wir brauchen Theologen, die auf echte Einheit hinarbeiten, und wo sie nicht möglich ist, auf sachlich gediegene Gespräche über die Unterschiede, nicht aber Theologen, die Einheit bedauern oder dem ‚Feind‘ nicht gönnen.

Ich bin auch enttäuscht, dass Sie sich als Konfessionskundler nicht näher mit der WEA befasst haben, sondern im Vorraum der Verurteilung stehen bleiben, zudem einen völlig veralteten Sachstand zugrunde legen und die Auseinandersetzung mit der WEA oder mir nicht inhaltlich, sondern ausschließlich ad personam (und dazu noch mit falschen Daten) führen. Bei aller unterschiedlichen theologischen Ausrichtung: Eine Stellungnahme etwa zu meiner theologischen Herleitung der Menschenrechte oder zu meinem religionssoziologischen Buch gegen den Fundamentalismus mit dem Titel „Fundamentalismus: Wenn Religion zu Gewalt wird“ wäre angemessener und hilfreicher gewesen.

Ich biete Ihnen ein in der Sache kontroverses, aber im wissenschaftlichen Umgang sachliches und im persönlichen Ton freundliches Gespräch an. Ich glaube, dass sich das so im ökumenischen Bereich weltweit überwiegend durchgesetzt hat und Ihre Herangehensweise, zumindest was die offiziellen Kirchenvertreter der Welt angeht, der Vergangenheit angehört.

Lieber Herr Kollege, bitte beenden Sie Ihre ad-personam-Argumentationen und verunglimpfenden Äußerungen über andere weltweite christliche Bewegungen und klinken Sie sich in die theologische Gesprächskultur des 21. Jahrhunderts ein. Unsere unruhige Welt braucht ein aufeinander Zugehen aller Christen, kein auseinander Gehen.

Ihr

(gez.) Thomas Schirrmacher

Noch einige Anmerkungen zu einigen Details Ihres Vortrages in Marburg vom 14.3.2015 (Ihre Ausführungen werden kursiv wiedergegeben).

1. Zur Weltweiten Evangelischen Allianz

In Ihrer sehr scharfen, ja stark verunglimpfenden Kritik der Weltweiten Evangelischen Allianz erfährt der Zuhörer eigentlich nichts über die Millionen von Christen oder das Wirken der WEA. Ihr Hauptargument ist vielmehr, dass ein so breit aufgestelltes Netzwerk unmöglich zusammenhalten könne. Sicher, wenn man Theologie – wie Sie es leider tun – vor allem als Kampfansage praktiziert bzw. versteht, mag das stimmen, in der Realität aber halten wir seit 1846 zusammen. Ich wünschte, Sie würden z. B. unseren Generalsekretär, Bischof Efraim Tendero aus den Philippinen, einmal persönlich kennenlernen, dann würden Sie das sicher eher verstehen. Dies gilt umso mehr, als heute die große Masse der von Ihnen verunglimpften Christen und Kirchen im Globalen Süden lebt. Wenn ein solcher Zusammenhalt nicht denkbar ist, wie erklären Sie sich dann die Existenz des ÖRK, der doch eine noch viel größere theologische Bandbreite unter einem Dach versammelt?

„Wenn man das Glaubensbekenntnis der Weltweiten Evangelischen Allianz betrachtet, … dann fällt auf, dass das Glaubensbekenntnis im Artikel über die Bibel das fundamentalistische Erkennungsmerkmal ‚inerrancy‘ = Irrtumslosigkeit vermeidet, aber dennoch eine sehr enge Definition gibt, die wenig Spielraum für eine Erforschung der Hl. Schrift lässt. Die Bibel sei ‚ursprünglich von Gott gegeben‘: was bedeutet ‚ursprünglich‘? Sie sei ‚göttlich inspiriert‘ und ‚unfehlbar‘ und deshalb ‚vollkommen vertrauenswürdig‘. Gleiche Fragen stellen sich im Blick auf christologische Aussagen (Jungfrauengeburt, göttliche Wunder, stellvertretender Sühnetod Jesu, körperliche Auferstehung, persönliche Wiederkehr in Macht und Herrlichkeit). Halten sich alle Evangelikale daran?“

An dieser Stelle bekommt der Zuhörer zumindest einen kleinen Eindruck einiger, zweifelsfrei grundlegender theologischer Überzeugungen evangelikaler Christen. Gleichzeitig ist erstaunlich, wie Sie sich als Baptist offenbar selbst mit den klassischen Eckdaten der Christologie des historischen Christentums schwertun. Irgendwelches evangelikales „Sondergut“ sind diese Überzeugungen ja aber keineswegs. Sie fragen: „Halten sich alle Evangelikale daran?“ Ich möchte fast die Gegenfrage stellen: „Sind das für Baptisten etwa außergewöhnliche oder gar problematische Überzeugungen?“ Im Übrigen teilen wir genau diese Dinge mit unseren katholischen Gesprächspartnern, und auch im Bereich des ÖRK gibt es doch nur noch eine Minderheit, die das in Frage stellen würde. „Wenig Spielraum für eine Erforschung der Hl. Schrift“? Wie viele der Hunderte von Dissertationen zu AT, NT und Archäologie im Raum evangelikaler Hochschulen besonders in Asien haben Sie denn angeschaut? Wie viele der wissenschaftlichen Kommentarreihen zur gesamten Bibel? Oder sprechen sie von der Situation von vor 50 Jahren?

„Kann ‚evangelikal‘ wirklich das Verbindende der so völlig unterschiedlichen Organisationen sein oder wird hier von einigen ‚power broker‘ eine Machtbasis behauptet, von der man umso einfacher die sozial und theologisch konservative oder gar reaktionäre Tagesordnung durchsetzen kann?“

Hier zeigt sich einmal mehr, dass Sie offenbar keine konkrete Verbindung zum globalen Christentum und seinen ökumenischen Beziehungen oder zur Realität der globalen Mitglieder der Weltweiten Evangelischen Allianz haben. Alle 129 nationalen Allianzen haben Stimmrecht und Einfluss – dank einer typisch evangelikal sehr flachen Leitungsstruktur, in der die Leitung keine Weisungsberechtigung gegenüber den Mitgliedern hat. Wie sollen wir denn da etwas durchsetzen? Glauben Sie etwa, die sehr gut organisierte Asia Theological Association (ATA), der Dutzende von führenden großen theologischen Seminaren Asiens mit weit über Tausend Theologieprofessoren angehören, lasse sich von mir als deutschem Theologen für politische Zwecke benutzen oder Vorschriften machen, nur weil ich Vorsitzender der Theologischen Kommission der WEA bin?

Ich bin selbst oft genug Kritiker evangelikaler Strömungen oder Denkweisungen und setze die ‚Selbstkritik‘ in meinen Veröffentlichungen oft an die erste Stelle. Aber das, was Sie schreiben, haben unsere Mitgliedskirchen (und in ca. 120 Ländern ist die Allianz ein reiner Zusammenschluss von Kirchen) wirklich nicht verdient, in solcher Pauschalität schon gar nicht.

Ich lade Sie herzlich ein, die Kirchen des Globalen Südens unserer Allianz zu besuchen und sich selbst ein Bild zu machen. Ich glaube nämlich, dass es die Welt, die Sie skizzieren und verdammen, gar nicht mehr oder nur noch als Ausnahmen gibt.

2. Zu meiner Person

Sie wählen sodann meine Person als Zielscheibe. Natürlich erfährt der Zuhörer eigentlich nichts über mich, meine Theologie, mein Wirken – es sind nur ad-personam-Argumente. Trotzdem möchte ich kurz auf sie eingehen.

In Bezug auf die FTH Gießen (deren Namen Sie nicht einmal vollständig nennen) sagen Sie zu meiner Person: „… und manchmal als Lehrer aufgeführt wird, dann wieder nicht (derzeit nicht auf der website) …“

Sie schaffen es irgendwie, die normalsten Dinge so zu formulieren, dass sie negativ klingen. Ich war noch nie etwas Anderes als Gastdozent bzw. „außerplanmäßiger“ Dozent an der Freien Theologischen Hochschule Gießen, ich wohne seit 1982 in Bonn. Ich war Gastdozent an der FTA/FTH 1983 – 1989 und 2000 – 2013. Von daher ist es nur logisch, dass ich jetzt nicht mehr auf der Webseite zu finden bin.

„… firmiert aber jetzt als ‚Exekutivdirektor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit‘, als ‚Vorsitzender der Theologischen Kommission‘ und als ‚Botschafter für Menschenrechte‘ der Weltweiten Evangelischen Allianz, obwohl er zuvor keine Expertise auf den Gebieten der Menschenrechte und der Religionsfreiheit erkennen ließ“.

Schon das „jetzt“ ist falsch, ich wirke in Gremien der Allianz seit meinem Studium mit, seit 1999 bin ich in Leitungsgremien der WEA tätig. Auch „firmiere“ ich nicht nur unter bestimmten Titeln, es handelt sich jeweils um eigene Institutionen und Wahlämter mit Budgets, Büros, Mitarbeitern usw. Unabhängig von der Frage, warum eigentlich jeder Satz bei Ihnen so abschätzig klingen muss: Keine Expertise in Sachen Religionsfreiheit und Menschenrechte?? Da habe ich doch etwas geschmunzelt. Denn das Gegenteil ist der Fall: Vermutlich habe ich zu keinem Thema mehr Expertise. Ich bin Präsident des Internationalen Rates der International Society for Human Rights, ein Wahlamt. Was meinen Sie, wie ich dorthin gekommen bin? Ich habe gut zwei Dutzend Bücher zum Thema Menschenrechte und Religionsfreiheit auf dem Markt. Die Tageszeitung die WELT nennt mich einen der drei führenden Experten zur Religionsfreiheit weltweit. Papst, Ökumenischer Patriarch, EU-Parlament, Bundestag u. a. suchen meinen Rat in Sachen Christenverfolgung und Menschenhandel. Und das wollen Sie alles nicht mitbekommen haben?

Meine älteste kleine Veröffentlichung zum Thema Menschenrechte stammt von 1985, ein Strom von Veröffentlichungen beginnt mit meiner Darstellung des Menschenrechtsgedankens in der Zeitschrift der Russischen Akademie der Wissenschaften und des Russischen Lehrerverbandes 1997. Auf dem Markt sind z. B. die eher populär ausgerichteten Bücher wie „Unterdrückte Frauen“, „Menschenhandel“, „Rassismus“, „Menschenrechte“, „Korruption“, „Die neue Unterschicht“, zum Teil in mehrere Sprachen übersetzt. Dann sind über die Jahre eine ganze Reihe an Artikeln in verschiedenen Fachpublikationen erschienen (z. B. in „Politik und Zeitgeschichte“, Beilage zu „Das Parlament“ der Bundeszentrale für politische Bildung). Und nicht zu vergessen wäre auch das seit eineinhalb Jahrzehnten herausgegebene Jahrbuch zur Christenverfolgung heute (seit 2014 geteilt in ein „Jahrbuch Diskriminierung und Verfolgung von Christen heute“ und ein „Jahrbuch Religionsfreiheit“), das nicht zuletzt auch im politischen Berlin regelmäßig gelesen und zitiert wird.

Sie sagen, ich hätte „eine Reihe von nicht-akkreditierten Instituten gegründet“.

Ich vermute einmal, dass Sie damit meinen, ich hätte Hochschulen gegründet, denn Akkreditierung gibt es ja nur im Hochschulbereich. Das habe ich aber nie. Falls Sie das „Martin Bucer Seminar“ meinen, so steht ausdrücklich überall, auch im Impressum, dass wir keine Hochschule sind, sondern lediglich in verschiedenen Ländern Kurse durchführen, die von Hochschulen angerechnet werden, wodurch es möglich ist, dass Studenten dort auch akkreditierte Abschlüsse bekommen können. Sollten Sie aber doch Institute außerhalb von Hochschulen meinen, verweise ich darauf, dass das „Internationale Institut für Religionsfreiheit“ (IIRF), die ‚Gründung‘, mit der ich am ehesten identifiziert werde, ein Netzwerk von Dutzenden von Lehrstühlen an akkreditierten Hochschulen auf allen Kontinenten ist (die geografisch nächsten sind die Universitäten in Tübingen und Löwen) und die von mir mit herausgegebene Fachzeitschrift „International Journal for Religious Freedom“ in Südafrika staatlich akkreditiert ist. Unsere Experten und ich selbst haben in vielen Parlamenten weltweit als Gutachter gewirkt usw.

Sie verbinden mit Fundamentalismus, dass man sich nicht der sozialen Umwelt zuwende, wie es der Neo-Evangelikalismus tue, und nennen mich dann Fundamentalist.

Hierzu verweise ich der Einfachheit halber noch einmal auf meine Bücher: „Unterdrückte Frauen“, „Menschenhandel“, „Rassismus“, „Menschenrechte“, „Korruption“, „Die neue Unterschicht“, „Der Kampf gegen die Armut: Auftrag der Evangelischen Allianz“ und viele mehr. Ich versichere Ihnen, dass ich mein Bestes gebe, um mich in vielen, gerade auch gesellschaftlich sehr relevanten ethischen Fragen gegen das Übel in der Welt und für Gerechtigkeit einzusetzen. Darf ich fragen, wie in den genannten oder ähnlichen Bereichen Ihr konkretes Engagement aussieht?

„Als strenger Fundamentalist hat er mit Vertretern des Päpstlichen Rates für den Internreligiösen Dialog und Vertretern des Ökumenischen Rates der Kirchen ein Dokument ‚Das christliche Zeugnis in einer multi-religiösen Welt‘ mit erarbeitet. Es ist erstaunlich, dass ein strenger Fundamentalist sich auf römisch-katholische Gesprächspartner und auf Vertreter des ÖRK einlässt. Beide gelten im Fundamentalismus eigentlich als ‚Erzfeinde‘.“

Ich bin also für sie nicht nur Fundamentalist (und das ist für sie offensichtlich ja eine sehr abwertende Zuschreibung), sondern zweimal sogar „strenger Fundamentalist“. Was das heißt und worin das zum Ausdruck kommt, führen Sie nicht an, es geht Ihnen ja offenbar auch nicht um eine gediegene theologische Auseinandersetzung. Im Übrigen bin ich an vielen globalen theologischen Gesprächsplattformen beteiligt. So bin ich beratendes berufenes Mitglied für die WEA bei ‚Faith & Order‘, der Theologischen Kommission des ÖRK und bekanntlich der einzige Zweig des ÖRK, dem auch die Katholische Kirche angehört. Und wenn es zu dem oben angebotenen Gespräch zwischen uns kommt, kann ich Ihnen nicht zuletzt gern erzählen, was ich bei insgesamt fünf persönlichen, z. T. recht ausführlichen Begegnungen mit Papst Franziskus diskutiert habe. Oder wie wäre es mit einem Austausch über meine Begegnungen mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel oder dem Koptischen Papst oder anderen Kirchenführern v. a. im Nahen Osten? Überall begegnet mir Freundlichkeit und Bereitschaft, bei der sachlichen Darlegung kontroverser Positionen auch meine Sicht in Ruhe anzuhören.

Nun zum genannten Dokument: Bei Ihnen klingt es, als wenn man das Dokument nur ungern anfasst. Tatsächlich ist das in fünf intensiven Jahren erarbeitete Dokument eines der erfolgreichsten ökumenischen Dokumente, das es je gab, wie ich jüngst zum Jubiläum in der Zeitschrift des Ökumenischen Rates „Current Dialog“ belegte, und auch in Deutschland fester Bestandteil der kirchlichen und theologischen Landschaft, wie die Internationale Fachtagung „MissionRespekt“ in Berlin im August letzten Jahres zeigt, an der erstmals alle klassischen Kirchen und Freikirchen in Deutschland – eingeladen von ACK und DEA – zusammengewirkt haben. Damit hat das, was auf internationaler Ebene erreicht wurde, auch Deutschland unwiderruflich erreicht.

Übrigens arbeiten die drei großen christlichen Ströme längst sowohl offiziell zusammen als auch haben sie gemeinsam die Plattform ‚Global Christian Forum‘ gegründet, die erfolgreich global und regional Gespräche und Konferenzen organisiert, derzeit etwa zum Thema Religionsfreiheit und zum schwierigen Thema Proselytismus, wo ich jeweils die WEA vertrete.

Schließlich, da sie den Eindruck erwecken, Evangelikale hätten noch nie ernsthaft mit der katholischen Kirche geredet: Meine ältesten ‚Gehversuche‘ aus dem Bereich stammen aus dem „Evangelical-Roman Catholic Dialogue on Mission“ 1977 – 1984, der von unserer Seite von John Stott angeführt wurde und dessen Ergebnisse ich ins Deutsche übersetzt habe.

Lieber Herr Geldbach, ich wünsche mir, dass Sie als Christ das Vokabular „Erzfeind“ aus Ihrem Vokabular streichen, auch aus dem, was Sie anderen in den Mund legen, und Ihr großes Wissen über andere Kirchen als Konfessionskundler dazu nutzen, ernsthafte Gespräche über Gemeinsamkeiten und Unterschiede aller Kirchen weltweit zu fördern und den gemeinsamen Kampf aller Kirchen gegen Übel wie Menschenhandel und Korruption zu unterstützen.

Evangelikale Aussagen in den vatikanischen Synoden-Propositionen

Die Bischofssynode (Schirrmacher dritte Reihe von hinten, dritter von links mit Glatze) (Foto: Fotografia Felici, Rom)

Die Bischofssynode (Schirrmacher dritte Reihe von hinten, dritter von links mit Glatze) (Foto: Fotografia Felici, Rom)

Der Papst und die katholische Weltsynode hatten die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) eingeladen, anlässlich des 50jährigen Jubiläums des 2. Vatikanischen Konzils und des Synodenthemas „Neuevangelisierung“ kurz ihre Sicht zur „Evangelisation“ darzulegen. So erarbeitete die Theologische Kommission der WEA eine Erklärung, „Evangelisation: Das Markenzeichen des evangelikalen Glaubens“, die der Generalsekretär der WEA, Dr. Geoff Tunnicliffe, vor Papst und Synode persönlich vortrug.

Sie begann mit den Worten: „Evangelisation bedeutet die Proklamation des rettenden Werkes Jesu Christi am Kreuz und durch seine Auferstehung in Worten, Taten und christlichem Charakter. Evangelisation steht im Zentrum dessen, was die evangelikale Identität ausmacht. Wir bekräftigen, dass es nicht möglich ist, ohne radikale Hingabe an die Weltevangelisation wahrhaft evangelikal zu sein.“

Immer noch im ersten Absatz erklärt die WEA, dass es neben der Evangelisation noch zwei weitere Charakteristika der evangelikalen Bewegung gibt, nämlich „dass Jesus Christus der einzigartige Retter der Menschheit und Herr der Schöpfung ist und dass die Schrift die höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und Lebensführung ist“.

Als Weltweite Evangelische Allianz waren wir auf der Weltsynode der Katholischen Kirche im Vatikan dabei und haben auch die Entstehung der dazugehörigen Dokumente erlebt. Ich möchte einmal vor Augen führen, was für positive Aussagen die Propositionen der Synode enthalten, die Evangelikale nur gut heißen können. Der Text selbst findet sich hier und hier.

Der 3. Abschnitt steht unter der Überschrift: „Die persönliche Begegnung mit Jesus Christus in der Kirche“. Er beginnt mit den Worten:

„Bevor wir etwas zu den Formen sagen, die diese neue Evangelisierung annehmen soll, möchten wir euch mit tiefer Überzeugung sagen, dass sich der Glaube ganz in der Beziehung entscheidet, die wir mit der Person Christi aufbauen, der uns als erster entgegengeht.“

Neben der persönlichen Beziehung zu Jesus steht eine Gemeinde, die von Beziehung geprägt wird. Im selben 3. Abschnitt heißt es:

„Wir müssen einladende Gemeinden bilden, in denen alle Ausgegrenzten ihr zu Hause finden, sowie konkrete Erfahrungen von Gemeinschaft ermöglichen, die mit der glühenden Kraft der Liebe – ‚Siehe, wie sie sich einander lieb haben‘ (Tertullian, Apologeticus, 39, 7) – den ernüchterten Blick der Menschen von heute auf sich ziehen.“

Von der Beziehung zu Jesus geht es nahtlos und natürlich zur Bibel weiter, denn der 4. Abschnitt „Die Gelegenheiten der Begegnung mit Jesus und das Hören der Heiligen Schrift“ setzt diese Gedanken fort. Darin heißt es:

„Das häufige Lesen der Heiligen Schrift, erleuchtet von der Überlieferung der Kirche, die sie uns übergibt und sie authentisch auslegt, ist nicht nur ein verpflichtender Schritt, um den Inhalt des Evangeliums, d. h. die Person Jesu innerhalb der Heilsgeschichte, zu kennen, sondern es hilft uns auch, neue Räume der Begegnung mit zu finden, wahrhaft in der Art und Weise des Evangeliums, verwurzelt in den grundlegenden Dimensionen des menschlichen Lebens: Familie, Arbeit, Freundschaft, Armut, Prüfungen des Lebens, etc.“

Auch wenn hier ‚gut katholisch‘ die Kirche eine amtliche Auslegungsfunktion hat, werden doch ‚gut evangelikal‘ die Beziehung zu Jesus und das Hören auf die Schrift aufeinander bezogen und das immer neue Bibelstudium hilft, alle Bereiche des Lebens am Evangelium auszurichten.

Gut evangelisch ist auch die Vorordnung des Wirkens Gottes im 6. Abschnitt:

„Angesichts der Fragen, die die heutigen vorherrschenden Kulturen dem Glauben und der Kirche stellen, erneuern wir unser Vertrauen auf den Herrn, in der Gewissheit, dass das Evangelium auch dort Träger des Lichtes ist und fähig, alle Schwächen des Menschen zu heilen. Nicht wir sind es, die das Werk der Evangelisierung vollbringen, sondern Gott, wie uns der Papst in Erinnerung gerufen hat: ‚Das erste Wort, die wahre Initiative, das wahre Tun kommt von Gott, und nur indem wir uns in diese göttliche Initiative einfügen, nur indem wir diese göttliche Initiative erbitten, können auch wir – mit ihm und in ihm – zu Evangelisierern werden.‘ (Benedikt XVI., Meditation bei der ersten Generalkongregation der Bischofssynode, Rom, 8. Oktober 2012)“

Erfreulich – sogar für mich persönlich – ist, dass im 10. Abschnitt Fundamentalismus nicht mehr als ein bestimmtes Schriftverständnis verstanden wird, sondern so, wie ich es in meinem Buch ‚Fundamentalismus‘ verstehe, als Gewalt und Verletzung der Menschenrechte im Namen einer Wahrheit. Dass sich direkt ein Hinweis auf Christenverfolgung und ein Appell für die Religionsfreiheit folgt, liegt auf derselben Linie:

„Der Dialog unter den Gläubigen der verschiedenen Religionen will ein Beitrag zum Frieden sein. Er weist jeglichen Fundamentalismus zurück und verurteilt jegliche Art von Gewalt gegen die Gläubigen, die eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte darstellt. Die Kirchen auf der ganzen Welt wissen sich ihren leidenden Schwestern und Brüdern in Gebet und Brüderlichkeit verbunden und bitten diejenigen, die das Schicksal der Völker in Händen halten, dass sie das Recht aller auf eine freie Wahl, ein freies Bekenntnis und ein freies Zeugnis des Glaubens schützen.“

Welche katholischen Besonderheiten werden denn in dem Dokument erwähnt? Neben dem schon erwähnten besonderen Lehramt der Kirche (Abschnitt 4) und dem „geweihten Leben“ (Abschnitt 7) ist der Schlussabschnitt 14 ganz Maria gewidmet, wenn auch – typisch für die Amtszeit von Papst Benedikt XVI. – keines der großen Mariendogmen direkt erwähnt wird.

Papst Franziskus

März 13, 2013 by · 1 Kommentar 

Mit der Entscheidung für einen Nichteuropäer hat die Katholische Kirche unmissverständlich akzeptiert und deutlich gemacht, dass der Schwerpunkt der Weltchristenheit in den Globalen Süden gewandert ist. Waren ein Papst aus Polen und Deutschland immerhin ein Schritt weg von Italien, so geht es nun von Europa dorthin, wo die Masse der Christen lebt.

Erstaunlich ist, dass ein Bischof der Armen gewählt wurde, der als Jesuit eher ein Geheimtip des liberalen Flügels gewesen sein soll und mit seinem Papstnamen sein Armustgelübde zum Programm macht. Ich habe ihn auf der Synode als sehr bescheidenen, demütigen und freundlichen Mann kennengelernt, der öffentliche Verkehrsmittel benutzt und in seiner Heimat weder Chauffeur, noch Palast hatte. Das sind schlechte Zeiten für alle in der Kurie, die unsaubere Finanzgeschäfte duldeten.

Es wird damit zu rechnen sein, dass sich der neue Papst – beispielsweise zusammen mit Kardinal Turkson aus Ghana an der Spitze des Päpstlichen Rates ‚Justitia et Pax‘ – viel stärker in soziale Fragen einmischen wird. Die Wahl eines recht alten Mannes, der nur wenig jünger als Kardinal Ratzinger bei seiner Wahl zum Papst ist, macht ihn vermutlich wieder zu einem Mann des Übergangs. Allerdings ist er wesentlich gesünder, als Benedikt XVI. bei seiner Wahl.

Es wurde wohl bewusst ein Papst gewählt, der nie im Vatikan gelebt hat. Das macht ihm die Lösung der anstehenden Probleme der Kurie sowohl leichter, als auch schwerer. Man darf gespannt sein, wen er zum Kardinalstaatssekretär ernennt.

Für die Evangelikalen wird ein Papst aus dem Globalen Süden mehr Verständnis haben, kommen sie doch selbst überwiegend dort her. Andererseits ist das Verhältnis der Evangelikalen und der Katholischen Kirche in Südamerika mancherorts gespannt. Der neue Papst ist hier aber in Argentienien nie als einer in Erscheinung getreten, der über die notwendige theologische Diskussion hinaus Evangelikale bekämpft oder etwa als Sektierer bezeichnete. Das macht Hoffnung auf eine Fortsetzung eines fairen theologischen Gesprächs über Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Gemeinsame Länder für die Gebetssonntage der EKD und der Evangelischen Allianz

Februar 27, 2012 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

In einer Pressemeldung der EKD heißt es : „Wie in den vergangenen Jahren, so empfiehlt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auch 2012 allen evangelischen Kirchengemeinden, am zweiten Sonntag der Passionszeit (Reminiszere, in diesem Jahr am 4. März) für bedrängte und verfolgte Christen in der Welt zu beten. Ein Materialheft, das jetzt in Hannover veröffentlicht wurde, stellt den Gemeinden Informationen über die Lage von christlichen Minderheiten und liturgische Bausteine zur Verfügung. Ein Schwerpunkt der Fürbitte liegt in diesem Jahr auf den Ländern des Maghreb – Tunesien, Marokko und Algerien.“ (Fortsetzung hier). Das ausgezeichnete Materialheft (hier) wurde übrigens in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Missionswerk in Hamburg, der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und anderer Partner erstellt.

Bemerkenswert ist die ökumenische Dimension, die die Sonntage für bedrängte und verfolgte Christen angenommen hat. So haben sich die EKD und die Deutsche Evangelische Allianz (Materialheft hier) auf dieselben Länder für November 2011 und März 2012 geeinigt, nämlich den Maghreb.

Zudem verweist das Materialheft der EKD auf S. 14 an erster Stelle für weiterführende Informationen auf die entsprechende der Initiative der Deutschen Bischofskonferenz (hier) und auf die der Deutschen Evangelischen Allianz (hier).

Entsprechend hatte es schon die Deutsche Evangelische Allianz gehandhabt und auf das Material der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz verwiesen. Ich gebe einmal die entsprechende Passage aus meinem Vorwort wieder (im Materialheft S. 2-3):

Ein Wort zur Kooperation

Dieses Jahr wurde der Schwerpunkt Maghreb gemeinsam mit den entsprechenden Initiativen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz ausgewählt, um deutlich zu machen, dass wir zwar unterschiedliche liturgische Termine, aber ein gemeinsames Anliegen haben.

Die Evangelische Allianz folgt seit vielen Jahren einem internationalen Termin der Weltweiten Evangelischen Allianz, der in über 100 Ländern gilt. In der Evangelischen Allianz geht es uns darum, dass möglichst ein ganzer Gottesdienst oder gar die Gemeindeveranstaltungen einer ganzen Woche den verfolgten Christen gewidmet wird.

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat inzwischen das Thema erfreulicherweise ebenfalls in den liturgischen Kalender für den Sonntag Reminiszere in der Passionszeit (2012: 4. März) aufgenommen und erstellt dafür ein kleines Heft mit Fürbitten und liturgischen Anregungen. Hier geht es darum, im liturgischen Teil des Gottesdienstes für die bedrängten und verfolgten Christen einzutreten.

Die Deutsche Bischofskonferenz der Katholischen Kirche empfiehlt für den Stephanustag am 26. Dezember ein Fürbitteformular und veröffentlicht jährlich ein Heft, das sich einem betroffenen Land widmet.

Unser Material kann natürlich von landeskirchlichen Gemeinden auch am Sonntag Reminiszere verwendet werden.“ (Es folgen die Links zu den anderen Initiativen.)

Thomas Schirrmacher