Thomas Schirrmacher
ArchivReligionsfreiheit

Plausibilitätsprüfung der PEW-Berichte zur Religionsfreiheit (aktualisiert)

Vergleich von Länder untereinander; Länder im Querschnitt 2007-2014; grundsätzliche Einordnung von Ländern

Die Fassung als IIRF-Bulletin 2/2016 (PDF-Download)

Vorbemerkung

Das Pew Research Center’s Forum on Religion & Public Life veröffentlichte 2009 bis 2014 fünf globale Berichte zur Religionsfreiheit. Dazu gehören umfangreiche Rankings, deren Verlauf über den ganzen Zeitraum in vielfältigen Variationen verglichen wird.

Zu allen Statistiken und wissenschaftlichen Ergebnissen gehört eine frühzeitige Plausibilitätsprüfung. Sie kann Schwächen von Untersuchungen aufdecken, ohne schon genau sagen zu können, woher die nicht plausiblen Ergebnisse stammen.

Die Zuordnung einzelner Länder erschien mir nicht sehr plausibel. Länder mit recht großzügiger Religionsfreiheit erhielten sehr schlechte Bewertungen, Länder mit schwerwiegenden Beschränkungen gute Werte, etwa wenn Deutschland für 2013 einen schlechteren SHI-Wert von 4,5 hat als Saudi Arabien mit 3,6. Zudem schwankten einige Länder innerhalb der sechs Jahre, die untersucht wurden, erheblich, in denen sich aus meiner Sicht keine nennenswerten Veränderungen der Lage abzeichnen. Dazu kommen erhebliche Unterschiede in der Einstufung von Ländern im Vergleich zu den Ergebnissen anderer Forscher.

Also begann ich, einige Länder im Zeitlauf anzuschauen und dann Länder innerhalb eines Jahres und im Zeitlauf miteinander zu vergleichen. Das Ergebnis findet sich beispielhaft unten und lässt erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der Ergebnisse aufkommen.

Berichte und Abkürzungen

  • PEW 2009 = Stand: Mitte 2007
  • PEW 2011 = Stand: Mitte 2009
  • PEW 2012 = Stand: Mitte 2010
  • PEW 2013 = Stand: Ende 2011
  • PEW 2014 = Stand Ende 2012
  • PEW 2015 = Stand Ende 2013
  • PEW 2016 = Stand Ende 2014

Alle Angaben unten beziehen sich durchgängig auf den Stand, nicht auf das Veröffentlichungsjahr des Berichts.

GRI = Government Restrictions [on Religion] Index (= Beschränkung der Religion staatlicherseits)

SHI = Social Hostilities Index (= Beschränkung der Religion durch gesellschaftliche Kräfte)

GRI: „Very high“ 6,6 ++ / „High“ 4,5 – 6,5 / „Moderate“ 2,4 – 4,4 / „Low“ 0,0 – 2,3

SHI: „Very high“ 7,2 ++ / „High“ 3,6 – 7,1 / „Moderate“ 1,5-3,5 / „Low“ 0,0 – 1,4

Deutschland

a) Deutschland in der Zeitschiene

Deutschland GRI: 2007: 3,1; 2008: 3,2; 2009: 3,5; 2010 4,0; 2011 3,5; 2013: 4,5; 2014 3,4: Gab es wirklich eine Verschlechterung der Beschränkung der Religionsfreiheit von Regierungsseite von moderat 2007 zu (knapp) hoch in 2013 und dann wieder zurück? Der Wert ist meines Erachtens an sich schon zu hoch, dass aber die rechtliche Beschränkung von Religionsfreiheit in 5 Jahren in Deutschland stark zugenommen hat, ist durch nichts zu belegen.

Deutschland SHI: 2007: 2,1; 2008: 2,5; 2009: 3,3; 2010: 5,3; 2011: 5,0; 2013: 4,3; 2014: 2,5: starke Schwankung, in der Realität eher unverändert, wobei die Zahlen für 2007/2009 und 2014 angemessen sind, die Zahlen für 2011 und 2013 aber viel zu hoch.

Der GRI müsste in Deutschland recht niedrig sein, der SHI viel höher, denn die rechtliche und politische Freiheit ist sehr hoch, aber es gibt Diskriminierung durch bestimme Bevölkerungsgruppen. 2007 war der SHI laut PEW aber viel niedriger als der GRI, 2013 immer noch ein bischen niedriger. Das stellt die Verhältnisse auf den Kopf.

b) Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern zum Jahr 2013

Deutschland: GRI 2013: 4,5:
demnach Lage wie in (+/-0,2) Libyen, Paläst. Autonomiegebiete, Äthiopien, VAE, Griechenland, Nepal;
Lage etwas besser als in Deutschland in: Nigeria, Liberia;
Lage viel besser als in Deutschland in: Südsudan, Serbien, Ungarn, Italien, Kambodscha;
das ist wirklich alles realitätsfern.

Deutschland und Europa (geografisch): GRI 2013: schlechter als Deutschland sind nur drei Länder Belarus, Bulgarien, Russland; besser sind z. B. Österreich, Bosnien-H., Georgien, Italien, Malta, Serbien, Griechenland, Ungarn. Demnach wäre Deutschland fast Schlusslicht in Sachen Beschränkung der Religionsfreiheit durch den Staat im geografischen Raum Europa, das wird der Realität nicht gerecht.

Weitere Länder

Bulgarien SHI: 2007: 2,2; 2009: 4,0; 2010: 2,2; 2011: 4,7; 2012: 4,4; 2013: 3,6; 2014: 2,8: ständiges Auf- und Ab-Pendeln, obwohl sich die Lage eigentlich nicht geändert hat.

Indonesien GRI: 2007: 6,2; 2012: 8,3; 2013: 8,5; 2014: 7,9: nimmt angeblich stark zu, in Wirklichkeit nimmt sie ab. Vergleiche dazu Iran GRI: 2007: 7,9; 2012: 8,6; 2013: 8,3; 2014: 7,7. Die Lage in Indonesien soll so schlimm oder etwas schlimmer wie im Iran sein? Das macht wirklich keinen Sinn.

Mexiko GRI: 2007=2008: 4,7; 2009: 4,2; 2010: 3,5; 2011: 3,6; 2012: 3,9; 2013 3,4; 2014: 4,5; SHI: 2007: 5,5; 2008: 4,7; 2009: 5,1; 2010: 3,6; 2011: 3,2; 2012: 6,7; 2013: 3,7; 2014: 4,2: War die Lage 2013 wirklich erheblich besser? Und war das Auf und Ab wirklich vor Ort zu spüren, ja ein Sprung seit 2012 innerhalb eines Jahres von 6,7 auf 3,7?
Siehe auch SHI: 2012 + 2007 sehr schlecht, 2010, 2011, 2013 viel besser; es gibt keinen Anhaltspunkt dafür.

Brasilien SHI: 2007: 0,8; 2013: 3,7; 2014: 3,5: kein Anhaltspunkt für eine derartige Verschlechterung von einem der besten Länder hin zu einer schlechten Situation, während der GRI die ganzen Jahre zu den besten gehört.

Irak SHI: 2007: 10,0; 2012: 9,0; 2013: 7,4; 2014: 8,5. Hat es tatsächlich eine derartige Verbesserung des SHI während 2013 gegeben? Ähnliches gilt für Syrien.

Saudi Arabien: SHI: 2011: 6,5; 2012: 6,4; 2013: 3,6; 2014: 3,6: Es gibt keinen Anhaltspunkt für eine derart starke Verbesserung des SHI, der damit mit Deutschland gleichzieht.

Ungarn GRI: 2007: 0,3; 2011: 1,0; 2012: 2,4; 2013: 2,9; 2014: 2,8: SRI: 2007: 1,0; 2011: 2,0; 2012: 2,7; 2013: 2,4; 2014: 2,2: erhebliche Verschlechterung der Lage wird nicht abgebildet, Ungarn bleibt angeblich wesentlich besser als Deutschland, religiöse Minderheiten sehen das genau anders herum.

Länder mit sehr, sehr niedrigem SHI 2013 unter 0,5, in denen tiefverwurzelter Hass auf andere ‚Rassen‘ und soziale Gruppen und starker Antagonismus der konfessionsverschiedenen sozialen Gruppen herrschen (Beispiele): Jamaika SHI 2013: 0,4; Kambodscha 0,4; Kuba 0,0; Kasachstan 1,0; Taiwan 0,0; Turkmenistan 0,4; Oman 0,1; Westsahara 0,0; Kongo 0,00.

Die 18 Berichte, die als Datenquelle dienen

Ein Grund für solche Ergebnisse könnte darin liegen, dass die Datenbasis der Berichte sehr dünn ist. Den Berichten liegt keine Forschung vor Ort zu Grunde, ebenso keine Ausarbeitung von Experten in den genannten Ländern oder für die genannten Länder. [Das ist ungewöhnlich, da PEW sonst umfangreiche Umfragen und Forschungen zur Religion usw. in vielen Ländern betreibt.] Die Ergebnisse stammen ausschließlich aus der Codierung anderer Berichte, untern denen wieder keiner durch Forschung vor Ort gewonnen wird. Zudem sind die 18 Berichte alle sehr stark voneinander abhängig.

Ich wähle hier den Bericht für 2013 als Grundlage. Der Bericht für 2014 enthält einen Bericht zur Religionsfreiheit weniger (2013: Nr. 6) und hat die Amnesty International-Berichte (2013: Nr. 11) durch die Global Terrorism Database (2014: Nr. 10) ersetzt, was die Datenbasis zur Religionsfreiheit direkt eher verschlechtert.

Nur 4 der 18 Berichte haben speziell mit Religionsfreiheit zu tun, alle anderen Berichte behandeln Diskriminierung usw. im allgemeinen Sinne oder andere Themen.

Es wird deutlich gesagt, dass die 2. Quelle die eigentliche Quelle ist, die anderen nur zusätzlich bei Unstimmigkeiten zu Rate gezogen werden (Jan 2014: S. 40). So hat Deutschland seine sehr negative Bewertung vor allem der sehr negativen Bewertung in Quelle 2 zu verdanken.

Alle Berichte, die Spannungen für den SHI enthalten, berichten über Spannungen aus rassistischen usw. Gründen, keiner sammelt speziell oder differenziert nach Diskriminierung durch die Mehrheitsbevölkerung wegen deren Religionszugehörigkeit. Deswegen sagt der SHI für Deutschland eher etwas über das Verhältnis der Deutschen zu Ausländern aus als etwas über das Verhältnis zu Anhängern anderer Religionen. Dieses Problem wird von PEW nirgends thematisiert.

Keiner der Berichte strebt von seiner Natur her Vollständigkeit an, es wird berichtet, was eingesandt oder durch die Medien in Erfahrung gebracht wird. Heißt das: Wird über ein Land viel Negatives berichtet, steigt das negative Ergebnis, wird wenig berichtet, sinkt das negative Ergebnis? Oder wie wird die Quantität und Qualität von Vorkommnissen in Relation zur Größe der Bevölkerung eines Landes gewertet?

Die Berichte berichten über recht unterschiedliche Zeiträume und oft nicht nur über Dinge in den letzten 12 Monaten, werden aber von PEW trotzdem einem festen Jahr zugeordnet.

Keiner der Berichte strebt irgendeine Art von Ranking an oder vergibt irgendeine Art von Punktesystem. Es ist also irreführend, dass PEW sich auf diese Berichte stützt, es werden einfach die in den Berichten genannten Ereignisse benutzt.

Viele der Berichte berichten nur über ausgewählte Länder, USCIFR z. B. über 0 oder 36 (Nr. 17 für 2012 = 0; Nr. 12 für 2012 = 29). Nur Nr. 2 berichtet über alle Länder. Für ein bestimmtes Land kann sich also die Zahl der Berichte von 18 aus halbieren. Es wird auch kein Verfahren genannt, wie verhindert wird, dass Länder, die in fast allen Berichten vorkommen, schlechter wegkommen als solche, die nur in wenigen Berichten erfasst sind.

Die Berichte sind teilweise stark voneinander abhängig und verweisen aufeinander als Quelle. Das macht sie für ein wissenschaftliches Ranking unbrauchbar. So zitiert der Bericht des US-Außenministeriums die meisten der verwendeten Berichte von Menschenrechtsorganistionen (z. B. AI, HRW), die sich wiederum auf den Bericht des Außenministeriums und überhaupt Berichte der US-Regierung berufen.

Berichte Nr. 2., 3., 4., 14., 16. sind politische, regierungsamtliche Berichte aus dem Bereich der US-Regierung, keine wissenschaftlichen Berichte, Berichte Nr. 9. + 10. entsprechend aus anderen Staaten/Staatenverbünden.

Es werden keine Wissenschaftler in den Ländern zu Rate gezogen, und sei es nur für eine Plausibilitätsprüfung des Ergebnisses.

Keiner der Berichte enthält originäre Forschung in den jeweiligen Ländern, wie sie PEW für andere Themen rund um Religion oft durchführt oder das etwa beim Weltverfolgungsindex für das Christentum der Fall ist.

Kommentar zu den 18 Berichten im Einzelnen

1. Country constitutions – Länderverfassungen

Ändert sich praktisch nicht von Jahr zu Jahr und besagt gar nichts über die reale Lage. So hat der Iran ein sehr gutes Bekenntnis zur Religionsfreiheit in seiner Verfassung.

2. U.S. State Department annual reports on International Religious Freedom

Anekdotisch, d. h. es werden nur Ereignisse aufgenommen, die an das Außenministerium berichtet wurden, es gibt keine systematische Suche weltweit. Sehr stark von Positionen der US-Außenpolitik (siehe etwa den Bericht über Saudi Arabien) oder amerikanischen Vorurteilen abhängig.

Die Berichte beginnen immer mit dem, was hier als 1. genannt wird und berufen sich viel auf andere unten gelistete Quellen.

Deutschlands Negativ-Punkte sind: vermeintlich unberechtigte Bevorzugung der Körperschaften des öffentlichen Rechts & Verfolgung von Scientology.

3. U.S. Commission on International Religious Freedom annual reports

Wechselnd 10-15 Länder. Im Gegensatz zu 2. sehr wenig von Positionen der US-Außenpolitik abhängig, aber Hauptaufgabe ist es, dem Außenministerium „countries of concern“ vorzuschlagen.

4. U.N. Special Rapporteur on Freedom of Religion or Belief reports

Berichtet jedes Jahr nur über sehr wenige, jährlich wechselnde Länder, die der Sonderberichterstatter offiziell bereist hat. Das heißt, es gibt keine Berichterstattung über dasselbe Land Jahr für Jahr.

5. Human Rights First reports in first and second years of coding; Freedom House reports in third, fourth and fifth years of coding

Ist ein allgemeiner Demokratiebericht, der nicht speziell auf Religionsfreiheit eingeht.

6. Hudson Institute publication: “Religious Freedom in the World” (Paul Marshall)

Ist ein sehr guter, aber nur einmal erschienener Bericht, der also nicht für Vergleiche Jahr für Jahr genutzt werden kann.

7.-17. sind Menschenrechtsberichte, die sich nicht speziell auf religiöse Fragen beziehen und nur anekdotisch ausgewertet werden können.

7. Human Rights Watch topical reports

8. International Crisis Group country reports

9. United Kingdom Foreign & Commonwealth Office annual report on human rights

10. Council of the European Union annual report on human rights

11. Amnesty International reports

12. European Network Against Racism Shadow Reports

13. United Nations High Commissioner for Refugees reports

14. U.S. State Department annual Country Reports on Terrorism

15. Anti-Defamation League reports

16. U.S. State Department Country Reports on Human Rights Practices

17. Uppsala University’s Uppsala Conflict Data Program, Armed Conflict Database

18. Human Rights Without Frontiers “Freedom of Religion or Belief” newsletters

Ist ein sehr guter Rundbrief, der aber 1. fast ausschließlich Nachrichten anderer Quellen weiterleitet und 2. nur weiterleitet, was erhältlich ist und deswegen über einige Länder fast nie, über andere fast täglich berichtet.

Vorsitzender des IIRF in Sri Lanka mit Ehrentitel ausgezeichnet

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2015 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

1_Rev_Godfrey_Yogarajah_is_presented_with_the_deshamanya_award_small(Bonn, 02.10.2015) Pfarrer Godfrey Yogarajah, dem Vorstandsvorsitzenden des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (IIRF; Bonn, Kapstadt, Colombo) und Geschäftsführer der Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), wurde der nationale Ehrentitel eines „Deshamanya“ durch die Regierung von Sri Lanka verliehen. Dieser Titel bedeutet „Stolz der Nation“ und ist die zweithöchste staatliche Auszeichnung, die für besonders lobenswerten Dienst vergeben wird. Die Auszeichnung wurde an Rev. Yogarajah in Anerkennung seiner Arbeit für die Menschenrechte, die Religionsfreiheit und in humanitären Hilfswerken in Sri Lanka verliehen.

„Ich danke Gott für den treuen und wirkungsvollen Dienst Godfreys, der solch große Auswirkungen auch über die evangelikale Bevölkerungsgruppe hinaus gehabt hat, und das nicht nur in seinem eigenen Land, sondern auch weltweit“,

sagte Bischof Efraim Tendero, Generalsekretär der WEA, der Rev. Yogarajah zu seiner staatlichen Auszeichnung gratulierte.

Thomas Schirrmacher, Direktor des IIRF und Moderator des Büros und des Teams der WEA für „Intrafaith and Interfaith Relations“, sagte, als er von der Auszeichnung erfuhr:

„Ich nenne Godfrey oft ‚Mister Religionsfreiheit‘. Er verdient es mehr als irgendjemand anderes, diese dritte Auszeichnung für seine Arbeit zu erhalten. Dass dieses Mal die Regierung von Sri Lanka selbst, die so oft Adressat seiner Kritik und Vorschläge war, die Anerkennung ausspricht, beweist, dass Menschen erkennen, dass hinter Godfreys gewissenhafter Dokumentierung und Präsentierung von Menschenrechtsverletzungen der positive Wille steht, mit jedermann in Frieden zu leben.“

Rev. Yogarajah ist auch seit 25 Jahren der Generalsekretär der Nationalen Christlichen Evangelischen Allianz in Sri Lanka (NCEASL). In dieser Position hat er sich für Menschenrechte und Religionsfreiheit in Sri Lanka eingesetzt. Von ihm stammt auch die Idee zum Start eines Hilfe- und Entwicklungszweiges der NCEASL, des „Alliance Development Trust“ („Entwicklungsfonds der Allianz“), einer Organisation, die von Seiten der Regierung für ihre Arbeit in Hilfsprojekten, in der Rehabilitation und der Entwicklung ausgezeichnet wurde.

Durch die WEA arbeitet Rev. Yogarajah umfassend für Religionsfreiheit in der ganzen Welt. Er hat verfolgte religiöse Minderheiten und nationale Evangelische Allianzen in Bezug auf Religionsfreiheit und Menschenrechte geschult, hat sich bei Institutionen wie den Vereinten Nationen, der Europäischen Union und dem Außenministerium der USA für Religionsfreiheit eingesetzt und hat sich mit Regierungsvertretern getroffen, um die Religionsfreiheit in Ländern voranzubringen, wo diese eingeschränkt ist.

Rev. Yogarajah erhielt auch den „Good Samaritan Award“ (2004 – „Preis des Guten Samariters“) für Religionsfreiheit, der ihm von Advocates International verliehen wurde, und den „Pro Fide Award“ (2005), verliehen von den „Friends of the Martyrs“ in Finnland für seinen Beitrag zu den Rechten für Minderheiten.

Bei Erhalt der neuen Auszeichnung sagte Rev. Yogarajah:

„Ich glaube, dass oft wir Leiter die Ernte der harten Arbeit unserer Mitarbeiter einfahren. Die Ehre gebührt ihrer beispielhaften Arbeit. Ich glaube, diese Ehre wird den Evangelikalen im Land, denen lange Zeit die staatliche Anerkennung verwehrt wurde, eine größere Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit geben.“

Die NCEASL, die als Allianz von Sri Lanka Mitglied des WEA ist, erklärte, dass

„es eine Menge für die Evangelikalen, eine marginalisierte und verfolgte Minderheit in Sri Lanka, bedeutet, dass einer ihrer führenden Leiter vom Staat geehrt wird. Die Auszeichnung ist dadurch ein Symbol der Ermutigung und Anerkennung für evangelikale Christen in Sri Lanka. Außerdem veranschaulicht sie die Wirkung und den Beitrag der Evangelikalen für das Leben unserer Nation.“

 

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Kritik des real-existierenden Dialogs mit islamischen Verbänden

Johannes Kandel veröffentlicht „problembezogenen und kritisch kommentierenden Abriss des christlich-muslimischen Dialogs in Deutschland“

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2015 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Bonn, 02.09.2015) Nach seinem Buch „Islamismus in Deutschland“ hat der Berliner Politikwissenschaftler Johannes Kandel nun eine kritische Geschichte und Diskussion des interreligiösen Dialogs mit muslimischen Verbänden in Deutschland veröffentlicht.

Kandel_Streitkultur_2015Der Autor definiert den interreligiösen Dialog normativ als ein Ensemble intentionaler Interaktionen und Kommunikationen von Angehörigen verschiedener Religionen und konzentriert sich auf die Entwicklungsetappen des christlich-muslimischen Dialogs in Deutschland. Er bietet einen problembezogenen und kritisch kommentierenden Abriss des christlich-muslimischen Dialogs und kommt zu dem Ergebnis, dass der christlich-muslimische Dialog von einem gesellschaftspolitisch bedeutsamen Grundmotiv geprägt wird. Es geht um Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Religionen können dazu einen bedeutsamen Beitrag leisten, wenn sie zu einem Grundkonsens im Blick auf die Säkularität des Staates, Menschenrechte, Demokratie und Pluralismus finden. Der Dialog zwischen Christen und Muslimen darf nicht um des Friedens willen harmonistisch Probleme und Konflikte zudecken, sondern muss als kritische Streitkultur verfasst sein.

Dr. phil. Johannes Kandel, geboren 1950 in Berlin, Politikwissenschaftler und Historiker, ist Dozent und freier Autor. Er ist Mitglied des Kuratoriums der „Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ (EZW). Er war 1999 – 2014 Referatsleiter für den Bereich „Interkultureller Dialog“ der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Er ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher zum Thema multikulturelle Gesellschaft und Religion und Gewalt, zuletzt „Islamismus in Deutschland“.

 

Bibliografische Angaben:

  • Johannes Kandel. Streitkultur statt Harmonisierung: Eine kritische Bestandsaufnahme des christlich-muslimischen Dialogs. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 2015. 244 S. Pb. 18,00 € [D]. ISBN 978-3-86269-039-8

 

Interview

Bonner Querschnitte: Herr Kandel, Sie sind für Dialog zwischen Christen und Muslime und haben viele Dialogveranstaltungen mit organisiert oder begleitet und sehen doch den größten Teil des Dialogs, der stattfindet, sehr kritisch. Wieso?

Kandel: Weil häufig sowohl die theologischen Differenzen zwischen Christentum und Islam nicht deutlich genug aufgezeigt werden als auch zentrale islamische Positionen zum Dschihad, zur Apostasie (Abfall vom Islam), zur Frauenfrage und zum Leben christlicher Minderheiten unter dem Islam verharmlost werden. Es wird nicht deutlich gesagt, dass es menschenrechtlich inakzeptable Doktrinen und religiöse Praktiken im Islam gibt. Und häufig wird der Zusammenhang von Islam und Islamismus geleugnet.

BQ: Sie fordern, dass Dialog auch gerade „Streitkultur“ sein muss und nicht „harmonistisch“ ablaufen soll. Können Sie das einem beispielhaften Thema deutlich machen?

Harmonismus wäre es z. B., so zu tun, als sprächen wir alle, Christen und Muslime, von demselben Gott. Oder dass Abraham unser aller Vater wäre. Auch sollten die ganz verschiedenen Konzepte von Demokratie (im Islam „Shura“, d.h. Beratung einer politisch-religiösen Elite), Menschenrechten (im Islam unter Scharia-Vorbehalt) und Frieden (im Islam dann erreicht, wenn alle Muslime sind) angesprochen werden.

BQ: Was sind wesentliche Voraussetzungen für einen sinnvollen Dialog?

Religiöse Identität der eigenen Position und Kompetenz zum Religionsvergleich, Gesprächsfähigkeit, Streitkulturfähigkeit.

BQ: Mit welchen Ansätzen und Denkvoraussetzungen gehen Ihrer Erfahrung nach muslimische Dialogpartner an den Dialog heran?

Sind Muslime in der Minderheitsposition, dient der Dialog häufig ganz pragmatisch der Stärkung der islamischen Gemeinschaft durch Teilhabe an wichtigen gesellschaftlichen Funktionsbereichen. Auch wird der Dialog oft als Vorstufe oder gar Teil der „Da’Wa“ (Einladung zum Islam, „Mission“) betrachtet. Sind Muslime in der Mehrheitsposition, dient der Dialog der Verkündung und Ausbreitung der „wahren Religion“, eben des Islam.

BQ: Was ist Ihr größter Wunsch an Politiker und Kirchenvertreter im Dialog?

Wahrnehmung des Islam, wie er wirklich dominant existiert, ungeachtet aller Binnendifferenzierungen. Keine Verharmlosungen und Beschönigungen der dunklen Seiten des Islam. Und Fähigkeit zum produktiven Streit über die tatsächlich epochalen Fragen: Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Demokratie, Frieden und Menschenrechte.

 

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Bonner Islamwissenschaftlerin erfasst erstmals die Sichtweise zeitgenössischer islamischer Theologen zum Abfall vom Islam

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2015 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Bonn, 13.06.2015) Der Religionswechsel ist zentraler Bestandteil des Menschenrechts auf Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung für Menschenrechte von 1948. Christine Schirrmacher, Professorin der Islamwissenschaft an den Universitäten Bonn und Leuven bei Brüssel, hat Schriften und Internetauftritte dreier global agierender und einflussreicher islamischer Theologen daraufhin untersucht, wie sie zu dem Recht stehen, den Islam zu verlassen und zu einer anderen Religion oder nichtreligiösen Weltanschauung zu wechseln.

9783956500848_coverDer vollständige Titel ihrer Habilitationsschrift lautet: „‚Es ist kein Zwang in der Religion‘ (Sure 2,256). Der Abfall vom Islam im Urteil zeitgenössischer islamischer Theologen: Diskurse zu Apostasie, Religionsfreiheit und Menschenrechten“. Das Buch erscheint in der renommierten Reihe „Kultur, Recht und Politik in muslimischen Gesellschaften“ des Ergon Verlages in Würzburg. Eine englische Ausgabe ist für 2015 in Vorbereitung.

Per Gesetz bekennen sich die meisten islamisch geprägten Länder ausdrücklich zur Religionsfreiheit – praktisch aber erleiden kritische Intellektuelle, progressive Koranwissenschaftler, Frauen- und Menschenrechtler, Konvertiten vom Islam sowie Angehörige nichtanerkannter Minderheiten vielerorts Diskriminierung, Ächtung, Bedrohung, Inhaftierung oder sogar den Tod. Während es einige Untersuchungen zur tatsächlichen Lage gibt, wo Menschen für den ‚Abfall‘ vom Islam bestraft werden, fehlte bisher eine Untersuchung der ideologischen Hintergründe.

Bei der Ursachenforschung für diese Diskrepanz werden die drei heute vertretenen Hauptpositionen islamischer Gelehrter zur Apostasie erläutert, die von deren global einflussreichsten Vertretern, Yusuf al-Qaradawi (geb. 1926), Abdullah Saeed (geb. 1960) und Abu l-A’la Maududi (1903-1979), verfochten werden. Die Studie beschäftigt sich anhand ihrer Veröffentlichungen zu Religionsfreiheit und Apostasie mit dem ideengeschichtlichen Transfer der „Saat ihrer Worte“ (Hrant Dink) in die Gesellschaft sowie mit ihrem weltweit immensen Einfluss auf Theologie, Recht und Politik. Am Ende steht die Frage, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, damit Verfechter unbeschränkter Religionsfreiheit und Menschenrechte in diesem Teil der Welt vermehrt Gehör finden.

Zum Inhalt des Buches

In der Habilitationsschrift von Christine Schirrmacher „‚Es ist kein Zwang in der Religion‘ (Sure 2,256): Der Abfall vom Islam im Urteil zeitgenössischer islamischer Theologen“, die vor wenigen Wochen im Ergon-Verlag Würzburg erschien, wurden erstmals Originalstimmen aus der islamischen Theologie zur Beurteilung der Apostasie aufgearbeitet. Es wurden dafür Texte aus dem Arabischen, Englischen, Französischen und Urdu übersetzt und zugänglich gemacht.

Heute werden von islamischen Theologen im Wesentlichen drei Positionen zum Glaubensabfall vertreten: Die volle Befürwortung von Religionsfreiheit, die völlige Negierung von Religionsfreiheit mit Forderung der sofortigen Todesstrafe für Apostaten sowie eine Mittelposition, die innere Gedankenfreiheit gestattet und vor zu früher Verfolgung warnt, bei offener Apostasie (z. B. bei Übertritt zu einem anderen Glauben) jedoch ebenfalls die Todesstrafe einfordert – innerhalb der etablierten islamischen Theologie ist letztere die heute häufigste Auffassung.

Diese drei Hauptpositionen zur Apostasie stellt die Habilitationsschrift anhand der Veröffentlichungen dreier weltweit einflussreicher Theologen des 20. Jahrhunderts vor: Yusuf al-Qaradawi (geb. 1926), Abdullah Saeed (geb. 1960) und Abu l-A’la Maududi (1903-1979) verfügen über eine weltweit viele Millionen Menschen umfassende Anhängerschaft sowie politischen Einfluss, haben sich in ihren Veröffentlichungen intensiv mit der Thematik der Apostasie befasst und mindestens ein selbständiges Werk dazu publiziert. Diese „global players“ auf der öffentlichen Bühne von Theologie, Politik und Gesellschaft genossen eine traditionell-islamische Ausbildung und folgen keinem grundsätzlich koran- oder islamkritischen Diskurs. Durch ihre Herkunft und weitgespannten Tätigkeiten in Ägypten/Qatar, Malediven/Australien und Indien/Pakistan erlauben sie einen länderübergreifenden Blick auf die heutigen Beurteilung der Apostasie innerhalb der islamischen Theologie.

Die Studie erläutert, warum es in vielen islamisch geprägten Ländern auch heute für Konvertiten, kritische Intellektuelle, Künstler und progressive Koranwissenschaftler, Journalisten und Säkularisten, Agnostiker oder bekennende Atheisten, Aufklärer, Frauen- und Menschenrechtler sowie Angehörige nicht-anerkannter Minderheiten keine Religionsfreiheit im Sinne der UN-Menschenrechtscharta von 1948 gibt. Konvertiten und Andersdenkende sehen sich – von Land zu Land in unterschiedlichem Maß – zumindest Diskriminierungen ausgesetzt, häufig jedoch ebenfalls rechtlichen Benachteiligungen, gesellschaftlicher Ausgrenzung bis hin zu öffentlicher Ächtung, willkürlicher Inhaftierung bis zu Bedrohung und sogar Mord. Grund dafür ist nicht vor allem die Gesetzgebung vor Ort, da nur in wenigen islamisch geprägten Staaten ein in der Verfassung oder Gesetzgebung verankertes Verbot der Apostasie existiert. Schariarecht gilt in den meisten arabischen Staaten ausschließlich im Zivilrecht, nicht aber im Strafrecht. Meist erfahren Konvertiten den größten Druck seitens der Familie und Gesellschaft, nur in wenigen Staaten kommt es zu offiziellen gerichtlichen Anklagen wegen Glaubensabfall.

Öffentliche Meinungsführer aber, insbesondere einflussreiche Vertreter der islamischen Theologie, besitzen über vielerlei Kanäle große gesellschaftliche Prägekraft. Der Transfer ihrer Auffassungen in Theologie und Recht, aber vor allem in die Mitte der Gesellschaft, steht im Mittelpunkt dieser Untersuchung. Nach einem Überblick über die Beurteilung der Apostasie und den Umgang mit Apostaten in der Geschichte von der Frühzeit des Islam bis zur Moderne werden die wichtigsten Veröffentlichungen von Abdullah Saeed, Abu l-A’la Maududi und Yusuf al-Qaradawi erläutert und ausgewertet. Die abschließend gestellte Frage lautet, ob und unter welchen Bedingungen die Befürworter voller Religionsfreiheit in Zukunft ein größeres Forum zur Verbreitung ihrer Auffassungen haben könnten.


Bibliografische Angaben:

  • Christine Schirrmacher. „Es ist kein Zwang in der Religion“ (Sure 2,256). Der Abfall vom Islam im Urteil zeitgenössischer islamischer Theologen. Diskurse zu Apostasie, Religionsfreiheit und Menschenrechten (Kultur, Recht und Politik in muslimischen Gesellschaften 32), Ergon: Würzburg, 555 S. 78.-€
  • Lieferbar über den örtlichen Bundhandel oder direkt beim Verlag www.ergon-verlag.de.


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Theologe Schirrmacher:
Keine Abstriche bei Religionsfreiheit machen

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2015 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Stuttgart/Bonn, 07.06.2015) Christen können nach Überzeugung des Theologen und Religionssoziologen Professor Thomas Schirrmacher (Bonn) nur dort effektiv vor Verfolgung geschützt werden, wo Minderheiten generell Freiheit haben. Der Einsatz für verfolgte Christen setze daher immer auch den Einsatz für allgemeine Religionsfreiheit voraus, sagte der Präsident des Internationalen Rates der „International Society for Human Rights“ am Donnerstag in Stuttgart beim Deutschen Evangelischen Kirchentag.

Der Stuttgarter Medienpfarrer Christoph Schweizer interviewt im Kirchentags-Gastgeberzelt „Stuttgarter Gasthaus“ der Ev. Kirche in Württemberg auf dem Schlossplatz Thomas Schirrmacher zur Lage der Religionsfreiheit

Der Stuttgarter Medienpfarrer Christoph Schweizer interviewt im Kirchentags-Gastgeberzelt „Stuttgarter Gasthaus“ der Ev. Kirche in Württemberg auf dem Schlossplatz Thomas Schirrmacher zur Lage der Religionsfreiheit

Schirrmacher, der unter anderem Vorsitzender der Theologischen Kommission der evangelikalen weltweiten Evangelischen Allianz ist, appellierte an die Verantwortung jedes einzelnen Menschen: „Es sind Menschen hier und heute, die entscheiden, ob sie in Frieden leben.“ Man dürfe das Argument nicht gelten lassen, dass es quasi unabänderliche historische Entwicklungen seien, die dazu führten, dass Menschen unterschiedlicher Religion oder Konfession sich bekriegen.

Es gebe Beispiele, wo eine Gesellschaft sich entschließe, dass Religionen und Konfessionen übergreifend friedlich zusammen leben. Solche Beispiele müssten gefördert und öffentlich gemacht werden, betonte Schirrmacher. Er nannte als aktuelles Vorbild Albanien, wo sich 1990 die verschiedenen Religionsgemeinschaften zum Frieden verpflichtet hatten. „Und dies mitten in einem Umfeld, in dem weiter die Religionskarte in Konflikten gespielt wird“, betonte Schirrmacher.

Christen lebten mehrheitlich „auf der Sonnenseite der Religionsfreiheit“, nämlich in demokratischen Ländern, sagte der Theologe. Das sei kein Zufall, weil das Christentum den Auftrag einschließt, ein friedliches Zusammenleben zu gestalten. Das sei aber auch kein Grund, überheblich zu sein, weil es auch in christlichen Ländern immer wieder die Verfolgung von anders Glaubenden gegeben habe, sogar unter den Konfessionen.

(Quelle: www.epd.de)

Gespräch mit dem Ratsvorsitzenden der EKD Heinrich Bedford-Strohm

Gespräch mit dem Ratsvorsitzenden der EKD Heinrich Bedford-Strohm

Anlässlich des Kirchentagsempfangs des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU führte Schirrmacher Gespräche zum Thema Religionsfreiheit mit dem Präsidenten des Kirchentages Andreas Barner, dem Ratsvorsitzenden der EKD Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, dem gastgebenden Bischof Frank Otfried July, den Bundesministern Wolfgang Schäuble und Thomas de Maizière und dem Generalsekretär der CDU Peter Tauber. Wie er der Evangelischen Verantwortung (Berlin) mitteilte, sei er hoch erfreut, dass das Interesse, konkret etwas für leidende Mitchristen zu tun, innerhalb der EKD und innerhalb der CDU stark zunehme.

Von Hoffnung und von richtigem Zorn

„Nicht jammern“

Die Kirchen sollten sich aus Sicht des württembergischen Landesbischofs Frank Otfried July durch vermeintlich schlechte Umfragewerte und steigende Austrittszahlen nicht runterziehen lassen. Die Kirche sei immer noch die größte Institution, die Menschen unterschiedlicher Milieus vereinen kann, sagt der evangelische Theologe beim Kirchentag in Stuttgart. In der württembergischen Landeskirche gebe es rund 150.000 Ehrenamtliche „Warum sollen wir jammern“ angesichts solcher Zahlen.

Freiheit als Voraussetzung

Christen können nach Überzeugung des Theologen und Religionssoziologen Thomas Schirrmacher nur dort effektiv vor Verfolgung geschützt werden, wo Minderheiten generell Freiheit haben. Der Einsatz für verfolgte Christen setze daher immer auch den Einsatz für allgemeine Religionsfreiheit voraus, so der Präsident des Internationalen Rates der „International Society for Human Rights“.

Zorn über Todesstrafe

Dass die USA die Todesstrafe noch nicht abgeschafft hat, darüber ist der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, „ziemlich zornig“. Ihm sei schleierhaft, wie ein christlich geprägtes Land über Menschen die Todesstrafe verhängen könne.

(Quelle: Schwäbisches Tagblatt)

Links:

 

Mit dem Bundesinnenminister Thomas de Maizière

Mit dem Bundesinnenminister Thomas de Maizière

Mit dem württembergischen Landesbischof Frank Otfried July

Mit dem württembergischen Landesbischof Frank Otfried July

CDU gründet Arbeitsgruppe Christenverfolgung

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2015 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

Volkmar Klein, Ute Granold, Thomas Schirrmacher bei der Gründungssitzung (© Volkmar Klein)

Volkmar Klein, Ute Granold, Thomas Schirrmacher bei der Gründungssitzung (© Volkmar Klein)

(Bonn, 05.06.2015) Die Arbeitsgruppe Christenverfolgung des Bundesfachausschusses Außen-, Sicherheits-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik der CDU Deutschlands hat sich unter der Leitung der ehemaligen Bundestagsabgeordneten Ute Granold konstituiert. Dem rund 25-köpfigen Gremium gehören Vertreter des CDU-Bundesverbandes, der Landesverbände und Experten an, darunter der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Prof. Thomas Schirrmacher. Die Arbeitsgruppe hat die Aufgabe, auf die Lage von bedrängten und verfolgten Christen in der ganzen Welt mit Informationsarbeit in der Gesellschaft aufmerksam zu machen.

Ute Granold hatte 2010 den Stephanuskreis für Religionsfreiheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegründet, der sich insbesondere der Lage verfolgter Christen widmet. Dieser wird heute von dem Bundestagsabgeordneten Prof. Heribert Hirte (Köln) geleitet. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag übernimmt sie auf Bitten von CDU-Generalsekretär Dr. Peter Tauber diese Aufgabe nun für die Partei. Zum stellvertretenden Vorsitzenden der Arbeitsgruppe wurde der Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein (Siegen) gewählt.

Die Arbeitsgruppe hat ein umfangreiches Arbeitsprogramm verabredet. Zunächst wird sie sich mit der Situation der Christen im Irak und in Syrien beschäftigen. Anlässlich der konstituierenden Sitzung erklärte Ute Granold:

„Für die CDU steht die Würde eines jeden einzelnen Menschen im Mittelpunkt. Die Religionsfreiheit ist ein zentrales Menschenrecht, für das wir in der ganzen Welt eintreten. Christen sind die weltweit größte verfolgte Religion. Darauf müssen wir unser besonderes Augenmerk richten.“

In einem Statement begrüßte Thomas Schirrmacher die Gründung des Ausschusses und dankte der Bundesvorsitzenden der CDU, Bundeskanzlerin Angela Merkel, und dem Generalsekretär der CDU, Peter Tauber, für diesen Schritt. Nachdem die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag ebenso aktiv sei wie etwa auch die Konrad-Adenauer-Stiftung und bestimmte Parteigliederungen wie der Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU oder die Seniorenunion, sei es erfreulich, dass nun die Bundespartei als solches das Thema aufgreife, dieses zudem nicht in einem Randbereich ansiedele, sondern als eigenständiges Thema im Rahmen des einflussreichen Bundesfachausschusses Außen-, Sicherheits-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik ansiedele.

Quelle: http://www.cdu.de/artikel/arbeitsgruppe-christenverfolgung-hat-sich-konstituiert (leicht ergänzt)

„Der ehrbare Kaufmann“ – Schirrmacher an der Technischen Universität Chemnitz

Evangelische Allianz bietet Abend „Multikulturelle Gesellschaft“ an

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2015 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Bonn/Chemnitz, 30.01.2015)

„Wenn man verstehen will, wie religiöse Auffassungen auch die Wirtschaft beeinflussen, muss man zunächst verstehen, wie überhaupt religiöse Positionen die Gesellschaft beeinflussen. Denn sie tun es in der Regel nicht als offizielle Forderungen, sondern sehr unterschwellig, aber umso wirksamer.“

Diese These vertrat der Religionssoziologe Thomas Schirrmacher in einer Gastvorlesung an der Technischen Universität (TU) Chemnitz.

BQ340_1Die Gastvorlesung fand im Rahmen eines Diskussionsforums an der Technischen Universität Chemnitz zum Thema „Der ehrbare Kaufmann: Erfolg mit allen Mitteln? – Wirtschaft zwischen Gewinn und Gewissen“ statt. Das Forum wurde von Studierenden der Wirtschaftswissenschaften und des Studiengangs Europastudien initiiert.

In seiner Vorlesung „Ökonomie und Theologie – Der Einfluss religiöser Gebote auf die Wirtschaft“ führte Schirrmacher aus, dass es weder die religiösen Führer noch die Gruppe der besonders aktiven Angehörigen einer Religion seien, die die stärkste Wirkung auf eine Gesellschaft erzielen. Vielmehr seien die Auswirkungen religiöser Gebote dort am stärksten, wo man sie als gegeben hinnimmt, ohne sich bewusst zu sein, dass es sich um ursprünglich religiöse Ordnungen handelt. Als Beispiel verwies Schirrmacher unter anderem auf den Schutz des Sonntags in Deutschland. Dieser sei im Kern ausschließlich religiöser Natur. Trotzdem seien seine positiven ökonomischen Auswirkungen so stark, dass sich heutzutage die Gewerkschaften mindestens so stark für den Sonntagsschutz einsetzten wie die Kirchen.

Als weiteres Beispiel führte Schirrmacher das Verhältnis von Demokratie und christlichem Menschenbild an. Laut dem Philosophen Habermas rechnet Demokratie immer damit, dass Politiker ihre Macht auch missbrauchen. Demokratie bedeute deswegen nicht, dass demokratische Regierungen automatisch moralisch besser seien als andere. Vielmehr bestünde in Demokratien die einmalige Chance, die Regierung ohne blutige Revolution abzusetzen. Auch hier läge eine religiöse Annahme zu Grunde, so Schirrmacher:

„Der Aussage der christlichen Dogmatik ,Alle Menschen sind Sünder‘ widersprechen heute die meisten Menschen erst einmal. Dabei bildet diese Aussage einen Kern der modernen Demokratie, die wiederum die allermeisten Menschen für gut und erstrebenswert halten.“

BQ340_2Schirrmacher unterstrich außerdem die Bedeutung der Religionsfreiheit für die Ökonomie: „Religionsfreiheit hat immer positive ökonomische Auswirkungen.“ Dies läge unter anderem daran, dass religiöse Minderheiten oft gute Verbindungen zum Ausland unterhielten, was sich wiederum auf die Exportwirtschaft eines Landes positiv auswirke. Seine Thesen untermauerte Schirrmacher mit Beispielen aus Ägypten, Indonesien, Ungarn und der Türkei.

Schirrmacher hatte am Abend vorher in Chemnitz einen Vortrag zum Thema „Multikulturelle Gesellschaft“ gehalten, den die Evangelische Allianz Chemnitz und das Martin Bucer Seminar Chemnitz im Evangelischen Schulzentrum veranstaltete. Darin betonte er besonders, dass es für die neuen Bundesländer wichtig sei, zu verstehen, dass die Präsenz der Muslime in Deutschland vor allem auf große Anwerbeabkommen aus der Zeit des Wirtschaftswunders und der Zeit vor der Wiedervereinigung zurückginge, sodass wir es oft schon mit der 3. und 4. Generation der damaligen Zuwanderer zu tun hätten, die man schon gar nicht einfach wieder „nach Hause“ (wo wäre das?) schicken könne. Auch die hohe Arbeitslosigkeit und die oft zu geringe Bildung und Ausbildung seien ein Erbe dieser Zeit, da man jahrzehntelang gehofft hatte, dass die „Gastarbeiter“ einfach wieder gehen würden, und Deutschland erst in jüngster Zeit freiwillig als „Einwanderungsland“ bezeichne. Erst in diesem Jahrhundert habe man mit einer systematischen und aufs Ganze gesehen erfolgreichen Integrationspolitik begonnen, zum Beispiel durch kostenlose Sprachkurse für alle Altersgruppen.

Verletzt der lautsprecherverstärkte Muezzinruf die negative Religionsfreiheit?

Mai 23, 2016 by · 2 Kommentare 

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2014 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Bonn, 29.12.2014) Muslime haben im Rahmen der Religionsfreiheit zwar Anspruch auf eigene religiöse Gebäude, also auch Moscheen und Minarette, und dies selbst mit dem unverstärkt gesungenen Gebetsruf. Doch es müsse diskutiert werden, ob der lautsprecherverstärkte Gebetsruf vom Minarett nicht die Glaubensfreiheit von Nichtmuslimen verletze. Diese Auffassung vertritt der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit in einem Beitrag für das IIRF-Bulletin 2014/4.

iirf_bulletin_15_2014-4In der juristischen Literatur werde der lautsprecherverstärkte Gebetsruf einfach mit dem liturgischen (also nicht mit dem sog. „weltlichen“) Glockengeläut gleichgesetzt. Zwar könne der lautsprecherverstärkte islamische Gebetsruf nur durch ein anderes Menschenrecht eingeschränkt werden, und da sei für den Regelfall keines in Sicht, das infrage käme. Aber das Recht auf Religionsfreiheit selbst könnte beschränkende Funktion haben. Das Recht auf Religionsfreiheit schließe nämlich die sogenannte ‚negative‘ Religionsfreiheit ein, das Recht also, nicht zur Teilnahme an religiösen Handlungen usw. gezwungen zu werden.

Die Gleichsetzung zwischen lautsprecherverstärktem Muezzinruf müsse infragegestellt werden, weil – so Schirrmacher wörtlich –

„der Muezzinruf dadurch, dass er ein verbales Glaubensbekenntnis enthält, andere Menschen zwingt, fünfmal täglich an der Religionsausübung einer anderen Religion teilzunehmen und somit die sogenannte negative Religionsfreiheit betrifft. Die Frage nach der Bewertung des lautsprecherverstärkten islamischen Gebetsrufs wird sich am Ende also darauf konzentrieren müssen, ob der Umstand, dass der Muezzinruf ein formuliertes Glaubensbekenntnis ausruft, an dem auch Nichtmuslime durch Zuhören teilnehmen müssen, die negative Religionsfreiheit verletzt oder ob man dies verneint, indem man entweder sagt, dass ein reines Zuhören noch keine negative Religionsfreiheit verletzt, oder aber argumentiert, dass bei uns sowieso keiner Arabisch versteht. Eine Parallele zum Muezzinruf ist jedenfalls meines Erachtens nicht das Glockengeläut, sondern wäre vorhanden, wenn das christliche sog. Apostolische Glaubensbekenntnis lautsprecherverstärkt für all hörbar und verstehbar von den Kirchtürmen gesungen würde, bis es einem nicht mehr aus dem Kopf geht (‚Ohrwurm‘).“

Sicher hätte diese Frage in Deutschland eines Tages das Bundesverfassungsgericht zu klären.

„Zugegeben, das Thema ist ein umstrittenes Gebiet und ich bin kein Fachjurist, sondern betrachte die Sache vor allem aus der Sicht des Soziologen und Menschenrechtlers, so dass hier viel Raum für Juristen bleibt, mich zu überbieten. Aber dennoch will ich die Diskussion anstoßen“, fügte Schirrmacher hinzu.

Downloads:

„Das Recht auf Religionsfreiheit ist das ungeliebte Stiefkind der Menschenrechte“

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2014 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Bonn, 23.12.2014) Der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit und Präsident des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Thomas Schirrmacher, hat im Rahmen der Tübinger Vorlesungsreihe ‚Clash of Civilization‘ eine Gastvorlesung „Bedrohtes Menschenrecht Religionsfreiheit in weltweiter Perspektive: Die Hauptfaktoren für die global zunehmende Verletzung der Religionsfreiheit“ gehalten. Die Vorlesung wurde live ins Internet übertragen.

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Dabei kritisierte er, dass sich auch in Deutschland nicht alle, auch nicht alle Politiker, ohne Wenn und Aber für Religionsfreiheit einsetzten. Gerade unter Politikern sei der Einsatz für dieses Recht noch viel zu sehr mit den eigenen guten wie schlechten Erfahrungen mit Religion und der jeweiligen Religionszugehörigkeit oder mit Religiosität und Nichtreligiosität verbunden. Doch wie das Folterverbot unabhängig davon sei, was der Einzelne erlebt habe oder wo er politisch oder weltanschaulich stehe, sei auch die Religionsfreiheit ein unteilbares Menschenrecht und sollte instinktiv von jedem Politiker aktiv unterstützt werden, so Schirrmacher.

Überhaupt sei der Artikel 18 zur Religionsfreiheit das ungeliebte Stiefkind aller Artikel der Allgemeinen Erklärung für Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948. Vielen Atheisten sei etwa nicht bewusst, dass die Freiheit von Religion und Weltanschauung samt dem Recht auf Religionswechsel gerade auch Atheisten schütze, sei doch der Austritt aus einer Religionsgemeinschaft eine klassische Form des ‚Religionswechsels‘. Früher habe auch bei uns der Kirchenaustritt negative gesellschaftliche Folgen für die Betreffenden gehabt.

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Die Vorlesungsreihe ‚Clash of Civilizations‘: Feindbilder in interreligiösen Beziehungen und internationaler Geopolitik thematisiert die sehr aktuellen Spannungen zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen oder vielmehr wie diese eingesetzt werden, um Machtinteressen zu bedienen. Professor Rainer Rothfuß und Yakubu Joseph vom
Geographischen Institut der Universität Tübingen haben dazu Wissenschaftler aus dem In- und Ausland eingeladen, unter anderem die Menschenrechtlerin Rania Yusuf, die Botschafter von Russland und Ecuador sowie Ehrensenator Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate.

Die Vorlesung wurde von der Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) unterstützt, an derer Stand man sich erkundigen konnte, wie man sich konkret in Deutschland gegen die Verletzung der Religionsfreiheit einsetzen kann.

Links und Downloads:

Die Lage der Religionsfreiheit als Indikator für die Lage der Menschenrechte?!

Thesen zu einem Vortrag auf einer Klausurtagung der „AG Menschenrechte und humanitäre Hilfe“ (Leitung: Erika Steinbach, MdB) der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag am 23.2.2015 in der Vertretung des Freistaates Bayern in Berlin zum Thema „Religionsfreiheit und Demokratieentwicklung“. (Einladung als PDF-Download)

Der fehlende Einsatz für Religionsfreiheit als Indikator 1: Global

  • Der Umgang mit der religiösen Minderheit der Juden war der beste Indikator für die Menschenrechtslage im Dritten Reich.
  • Der Umgang mit Christen, Juden, Schiiten und Atheisten ist der beste Indikator für die Menschenrechtslage in Saudi Arabien.
  • Der Umgang mit Christen, Juden, Sunniten, Bahai und Atheisten ist der beste Indikator für die Menschenrechtslage im Iran.
  • Der Umgang mit Christen, Juden, Schiiten, Ahmadiyyas und Atheisten ist der beste Indikator für die Menschenrechtslage in Pakistan.
  • Der Umgang mit Hindus, Christen und Muslimen ist der beste Indikator für die Menschenrechtslage im buddhistischen Sri Lanka.
  • Der Umgang mit Christen, Jesiden, Schiiten ist der beste Indikator für die Menschenrechtslage in den Gebieten des IS in Syrien und im Irak.
  • Dass Griechenland noch nicht völlig Teil der Wertegemeinschaft der EU geworden ist, zeigt am besten die eingeschränkte Religionsfreiheit, denn wegen nichts Anderem verurteilt der EuGMR Griechenland häufiger.

Der fehlende Einsatz für Religionsfreiheit als Indikator 2: Islamische Welt

  • Die Arabellion konnte ohne die Forderung nach Religionsfreiheit keine wirkliche Demokratie werden.
  • Der Versuch, Demokratie einzuführen, scheitert, wenn Religionsfreiheit nicht als Teil der Demokratie gesehen wird, wie etwa Ägypten gezeigt hat.
  • In Libyen, Irak, Syrien, Jemen usw.: Es gibt wenig Hoffnung auf die Rückkehr zu dauerhaften stabilen und friedlichen Verhältnissen in diesen Ländern, unter anderem, weil niemand Religionsfreiheit und den Schutz religiöser Minderheiten auf der Agenda hat, ja bei IS und anderen islamistischen Bewegungen ist die Verfolgung religiöser Minderheiten in und außerhalb des Islam Teil der DNA. Die ersten islamistischen Schriften aus den 1920er Jahren, etwa bei Sayyid Abul Ala Maududi, kreisen darum, wer Ungläubiger ist und deswegen auf keinen Fall Staatsbürger werden sollte, was bei Maududi etwa für Ahmadiyya-Muslime wie Christen gleichermaßen galt.
  • Lange Zeit hat Erdogan in der Türkei viel verbessert, so dass es so aussah, als habe er den Islamismus seiner Frühzeit aufgegeben. Dass er sich aber nicht überwinden konnte, religiösen Minderheiten, besonders Christen, Religionsfreiheit zu gewähren, obwohl etwa die EU das sehr deutlich immer wieder verlangte, hätte für alle ein Beleg dafür sein können, dass er in seinem Herzen Islamist blieb, denn ein Islamist kann einfach nicht für Religionsfreiheit eintreten. (Damit soll nicht bestritten werden, dass Erdogans kemalistische Vorgängerregierungen die Religionsfreiheit viel radikaler beschnitten haben, es manche Fortschritte unter Erdogan gab und der größten Oppositionspartei als Erben des Kemalismus in Sachen Religionsfreiheit nach wie vor nicht zu trauen ist.)
  • Umgekehrt ist der Umstand, dass der neue Präsident von Indonesien lange für Religionsfreiheit eintrat und Jakarta ein Jahrzehnt zusammen mit einem Christen als Vizegouverneur regierte – der das Amt des Gouverneurs automatisch übernahm – ein sehr guter Indikator dafür gewesen, dass sich unter ihm die Menschenrechtslage insgesamt bessert.

Wird Religionsfreiheit mit Füßen getreten, leiden am Ende alle

  • Das Dritte Reich zeigt, dass erst die Juden verfolgt wurden, mit der Zeit aber alle gefährdet waren. So wurde das Anschwärzen des Nachbarn, dass er Kontakt zu Juden habe, immer einfacher. Denn die Einschränkung der Religionsfreiheit religiöser Minderheiten führt schnell dazu, dass auch Anhänger der Mehrheitsreligion betroffen sind und unter die Räder kommen.
  • Ein modernes Beispiel dafür sind die Apostasiegesetze in Pakistan, die ursprünglich für Ahmadiyyas und Christen gemacht wurden, inzwischen aber überwiegend Muslime treffen, die von anderen Muslimen fast immer – selbst im Sinne des irren Gesetzes – zu Unrecht angeschwärzt werden.

Menschenrechte sind eine Einheit und gehören untrennbar zusammen

  • Es ist kein Land der Geschichte oder der Gegenwart bekannt, in dem religiöse Minderheiten unterdrückt wurden oder werden, ansonsten aber die Menschenrechtslage in Ordnung war und ist.
  • Religiöse Minderheiten sind oft zugleich ethnische oder soziale Minderheiten, so dass nicht nur die Religionsfreiheit verletzt wird, wenn sie diskriminiert oder unterdrückt werden. Ein gutes Beispiel sind christliche und buddhistische Dalits in Indien.
  • Menschenrechte bilden eine Einheit in der Menschenwürde und hängen untereinander eng zusammen. Es kommt praktisch nicht vor, dass nur ein einzelnes Menschenrecht isoliert verletzt wird. Ein und derselbe Akt kann aber mehrere Menschenrechte gleichzeitig verletzen, etwa wenn eine Frau einer religiösen Minderheit gefoltert wird, was Frauenrechte, Religionsfreiheit und Folterverbot zugleich verletzt.
  • Religionsfreiheit ist aufs Engste insbesondere mit Gewissensfreiheit und Meinungsfreiheit verbunden, aber auch etwa mit Pressefreiheit, mit Versammlungsfreiheit oder dem Recht auf ein faires Gerichtsverfahren.
  • Wie etwa auch die Pressefreiheit, die Gewissensfreiheit oder Meinungsfreiheit kann Religionsfreiheit nie nur ein privates Recht sein, sondern lebt gerade von dem Recht in der Öffentlichkeit, wie Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in mehrfacher Hinsicht (öffentliche Ausübung, öffentliches Propagieren, Religionswechsel) deutlich macht. Was würde es nützen, seine Meinung nur privat zu Hause haben zu dürfen oder Presseerzeugnisse nur zu Hause formulieren, nicht aber veröffentlichen zu dürfen?
  • Es gehört zum Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen, dass man sich zuerst vor allem auf besonders schwere und prozentual besonders häufige Menschenrechtsverletzungen konzentriert. Deswegen darf man auch von Christenverfolgung sprechen, auch wenn man gegen die Verfolgung jeder religiösen Minderheit ist und für die – sowieso unteilbare – Religionsfreiheit für alle eintritt.

Fazit: Traue niemand, der von Menschenrechten spricht, aber nicht für die Religionsfreiheit anderer eintritt!

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