Thomas Schirrmacher
ArchivReligionsfreiheit

CDU veröffentlicht Fragenkatalog zu den Themen Religionsfreiheit und Verfolgung von Christen

Dezember 4, 2016 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

cdu-website(Bonn, 06.06.2016) Der Arbeitskreis Verfolgte Christen der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands hat einen Fragenkatalog zum Thema Religionsfreiheit und Verfolgte Christen erarbeitet und auf der Webseite der CDU veröffentlicht.

Der Fragenkatalog soll in Kürze auch als gedruckte Broschüre und als PDF erscheinen.

Volkmar Klein und Thomas Schirrmacher besuchen den neuen Sonderberichterstatter für religiöse Minderheiten im Nahen Osten und Südostasien im State Department in Washington

Dezember 1, 2016 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

Schirrmacher, Klein und Knox Thames im State Department

Schirrmacher, Klein und Knox Thames im State Department

(Bonn, 18.05.2016) Anlässlich ihrer Teilnahme am National Prayer Breakfast 2016 in Washington haben zwei Mitglieder des Beirates des Zentralrates Orientalischer Christen in Deutschland (ZOCD), der Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein und der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (IIRF), Thomas Schirrmacher, den neuen „Special Advisor for Religious Minorities in the Near East and South / Central Asia“ im US-Außenministerium in Washington, Knox Thames, besucht und sich von ihm über seine letzte Reise in den Nahen Osten informieren lassen. Außerdem stellten Klein und Schirrmacher den ZOCD vor, da es Bestrebungen gibt, etwas Ähnliches für den gesamten Nahen und Mittleren Osten aufzubauen.

Das Gespräch war im Dezember in Rom bei einem Treffen zwischen drei Vertretern des IIRF und dem Ambassador-at-Large for International Religious Freedom, David N. Saperstein, vorbereitet worden.

Besuch bei Frank Wolf (2014)

Besuch bei Frank Wolf (2014)

Daneben traf sich Schirrmacher in Washington mit zahlreichen Forschern und Experten rund um das Thema Religionsfreiheit, so mit Nina Shea, Direktorin des Center for Religious Freedom des Hudson Instituts, Olivia Enos und Sarah Torre, die im Think Tank der Republikaner „The Heritage Foundation“ für Religionsfreiheit in den USA und im Nahen Osten zuständig sind, mit Timothy Shah und Thomas Farr, den Direktoren des Religious Freedom Project des Berkeley Center for Religion, Peace, and World Affairs der Georgetown University, außerdem mit dem republikanischen Politiker John McCain und der ukrainischen Politikerin Julija Tymoschenko.

Im Jahr 2014 hatten Volkmar Klein und Thomas Schirrmacher den republikanischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses Frank Wolf besucht, der der am längsten amtierende Abgeordnete des Repräsentantenhauses (1980-2015) war. Er hat als Republikaner zusammen mit Kollegen von der demokratischen Partei alle wesentlichen Gesetze der USA zur Religionsfreiheit auf den Weg gebracht hat.

mit John McCain

mit John McCain

In einer Stellungnahme kritisierte Schirrmacher anschließend Präsident Barak Obama. In keiner Stadt der Erde gäbe es so viele Experten rund um das Thema Religionsfreiheit, wie in Washington, und mehrere Gesetze statteten Washington mit hochrangingen Institutionen rund um das Thema aus, wie die dem Parlament zugeordnete US Commission for International Religious Freedom (USCIRF), den Botschafter für Religionsfreiheit und eine eigene Abteilung im Außenministerium, die jährlich einen Bericht zur Lage der Religionsfreiheit in allen Ländern der Erde erstelle. Aber Obama sorge durch sein Desinteresse am Thema und an diesen Institutionen dafür, das deren Wirken ins Leere laufe. Auch das neue Amt von Knox Thames sei durch ein Gesetz der beiden Kammern des US-Parlamentes gegen den Willen Obamas geschaffen worden. Obama verhindere auch bewusst, dass die USA ebenso wie das EU-Parlament den Genozid an Christen, Jesiden und anderen im Nahen Osten beim Namen nennen. Obama sei zwar der Meinung, dass an den Jesiden ein Genozid geschehe, nicht aber an den Christen.

mit Julija Tymoschenko

mit Julija Tymoschenko

Da auch die neue Regierung in Kanada als Erstes das Amt des Botschafters für Religionsfreiheit abgeschafft habe, falle Nordamerika inzwischen weit hinter seine Möglichkeiten zurück.

 

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Päpstliche Universität: Schirrmacher ruft alle Kirchen zur Einigkeit in Gebet, Forschung und Einsatz angesichts der explosionsartig zunehmenden Diskriminierung und Verfolgung von Christen

November 25, 2016 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

Das Internationale Institut für Religionsfreiheit wird vom US-Botschafter für Internationale Religionsfreiheit gewürdigt

Gastvorlesung von Thomas Schirrmacher in der Aula der Päpstlichen Universität Urbanina, sitzend Dr. Paul Bhatti, Pakistan

Gastvorlesung von Thomas Schirrmacher in der Aula der Päpstlichen Universität Urbanina, sitzend Dr. Paul Bhatti, Pakistan

(Bonn, 17.05.2016) Im Rahmen einer internationalen Konsultation aus Anlass des 50. Jahrestages von Dignitatis Humanae, der Erklärung zur Religionsfreiheit des Zweiten Vatikanischen Konzils, hielt der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (IIRF) der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) eine Gastvorlesung an der Päpstlichen Universität Urbanina. Die Konsultation wurde vom „Center for Civil and Human Rights“ an der Universität von Notre Dame, dem „Religious Freedom Project“ des „Berkley Center for Religion, Peace, and World Affairs“ der Georgetown University in Washington und der Kommunität Sant’Egidio in Rom ausgerichtet. Schirrmacher wurde von zwei Kollegen des IIRF begleitet, dem Ko-Direktor des IIRF, Prof. Dr. Christof Sauer, Kapstadt, und Prof. Dr. Thomas K. Johnson, dem Religionsfreiheits-Botschafter beim Vatikan der WEA.

(von links nach rechts) Thomas Schirrmacher, Thomas K. Johnson, Botschafter der WEA beim Vatikan, der Kardinal von Nigeria, Ken Hackett, Botschafter der USA beim Heiligen Stuhl – in dessen Residenz

(von links nach rechts) Thomas Schirrmacher, Thomas K. Johnson, Botschafter der WEA beim Vatikan, der Kardinal von Nigeria, Ken Hackett, Botschafter der USA beim Heiligen Stuhl – in dessen Residenz

Schirrmacher, der auch Moderator für zwischenkirchliche und interreligiöse Beziehungen der WEA ist, rief angesichts der explosionsartig zunehmenden Diskriminierung und Verfolgung von Christen alle Kirchen zur Einigkeit in Gebet, Forschung und Einsatz für Betroffene auf. Er verwies dazu auf die erfolgreiche internationale Konsultation aller Konfessionen in Tirana im November 2015, die bewies, dass eine solche Einigkeit und Kooperation möglich und sinnvoll sei.

An der Konferenz nahmen zahlreiche Patriarchen und Bischöfe orientalischer Kirchen teil, außerdem führende Erforscher der Religionsfreiheit und ihrer Verletzung, insbesondere aus den USA, darunter das Forscherteam des „Religious Freedom Project“, außerdem die Leiter vieler NGO’s aus dem Bereich von Forschung und Verteidigung der Religionsfreiheit.

Während eines Empfangs in der US-Botschaft beim Heiligen Stuhl sprachen Johnson und Schirrmacher mit dem amerikanischen Botschafter Ken F. Hackett, mehreren anderen Botschaftern beim Heiligen Stuhl und dem US-Botschafter für Internationale Religionsfreiheit, David N. Saperstein. Bei dieser Gelegenheit dankte Saperstein dem IIRF dafür, das Thema Religionsfreiheit in der akademischen Welt hochzuhalten, insbesondere auch durch das International Journal for Religious Freedom. Er lud Wissenschaftler des IIRF in sein Büro im Außenministerium der USA ein.

Ökumenischer Gottesdienst, Schirrmacher am Pult, links dahinter Dr. Paul Bhatti, Pakistan

Ökumenischer Gottesdienst, Schirrmacher am Pult, links dahinter Dr. Paul Bhatti, Pakistan

Botschafter Ken F. Hackett wurde am 14.06.2013 von Präsident Barack Obama nominiert und am 01.08.2013 vom US-Senat bestätigt. Vorher war er von 1993 bis 2012 Präsident des „Catholic Relief Services“.

Botschafter David N. Saperstein ist der „Ambassador-at-Large for International Religious Freedom“. Er wurde am 12.12.2014 vom Senat bestätigt und leistete am 06.01.2015 seinen Amtseid. Gemäß Gesetz ist der Botschafter der Hauptberater des Präsidenten und des Außenministers der USA und dient als Hauptdiplomat in Sachen Religionsfreiheit weltweit. Er leitet außerdem das „Office of International Religious Freedom in the Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor“im Außenministerium. Saperstein ist jüdischer Rabbi und Anwalt. Er war 40 Jahre Direktor des “Religious Action Center of Reform Judaism (RAC)”, dem größten jüdischen Programm für soziale Gerechtigkeit in den USA.

„Unter Cäsars Schwert“ („Under Caesar’s Sword“) ist ein dreijähriges globales Forschungsprogramm mehrerer Universitäten, wie christliche Kirchen reagieren, wenn sie verfolgt warden. Der „Templeton Religion Trust“ hat dafür 1,1 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt, die vom „Center for Civil and Human Rights and the Religious Freedom Project“ am Berkley Center for Religion, Peace, and World Affairs der Georgetown University in Washington verwaltet warden.

(von links nach rechts) Prof. Bielefeldt, Prof. Sauer, Patriarch Ignatius Joseph III. Younan (Patriarch der Syrisch-katholischen Kirche von Antiochien in Beirut), Prof. Schirrmacher

(von links nach rechts) Prof. Bielefeldt, Prof. Sauer, Patriarch Ignatius Joseph III. Younan (Patriarch der Syrisch-katholischen Kirche von Antiochien in Beirut), Prof. Schirrmacher

Gastvorlesung von Thomas Schirrmacher in der Aula der Päpstlichen Universität Urbanina

Gastvorlesung von Thomas Schirrmacher in der Aula der Päpstlichen Universität Urbanina

Menschenrechte sind fest verankert in der DNA des christlichen Glaubens

November 5, 2016 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2015 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

Eine Reportage des International Communications Team des Global Christian Forum

Prof Dr Thomas Schirrmacher, World Evangelical Alliance, delivers a keynote address on DPM from a human rights perspective. Global Christian Forum consultation Discrimination, Persecution, Martyrdom: Following Christ Together, Tirana, Albania, 1-5 November 2015. Credit: Global Christian Forum/Eero Antturi.

Thomas Schirrmacher (© Anturri)

(Bonn, 27.11.2015) Für Christen ist die Verteidigung der Religions- und Weltanschauungsfreiheit sowie der Menschenrechte nicht nur eine zweitrangige Angelegenheit. Sie kommt vielmehr aus dem Herzen des christlichen Glaubens mit Schöpfung, Sündenfall und Erlösung.

Die Menschenrechte müssen als Kernkonzept des christlichen Glaubens eine angemessene Stellung bekommen und dürfen nicht nur als politisches und vernünftiges Konzept angesehen werden. Das war der zentrale Gedanke der Rede von Prof. Dr. Thomas Schirrmacher vor Repräsentanten aller großer christlichen Traditionen auf der Konsultation „Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium“ in Tirana, Albanien.

Thomas Schirrmacher (© IIRF)

Thomas Schirrmacher (© IIRF)

Schirrmacher betonte vor den 140 Delegierten aller Konfessionen sehr stark, dass Menschenrechte in der Schöpfung des Menschen durch Gott wurzeln und nicht nur in ihrer Erlösung. Deshalb haben alle Menschen dieselben Rechte als Geschöpfe, nicht nur Christen als Glaubende. Menschen mit ganz unterschiedlichem Glauben sollten dazu gebracht werden, die Menschenrechte zu verteidigen.

Schirrmacher, der auch Botschafter für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz ist, machte deutlich, dass nicht nur Christen Rechte hätten und nicht nur Christen die Menschenrechte verteidigen würden. Weil die letzte Begründung für Menschenrechte in Gottes Werk als Schöpfer liegt, haben alle Menschen die gleiche Menschenwürde, die Basis für Menschenrechte, und können etwas darüber wissen.

Thomas Schirrmacher (© IIRF)

Thomas Schirrmacher (© IIRF)

Als Beispiel nannte er seine Arbeit als Präsident des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, für die auch Muslime arbeiten, nicht zuletzt der Generalsekretär der Organisation. Sie verteidigen wirklich eifrig die Menschenrechte, obwohl das Konzept so tief in der christlichen Weltsicht verankert ist und nicht notwendigerweise so klar in deren Weltsicht verwurzelt ist. Im Zweifel ist es viel besser, Menschenrechte in der Praxis einfach zu verteidigen – ob mit oder ohne angemessene Begründung –, als lediglich ein paar gute Ausführungen über die Quelle der Menschenrechte zu haben und nichts zu tun.

Der Grund, warum Menschenrechte und Menschenwürde so unter Beschuss geraten, liegt schlicht in der Sünde begründet, wie sie schon im dritten Kapitel des ersten Mosebuches so eindrücklich beschrieben wird. Kain tötete Abel – das ist im Grunde die Geschichte der Menschheit seit Anbeginn. Nur wegen der Sünde ist es überhaupt nötig, die Menschenrechte zu verteidigen.

Godfrey Yogarajah (© IIRF)

Godfrey Yogarajah (© IIRF)

Wegen der großen Bedeutung von Sünde und Sündenfall im christlichen Glauben erinnerte Schirrmacher daran, dass Christen den Staat brauchen. Der Staat muss nach Römer 13 Gesetze erlassen und das Böse beschränken – das Böse von Christen ebenso wie die Sünden anderer Menschen. Und der Grad an Frömmigkeit oder Glauben eines einzelnen Christen entbindet diesen nicht von der Notwendigkeit der Verantwortlichkeit.

Selbst der Papst hat Menschen gebeten, für ihn zu beten, weil auch er so leicht etwas Falsches tun kann, was vielen Menschen echte Schwierigkeiten bereiten würde. „Wenn schon der Papst so offen diese Not anerkennt, um wie viel mehr sollte das für den Rest von uns gelten!“, so Schirrmacher.

Weil wir alle unter den Folgen der Sünde stehen, brauchen wir alle den Staat, um unsere Rechte vor den Angriffen anderer zu schützen.

Aus diesen Gründen sollten Christen die Verteidigung der Menschenrechte nicht als zweitrangige Angelegenheit betrachten. Vielmehr ist die Verteidigung der Rechte unseres Nächsten tief verankert in den Grundlagen des christlichen Glaubens, die alle Christen glauben sollten.


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Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung 2015 und Jahrbuch Religionsfreiheit 2015 stehen kostenlos zum Download bereit

Oktober 27, 2016 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2015 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Bonn, 26.10.2015) Schon vor dem Erscheinungstermin am 03.11.2015 stehen das Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung von Christen 2015 und das Jahrbuch Religionsfreiheit 2015 ab sofort kostenlos zum Download und zum freien Einstellen und Bereitstellen auf anderen Webseiten bereit.

jahrbuch_cf_2015_umschlagDie gedruckte Fassung wird am 03.11.2015 erscheinen. Beide Jahrbücher sind in einen Band gebunden, jedes Jahrbuch beginnt auf einer anderen Seite des Umschlags. Vorbestellungen nimmt der Buchhandel entgegen. Verlagsauslieferung ist das ICMedienhaus in Holzgerlingen bei Stuttgart. Beteiligten Organisationen wurden die beiden als Wendebuch zusammengebundenen Jahrbücher mit 50% Rabatt ab 10 Exemplaren als Wiederverkäufer angeboten.

Die Jahrbücher werden von der Deutschen Evangelischen Allianz jedes Jahr auch allen Bundestagsabgeordneten zur Verfügung gestellt. Ähnliches gilt in der Schweiz und in Österreich. Weitere Exemplare zur Weitergabe an Politiker und Kirchenleiter können angefordert werden.
Die Jahrbücher werden jährlich von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, dem Internationalen Institut für Religionsfreiheit und den Religionsfreiheitsarbeitskreisen der drei deutschsprachigen Allianzen, der Deutschen Evangelischen Allianz, der Schweizerischen Evangelischen Allianz und der Österreichischen Evangelischen Allianz von Thomas Schirrmacher, Max Klingberg und Ron Kubsch herausgegeben.

 

jahrbuch_rv_2015_umschlagBibliografische Angaben:

  • Th. Schirrmacher, R. Kubsch, M. Klingberg (Hg.). Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung 2015. Studien zur Religionsfreiheit Bd. 25. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 2015. ISBN 978-3-86269-111-1. Pb. 316 S.
  • Th. Schirrmacher, M. Klingberg (Hg.). Jahrbuch Religionsfreiheit 2015. Studien zur Religionsfreiheit Bd. 26. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 2015. ISBN 978-3-86269-112-8. Pb. 268 S.
  • Beide Bücher sind gemeinsam als Wendebuch mit insgesamt 584 S. zum Preis von 10 EUR über den örtlichen Buchhandel erhältlich.

 

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Prof. Dr. Thomas Schirrmacher in Rutesheim: „Religionsfreiheit gehört zur DNA Deutschlands“

Oktober 14, 2016 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

bq402_3Vortrag zu „Christenverfolgung heute – eine Herausforderung für Politik und Kirchen“

(Bonn, 05.03.2016) Am 26. Februar 2016 fand im mit etwa 150 Gästen übervoll besetzten Bürgersaal in Rutesheim ein Vortragsabend zum Thema Christenverfolgung statt. Eingeladen hatten in Zusammenarbeit mit Sabine Kurtz MdL der EAK–Kreisverband Böblingen und der CDU-Stadtverband Rutesheim unter Vorsitz von Reinhart Boehm.

Die Zuhörer lauschten dem Vortrag von Prof. Dr. Thomas Schirrmacher von der ersten Minute an wie gebannt: Als herausragender Kenner der Materie behandelte er das Thema „Christenverfolgung“ nicht isoliert, sondern betrachtete es in einem universalen Rahmen. Religionsfreiheit, Menschenrechte und die globale Situation der Religionen spielten genauso eine Rolle wie die weltweite Ökumene oder – ganz aktuell – die Flüchtlingsfrage.

bq402_1Einen großen Teil des Vortrags widmete er dem Thema „Religionsfreiheit“, dargestellt an der gesellschaftlichen und politischen Situation in Ländern, in denen entweder das Christentum oder der Islam die vorherrschende Religion bilden. Während in christlich geprägten Ländern der Neuzeit aufgrund ihrer historischen Entwicklung Religionsfreiheit selbstverständlich geworden sei, herrsche in den meisten islamisch geprägten Ländern keine Toleranz und eine von der Scharia dominierte Rechtsauffassung. Beide Entwicklungen dauerten noch an und beeinflussten bis heute weite Teile der Welt.

Das religiöse Selbstverständnis einer Gesellschaft habe tiefgreifende Auswirkungen auf die Entwicklung seiner Staatsform. Zur Demokratie gehöre unweigerlich die Religionsfreiheit. Just daran scheiterten bislang die demokratischen Bewegungen in islamischen Ländern. Denn Religionsfreiheit widerspräche bisher den am meisten verbreiteten Formen des Islam.

bq402_2Die Folgen: Während christliche und andere religiöse oder weltanschauliche Minderheiten in muslimischen Ländern oft diskriminiert oder verfolgt würden, genössen muslimische Minderheiten in Ländern mit christlicher Mehrheit in der Regel Freiheitsrechte. Muslimische Minderheiten, die in ihren muslimischen Herkunftsländern unterdrückt würden, wie beispielweise Aleviten oder die Ahmadiyyas, begrüßten und befürworteten in der Regel die Religionsfreiheit in christlich geprägten Ländern sehr. Islamistische Extremisten hingegen hätten sich zum Ziel gesetzt, die Religionsfreiheit zu „überwinden“ und missbrauchten diese häufig, um ihre Ideologie zu verbreiten. Der weltweite Islam sei also keineswegs homogen. „Differenziertes Urteilen und Handeln sind hier vonnöten“, betonte Schirrmacher.

„In der Praxis heißt das: Islamisten muss durch die Staatsgewalt die ‚rote Karte‘ gezeigt werden. Hilfs- und Schutzbedürftige aber haben Anspruch auf Unterstützung“, so Schirrmacher.

„Für muslimische Flüchtlinge hierzulande gilt dies genauso wie für verfolgte Christen in anderen Ländern. Denn: Der Einsatz für Religionsfreiheit und der Kampf gegen Christenverfolgung gehören zusammen. Beides macht das christliche Ethos aus und ist auch Leitlinie der CDU.“

Daher sieht Schirrmacher Deutschland hinsichtlich der Behandlung von Flüchtlingen in der Pflicht:

„Wir sind der Menschenwürde und der Humanität verpflichtet – das gehört zu unserer DNA – daran führt kein Weg vorbei“, so sein Credo.

Auch Sabine Kurtz verwies in ihrem Grußwort auf die Bedeutung der Religionsfreiheit und der christlich-jüdischen Tradition für Deutschland. „Religion ist nicht Privatsache“, betonte sie in Abgrenzung zur Auffassung der Grünen und anderer Kräfte, die Religion aus dem öffentlichen Leben verdrängen und das Zusammenspiel von Staat und Kirchen trennen wollen. Auch halte sie es für bedeutsam, die eigene christliche Religion bewusst zu pflegen:

„Wer sich seiner eigenen Religion gewiss ist, kann in einen selbstbewussten Dialog mit anderen Religionen treten.“

Von Marc Krüger

Quelle: www.stadtanzeiger-im-netz.de (Übernahme mit freundlicher Genehmigung)

Das Internationale Institut für Religionsfreiheit überprüft den Weltverfolgungsindex

Oktober 10, 2016 by · 1 Kommentar 

(Bonn, 23.02.2016) Zum dritten Mal ist der Weltverfolgungsindex von Open Doors durch ein Team von acht Wissenschaftlern des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (IIRF) geprüft und mit einem positiven Prüfungsvermerk versehen worden. Das IIRF wählte dabei fünf Länder und verfolgte jeweils den gesamten Arbeitsablauf, von den Experten, die Fragebögen ausfüllten, über den Bearbeitungsprozess durch die Forschungsabteilung von Open Doors, bis zur abschließenden Punkteerrechnung. Drei Wissenschaftler prüften den gesamten Verlauf im Blick auf alle fünf Länder, während weitere fünf Wissenschaftler jeweils ein Land noch gründlicher prüften, für das sie selbst Experten sind. Wo erforderlich, zogen die fünf Wissenschaftler weitere Kollegen zu spezifischen Fragen hinzu.

Als eines der Ergebnisse unterbreitete das IIRF eine Liste von Vorschlägen, um den Umgang mit voneinander abweichenden Antworten in den ausgefüllten Fragebögen zu ein- und demselben Land zu verbessern. Zum ersten Mal schlug das IIRF keine Verbesserungen des Fragebogens an sich vor.

„Der Fragebogen ist immer wieder verbessert worden, sodass weiteren mögliche Änderungen keine Priorität haben. Der Schwerpunkt muss nun vielmehr darauf liegen, die Qualität der Antworten in den Fragebögen zu gewährleisten und mit Abweichungen in den geäußerten Meinungen umzugehen.“

Der Prüfungsvermerk hat folgenden Wortlaut:

„Die Ergebnisse des Open Doors Weltverfolgungsindex 2016 werden durch die Open Doors Forschungsabteilung zum Weltverfolgungsindex im Rahmen der derzeitig bei der Auswertung der Informationen erreichten Genauigkeit zutreffend dargelegt. Die Zahlenangaben werden durch differenziert erläuternde Länderprofile ergänzt. Die Prüfer loben die Einführung neuer Maßnahmen zur Qualitätssicherung durch die Analysten der Open Doors Forschungsabteilung. Dies betrifft sowohl die Einheitlichkeit in der Anwendung der Fragebögen und der Methodologie durch gemeinschaftliche Überprüfung von mehrdeutigen Fragen und Problemstellungen als auch die stichprobenhafte, paarweise, gegenseitige Überprüfung von Ergebnissen zu einzelnen Ländern durch die jeweils zuständigen Verfolgungsanalysten.“

Der stellvertretende Direktor des IIRF, Prof. Dr. Christof Sauer, der Koordinator des Prüfungsteams, bemerkte:

„Ich bin beeindruckt von der kollegialen Zusammenarbeit mit den Verfolgungsanalysten der Forschungsabteilung von Open Doors International. Ich stelle eine bemerkenswerte Offenheit fest für kritische Rückmeldungen und anhaltende Bemühungen, den Weltverfolgungsindex zu verbessern.“


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Religionsfreiheitsexperte fordert Erfassung der Straftaten gegen alle Religionen, nicht nur gegen den Islam

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2015 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Bonn, 11.12.2015) Der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Thomas Schirrmacher, hat angesichts von Presseberichten, nach denen diskutiert wird, in der statistischen Erfassung der Hasskriminalität in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) einen Unterpunkt von Straftaten gegen den Islam zu schaffen, die Frage gestellt, warum dann nicht alle Religionen, zumal auch das Christentum, erfasst werden sollen. Angesichts zunehmender Gewalt gegen kirchliche Gebäude und Veranstaltungen und der Bedrohung orientalischer Kirchen und Christen in Deutschland, sei das nur konsequent.

Stellungnahme von Thomas Schirrmacher:

Anti-islamische Straftaten sollen in der Polizeilichen Kriminalstatistik neu erfasst werden – warum nicht auch anti-christliche?

Stellungnahme des Direktors des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Thomas Schirrmacher

Nach Medienberichten (z. B. www.welt.de oder www.zeit.de) setzt sich eine breite Phalanx von der Partei Die Linke, über die Gewerkschaft der Polizei, den Koordinierungsrat der Muslime und das – hier nicht zuständige – Bundesinnenministerium dafür ein, dass die Innenministerkonferenz der Bundesländer beschließen möge, dass in der statistischen Erfassung der Hasskriminalität in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ein Unterpunkt von Straftaten gegen den Islam einführt wird, da derzeit kein zahlenmäßiger Überblick zu gewinnen ist, wie oft Muslime wegen ihrer Religionszugehörigkeit und muslimische Einrichtungen Gegenstand von Angriffen sind.

Erfassung konkreter Verletzungen von Religionsfreiheit ist immer gut! Ich möchte aber fragen, warum nun neben den jüdischen nur muslimische Fälle zusätzlich erfasst werden sollen, warum nicht die aller Religionen und auch des Christentums?

Es ist doch an der Zeit, die Angriffe auf Kirchengebäude und die eindeutig gegen christliche Veranstaltungen, Personen oder Inhalte gerichteten Straftaten ebenso zu erfassen.

Oder muss die Mehrheitsreligion nicht mehr gleichermaßen geschützt werden? Und wenn man schon die Mehrheitsreligion übergehen will, was ist dann mit koptischen Kirchen, syrisch-orthodoxen Kirchen oder freikirchlichen Gebäuden, die allesamt religiöse Minderheiten repräsentieren?

Warum erfasst man dann nicht auch systematisch Übergriffe gegen Christen etwa in Flüchtlingsheimen, wo man doch Übergriffe gegen Muslime ebenda erfassen will?

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Jörg Radek, stellt fest, dass die Erfassung antimuslimischer Delikte für die Polizei nur einen geringen Mehraufwand darstelle. „Wenn man antisemitische Straftaten erfasst, sollten auch antimuslimische Straftaten gezählt werden“, zitiert ihn die WELT. So logisch das klingt, so unlogisch ist, dass er dann nicht ebenso das Christentum und andere Religionen nennt. Gibt es denn nur Juden und Muslime in Deutschland? Und gibt es nur Straftaten gegen diese beiden Religionen? Wird hier nicht mit zweierlei Maß gemessen?

Man verstehe mich nicht falsch. Ich bin dafür, dass antijüdische und antimuslimische Straftaten usw. erfasst werden, ich will nur, dass die anti-christlichen ebenso erfasst werden.

Im Falle der Office for Democratic Institutions and Human Rights (ODIHR) der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europe (OSZE) findet sich ein typisches Beispiel. Lange Zeit wurde europaweit nur die Diskriminierung von Juden erfasst, diskutiert und bekämpft. Lange später folgten die Muslime und ihre Diskriminierung. Alles richtig und nötig. Aber erst nach vielerlei Eingaben, Protestenten und Druck konnte man sich in jüngster Zeit durchringen, auch die Diskriminierung von „Christen und andere Religionen“ (so der Name der zuständigen Abteilung und Berichterstattung) zu erfassen und zu kritisieren. Und eben nicht zufällig wurde das Christentum nicht wie Islam und Judentum eigenständig erfasst, sondern mit allen anderen Religionen zusammengenommen. Warum erfasst man alle „anderen“ Religionen denn nicht unter dem Judentum oder dem Islam, was ebenso unsinnig wäre?

Im Europarat und im Europäischem Parlament war die Entwicklung ähnlich: Schon lange erfasst und bekämpft man den Antisemitismus, viel später kamen Übergriffe gegen Muslime dazu, aber erst in jüngster Zeit wird auch thematisiert, dass es Übergriffe gegen Christen gibt, offiziell erfasst wird es immer noch nicht.

Ist denn das Beschmieren einer Kirche weniger schlimm als das Beschmieren einer Moschee? Ist die Schändung eines christlichen Grabes weniger schlimm als die Schändung eines jüdischen Grabes? Ist Brandstiftung eines religiösen Gebäudes jeweils anders zu werten, je nachdem welche Religion sie trifft?

Nicht jeder Kirchendiebstahl ist gegen das Christentum gerichtet, aber das ist ja bei Moscheen nicht anders. Nicht jede Schmiererei ist automatisch antireligiös, wenn der Text der Schmiererei das nicht nahelegt. Aber wenn die Statistik grundsätzlich antireligiöse Straftaten erfasst, muss das nach gleichen Standards für alle Religionen geschehen. Kirchen brauchen in Deutschland zunehmend Überwachungsdienste, Wachdienste oder bleiben gleich ganz geschlossen.

Zur Religionsfreiheit gehört auch, dass Religionen gleichbehandelt werden. Dazu gehört doch auch gerade, dass Gewalt gegen die Religionsfreiheit in der Breite erfasst wird, nicht nur für einzelne Religionen. Immer wieder ist zu hören, das Christentum würde in Deutschland oder Europa anderen Religionen vorgezogen. Mit der einseitigen zusätzlichen Erfassung von Straftaten gegen Muslime wird das Christentum eindeutig benachteiligt.

Besonderen Schutz erfordern auch orientalische Kirchen und Christen, die über Jahrzehnte, aber auch sehr aktuell bei uns eingewandert sind und einwandern, um Schutz vor der Verletzung und Einschränkung ihrer Religionsfreiheit zu finden. Dies gilt ebenso für Asylsuchende und Migranten, die in Deutschland zum Christentum konvertiert sind, weil dies hier im Rahmen unserer Religionsfreiheit möglich ist, und leider oft des Schutzes vor ihren Verwandten und Nachbarn ihrer Ursprungsreligion bedürfen.

In den Mitgliedsstaaten der Organisation Islamischer Kooperation (OIC) leben 300 Millionen Christen

September 20, 2016 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

Ein Kommentar zu einer Tabelle der Mitgliedsstaaten der OIC und der Religion ihrer Einwohner – Ein statistisches Forschungsprojekt des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit

Thomas Schirrmacher, 2013

Eine etwas kürzere Version des Beitrages erschien als „In den Mitgliedsstaaten der Organisation Islamischer Kooperation (OIC) leben 320 Millionen Christen“. S. 170-178 in: Thomas Schirrmacher, Max Klingberg, Ron Kubsch (Hg.). Das Jahrbuch zur Verfolgung und Diskriminierung von Christen heute – 2013. Bonn: VKW, 2013. ISBN 978-3-86269-080-0. Der Artikel findet sich als PDF hier.

Diesem Beitrag liegen zwei Tabellen zu Grunde, die alle Staaten der Organisation der Islamischen Kooperation (OIC) alphabetisch auflisten und dazu angeben, wieviel Einwohner Muslime sind und wie viele Nichtmuslime und schließlich nach der Zahl der Christen als Teilgruppe der Nichtmuslime fragt. Die beiden Tabellen stehen hier (2010) und hier (2012/2013) zur Verfügung.

Die Zahlen der ersten Tabelle wurden aus „The World’s Religions in Figure“, 2013, nach der World Religion Database, Stand Januar 2012, entnommen. „OW“ gibt jeweils alternative Zahlen der zweiten Tabelle aus „Operation World“, 2010, an.

Die 52 Mitgliedsstaaten und 5 Staaten mit Beobachterstatus der Organisation der Islamischen Kooperation (OIC) haben 1,77 Milliarden (OW: 1,8 Milliarden) Einwohner. 1,254 Milliarden (OW: 1,274 Milliarden) sind Muslime, also 70,8 % (OW: 70,1 %). 29,2 % (OW: 28,65 %) sind Nichtmuslime (= 0,52 Milliarden; OW: 0,51 Milliarden). Ungefähr zwei Drittel dieser Nichtmuslime sind Christen, also 333 Mio. (OW: 324 Mio.), was 18,8 % (OW: 18,6 %) der Einwohner der OIC-Staaten entspricht.

Rechnet man die Staaten mit Beobachterstatus heraus – was die OIC bei ihren Angaben der Zahl der Muslime, die sie vertritt, nicht tut –, sind es immer noch zusammen 1,56 Milliarden (OW: 1,58 Milliarden) Einwohner. 79,4 % (OW: 79,1 %) davon sind Muslime (= 1,24 Milliarden; OW: 1,25 Milliarden) und 20,6% (OW: 20,5 %) sind Nichtmuslime (= 429 Mio.; OW: 323 Mio.), die Untergruppe der Christen machen 13,5 % (OW: 14,2 %) der Bevölkerung aus (= 210,8 Mio.; OW: 224 Mio.).

Da die OIC per Definition sich nur für den Islam und für Muslime einsetzt, werden also mehr als eine halbe Milliarde Menschen hier von einer Organisation vertreten, die ihre Rechte ignoriert oder sogar verneint.

Die Webseite der OIC sagt (hier übersetzt, Stand: 12.06.2013):

„Die Organisation ist die kollektive Stimme der muslimischen Welt.“ „Die Organisation hat die einzigartige Ehre, die Ummah in einen geeinten Körper zusammenzuschmieden und aktiv die Muslime zu repräsentieren, indem sie alle Anliegen aufgreift, die den über 1,5 Milliarden Muslimen aus dem Herzen sprechen.“

Es scheint also so, als wenn die OIC ihre nichtmuslimischen Bürger einfach als Muslime zählt. Und es ist sowieso klar, dass sich die OIC nicht für die Interessen ihrer nichtmuslimischen Bürger einsetzt, sondern diese vielmehr für die Ausbreitung des Islam durch ihre Steuern mit bezahlen lässt. Der intensive Einsatz der OIC bei den Vereinten Nationen – die OIC sind immerhin der größte Staatenverband neben der UN – gilt seit Gründung bis in die Gegenwart ausschließlich dem Islam.

Die merkwürdigsten Mitglieder der OIC sind solche, in denen Muslime gar nicht die Bevölkerungsmehrheit stellen. Man schaue sich einmal den Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung in folgenden Mitgliedsstaaten der OIC an:

  • Benin 24,5 % (OW: 23,5 %) Muslime
  • Kamerun 20 % (OW: 26 %)
  • Cote dÍvoire (Elfenbeinküste) 40,6 % (OW: 41,8 %)
  • Gabun 10,2 % (OW: 10 %)
  • Guyana 7,5 % (OW: 9,4 %)
  • Mozambique 17,5 % (OW: 18,6 %)
  • Nigeria 45,5 % (OW: 45,1 %)
  • Surinam 15,9 % (OW: 16,9 %)
  • Togo 18,3 % (OW: 17,5 %)
  • Uganda 11,7 % (OW: 11,5 %)

[Dazu kommen folgende Staaten mit Beobachterstatus ohne muslimische Bevölkerungsmehrheit:

  • Russland 10,4 % (OW: 12,5 %) Muslime
  • Thailand 5,9 % (OW: 7,9 %)
  • Zentralafrikanische Republik 13,7 % (OW: 13,8 %)]

Warum sind diese Staaten Mitglied der OIC? Warum bezahlen und arbeiten sie für die ausschließliche Ausbreitung des Islam und seinen Schutz und gegen die Interessen der Mehrheit ihrer Bürger?

Man überlege einmal, es gäbe einen der OIC entsprechenden Zusammenschluss christlicher Staaten, Nigeria wäre dort Mitglied und würde nur für die Ausbreitung des Christentums arbeiten und die Millionen muslimische Bürger wie nicht existent behandeln!

Ich würde gerne einen weiteren Gedanken hinzufügen. Die OIC setzt sich selbsterklärtermaßen noch nicht einmal für die muslimischen Minderheiten in den eigenen Ländern ein. Die OIC setzt sich nur für muslimische Minderheiten in nichtislamischen Ländern ein. Und auch hier setzt sie sich nur für die Anhänger des Mehrheitsislams ein, nicht für andere muslimische Richtungen, geschweige denn als ‚Sekten‘ angesehene Gruppen im Islam. In der englischen Wikipedia heißt es treffend (Stand: 17.8.2012):

„Die OIC wurde dafür kritisiert, dass sie ihre Aktivitäten auf die muslimischen Minderheiten in mehrheitlich nichtmuslimischen Ländern konzentriert, während sie die Behandlung ethnischer Minderheiten in Ländern mit einer muslimischen Mehrheit mit einem Tabu belegt, so etwa der Kurden in Syrien, die Ahwasen im Iran, die Hazaras in Afghanistan, die Belutschen in Pakistan, die Achdam im Jemen oder die Berber in Algerien.“

Die Wikipedia hätte als Beleg die klare Ansage aus der Charta der OIC zitieren können, wo als ein Ziel der OIC genannte wird: „die muslimischen Minderheiten und Gemeinschaften außerhalb der Mitgliedsstaaten zu unterstützen und ihre Würde und ihre kulturelle und religiöse Identität zu bewahren.“ (http://www.oic-oci.org/page_detail.asp?p_id=53). (Bestätigt wird dies zusätzlich durch den Bericht des Generalsekretärs der OIC, Ekmleddin Ihsanoglu in seinem Hauptwerk (The Islamic World in the New Century: The Organisation of the Islamic Conference. Columbuia University Press: New York, 2010. 127-142).

Internationale Menschenrechtsrankings und die OIC

Ein Gang durch die einschlägigen internationalen Rankings im Bereich der Menschenrechte zeigt schnell, dass die Staaten der OIC sich als allererstes gegenseitig ermahnen sollten, die Würde und Menschenrechte ihrer Bürger zu schützen. Folgend einige Beispiele (diese Indices sind alle unter ihrem Namen im Web zugänglich und werden deswegen nicht einzeln belegt):

Der Demokratieindex (‚Democracy Index‘) (2011) listet nicht einen Mitgliedsstaat der OIC als volle Demokratie (‚Full Democracy‘) auf, und nur 3 der 57 OIC-Staaten werden als gestörte Demokratie (‚Flawed Democracy‘) gelistet, der Rest fällt unter autoritäre und unter hybride Regime (‚Authoritarian Regime‘, ‚Hybrid Regime‘). Beschränkt man sich nur auf die Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit, sieht die Lage noch schlechter aus.

Der Freedom in the World Report (2010), der die politischen und zivilen Freiheitsrechte untersucht, listet nur 3 Mitgliedsstaaten der OIC als ‚Frei‘.

Der Pressefreiheitsindex (‚Press Freedom Index‘) (2011) von „Reporters Without Borders“ stuft unter den 57 Mitgliedsländern der OIC nur Mali und Suriname unter ‚Befriedigende Situation‘ (‚Satisfactory Situation‘) ein. Alle anderen Mitgliedsstaaten werden unter ‚Nennenswerte Probleme‘ und ‚Schwerwiegende Lage‘ (‚Noticeable Problems‘, ‚Very Serious Situation‘) eingestuft.

Die globalen Rankings zur Einschränkung der Religionsfreiheit des PEW Forum on Religion & Public Life oder des Hudson Instituts zeigen, dass die OIC-Mitgliedsstaaten, die eine muslimische Mehrheit haben, überwiegend zu den Ländern mit der stärksten Beschränkung der Religionsfreiheit gehören und dass diese Beschränkungen zwischen 2009 und 2011 insgesamt zugenommen haben (siehe „Global Restrictions on Religion“, Pew Forum on Religion & Public Life, Dezember 2009. S. 49-52; „Rising Restrictions on Religion“, Pew Forum on Religion & Public Life, August 2011; Hudson Institute’s Center for Religious Freedom: Paul A. Marshall. Religious Freedom in the World. Plymouth UK, 2008. S. 5-7).

Nach der neuesten Untersuchung der US Commission on International Religious Freedom, die sich rein auf den schriftlichen Stand der Verfassungen und Gesetze bezieht, nicht auf die reale Umsetzung, und die nur die Staaten umfasst, in denen der Islam die Mehrheitsreligion darstellt, haben 18 der Länder den Islam zur Staatsreligion und die Scharia als oberste Norm erklärt, 4 nennen nur die Scharia und 1 nur den Islam als Staatsreligion.

Zusatz zur OW-Tabelle bezüglich des Süd-Sudan: Von der Gesamtzahl ist die geschätzte Zahl der Einwohner usw. des Süd-Sudan abzuziehen (10 Mio. Einwohner, 220.000 Muslime, 9,8 Mio. Nichtmuslime einschließlich 7,7 Mio. Christen). Die zugänglichen Zahlen stammen alle noch aus der Zeit vor der Teilung, deswegen wurde die Zahl für den (Nord-)Sudan eigens ermittelt. [Die Tabelle aus „The World’s Religions in Figures“ trennt bereist nach Nord- und Südsudan.]

Taufen von Iranern in deutschen Kirchen

September 17, 2016 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

Till Stoldt hat mich in seinem ausgezeichnet recherchierten Artikel „Vor allem diese Flüchtlinge werden Christen“ über die Taufen von Asylsuchenden in deutschen Kirchen mehrfach kurz interviewt:

Meldungen (de facto Kurzfassungen) zu dem Artikel erschienen bei der Katholischen Nachrichtenagentur:

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Thomas Schirrmacher