Thomas Schirrmacher
ArchivReligionsfreiheit

Plausibilitätsprüfung der PEW-Berichte zur Religionsfreiheit

Vergleich von Länder untereinander; Länder im Querschnitt 2007-2013; grundsätzliche Einordnung von Ländern

Thomas Schirrmacher, Internationales Institut für Religionsfreiheit, 15.6.2016

Vorbemerkung

Das Pew Research Center’s Forum on Religion & Public Life veröffentlicht 2009 bis 2014  fünf globale Berichte zur Religionsfreiheit. Dazu gehören umfangreiche Rankings, deren Verlauf über den ganzen Zeitraum in vielfältigen Variationen verglichen wird.

Zu allen Statistiken und wissenschaftlichen Ergebnissen gehört eine frühzeitige Plausibilitätsprüfung. Sie kann Schwächen von Untersuchungen aufdecken ohne schon genau sagen zu können, woher die nicht plausiblen Ergebnisse stammen.

Die Zuordnung einzelner Länder erschien mir nicht sehr plausibel. Länder mit recht großzügiger Religionsfreiheit erhielten sehr schlechte Bewertungen, Ländern mit schwerwiegenden Beschränkungen gute Werte, etwa wenn Deutschland für 2013 einen schlechteren SHI-Wert von 4,5 hat als Saudi Arabien mit 3,6. Zudem schwankten einige Länder innerhalb der sechs Jahre, die untersucht wurden, erheblich, in denen sich aus meiner Sicht keine nennenswerte Veränderungen der Lage abzeichnen. Dazu kommen erhebliche Unterschiede in der Einstufung von Ländern im Vergleich zu den Ergebnissen anderer Forscher.

Also begann ich, einige Länder im Zeitlauf anzuschauen und dann Länder innerhalb eines Jahres und im Zeitlauf miteinander zu vergleichen. Das Ergebnis findet sich beispielhaft unten und lässt erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der Ergebnisse aufkommen.

Berichte und Abkürzungen

  • PEW 2009 = Stand: Mitte 2007
  • PEW 2011 = Mitte 2009
  • PEW 2012 = Mitte 2010
  • PEW 2013 = Stand: Ende 2011
  • PEW 2014 = Stand Ende 2012
  • PEW 2015 = Stand Ende 2013

Alle Angaben unten beziehen sich durchgängig auf den Stand, nicht auf das Veröffentlichungsjahr des Berichts

GRI = Government Restrictions [on Religion] Index (= Beschränkung der Religion staatlicherseits)

SHI = Social Hostilities Index (= Beschränkung der Religion durch gesellschaftliche Kräfte)

GRI: „Very high“ 6,6 ++ / „High“ 4,5 – 6,5 / „Moderate“ 2,4 – 4,4 / „Low“ 0,0 – 2,3

SHI: „Very high“ 7,2 ++ / „High“ 3,6 – 7,1 / „Moderate“ 1,5-3,5 / „Low“ 0,0 – 1,4

Deutschland

a) Deutschland in der Zeitschiene

Deutschland GRI: 2007: 3,1; 2008: 3,2; 2009: 3,5; 2010 4,0; 2011 3,5; 2013: 4,5: Gab es wirklich eine Verschlechterung der Beschränkung der Religionsfreiheit von Regierungsseite von moderat 2007 zu hoch in 2013? Der Wert ist an sich schon zu hoch, dass aber die rechtliche Beschränkung von Religionsfreiheit in 5 Jahren in Deutschland stark zugenommen hat, ist durch nichts zu belegen.

Deutschland SHI: 2007: 2,1; 2008: 2,5; 2009: 3,3; 2010: 5,3; 2011: 5,0; 2013: 4,3: starke Schwankung, in der Realität eher unverändert, wobei die Zahlen für 2007/2009 angemessen sind, die Zahlen für 2011 und 2013 aber viel zu hoch.

Der GRI müsste in Deutschland recht niedrig sein, der SHI viel höher, denn die rechtliche und politische Freiheit ist sehr hoch, aber es gibt Diskriminierung durch bestimme Bevölkerungsgruppen. 2007 war der SHI laut PEW aber viel niedriger als der GRI, 2013 immer noch ein bischen niedriger. Das stellt die Verhältnisse auf den Kopf.

b) Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern zum Jahr 2013

Deutschland: GRI 2013: 4,5:
demnach Lage wie in (+/-0,2) Libyen, Paläst. Autonomiegebiete, Äthiopien, VAE, Griechenland, Nepal;
Lage etwas besser als in Deutschland in: Nigeria, Liberia;
Lage viel besser als in Deutschland in: Südsudan, Serbien, Ungarn, Italien, Kambodscha;
das ist wirklich alles realitätsfern.

Deutschland und Europa (geografisch): GRI 2013: schlechter als Deutschland sind nur drei Länder Belarus, Bulgarien, Russland; besser sind z. B. Österreich; Bosnien-H., Georgien; Italien, Malta, Serbien, Griechenland, Ungarn. Demnach wäre Deutschland fast Schlusslicht in Sachen Beschränkung der Religionsfreiheit durch den Staat im geografischen Raum Europa, das wird der Realität nicht gerecht.

Weitere Länder

Bulgarien: SHI: 2007: 2,2; 2009: 4,0; 2010: 2,2; 2011: 4,7; 2012: 4,4; 2013: 3,6 ständiges auf und Ab-Pendeln, obwohl sich die Lage eigentlich nicht geändert hat.

Indonesien: GRI: 2007: 6,2; 2012: 8,3; 2013: 8,5: nimmt angeblich stark zu, in Wirklichkeit nimmt sie ab. Vergleiche dazu Iran GRI: 2007: 7,9; 2012: 8,6; 2013: 8,3. Die Lage in Indonesien soll so schlimm oder etwas schlimmer wie im Iran sein? Das macht wirklich keinen Sinn.

Mexiko: GRI: 2007=2008: 4,7; 2009: 4,2; 2010: 3,5; 2011: 3,6; 2012: 3,9; 2013 3,4; SHI: 2007: 5,5; 2008: 4,7; 2009: 5,1; 2010: 3,6; 2011: 3,2; 2012: 6,7; 2013: 3,7: War die Lage 2013 wirklich erheblich besser? Und war das Auf und Ab wirklich vor Ort zu spüren, ja ein Sprung seit 2012 innerhalb eines Jahres von 6,7 auf 3,7 ?
Siehe auch SHI: 2012 + 2007 sehr schlecht, 2010, 2011, 2013 viel besser; es gibt keinen Anhaltspunkt dafür.

Brasilien: SHI: 2007: 0,8; 2013: 3,7 kein Anhaltspunkt für eine derartige Verschlechterung von einem der besten Länder hin zu einer schlechten Situation.

Irak: SHI: 2007: 10,0; 2012: 9,0; 2013: 7,4. Hat es tatsächlich eine derartige Verbesserung des SHI während 2013 gegeben? Ähnliches gilt für Syrien.

Saudi Arabien: SHI: 2011: 6,5; 2012: 6,4; 2013: 3,6: Es gibt keinen Anhaltspunkt für eine derart starke Verbesserung des SHI, der damit mit Deutschland gleichzieht.

Ungarn: GRI: 2007: 0,3; 2011: 1,0; 2012: 2,4; Ende 2013: 2,9: SRI: 2007: 1,0; 2011: 2,0; 2012: 2,7; Ende 2013: 2,4: erhebliche Verschlechterung der Lage wird nicht abgebildet, Ungarn bleibt angeblich wesentlich besser als Deutschland, religiöse Minderheiten sehen das genau anders herum.

Länder mit sehr, sehr niedrigem SHI 2013 unter 0,5, in denen tiefverwurzelter Hass auf andere ‚Rassen‘ und soziale Gruppen und starker Antagonismus der konfessionsverschiedenen sozialen Gruppen herrschen (Beispiele): Jamaika SHI 2013: 0,4; Kambodscha 0,4; Kuba 0,0; Kasachstan 1,0; Taiwan 0,0; Turkmenistan 0,4; Oman 0,1; Westsahara 0,0; Kongo 0,00.

18 Berichte

Ein Grund für solche Ergebnisse könnte darin liegen, dass die Datenbasis der Berichte sehr dünn ist. Den Berichten liegt keine Forschung vor Ort zu Grunde, ebenso keine Ausarbeitung von Experten in den genannten Ländern oder für die genannten Ländern. [Das ist ungewöhnlich, da PEW sonst umfangreiche Umfragen und Forschungen zur Religion usw. in vielen Ländern betreibt.] Die Ergebnisse stammen ausschließlich aus der Codierung anderer Berichte, untern denen wieder keiner durch Forschung vor Ort gewonnen wird. Zudem sind die 18 Berichte alle sehr stark voneinander abhängig.

Nur 4 der 18 Berichte haben speziell mit Religionsfreiheit zu tun, alle anderen Berichte behandeln Diskriminierung usw. im allgemeinen Sinne oder andere Themen.

Es wird deutlich gesagt, dass die 2. Quelle die eigentliche Quelle ist, die anderen nur zusätzlich bei Unstimmigkeiten zu Rate gezogen werden (Jan 2014: S. 40). So hat Deutschland seine sehr negative Bewertung vor allem der sehr negativen Bewertung in Quelle 2 zu verdanken.

Alle Berichte, die Spannungen für den SHI enthalten, berichten über Spannungen aus rassistischen usw. Gründen, keiner sammelt speziell oder differenziert speziell nach Diskriminierung durch die Mehrheitsbevölkerung wegen deren Religionszugehörigkeit. Deswegen sagt der SHI für Deutschland eher etwas über das Verhältnis der Deutschen zu Ausländern aus als etwas über das Verhältnis zu Anhängern anderer Religionen. Dieses Problem wird von PEW nirgends thematisiert.

Keiner der Berichte strebt von seiner Natur her Vollständigkeit an, es wird berichtet, was eingesandt oder durch die Medien in Erfahrung gebracht wird. Heißt das: Wird über ein Land viel Negatives berichtet, steigt das negative Ergebnis, wird wenig berichtet, sinkt das negative Ergebnis? Oder wie wird die Quantität und Qualität von Vorkommnissen in Relation zur Größe der Bevölkerung eines Landes gewertet?

Die Berichte berichten über recht unterschiedliche Zeiträume und oft nicht nur über Dinge in den letzten 12 Monaten, werden aber von PEW trotzdem einem festen Jahr zugeordnet.

Keiner der Berichte strebt irgendeine Art von Ranking an oder vergibt irgendeine Art von Punktesystem. Es ist also irreführend, dass PEW sich auf diese Berichte stützt, es werden einfach die in den Berichten genannten Ereignisse benutzt.

Viele der Berichte berichten nur über ausgewählte Länder, USCIFR z. B. über 0 oder 36 (Nr. 17 für 2012 = 0; Nr. 12 für 2012 = 29). Nur Nr. 2 berichtet über alle Länder. Für ein bestimmtes Land kann sich also die Zahl der Berichte von 18 aus halbieren. Es wird auch kein Verfahren genannt, wie verhindert wird, dass Länder, die in fast allen Berichten vorkommen, schlechter wegkommen als solche, die nur in wenigen Berichten erfasst sind.

Die Berichte sind teilweise stark voneinander abhängig und verweisen aufeinander als Quelle. Das macht sie für ein wissenschaftliches Ranking unbrauchbar. So zitiert der Bericht des US-Außenministeriums die meisten der verwendeten Berichte von Menschenrechtsorganistionen (z. B. AI, HRW), die sich wiederum auf den Berichte des Außenministeriums und überhaupt Berichte der US-Regierung berufen.

Berichte Nr. 2., 3., 4., 14., 16. sind politische, regierungsamtliche Berichte aus dem Bereich der US-Regierung, keine wissenschaftlichen Berichte, Berichte Nr. 9. + 10. entsprechend aus anderen Staaten/Staatenverbünden.

Es werden keine Wissenschaftler in den Ländern zu Rate gezogen, und sei es nur für eine Plausibilitätsprüfung des Ergebnisses.

Keiner der Berichte enthält originäre Forschung in den jeweiligen Ländern, wie sie PEW für andere Themen rund um Religion oft durchführt, oder das etwa beim Weltverfolgungsindex für das Christentum der Fall ist.

Kommentar zu den 18 Berichten im Einzelnen

1. Country constitutions – Länderverfassungen

Ändert sich praktisch nicht von Jahr zu Jahr und besagt gar nichts über die reale Lage. So hat der Iran ein sehr gutes Bekenntnis zur Religionsfreiheit in seiner Verfassung.

2. U.S. State Department annual reports on International Religious Freedom

Anekdotisch, d. h. es werden nur Ereignisse aufgenommen, die an das Außenministerium berichtet wurden, es gibt keine systematische Suche weltweit. Sehr stark von Positionen der US-Außenpolitik (siehe etwa den Bericht über Saudi Arabien) oder amerikanischen Vorurteilen abhängig.

Die Berichte beginnen immer mit dem, was hier als 1. genannt wird und berufen sich viel auf andere unten gelistete Quellen.

Deutschlands Negativ-Punkte sind: vermeintlich unberechtigte Bevorzugung der Körperschaften des öffentlichen Rechts & Verfolgung von Scientology.

3. U.S. Commission on International Religious Freedom annual reports

Wechselnd 10-15 Länder. Im Gegensatz zu 2. sehr wenig von Positionen der US-Außenpolitik abhängig, aber Hauptaufgabe ist es, dem Außenministerium „countries of concern“ vorzuschlagen.

4. U.N. Special Rapporteur on Freedom of Religion or Belief reports

Berichtet jedes Jahr nur über sehr wenige, jährlich wechselnde Länder, die der Sonderberichterstatter offiziell bereist hat. Das heißt, es gibt keine Berichterstattung über dasselbe Land Jahr für Jahr.

5. Human Rights First reports in first and second years of coding; Freedom House reports in third, fourth and fifth years of coding

Ist ein allgemeiner Demokratiebericht, der nicht speziell auf Religionsfreiheit eingeht.

6. Hudson Institute publication: “Religious Freedom in the World” (Paul Marshall)

Ist ein sehr guter, aber nur einmal erschienener Bericht, der also nicht für Vergleiche Jahr für Jahr genutzt werden kann.

7.-17. sind Menschenrechtsberichte, die sich nicht speziell auf religiöse Fragen beziehen und nur anekdotisch ausgewertet werden können.

7. Human Rights Watch topical reports

8. International Crisis Group country reports

9. United Kingdom Foreign & Commonwealth Office annual report on human rights

10. Council of the European Union annual report on human rights

11. Amnesty International reports

12. European Network Against Racism Shadow Reports

13. United Nations High Commissioner for Refugees reports

14. U.S. State Department annual Country Reports on Terrorism

15. Anti-Defamation League reports

16. U.S. State Department Country Reports on Human Rights Practices

17. Uppsala University’s Uppsala Conflict Data Program, Armed Conflict Database

18. Human Rights Without Frontiers “Freedom of Religion or Belief” newsletters

Ist ein sehr guter Rundbrief, der aber 1. fast ausschließlich Nachrichten anderer Quellen weiterleitet und 2. nur weiterleitet, was erhältlich ist und deswegen über einige Länder fast nie, über andere fast täglich berichtet.

„Der ehrbare Kaufmann“ – Schirrmacher an der Technischen Universität Chemnitz

Evangelische Allianz bietet Abend „Multikulturelle Gesellschaft“ an

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2015 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Bonn/Chemnitz, 30.01.2015)

„Wenn man verstehen will, wie religiöse Auffassungen auch die Wirtschaft beeinflussen, muss man zunächst verstehen, wie überhaupt religiöse Positionen die Gesellschaft beeinflussen. Denn sie tun es in der Regel nicht als offizielle Forderungen, sondern sehr unterschwellig, aber umso wirksamer.“

Diese These vertrat der Religionssoziologe Thomas Schirrmacher in einer Gastvorlesung an der Technischen Universität (TU) Chemnitz.

BQ340_1Die Gastvorlesung fand im Rahmen eines Diskussionsforums an der Technischen Universität Chemnitz zum Thema „Der ehrbare Kaufmann: Erfolg mit allen Mitteln? – Wirtschaft zwischen Gewinn und Gewissen“ statt. Das Forum wurde von Studierenden der Wirtschaftswissenschaften und des Studiengangs Europastudien initiiert.

In seiner Vorlesung „Ökonomie und Theologie – Der Einfluss religiöser Gebote auf die Wirtschaft“ führte Schirrmacher aus, dass es weder die religiösen Führer noch die Gruppe der besonders aktiven Angehörigen einer Religion seien, die die stärkste Wirkung auf eine Gesellschaft erzielen. Vielmehr seien die Auswirkungen religiöser Gebote dort am stärksten, wo man sie als gegeben hinnimmt, ohne sich bewusst zu sein, dass es sich um ursprünglich religiöse Ordnungen handelt. Als Beispiel verwies Schirrmacher unter anderem auf den Schutz des Sonntags in Deutschland. Dieser sei im Kern ausschließlich religiöser Natur. Trotzdem seien seine positiven ökonomischen Auswirkungen so stark, dass sich heutzutage die Gewerkschaften mindestens so stark für den Sonntagsschutz einsetzten wie die Kirchen.

Als weiteres Beispiel führte Schirrmacher das Verhältnis von Demokratie und christlichem Menschenbild an. Laut dem Philosophen Habermas rechnet Demokratie immer damit, dass Politiker ihre Macht auch missbrauchen. Demokratie bedeute deswegen nicht, dass demokratische Regierungen automatisch moralisch besser seien als andere. Vielmehr bestünde in Demokratien die einmalige Chance, die Regierung ohne blutige Revolution abzusetzen. Auch hier läge eine religiöse Annahme zu Grunde, so Schirrmacher:

„Der Aussage der christlichen Dogmatik ,Alle Menschen sind Sünder‘ widersprechen heute die meisten Menschen erst einmal. Dabei bildet diese Aussage einen Kern der modernen Demokratie, die wiederum die allermeisten Menschen für gut und erstrebenswert halten.“

BQ340_2Schirrmacher unterstrich außerdem die Bedeutung der Religionsfreiheit für die Ökonomie: „Religionsfreiheit hat immer positive ökonomische Auswirkungen.“ Dies läge unter anderem daran, dass religiöse Minderheiten oft gute Verbindungen zum Ausland unterhielten, was sich wiederum auf die Exportwirtschaft eines Landes positiv auswirke. Seine Thesen untermauerte Schirrmacher mit Beispielen aus Ägypten, Indonesien, Ungarn und der Türkei.

Schirrmacher hatte am Abend vorher in Chemnitz einen Vortrag zum Thema „Multikulturelle Gesellschaft“ gehalten, den die Evangelische Allianz Chemnitz und das Martin Bucer Seminar Chemnitz im Evangelischen Schulzentrum veranstaltete. Darin betonte er besonders, dass es für die neuen Bundesländer wichtig sei, zu verstehen, dass die Präsenz der Muslime in Deutschland vor allem auf große Anwerbeabkommen aus der Zeit des Wirtschaftswunders und der Zeit vor der Wiedervereinigung zurückginge, sodass wir es oft schon mit der 3. und 4. Generation der damaligen Zuwanderer zu tun hätten, die man schon gar nicht einfach wieder „nach Hause“ (wo wäre das?) schicken könne. Auch die hohe Arbeitslosigkeit und die oft zu geringe Bildung und Ausbildung seien ein Erbe dieser Zeit, da man jahrzehntelang gehofft hatte, dass die „Gastarbeiter“ einfach wieder gehen würden, und Deutschland erst in jüngster Zeit freiwillig als „Einwanderungsland“ bezeichne. Erst in diesem Jahrhundert habe man mit einer systematischen und aufs Ganze gesehen erfolgreichen Integrationspolitik begonnen, zum Beispiel durch kostenlose Sprachkurse für alle Altersgruppen.

Verletzt der lautsprecherverstärkte Muezzinruf die negative Religionsfreiheit?

Mai 23, 2016 by · 2 Kommentare 

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2014 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Bonn, 29.12.2014) Muslime haben im Rahmen der Religionsfreiheit zwar Anspruch auf eigene religiöse Gebäude, also auch Moscheen und Minarette, und dies selbst mit dem unverstärkt gesungenen Gebetsruf. Doch es müsse diskutiert werden, ob der lautsprecherverstärkte Gebetsruf vom Minarett nicht die Glaubensfreiheit von Nichtmuslimen verletze. Diese Auffassung vertritt der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit in einem Beitrag für das IIRF-Bulletin 2014/4.

iirf_bulletin_15_2014-4In der juristischen Literatur werde der lautsprecherverstärkte Gebetsruf einfach mit dem liturgischen (also nicht mit dem sog. „weltlichen“) Glockengeläut gleichgesetzt. Zwar könne der lautsprecherverstärkte islamische Gebetsruf nur durch ein anderes Menschenrecht eingeschränkt werden, und da sei für den Regelfall keines in Sicht, das infrage käme. Aber das Recht auf Religionsfreiheit selbst könnte beschränkende Funktion haben. Das Recht auf Religionsfreiheit schließe nämlich die sogenannte ‚negative‘ Religionsfreiheit ein, das Recht also, nicht zur Teilnahme an religiösen Handlungen usw. gezwungen zu werden.

Die Gleichsetzung zwischen lautsprecherverstärktem Muezzinruf müsse infragegestellt werden, weil – so Schirrmacher wörtlich –

„der Muezzinruf dadurch, dass er ein verbales Glaubensbekenntnis enthält, andere Menschen zwingt, fünfmal täglich an der Religionsausübung einer anderen Religion teilzunehmen und somit die sogenannte negative Religionsfreiheit betrifft. Die Frage nach der Bewertung des lautsprecherverstärkten islamischen Gebetsrufs wird sich am Ende also darauf konzentrieren müssen, ob der Umstand, dass der Muezzinruf ein formuliertes Glaubensbekenntnis ausruft, an dem auch Nichtmuslime durch Zuhören teilnehmen müssen, die negative Religionsfreiheit verletzt oder ob man dies verneint, indem man entweder sagt, dass ein reines Zuhören noch keine negative Religionsfreiheit verletzt, oder aber argumentiert, dass bei uns sowieso keiner Arabisch versteht. Eine Parallele zum Muezzinruf ist jedenfalls meines Erachtens nicht das Glockengeläut, sondern wäre vorhanden, wenn das christliche sog. Apostolische Glaubensbekenntnis lautsprecherverstärkt für all hörbar und verstehbar von den Kirchtürmen gesungen würde, bis es einem nicht mehr aus dem Kopf geht (‚Ohrwurm‘).“

Sicher hätte diese Frage in Deutschland eines Tages das Bundesverfassungsgericht zu klären.

„Zugegeben, das Thema ist ein umstrittenes Gebiet und ich bin kein Fachjurist, sondern betrachte die Sache vor allem aus der Sicht des Soziologen und Menschenrechtlers, so dass hier viel Raum für Juristen bleibt, mich zu überbieten. Aber dennoch will ich die Diskussion anstoßen“, fügte Schirrmacher hinzu.

Downloads:

„Das Recht auf Religionsfreiheit ist das ungeliebte Stiefkind der Menschenrechte“

Diese Meldung stammt ursprünglich aus dem Jahr 2014 und ist bisher nicht in meinem Blog erschienen.

(Bonn, 23.12.2014) Der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit und Präsident des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Thomas Schirrmacher, hat im Rahmen der Tübinger Vorlesungsreihe ‚Clash of Civilization‘ eine Gastvorlesung „Bedrohtes Menschenrecht Religionsfreiheit in weltweiter Perspektive: Die Hauptfaktoren für die global zunehmende Verletzung der Religionsfreiheit“ gehalten. Die Vorlesung wurde live ins Internet übertragen.

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Dabei kritisierte er, dass sich auch in Deutschland nicht alle, auch nicht alle Politiker, ohne Wenn und Aber für Religionsfreiheit einsetzten. Gerade unter Politikern sei der Einsatz für dieses Recht noch viel zu sehr mit den eigenen guten wie schlechten Erfahrungen mit Religion und der jeweiligen Religionszugehörigkeit oder mit Religiosität und Nichtreligiosität verbunden. Doch wie das Folterverbot unabhängig davon sei, was der Einzelne erlebt habe oder wo er politisch oder weltanschaulich stehe, sei auch die Religionsfreiheit ein unteilbares Menschenrecht und sollte instinktiv von jedem Politiker aktiv unterstützt werden, so Schirrmacher.

Überhaupt sei der Artikel 18 zur Religionsfreiheit das ungeliebte Stiefkind aller Artikel der Allgemeinen Erklärung für Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948. Vielen Atheisten sei etwa nicht bewusst, dass die Freiheit von Religion und Weltanschauung samt dem Recht auf Religionswechsel gerade auch Atheisten schütze, sei doch der Austritt aus einer Religionsgemeinschaft eine klassische Form des ‚Religionswechsels‘. Früher habe auch bei uns der Kirchenaustritt negative gesellschaftliche Folgen für die Betreffenden gehabt.

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Die Vorlesungsreihe ‚Clash of Civilizations‘: Feindbilder in interreligiösen Beziehungen und internationaler Geopolitik thematisiert die sehr aktuellen Spannungen zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen oder vielmehr wie diese eingesetzt werden, um Machtinteressen zu bedienen. Professor Rainer Rothfuß und Yakubu Joseph vom
Geographischen Institut der Universität Tübingen haben dazu Wissenschaftler aus dem In- und Ausland eingeladen, unter anderem die Menschenrechtlerin Rania Yusuf, die Botschafter von Russland und Ecuador sowie Ehrensenator Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate.

Die Vorlesung wurde von der Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) unterstützt, an derer Stand man sich erkundigen konnte, wie man sich konkret in Deutschland gegen die Verletzung der Religionsfreiheit einsetzen kann.

Links und Downloads:

Die Lage der Religionsfreiheit als Indikator für die Lage der Menschenrechte?!

Thesen zu einem Vortrag auf einer Klausurtagung der „AG Menschenrechte und humanitäre Hilfe“ (Leitung: Erika Steinbach, MdB) der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag am 23.2.2015 in der Vertretung des Freistaates Bayern in Berlin zum Thema „Religionsfreiheit und Demokratieentwicklung“. (Einladung als PDF-Download)

Der fehlende Einsatz für Religionsfreiheit als Indikator 1: Global

  • Der Umgang mit der religiösen Minderheit der Juden war der beste Indikator für die Menschenrechtslage im Dritten Reich.
  • Der Umgang mit Christen, Juden, Schiiten und Atheisten ist der beste Indikator für die Menschenrechtslage in Saudi Arabien.
  • Der Umgang mit Christen, Juden, Sunniten, Bahai und Atheisten ist der beste Indikator für die Menschenrechtslage im Iran.
  • Der Umgang mit Christen, Juden, Schiiten, Ahmadiyyas und Atheisten ist der beste Indikator für die Menschenrechtslage in Pakistan.
  • Der Umgang mit Hindus, Christen und Muslimen ist der beste Indikator für die Menschenrechtslage im buddhistischen Sri Lanka.
  • Der Umgang mit Christen, Jesiden, Schiiten ist der beste Indikator für die Menschenrechtslage in den Gebieten des IS in Syrien und im Irak.
  • Dass Griechenland noch nicht völlig Teil der Wertegemeinschaft der EU geworden ist, zeigt am besten die eingeschränkte Religionsfreiheit, denn wegen nichts Anderem verurteilt der EuGMR Griechenland häufiger.

Der fehlende Einsatz für Religionsfreiheit als Indikator 2: Islamische Welt

  • Die Arabellion konnte ohne die Forderung nach Religionsfreiheit keine wirkliche Demokratie werden.
  • Der Versuch, Demokratie einzuführen, scheitert, wenn Religionsfreiheit nicht als Teil der Demokratie gesehen wird, wie etwa Ägypten gezeigt hat.
  • In Libyen, Irak, Syrien, Jemen usw.: Es gibt wenig Hoffnung auf die Rückkehr zu dauerhaften stabilen und friedlichen Verhältnissen in diesen Ländern, unter anderem, weil niemand Religionsfreiheit und den Schutz religiöser Minderheiten auf der Agenda hat, ja bei IS und anderen islamistischen Bewegungen ist die Verfolgung religiöser Minderheiten in und außerhalb des Islam Teil der DNA. Die ersten islamistischen Schriften aus den 1920er Jahren, etwa bei Sayyid Abul Ala Maududi, kreisen darum, wer Ungläubiger ist und deswegen auf keinen Fall Staatsbürger werden sollte, was bei Maududi etwa für Ahmadiyya-Muslime wie Christen gleichermaßen galt.
  • Lange Zeit hat Erdogan in der Türkei viel verbessert, so dass es so aussah, als habe er den Islamismus seiner Frühzeit aufgegeben. Dass er sich aber nicht überwinden konnte, religiösen Minderheiten, besonders Christen, Religionsfreiheit zu gewähren, obwohl etwa die EU das sehr deutlich immer wieder verlangte, hätte für alle ein Beleg dafür sein können, dass er in seinem Herzen Islamist blieb, denn ein Islamist kann einfach nicht für Religionsfreiheit eintreten. (Damit soll nicht bestritten werden, dass Erdogans kemalistische Vorgängerregierungen die Religionsfreiheit viel radikaler beschnitten haben, es manche Fortschritte unter Erdogan gab und der größten Oppositionspartei als Erben des Kemalismus in Sachen Religionsfreiheit nach wie vor nicht zu trauen ist.)
  • Umgekehrt ist der Umstand, dass der neue Präsident von Indonesien lange für Religionsfreiheit eintrat und Jakarta ein Jahrzehnt zusammen mit einem Christen als Vizegouverneur regierte – der das Amt des Gouverneurs automatisch übernahm – ein sehr guter Indikator dafür gewesen, dass sich unter ihm die Menschenrechtslage insgesamt bessert.

Wird Religionsfreiheit mit Füßen getreten, leiden am Ende alle

  • Das Dritte Reich zeigt, dass erst die Juden verfolgt wurden, mit der Zeit aber alle gefährdet waren. So wurde das Anschwärzen des Nachbarn, dass er Kontakt zu Juden habe, immer einfacher. Denn die Einschränkung der Religionsfreiheit religiöser Minderheiten führt schnell dazu, dass auch Anhänger der Mehrheitsreligion betroffen sind und unter die Räder kommen.
  • Ein modernes Beispiel dafür sind die Apostasiegesetze in Pakistan, die ursprünglich für Ahmadiyyas und Christen gemacht wurden, inzwischen aber überwiegend Muslime treffen, die von anderen Muslimen fast immer – selbst im Sinne des irren Gesetzes – zu Unrecht angeschwärzt werden.

Menschenrechte sind eine Einheit und gehören untrennbar zusammen

  • Es ist kein Land der Geschichte oder der Gegenwart bekannt, in dem religiöse Minderheiten unterdrückt wurden oder werden, ansonsten aber die Menschenrechtslage in Ordnung war und ist.
  • Religiöse Minderheiten sind oft zugleich ethnische oder soziale Minderheiten, so dass nicht nur die Religionsfreiheit verletzt wird, wenn sie diskriminiert oder unterdrückt werden. Ein gutes Beispiel sind christliche und buddhistische Dalits in Indien.
  • Menschenrechte bilden eine Einheit in der Menschenwürde und hängen untereinander eng zusammen. Es kommt praktisch nicht vor, dass nur ein einzelnes Menschenrecht isoliert verletzt wird. Ein und derselbe Akt kann aber mehrere Menschenrechte gleichzeitig verletzen, etwa wenn eine Frau einer religiösen Minderheit gefoltert wird, was Frauenrechte, Religionsfreiheit und Folterverbot zugleich verletzt.
  • Religionsfreiheit ist aufs Engste insbesondere mit Gewissensfreiheit und Meinungsfreiheit verbunden, aber auch etwa mit Pressefreiheit, mit Versammlungsfreiheit oder dem Recht auf ein faires Gerichtsverfahren.
  • Wie etwa auch die Pressefreiheit, die Gewissensfreiheit oder Meinungsfreiheit kann Religionsfreiheit nie nur ein privates Recht sein, sondern lebt gerade von dem Recht in der Öffentlichkeit, wie Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in mehrfacher Hinsicht (öffentliche Ausübung, öffentliches Propagieren, Religionswechsel) deutlich macht. Was würde es nützen, seine Meinung nur privat zu Hause haben zu dürfen oder Presseerzeugnisse nur zu Hause formulieren, nicht aber veröffentlichen zu dürfen?
  • Es gehört zum Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen, dass man sich zuerst vor allem auf besonders schwere und prozentual besonders häufige Menschenrechtsverletzungen konzentriert. Deswegen darf man auch von Christenverfolgung sprechen, auch wenn man gegen die Verfolgung jeder religiösen Minderheit ist und für die – sowieso unteilbare – Religionsfreiheit für alle eintritt.

Fazit: Traue niemand, der von Menschenrechten spricht, aber nicht für die Religionsfreiheit anderer eintritt!

Von Bonn nach Brüssel, Rom, Genf & Wien in Sachen Religionsfreiheit und Menschenrechte

Als die Hauptstadt von Bonn nach Berlin zog, dachte ich, dass ich für die parlamentarische Arbeit in Sachen Religionsfreiheit und Christenverfolgung besser nach Berlin ziehen sollte. Wer hätte gedacht, dass ich eines Tages genau aufgrund meiner Reisen zu Parlamenten und multinationalen Vertretungen froh sein würde, in Bonn geblieben zu sein, denn inzwischen bin ich häufiger bei Anhörungen und sogenannten „side events“ im EU-Parlament als im Bundestag. Und auch die anderen innereuropäischen Wirkungsorte wie Wien (OSZE), Straßburg (Europarat, EU-Parlament, Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Global Christian Forum), Genf (UN-Menschenrechtsrat, ÖRK), Rom (DHI, Vatikan) und die Parlamente in Europas Hauptstädten (z. B. Stockholm, Oslo), erreiche ich von hier aus viel besser als von Berlin aus.

Hier eine kleine Bildergalerie von Anhörungen und „side events“, bei denen ich jüngst mein ‚Sprüchlein‘ sagen konnte (alphabetisch nach Städten), sofern zufällig Fotos gemacht wurden. Die meisten sind, wie man sieht, Schnappschüsse.

Berlin Bundestag Menschenrechtsausschuss Anhörung 2010

Berlin Bundestag Menschenrechtsausschuss Anhörung 2010

Berlin CDU-Zentrale Anhörung 2010

Berlin CDU-Zentrale Anhörung 2010

Brüssel EU Parlament Anhörung der USCIRF-Delegation mit UN-Sonderberichterstatter 2014

Brüssel EU Parlament Anhörung der USCIRF-Delegation mit UN-Sonderberichterstatter 2014

Brüssel EU Parlament Anhörung Indonesien 1 2013

Brüssel EU Parlament Anhörung Indonesien 1 2013

Brüssel EU Parlament Anhörung Indonesien 2 2014

Brüssel EU Parlament Anhörung Indonesien 2 2014

Brüssel EU Parlament Menschenrechtsausschuss mit Kopten 2011

Brüssel EU Parlament Menschenrechtsausschuss mit Kopten 2011

Brüssel EU-Parlament Anhörung Religionsfreiheit mit UN-Sonderberichterstatter 2012

Brüssel EU-Parlament Anhörung Religionsfreiheit mit UN-Sonderberichterstatter 2012

Brüssel EU-Parlament Launch Global Charter of Conscience 2012

Brüssel EU-Parlament Launch Global Charter of Conscience 2012

Bukarest Rumänisches Parlament Anhörung 2013

Bukarest Rumänisches Parlament Anhörung 2013

Bukarest Rumänisches Parlament Anhörung 2013

Bukarest Rumänisches Parlament Anhörung 2013

Genf UN-Menschenrechtsrat Side Event Pakistan 2013

Genf UN-Menschenrechtsrat Side Event Pakistan 2013

Rom Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften Vatikangärten 2013

Rom Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften Vatikangärten 2013

Rom Päpstliche Universität 2013

Rom Päpstliche Universität 2013

Stockholm Schwedisches Parlament Anhörung 2012

Stockholm Schwedisches Parlament Anhörung 2012

Wien OSZE Anhörung 2009

Wien OSZE Anhörung 2009

Wien OSZE Anhörung 2010

Wien OSZE Anhörung 2010

Wessen Daten?

Leserbrief zum Weltverfolgungsindex

Leserbrief zum Artikel „Wo der Hass auf Christen besonders groß ist“ von Mathias Kamann, DIE WELT 7.1.2015

Abgedruckt in DIE WELT 8.1.2015, S. 2 und gekürzt 9.1.2015, S. 2

[kursiv] = im Druck gekürzt, bzw. in zweiter Fassung einen Tag später

[Herzlichen Dank für ihre wirklich gute Zusammenfassung des Weltverfolgungsindex und den darüber hinaus gehenden strategischen Überlegungen.] Da das Internationales Institut für Religionsfreiheit [vertreten durch unser Kapstädter Büro] jährlich eine unabhängige Überprüfung des Weltverfolgungsindex durch internationale Experten vornimmt – wobei wir [– gewissermaßen wie Wirtschaftsprüfer –] vor allem stichprobenartig [die komplette Datenbasis von drei von uns ausgewählten Ländern durch-] vorgehen, würde ich gerne ihre Kritik an gewissen Aspekten kommentieren:

Erstens: Natürlich können Sie den veröffentlichten Teilen des Berichts nicht die Gewährsleute und die Fragebögen für jedes Land entnehmen. Aber die wissenschaftliche Methodologie ist veröffentlicht und das Angebot steht und wird genutzt, dass Wissenschaftler Einsicht in die Datenbasis und die Originalauskünfte nehmen – wir tun das regelmäßig. Das ist ein gewaltiger Fortschritt im Vergleich zur Situation vor 5 Jahren.

Zweitens: Die Zahl von 100 Millionen verfolgten Christen ist kein Bestandteil des Originalberichtes und wird durch die Fragebögen und Experten nicht erhoben oder erfasst. Es ist eine grobe Schätzung, was man sicher deutlicher sagen sollte.

Drittens: Der Vergleich mit dem ökumenischen Bericht der DBK und EKD hinkt etwas, da dafür keinerlei eigene Daten erfasst wurden, sondern die Angaben des amerikanischen PEW-Think Tank übernommen wurden, die wiederum überwiegend amerikanische Regierungsberichte zusammenfassen. Hier wird Christenverfolgung nicht eigens thematisiert, sondern nur gesagt, dass keine Religion in mehr Ländern bedrängt wird als das Christentum, gefolgt vom Islam, kein Wunder, sind es ja auch die Religionen, die es in den weitaus meisten Ländern gibt.

Viertens: Es ist richtig, dass es schade ist, dass wir keine entsprechenden Daten zu anderen Religionen haben. Das ist aber eine Frage der Finanzen: Da derzeit niemand weltweit solche Forschung finanziert, können das nur private Spendenorganisationen leisten, und die kommen zu dem Thema derzeit fast ausschließlich aus dem christlichen Bereich. Wir fordern schon lange eine konzertierte Aktion zur globalen Datenerhebung, die weder auf eine Religion abzielt, noch regional stark gefärbt ist (wie die amerikanischen Berichte), aber die Wissenschaft behandelt das Thema immer noch sehr stiefmütterlich. Das einzige Land, das ich kenne, in denen alle Religionen einschließlich des Islam gemeinsam derartige Daten erfassen, ist Indonesien. Allerdings ist Open Doors zu danken, die dafür nötige Vorarbeit durch ihre Art der Erfassung geleistet zu haben, die leicht auf andere Religionen zu übertragen ist.

Fünftens: Schließlich stellen Sie die Frage, ob es sich in Mexiko (und anderen Situationen) wirklich um Christenverfolgung handelt, und bringen dabei eine korrekte Definition ein. Bei einem derart umfangreichen Datenwerk werden solche Einzelfragen immer möglich bleiben. Insgesamt aber zeigt unsere Überprüfung, dass die Definition von Christenverfolgung für alle Länder gleich angewendet wird, und das ist das Wichtigste für ein solches Ranking.

Thomas Schirrmacher, Bonn, Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Präsident des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte

„Ich gratuliere dem Dalai Lama: Islamische Führer könnten von ihm lernen!“

November 7, 2014 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

Stellungnahme des Direktors des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Thomas Schirrmacher, zur jüngsten Erklärung des Dalai Lama

Der Dalai Lama hat entschieden, dass er keinen Nachfolger haben will. Die „Institution Dalai Lama“ werde nicht mehr benötigt. Zusammen mit seinem Verzicht auf alle politischen Ämter und Führungsansprüche vor zwei Jahren ist das ein Vorgang von großer Tragweite für das Verhältnis von Religionen und Staat weltweit.

Da diskutiert wird, was der Dalai Lama wirklich gesagt hat, verweise ich auf das Video seines Interviews. Solange der Dalai Lama selbst nichts Anderes sagt, muss dies als seine derzeitige Sicht angesehen werden.

Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Kelsang Gyaltsen, Sonderbotschafter des Dalai Lama für Europa (Foto © Markus Scherf / IGFM)

Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Kelsang Gyaltsen, Sonderbotschafter des Dalai Lama für Europa (Foto © Markus Scherf / IGFM)

Um es einmal sehr verallgemeinernd so zu sagen: Während in einigen Ländern und Religionen religiöse Führer aufrüsten und Religion für politische Ansprüche missbrauchen (man denke an den Wahlsieg der Hindutva-Bewegung in Indien, die Entwicklung im Irak oder in Russland und der Ukraine), rüsten andere religiöse Führer erkennbar ab, jetzt eben auch der Dalai Lama.

Vor zwei Jahren gab der Dalai Lama alle politischen Ämter und Ansprüche als Repräsentant der Tibeter oder der Exil-Tibeter auf. Stattdessen haben die Exil-Tibeter den Juristen Lobsang Sangsay zum Exil-Ministerpräsidenten gewählt. Für den Gedanken der Religionsfreiheit und der Trennung von ‚Kirche und Staat‘ war das ein erfreulicher Tag. Das Entscheidende dabei ist: Der Dalai Lama leitet aus seinem religiösen Anspruch keinen politischen Führungsanspruch mehr ab.

Ebenfalls im Jahr 2012 hatte der Dalai Lama in einem Papier „Erklärung des Dalai Lama zur Frage seiner Reinkarnation“ dargelegt, wie sein Nachfolger gefunden werden kann. Das hat er mit seiner neuen Erklärung hinfällig gemacht, auch wenn er natürlich nicht festlegen kann, was seine Anhänger nach seinem Tod machen.

Ob Pharao, römischer Kaiser, chinesischer Kaiser oder mittelalterlicher Papst: Vor Jahrtausenden oder Jahrhunderten war es fast selbstverständlich, dass politische und religiöse Macht in einer Hand gehalten und die politische Macht aus der Nähe zu Gott oder der Gottgleichheit begründet wurde. Dieses Zeitalter sollte eigentlich zu Ende sein, und so ist es erfreulich, wenn die letzten Überlebenden dieser Auffassung diese Sicht freiwillig aufgeben.

Papst Benedikt und jetzt Papst Franziskus machten und machen immer deutlicher, dass die Katholische Kirche vom Wesen und von der Berufung her kein Staat ist. Den Vatikan bewacht längst die italienische Polizei, in der UN oder bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stimmt der Vatikan als Mitgliedsstaat nur ab, wenn es um Fragen der Menschenrechte und Religionsfreiheit geht, bei politischen Fragen stimmt er grundsätzlich nicht mit ab.

Zwar gibt es immer noch Ausnahmen. So sieht sich der japanische Kaiser immer noch als Sohn einer Göttin, aber politisch ist er einflusslos und die Religionsfreiheit in Japan gilt als sehr hoch. (Siehe dazu den Abschnitt „Der Tenno als oberster Priester des Shinto“ hier.

Die einzige große Ausnahme bleibt die islamische Welt. Zwar schließt der strenge Monotheismus des Islam aus, dass ein Staatsoberhaupt Gott oder göttlichen Ursprungs ist, aber die Trennung von religiöser Führung und Staat ist oft nicht gewährleistet. Und immerhin ist der Iran der einzige Staat der Welt, wo die politische Führung von den religiösen Führern eingesetzt und kontrolliert wird. Fachsprachlich nennt man das ‚Hierokratie‘ (‚Herrschaft der Priester‘). Via Hamas, Hisbollah und anderen Bewegungen möchte der Iran diese Idee exportieren. In vielen islamischen Ländern ist es dagegen die politische Führung, die den Islam benutzt, propagiert, ja gängelt. Und dann gibt es Länder wie Pakistan oder Afghanistan, wo man nicht mehr weiß, wer eigentlich die Strippen zieht und wer wen beherrscht: die religiösen die politischen oder die politischen die religiösen Führer.

Jedenfalls könnte die islamische Welt nun vom Dalai Lama lernen, dass religiöse Autorität und politische Macht nicht in dieselbe Hand gehören und dass der Welt mehr geholfen ist, wenn religiöse Führer ihre Macht selbst beschränken, als wenn sie ihre Ansprüche erhöhen.

Das Ende der Gottkaiser

Vor 13 Jahren schrieb ich nach eine Chinareise im Artikel „China im Umbruch“ [Ethos 8/1991: 32-37, später ähnlich in Lektion 60.12. meiner ‚Ethik‘] Folgendes:

Wenn man sich die ungeheuer großen Anlagen der Gottkaiser im Kaiserpalast in Peking, der Hauptstadt Chinas, anschaut und die vielen Tausende von chinesischen und ausländischen Touristen sieht, die staunend durch die einzelnen Bezirke schlendern, erkennt man wieder einmal mehr, wie vergänglich alle menschliche Macht ist, selbst wenn der Mensch sich zu Gott erklärt und seine Herrschaft deswegen für ewig hält. Was man einst für das Zentrum des Universums hielt (genau genommen war der Mittelpunkt des Universums die Mitte des Himmelsaltars im Himmelstempel [‚Tian Tan‘] südlich des Kaiserpalastes), wird heute von jedermann ehrfurchtslos betreten, angefasst und wie in einem Märchenbuch bestaunt. Was einst das Leben gekostet hätte, ist heute bedeutungslos.

Ob die ägyptischen Pharaonen, die römischen Kaiser oder die chinesischen Kaiser: alle wollten sie oberster Herrscher und oberster Priester in einem sein und begründeten dies damit, dass sie von den Göttern abstammten, Inkarnationen Gottes waren oder auf andere Weise am Wesen Gottes Anteil hatten. Das bedeutete die Vergottung des Staates. In aller Welt hinterließen sie die großartigsten Bauwerke, die dieses göttliche Priesterkönigtum demonstrieren sollten: Pyramiden, Triumphbögen, Paläste, Tempel und Mausoleen. Und all diese von Touristen bestaunten Prachtbauten beweisen doch zugleich, dass sie eben weder Priester des wahren Gottes waren, noch göttlichen Charakter hatten.

Die göttlichen Priesterkönige in aller Welt sind im Laufe der Jahrtausende weniger geworden und ihre Zahl ist insbesondere seit dem Auftreten des Christentums rapide zurückgegangen.

Bei der Thronbesteigung des japanischen Kaisers Akihito, des Hohenpriesters des Shintoismus, haben viele japanische Christen ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, dass sich die Entwicklung schnell gegen die Christen und gegen den Rechtsstaat wenden kann. Sind ihre Sorgen berechtigt, obwohl sich in der Praxis noch gar nichts geändert hat? Durchaus. Jahrhundertelang begründete der japanische Kaiser seine Herrschaft damit, dass er sich bei der Inthronisierung mit einer Göttin vereinigt hatte und zugleich oberster Priester der Staatsreligion war. Er war der „Tenno“ (Gottkaiser), der Vertreter der Götter auf Erden, der Gesetze machte, aber nicht dem Gesetz unterworfen war. Als die Amerikaner Japan 1945 besiegt hatten, durfte der japanische Kaiser nur bleiben, weil er schwor, auf das Amt des Tenno zu verzichten und keinerlei religiöse Autorität mehr in Anspruch zu nehmen. Dies war die Voraussetzung, dass die neue Verfassung mehr Menschenrechte und mehr Gerechtigkeit ermöglichte. Der damalige Kaiser hat sich daran bis zu seinem Tod 45 Jahre lang gehalten. Doch zum Erschrecken vieler ließ sich sein Sohn 1990 wieder als Gott inthronisieren. Teure und aufwendige Zeremonien folgten dem uralten Ritual, dessen Mittelpunkt die nächtliche Vereinigung mit der Sonnengöttin Amaterasu ist, durch die der Kaiser angeblich erst eigentlich sein göttliches Wesen erlangt. Seine erste Amtshandlung war ein Opfer für diese Göttin. Nun droht eine erneute Gleichsetzung von Gehorsam gegenüber dem Staat und Gehorsam gegenüber der Religion des Herrschers, die ja auch in der frühen Kirche in der Auseinandersetzung mit dem römischen Kaiser viele Christen das Leben kostete. Und trotzdem nahmen auch viele Vertreter demokratischer Länder naiv an der Inthronisation teil.

Trotz dieser Beispiele kann man feststellen, dass die Zeit der göttlichen Priesterkönige vorbei ist und die wenigen Menschen, die eine solche Stellung noch für sich in Anspruch nehmen, glücklicherweise keine echte Gewalt mehr innehaben.

Obamas Rede zur Religionsfreiheit

November 4, 2014 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

PRO: Obama: Religionsfreiheit dient nationaler Sicherheit

[Meldung aus PRO:] Das 62. jährliche „National Prayer Breakfast“ hat am Donnerstag in Washington die extreme Armut weltweit thematisiert. Zudem mahnte der US-amerikanische Präsident Barack Obama vor 3.000 Teilnehmern die Folgen eingeschränkter Religionsfreiheit an. „Die Geschichte lehrt uns, dass Länder, die die Rechte ihres Volkes achten – inklusive die Religionsfreiheit –, letztlich gerechter, friedvoller und erfolgreicher sind.“ In Ländern, in denen die Religionsfreiheit eingeschränkt ist, herrschten Instabilität, Gewalt und Extremismus. „Daher ist Religionsfreiheit wichtig für unsere nationale Sicherheit“, schlussfolgerte Obama. Sie sei auch Kernanliegen der amerikanischen Außenpolitik. Obama rief weiter dazu auf, für Menschen zu beten, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. Er nannte Kenneth Bae, einen christlichen Missionar aus den USA, der seit 15 Monaten in Nordkorea inhaftiert ist, sowie den Pastor Saeed Abedini, der seit 18 Monaten im Iran im Gefängnis sitzt. „Wir rufen die iranische Regierung dazu auf, Pastor Abedini freizulassen, so dass er in die liebenden Hände seiner Frau und seiner Kinder in Idaho zurückkehren kann.“

Schirrmacher: Vage Rede

Obama während seiner Ansprache beim Nationalen Gebetsfrühstück im Washington Hilton Hotel. (Foto © Thomas Schirrmacher)

Obama während seiner Ansprache beim Nationalen Gebetsfrühstück im Washington Hilton Hotel. (Foto © Thomas Schirrmacher)

Der Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, bemängelte die vagen Formulierungen in Obamas Rede. „Obama hat eine merkwürdige Hemmung, in Fällen von Christenverfolgung konkret den Umstand anzusprechen, dass ‚Christen‘ getötet würden. Er spricht nicht von niedergebrannten ‚Kirchen‘, sondern ‚Gotteshäusern‘, nicht von ‚Christen‘, sondern von ‚Gläubigen‘“. Schirrmacher lobte zugleich den Einsatz für Religionsfreiheit, wie in Obamas Rede deutlich werde, insbesondere aber die Erwähnung der beiden gefangenen Pastoren. Dies sei nicht bloß dem Publikum geschuldet, zu dem auch Muslime, Juden und Nichtreligiöse gehörten. Dennoch bleibt Schirrmacher skeptisch. „Es bleibt abzuwarten, ob dies eine Sonntagsrede bleibt oder ob Obama diesen überzeugenden, ja überragenden Worte Taten folgen lässt.“

Kommentar von Thomas Schirrmacher

Bisher hat sich leider kein amerikanischer Präsident so wenig konkret für Religionsfreiheit eingesetzt wie Barack Obama. Vor allem zeigte Obama eine merkwürdige Hemmung, in Fällen von Christenverfolgung konkret den Umstand anzusprechen, dass ‚Christen‘ getötet würden. Er sprach nicht von niedergebrannten ‚Kirchen‘, sondern ‚Gotteshäusern‘, nicht von ‚Christen‘, sondern von ‚Gläubigen‘. Obama hat auch die vielen Institutionen und Werkzeuge gegen Religionsfreiheit, die die amerikanische Politik stärker zur Verfügung hat als jedes andere Land der Erde, so die US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit (USCIRF) des Parlaments, den Botschafter für Religionsfreiheit (derzeit unbesetzt, eine Ernennung durch Obama ist schon lange überfällig [Nachtrag: jetzt, 6 Monate später, hat Obama die Ernennung angekündigt] und den umfangreichen jährlichen Bericht zu Religionsfreiheit des Außenministerium zu jedem Land der Erde.

Umso erfreulicher ist es, dass sich Obama zum ersten Mal ausführlich für das Thema Religionsfreiheit eingesetzt hat. Seine Rede war eine gut durchdachte, gewissermaßen makellose Darstellung der Religionsfreiheit, wie sie zum Kern des amerikanischen Traums und Verfassungsdenkens gehört. Neben seiner Rede zum Menschenhandel [siehe hier] war es sicher eine seiner besten Reden.

Noch erstaunlicher war, dass er als konkrete Beispiele einen christlichen „Missionar“ und einen christlichen „Pastor“, Kenneth Bae in Nordkorea und Saeed Abedini im Iran, als einzige konkrete Beispiel nannte, die beide wegen ihres Glaubens im Gefängnis sitzen und die Regierungen von Nordkorea und Iran aufforderte, beide umgehend freizulassen. Das war sicher nicht einfach dem Publikum geschuldet, sind doch unter den 3000 Teilnehmern des Nationalen Gebetsfrühstücks immer auch zahlreiche Muslime, Juden und Nichtreligiöse.

Dass Obama sogar die von islamischen Staaten in der UN initiierten „Anti-Defamation-Laws“ ausdrücklich verurteilte, die Kritik von Religionen, genannt wird fast immer nur der Islam selbst, unter Strafe stellen will, war bemerkenswert und neu. Obama meinte, in China müsse das wirtschaftliche Wachstum einhergehen mit einer Stärkung der Rechte für Christen, tibetische Buddhisten und uigurische Muslime. Dies betone er auch in Gesprächen mit chinesischen Regierungsvertretern, was aber keiner so ganz glauben mag.

Es bleibt aber abzuwarten, ob dies eine Sonntagsrede bleibt oder Obama diesen überzeugenden, ja überragenden Worten Taten folgen lässt und sich die amerikanische Regierung wieder gezielt für wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgte Menschen weltweit einsetzt und die ihr zur Verfügung stehenden Instrumente wieder mehr in den Mittelpunkt rückt.

Obama legte nebenbei auch ein persönliches Glaubensbekenntnis ab. Als junger Mann habe er „Jesus Christus als meinen Herrn und Retter“ aufgenommen.

Begegnungen

Im Gespräch im US-Kongress (v.l.n.r.): Christel Ngnambi, Steffen Bilger (MdB), Volker Klein (MdB), Frank Wolf, Thomas Schirrmacher (Foto © IIRF)

Im Gespräch im US-Kongress (v.l.n.r.): Christel Ngnambi, Steffen Bilger (MdB), Volker Klein (MdB), Frank Wolf, Thomas Schirrmacher (Foto © IIRF)

Schirrmacher traf sich beim Nationalen Gesprächfrühstück zum zweiten Mal mit dem Hauptredner Rajiv Shah, Leiter von „US Aid“, einer staatlichen Hilfsorganisation und der größten Entwicklungsorganisation der Welt. Shah rief dazu auf, der extremen Armut weltweit ein Ende zu setzen. Dieses Ziel sei innerhalb der nächsten 20 Jahre zu erreichen, wenn Regierung, Hilfsorganisation und Unternehmen zusammenarbeiten. „Ich glaube, dass der Geist dieses Gebetsfrühstücks wesentlich dafür ist, unsere Herzen zu stärken und uns in unseren Bemühungen zu vereinen.“

Außerdem traf Schirrmacher erneut mit dem Präsidenten von Albanien und anderen Politikern zusammen.

Zudem vertrat er am 5.2.2014 die Weltweite Evangelische Allianz als Mitveranstalter bei einer Anhörung zur Verletzung der Religionsfreiheit in den GUS-Staaten „Annual Briefing on Religious Freedom Issues in Eurasia/Former Soviet Union“ im US-Kongress und führte ein Gespräch mit dem dort referierenden Nijat Mammadli, dem Leiter des „International Relations Department of the State Committee on 
Religious Associations“ von Aserbaidschan.

Die IIRF-Delegation mit MdB Volkmar Klein und Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Senator Frank Wolf (Virginia), dem geistigen Vater der Gesetze, die die amerikanischen Institutionen für Religionsfreiheit geschaffen haben. (Foto © IIRF)

Die IIRF-Delegation mit MdB Volkmar Klein und Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Senator Frank Wolf (Virginia), dem geistigen Vater der Gesetze, die die amerikanischen Institutionen für Religionsfreiheit geschaffen haben. (Foto © IIRF)

Zusammen mit einer Delegation des Internationalen Institus für Religionsfreiheit, zu der auch die Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein und Steffen Bilger sowie der stellvertretende Generalsekretär der WEA, Wilf Gasser, und der EU-Beauftragte der Europäischen Evangelischen Allianz, Christel Lamère Ngnambi, gehörten, führte Schirrmacher Gespräche mit Frank Wolf in dessen Kongressbüro. Dabei ging es um die Zusammenarbeit des IIRF mit Wolf, der jeweils einer von zwei Hauptiniatatoren aller großen Gesetzesinitiativen der USA zur Religionsfreiheit war (z. B. USCRIF, Ambassador for Religious Freedom). Wolf ist der dienstälteste Abgeordnete des US-Kongresses und wurde 17 mal für je zwei Jahre gewählt.

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Weitere Meldungen:

Jahrbuch Religionsfreiheit 2014 und Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung von Christen 2014 erschienen

Oktober 16, 2014 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

2014JBChristenverfolgung(Bonn, 14.10.2014) Jahr für Jahr, Monat für Monat wird die Bedeutung des Einsatzes für Religionsfreiheit und speziell gegen die Diskriminierung und Verfolgung von Christen in bedrückender Weise aktueller. In den letzten Monaten bestimmte das Thema zunehmend die Weltpolitik mit und beherrschte die Medien. Um so wichtiger sind substanzielle Information, Forschung, Berichte Betroffener und grundsätzliche Reflexionen.

2014 wird deswegen das frühere Jahrbuch „Märtyrer“ erstmals in zwei Jahrbücher geteilt, das „Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung von Christen“ (so seit 2013) und das neue „Jahrbuch Religionsfreiheit“, das sich der Geschichte der Begründung der Religionsfreiheit und der Unterdrückung aller Religionen widmet. Dadurch gewinnen wir mehr Raum für grundlegende Beiträge.

Neben größeren Länderberichten etwa zu Nigeria, Malaysia oder Tansania findet sich der jährliche Weltüberblick von Max Klingberg (IGFM) und die ausführliche Version des Weltverfolgungsindex von Open Doors mit allen 50 Länderberichten.

2014JBReligionsfreiheitZu den Autoren der beiden Bände gehören Experten wie die Professoren und Professorinnen Heiner Bielefeldt (UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit), Christine Schirrmacher (Universität Bonn), Christian Hillgruber, Karl Wilhelm Rennstich, Klaus Vellguth, Christof Sauer und Heribert Hirte, Vorsitzender des Stephanuskreises im Deutschen Bundestag. Neben diesen Professoren tragen engagierte Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und kirchlichen Werken ihre Erkenntnisse vor, so Christoph Marcinkowski (missio), Bernadin Francis Mfumbusa (Kirche in Not), Thomas Volk (KAS), Emmanuel Franklyne Ogbunwezeh (IGFM) oder Kamal Sido (GfbV). Die großen Kirchen sind nicht nur durch ihre genannten Werke vertreten, sondern auch durch Prälat Klaus Krämer (Präsident von missio) und Thorsten Leißer (Leiter der Menschenrechtsabteilung der EKD).

Die Jahrbücher werden herausgegeben im Auftrag der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (IIRF), des Arbeitskreises für Religionsfreiheit der Deutschen und Österreichischen Evangelischen Allianz und der Arbeitsgemeinschaft Religionsfreiheit der Schweizerischen Evangelischen Allianz.

Bibliografische Angaben:

  • Thomas Schirrmacher, Max Klingberg, Ron Kubsch (Hg.). Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung von Christen 2014. VKW: Bonn, 2014. 320 S. Pb. 12,00 €. ISBN 978-3-86269-092-3. Zu beziehen über www.vkwonline.de oder den örtlichen Buchhandel. Auslieferung für Buchhandlungen: ICMedienhaus, Holzgerlingen.
  • Thomas Schirrmacher, Max Klingberg (Hg.). Jahrbuch Religionsfreiheit 2014. Bonn: VKW, 2014. 154 S. Pb. 8,00 €. ISBN 978-3-86269-093-0. Zu beziehen über www.vkwonline.de oder den örtlichen Buchhandel. Auslieferung für Buchhandlungen: ICMedienhaus, Holzgerlingen.

Downloads:

Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung von Christen heute – 2014

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Jahrbuch Religionsfreiheit 2014

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