Thomas Schirrmacher
ArchivReligionsfreiheit

„Ich gratuliere dem Dalai Lama: Islamische Führer könnten von ihm lernen!“

November 7, 2014 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

Stellungnahme des Direktors des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Thomas Schirrmacher, zur jüngsten Erklärung des Dalai Lama

Der Dalai Lama hat entschieden, dass er keinen Nachfolger haben will. Die „Institution Dalai Lama“ werde nicht mehr benötigt. Zusammen mit seinem Verzicht auf alle politischen Ämter und Führungsansprüche vor zwei Jahren ist das ein Vorgang von großer Tragweite für das Verhältnis von Religionen und Staat weltweit.

Da diskutiert wird, was der Dalai Lama wirklich gesagt hat, verweise ich auf das Video seines Interviews. Solange der Dalai Lama selbst nichts Anderes sagt, muss dies als seine derzeitige Sicht angesehen werden.

Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Kelsang Gyaltsen, Sonderbotschafter des Dalai Lama für Europa (Foto © Markus Scherf / IGFM)

Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Kelsang Gyaltsen, Sonderbotschafter des Dalai Lama für Europa (Foto © Markus Scherf / IGFM)

Um es einmal sehr verallgemeinernd so zu sagen: Während in einigen Ländern und Religionen religiöse Führer aufrüsten und Religion für politische Ansprüche missbrauchen (man denke an den Wahlsieg der Hindutva-Bewegung in Indien, die Entwicklung im Irak oder in Russland und der Ukraine), rüsten andere religiöse Führer erkennbar ab, jetzt eben auch der Dalai Lama.

Vor zwei Jahren gab der Dalai Lama alle politischen Ämter und Ansprüche als Repräsentant der Tibeter oder der Exil-Tibeter auf. Stattdessen haben die Exil-Tibeter den Juristen Lobsang Sangsay zum Exil-Ministerpräsidenten gewählt. Für den Gedanken der Religionsfreiheit und der Trennung von ‚Kirche und Staat‘ war das ein erfreulicher Tag. Das Entscheidende dabei ist: Der Dalai Lama leitet aus seinem religiösen Anspruch keinen politischen Führungsanspruch mehr ab.

Ebenfalls im Jahr 2012 hatte der Dalai Lama in einem Papier „Erklärung des Dalai Lama zur Frage seiner Reinkarnation“ dargelegt, wie sein Nachfolger gefunden werden kann. Das hat er mit seiner neuen Erklärung hinfällig gemacht, auch wenn er natürlich nicht festlegen kann, was seine Anhänger nach seinem Tod machen.

Ob Pharao, römischer Kaiser, chinesischer Kaiser oder mittelalterlicher Papst: Vor Jahrtausenden oder Jahrhunderten war es fast selbstverständlich, dass politische und religiöse Macht in einer Hand gehalten und die politische Macht aus der Nähe zu Gott oder der Gottgleichheit begründet wurde. Dieses Zeitalter sollte eigentlich zu Ende sein, und so ist es erfreulich, wenn die letzten Überlebenden dieser Auffassung diese Sicht freiwillig aufgeben.

Papst Benedikt und jetzt Papst Franziskus machten und machen immer deutlicher, dass die Katholische Kirche vom Wesen und von der Berufung her kein Staat ist. Den Vatikan bewacht längst die italienische Polizei, in der UN oder bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stimmt der Vatikan als Mitgliedsstaat nur ab, wenn es um Fragen der Menschenrechte und Religionsfreiheit geht, bei politischen Fragen stimmt er grundsätzlich nicht mit ab.

Zwar gibt es immer noch Ausnahmen. So sieht sich der japanische Kaiser immer noch als Sohn einer Göttin, aber politisch ist er einflusslos und die Religionsfreiheit in Japan gilt als sehr hoch. (Siehe dazu den Abschnitt „Der Tenno als oberster Priester des Shinto“ hier.

Die einzige große Ausnahme bleibt die islamische Welt. Zwar schließt der strenge Monotheismus des Islam aus, dass ein Staatsoberhaupt Gott oder göttlichen Ursprungs ist, aber die Trennung von religiöser Führung und Staat ist oft nicht gewährleistet. Und immerhin ist der Iran der einzige Staat der Welt, wo die politische Führung von den religiösen Führern eingesetzt und kontrolliert wird. Fachsprachlich nennt man das ‚Hierokratie‘ (‚Herrschaft der Priester‘). Via Hamas, Hisbollah und anderen Bewegungen möchte der Iran diese Idee exportieren. In vielen islamischen Ländern ist es dagegen die politische Führung, die den Islam benutzt, propagiert, ja gängelt. Und dann gibt es Länder wie Pakistan oder Afghanistan, wo man nicht mehr weiß, wer eigentlich die Strippen zieht und wer wen beherrscht: die religiösen die politischen oder die politischen die religiösen Führer.

Jedenfalls könnte die islamische Welt nun vom Dalai Lama lernen, dass religiöse Autorität und politische Macht nicht in dieselbe Hand gehören und dass der Welt mehr geholfen ist, wenn religiöse Führer ihre Macht selbst beschränken, als wenn sie ihre Ansprüche erhöhen.

Das Ende der Gottkaiser

Vor 13 Jahren schrieb ich nach eine Chinareise im Artikel „China im Umbruch“ [Ethos 8/1991: 32-37, später ähnlich in Lektion 60.12. meiner ‚Ethik‘] Folgendes:

Wenn man sich die ungeheuer großen Anlagen der Gottkaiser im Kaiserpalast in Peking, der Hauptstadt Chinas, anschaut und die vielen Tausende von chinesischen und ausländischen Touristen sieht, die staunend durch die einzelnen Bezirke schlendern, erkennt man wieder einmal mehr, wie vergänglich alle menschliche Macht ist, selbst wenn der Mensch sich zu Gott erklärt und seine Herrschaft deswegen für ewig hält. Was man einst für das Zentrum des Universums hielt (genau genommen war der Mittelpunkt des Universums die Mitte des Himmelsaltars im Himmelstempel [‚Tian Tan‘] südlich des Kaiserpalastes), wird heute von jedermann ehrfurchtslos betreten, angefasst und wie in einem Märchenbuch bestaunt. Was einst das Leben gekostet hätte, ist heute bedeutungslos.

Ob die ägyptischen Pharaonen, die römischen Kaiser oder die chinesischen Kaiser: alle wollten sie oberster Herrscher und oberster Priester in einem sein und begründeten dies damit, dass sie von den Göttern abstammten, Inkarnationen Gottes waren oder auf andere Weise am Wesen Gottes Anteil hatten. Das bedeutete die Vergottung des Staates. In aller Welt hinterließen sie die großartigsten Bauwerke, die dieses göttliche Priesterkönigtum demonstrieren sollten: Pyramiden, Triumphbögen, Paläste, Tempel und Mausoleen. Und all diese von Touristen bestaunten Prachtbauten beweisen doch zugleich, dass sie eben weder Priester des wahren Gottes waren, noch göttlichen Charakter hatten.

Die göttlichen Priesterkönige in aller Welt sind im Laufe der Jahrtausende weniger geworden und ihre Zahl ist insbesondere seit dem Auftreten des Christentums rapide zurückgegangen.

Bei der Thronbesteigung des japanischen Kaisers Akihito, des Hohenpriesters des Shintoismus, haben viele japanische Christen ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, dass sich die Entwicklung schnell gegen die Christen und gegen den Rechtsstaat wenden kann. Sind ihre Sorgen berechtigt, obwohl sich in der Praxis noch gar nichts geändert hat? Durchaus. Jahrhundertelang begründete der japanische Kaiser seine Herrschaft damit, dass er sich bei der Inthronisierung mit einer Göttin vereinigt hatte und zugleich oberster Priester der Staatsreligion war. Er war der „Tenno“ (Gottkaiser), der Vertreter der Götter auf Erden, der Gesetze machte, aber nicht dem Gesetz unterworfen war. Als die Amerikaner Japan 1945 besiegt hatten, durfte der japanische Kaiser nur bleiben, weil er schwor, auf das Amt des Tenno zu verzichten und keinerlei religiöse Autorität mehr in Anspruch zu nehmen. Dies war die Voraussetzung, dass die neue Verfassung mehr Menschenrechte und mehr Gerechtigkeit ermöglichte. Der damalige Kaiser hat sich daran bis zu seinem Tod 45 Jahre lang gehalten. Doch zum Erschrecken vieler ließ sich sein Sohn 1990 wieder als Gott inthronisieren. Teure und aufwendige Zeremonien folgten dem uralten Ritual, dessen Mittelpunkt die nächtliche Vereinigung mit der Sonnengöttin Amaterasu ist, durch die der Kaiser angeblich erst eigentlich sein göttliches Wesen erlangt. Seine erste Amtshandlung war ein Opfer für diese Göttin. Nun droht eine erneute Gleichsetzung von Gehorsam gegenüber dem Staat und Gehorsam gegenüber der Religion des Herrschers, die ja auch in der frühen Kirche in der Auseinandersetzung mit dem römischen Kaiser viele Christen das Leben kostete. Und trotzdem nahmen auch viele Vertreter demokratischer Länder naiv an der Inthronisation teil.

Trotz dieser Beispiele kann man feststellen, dass die Zeit der göttlichen Priesterkönige vorbei ist und die wenigen Menschen, die eine solche Stellung noch für sich in Anspruch nehmen, glücklicherweise keine echte Gewalt mehr innehaben.

Obamas Rede zur Religionsfreiheit

November 4, 2014 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

PRO: Obama: Religionsfreiheit dient nationaler Sicherheit

[Meldung aus PRO:] Das 62. jährliche „National Prayer Breakfast“ hat am Donnerstag in Washington die extreme Armut weltweit thematisiert. Zudem mahnte der US-amerikanische Präsident Barack Obama vor 3.000 Teilnehmern die Folgen eingeschränkter Religionsfreiheit an. „Die Geschichte lehrt uns, dass Länder, die die Rechte ihres Volkes achten – inklusive die Religionsfreiheit –, letztlich gerechter, friedvoller und erfolgreicher sind.“ In Ländern, in denen die Religionsfreiheit eingeschränkt ist, herrschten Instabilität, Gewalt und Extremismus. „Daher ist Religionsfreiheit wichtig für unsere nationale Sicherheit“, schlussfolgerte Obama. Sie sei auch Kernanliegen der amerikanischen Außenpolitik. Obama rief weiter dazu auf, für Menschen zu beten, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. Er nannte Kenneth Bae, einen christlichen Missionar aus den USA, der seit 15 Monaten in Nordkorea inhaftiert ist, sowie den Pastor Saeed Abedini, der seit 18 Monaten im Iran im Gefängnis sitzt. „Wir rufen die iranische Regierung dazu auf, Pastor Abedini freizulassen, so dass er in die liebenden Hände seiner Frau und seiner Kinder in Idaho zurückkehren kann.“

Schirrmacher: Vage Rede

Obama während seiner Ansprache beim Nationalen Gebetsfrühstück im Washington Hilton Hotel. (Foto © Thomas Schirrmacher)

Obama während seiner Ansprache beim Nationalen Gebetsfrühstück im Washington Hilton Hotel. (Foto © Thomas Schirrmacher)

Der Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, bemängelte die vagen Formulierungen in Obamas Rede. „Obama hat eine merkwürdige Hemmung, in Fällen von Christenverfolgung konkret den Umstand anzusprechen, dass ‚Christen‘ getötet würden. Er spricht nicht von niedergebrannten ‚Kirchen‘, sondern ‚Gotteshäusern‘, nicht von ‚Christen‘, sondern von ‚Gläubigen‘“. Schirrmacher lobte zugleich den Einsatz für Religionsfreiheit, wie in Obamas Rede deutlich werde, insbesondere aber die Erwähnung der beiden gefangenen Pastoren. Dies sei nicht bloß dem Publikum geschuldet, zu dem auch Muslime, Juden und Nichtreligiöse gehörten. Dennoch bleibt Schirrmacher skeptisch. „Es bleibt abzuwarten, ob dies eine Sonntagsrede bleibt oder ob Obama diesen überzeugenden, ja überragenden Worte Taten folgen lässt.“

Kommentar von Thomas Schirrmacher

Bisher hat sich leider kein amerikanischer Präsident so wenig konkret für Religionsfreiheit eingesetzt wie Barack Obama. Vor allem zeigte Obama eine merkwürdige Hemmung, in Fällen von Christenverfolgung konkret den Umstand anzusprechen, dass ‚Christen‘ getötet würden. Er sprach nicht von niedergebrannten ‚Kirchen‘, sondern ‚Gotteshäusern‘, nicht von ‚Christen‘, sondern von ‚Gläubigen‘. Obama hat auch die vielen Institutionen und Werkzeuge gegen Religionsfreiheit, die die amerikanische Politik stärker zur Verfügung hat als jedes andere Land der Erde, so die US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit (USCIRF) des Parlaments, den Botschafter für Religionsfreiheit (derzeit unbesetzt, eine Ernennung durch Obama ist schon lange überfällig [Nachtrag: jetzt, 6 Monate später, hat Obama die Ernennung angekündigt] und den umfangreichen jährlichen Bericht zu Religionsfreiheit des Außenministerium zu jedem Land der Erde.

Umso erfreulicher ist es, dass sich Obama zum ersten Mal ausführlich für das Thema Religionsfreiheit eingesetzt hat. Seine Rede war eine gut durchdachte, gewissermaßen makellose Darstellung der Religionsfreiheit, wie sie zum Kern des amerikanischen Traums und Verfassungsdenkens gehört. Neben seiner Rede zum Menschenhandel [siehe hier] war es sicher eine seiner besten Reden.

Noch erstaunlicher war, dass er als konkrete Beispiele einen christlichen „Missionar“ und einen christlichen „Pastor“, Kenneth Bae in Nordkorea und Saeed Abedini im Iran, als einzige konkrete Beispiel nannte, die beide wegen ihres Glaubens im Gefängnis sitzen und die Regierungen von Nordkorea und Iran aufforderte, beide umgehend freizulassen. Das war sicher nicht einfach dem Publikum geschuldet, sind doch unter den 3000 Teilnehmern des Nationalen Gebetsfrühstücks immer auch zahlreiche Muslime, Juden und Nichtreligiöse.

Dass Obama sogar die von islamischen Staaten in der UN initiierten „Anti-Defamation-Laws“ ausdrücklich verurteilte, die Kritik von Religionen, genannt wird fast immer nur der Islam selbst, unter Strafe stellen will, war bemerkenswert und neu. Obama meinte, in China müsse das wirtschaftliche Wachstum einhergehen mit einer Stärkung der Rechte für Christen, tibetische Buddhisten und uigurische Muslime. Dies betone er auch in Gesprächen mit chinesischen Regierungsvertretern, was aber keiner so ganz glauben mag.

Es bleibt aber abzuwarten, ob dies eine Sonntagsrede bleibt oder Obama diesen überzeugenden, ja überragenden Worten Taten folgen lässt und sich die amerikanische Regierung wieder gezielt für wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgte Menschen weltweit einsetzt und die ihr zur Verfügung stehenden Instrumente wieder mehr in den Mittelpunkt rückt.

Obama legte nebenbei auch ein persönliches Glaubensbekenntnis ab. Als junger Mann habe er „Jesus Christus als meinen Herrn und Retter“ aufgenommen.

Begegnungen

Im Gespräch im US-Kongress (v.l.n.r.): Christel Ngnambi, Steffen Bilger (MdB), Volker Klein (MdB), Frank Wolf, Thomas Schirrmacher (Foto © IIRF)

Im Gespräch im US-Kongress (v.l.n.r.): Christel Ngnambi, Steffen Bilger (MdB), Volker Klein (MdB), Frank Wolf, Thomas Schirrmacher (Foto © IIRF)

Schirrmacher traf sich beim Nationalen Gesprächfrühstück zum zweiten Mal mit dem Hauptredner Rajiv Shah, Leiter von „US Aid“, einer staatlichen Hilfsorganisation und der größten Entwicklungsorganisation der Welt. Shah rief dazu auf, der extremen Armut weltweit ein Ende zu setzen. Dieses Ziel sei innerhalb der nächsten 20 Jahre zu erreichen, wenn Regierung, Hilfsorganisation und Unternehmen zusammenarbeiten. „Ich glaube, dass der Geist dieses Gebetsfrühstücks wesentlich dafür ist, unsere Herzen zu stärken und uns in unseren Bemühungen zu vereinen.“

Außerdem traf Schirrmacher erneut mit dem Präsidenten von Albanien und anderen Politikern zusammen.

Zudem vertrat er am 5.2.2014 die Weltweite Evangelische Allianz als Mitveranstalter bei einer Anhörung zur Verletzung der Religionsfreiheit in den GUS-Staaten „Annual Briefing on Religious Freedom Issues in Eurasia/Former Soviet Union“ im US-Kongress und führte ein Gespräch mit dem dort referierenden Nijat Mammadli, dem Leiter des „International Relations Department of the State Committee on 
Religious Associations“ von Aserbaidschan.

Die IIRF-Delegation mit MdB Volkmar Klein und Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Senator Frank Wolf (Virginia), dem geistigen Vater der Gesetze, die die amerikanischen Institutionen für Religionsfreiheit geschaffen haben. (Foto © IIRF)

Die IIRF-Delegation mit MdB Volkmar Klein und Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Senator Frank Wolf (Virginia), dem geistigen Vater der Gesetze, die die amerikanischen Institutionen für Religionsfreiheit geschaffen haben. (Foto © IIRF)

Zusammen mit einer Delegation des Internationalen Institus für Religionsfreiheit, zu der auch die Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein und Steffen Bilger sowie der stellvertretende Generalsekretär der WEA, Wilf Gasser, und der EU-Beauftragte der Europäischen Evangelischen Allianz, Christel Lamère Ngnambi, gehörten, führte Schirrmacher Gespräche mit Frank Wolf in dessen Kongressbüro. Dabei ging es um die Zusammenarbeit des IIRF mit Wolf, der jeweils einer von zwei Hauptiniatatoren aller großen Gesetzesinitiativen der USA zur Religionsfreiheit war (z. B. USCRIF, Ambassador for Religious Freedom). Wolf ist der dienstälteste Abgeordnete des US-Kongresses und wurde 17 mal für je zwei Jahre gewählt.

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Weitere Meldungen:

Jahrbuch Religionsfreiheit 2014 und Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung von Christen 2014 erschienen

Oktober 16, 2014 by · Schreiben Sie einen Kommentar 

2014JBChristenverfolgung(Bonn, 14.10.2014) Jahr für Jahr, Monat für Monat wird die Bedeutung des Einsatzes für Religionsfreiheit und speziell gegen die Diskriminierung und Verfolgung von Christen in bedrückender Weise aktueller. In den letzten Monaten bestimmte das Thema zunehmend die Weltpolitik mit und beherrschte die Medien. Um so wichtiger sind substanzielle Information, Forschung, Berichte Betroffener und grundsätzliche Reflexionen.

2014 wird deswegen das frühere Jahrbuch „Märtyrer“ erstmals in zwei Jahrbücher geteilt, das „Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung von Christen“ (so seit 2013) und das neue „Jahrbuch Religionsfreiheit“, das sich der Geschichte der Begründung der Religionsfreiheit und der Unterdrückung aller Religionen widmet. Dadurch gewinnen wir mehr Raum für grundlegende Beiträge.

Neben größeren Länderberichten etwa zu Nigeria, Malaysia oder Tansania findet sich der jährliche Weltüberblick von Max Klingberg (IGFM) und die ausführliche Version des Weltverfolgungsindex von Open Doors mit allen 50 Länderberichten.

2014JBReligionsfreiheitZu den Autoren der beiden Bände gehören Experten wie die Professoren und Professorinnen Heiner Bielefeldt (UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit), Christine Schirrmacher (Universität Bonn), Christian Hillgruber, Karl Wilhelm Rennstich, Klaus Vellguth, Christof Sauer und Heribert Hirte, Vorsitzender des Stephanuskreises im Deutschen Bundestag. Neben diesen Professoren tragen engagierte Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und kirchlichen Werken ihre Erkenntnisse vor, so Christoph Marcinkowski (missio), Bernadin Francis Mfumbusa (Kirche in Not), Thomas Volk (KAS), Emmanuel Franklyne Ogbunwezeh (IGFM) oder Kamal Sido (GfbV). Die großen Kirchen sind nicht nur durch ihre genannten Werke vertreten, sondern auch durch Prälat Klaus Krämer (Präsident von missio) und Thorsten Leißer (Leiter der Menschenrechtsabteilung der EKD).

Die Jahrbücher werden herausgegeben im Auftrag der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (IIRF), des Arbeitskreises für Religionsfreiheit der Deutschen und Österreichischen Evangelischen Allianz und der Arbeitsgemeinschaft Religionsfreiheit der Schweizerischen Evangelischen Allianz.

Bibliografische Angaben:

  • Thomas Schirrmacher, Max Klingberg, Ron Kubsch (Hg.). Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung von Christen 2014. VKW: Bonn, 2014. 320 S. Pb. 12,00 €. ISBN 978-3-86269-092-3. Zu beziehen über www.vkwonline.de oder den örtlichen Buchhandel. Auslieferung für Buchhandlungen: ICMedienhaus, Holzgerlingen.
  • Thomas Schirrmacher, Max Klingberg (Hg.). Jahrbuch Religionsfreiheit 2014. Bonn: VKW, 2014. 154 S. Pb. 8,00 €. ISBN 978-3-86269-093-0. Zu beziehen über www.vkwonline.de oder den örtlichen Buchhandel. Auslieferung für Buchhandlungen: ICMedienhaus, Holzgerlingen.

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Jahrbuch Verfolgung und Diskriminierung von Christen heute – 2014

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Jahrbuch Religionsfreiheit 2014

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„Staaten müssen Religionsfreiheit garantieren“

CDU/CSU-Bundestagsfraktion tagt zum Thema Christenverfolgung

(Bonn, 26.03.2014) Die im letzten Jahr neu gewählte CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat sich erneut intensiv dem Thema Religionsfreiheit und Christenverfolgung gewidmet. Zu dem Fachgespräch hatten Erika Steinbach, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und Heribert Hirte, Vorsitzender des Stephanuskreises, eingeladen.

Von rechts: Prof. Heribert Hirte, MdB, Prof. Thomas Schirrmacher, Erika Steinbach, MdB (© IIRF)

Von rechts: Prof. Heribert Hirte, MdB, Prof. Thomas Schirrmacher, Erika Steinbach, MdB (© IIRF)

Dabei wurde der Menschenrechtsexperte Prof. Thomas Schirrmacher gebeten, die Abgeordneten auf den aktuellen Stand der Entwicklung zu bringen. Auch wenn man jede Statistik differenziert betrachten müsse, sei das Christentum doch weiterhin klar die am meisten bedrängte Religion weltweit. Besonders schwere Unterdrückung sei vor allem gegen Christen festzustellen. Dies betreffe einerseits die Beschneidung persönlicher Rechte, andererseits aber auch z. B. die Zerstörung von Kirchen, die nach wie vor immer wieder zu beklagen seien.

Positiv sei die Entwicklung im Moment in Ägypten, so Schirrmacher. Auch wenn es weiterhin Angriffe auf Christen gäbe, wäre doch die Polizei häufig schnell zur Stelle, um einzuschreiten. In Syrien dagegen sei die Lage gerade auch für die Christen dramatisch. Man müsse davon ausgehen, dass die grundlegenden Strukturen des autochthonen Christentums in Syrien für immer zerstört seien. In Bezug auf die Türkei unterrichtete der Theologe die Parlamentarier über die tiefe Betroffenheit der türkischen evangelischen Gemeinden auf die Freilassung der fünf mutmaßlichen Mörder an drei Christen der Gemeinde in Malatya im April 2007.

Als Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit forderte Schirrmacher, dass jeder Staat aufgefordert sei, die Religionsfreiheit seiner Bürger zu ermöglichen und zu garantieren.

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Einsatz für Religionsfreiheit in Usbekistan

Arbeitsgespräch mit Minister Yusupov und Sheikh Mansur

(Bonn, 26.05.2014) Die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Christine Schirrmacher und der Religionssoziologe Prof. Dr. Thomas Schirrmacher haben sich bei der usbekischen Regierung für Religionsfreiheit eingesetzt. Sie führten dazu ein über einstündiges Gespräch mit dem usbekischen Religionsminister und Vorsitzenden der Kommission für religiöse Fragen (offizieller Titel: “Chair of The Committee on Religious Affairs under the Cabinet of Ministers of the Republic of Uzbekistan”), Artukbek Adilovich Yusupov, im Khan-Imam-Komplex, dem Zentrum des usbekischen Islam. Zuvor hatten die beiden Wissenschaftler religiöse Stätten im ganzen Land besucht und sich mit Menschenrechtlern getroffen.

An der Besprechung nahmen neben weiteren Mitarbeitern des Ministeriums und der Religionskommission in Vertretung des in Mekka weilenden Großmuftis sein Stellvertreter Sheikh Abdulaziz Mansur teil. Er ist auch Rektor des Tashkent Islamic Institute (Toshkent Islom Instituti), in dem die usbekischen Imame ausgebildet werden, und stellvertretender Vorsitzender der geistlichen Verwaltung der Muslime in Usbekistan. Ihm unterstehen 10 islamische Ausbildungsstätten und 2.035 Moscheen in Usbekistan.

Der höchste Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche in Usbekistan repräsentierte die Christen Usbekistans im Gespräch. Außerdem wurden Thomas und Christine Schirrmachers von Prof. Dr. Marat Zakhidov, dem Präsidenten der usbekischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (International Society for Human Rights) begleitet.

Die beiden Wissenschaftler begrüßten, dass die islamischen Gelehrten seit langem aktiv in ihren Moscheen und in der Ausbildung gegen den Islamismus und den Gedanken eines islamischen Staates lehrten. Die begrüßten ebenfalls, dass die usbekische Regierung den radikalen Einflüssen einiger Nachbarländer wehrt und sicher stellt, dass das alte Koranmanuskript im Hause kein Mekka für Islamisten werde. Sie erinnerten die Regierung aber auch daran, dass Religionsfreiheit nicht nur für die russisch-orthodoxe Kirche gelten dürfe, sondern auch für alle anderen Konfessionen, für kleine christliche Kirchen und für alle anderen religiösen Minderheiten gelten müsse. Sie verwiesen auf neuere Studien, dass Religionsfreiheit eine friedlichere Gesellschaft hervorbringe, während deren Unterdrückung meist Gewalt auslöse und oft gewaltbereite oder gar terroristische Bewegungen hervorbringe.

Die Deutsche Botschaft unterstützte das Gespräch durch Entsendung einer Dolmetscherin, die vom Deutschen ins Usbekische und ins Russische und zurück übersetzte. Außerdem fotografierte die deutsche Fotografin Katja Kreder eine Bildstrecke während der Gespräche.

Das Komitee für religiöse Fragen ist offiziell im Auftrag des Präsidenten für Religionsfreiheit im Land zuständig. Tatsächlich beinhaltet das aber auch die Kontrolle und Beschränkungen der Religionsgemeinschaften, was für vom staatlichen Islam abweichenden islamischen Gruppen ebenso gilt wie für kleinere christliche Kirchen. Das Land ist stolz, den radikalen Islam, vor allem die islamistische Bewegung IMU, aus der offiziellen Theologie verbannt zu haben.

Sheik Mansur führte Christine Schirrmacher später durch das nicht öffentliche Archiv des Khan-Imam-Komplexes, das Tausende unveröffentlichter alter Handschriften enthält.

Sitz des Religionsministeriums in Tashkent

Sitz des Religionsministeriums in Tashkent

Die beiden Wissenschaftler begutachteten auch das im selben Gebäudekomplex befindliche vermutlich älteste Koranmanuskript, das etwa ein Drittel des Korantextes enthält. Die Koranausgabe wurde ursprünglich in Samarkand aufbewahrt und kam dann über mancherlei Irrwege durch Beschlagnahmung zu Zeiten der Sowjetunion 1941 nach Taschkent und wurde nach Erlangung der Unabhängigkeit von der Regierung an den Großmufti von Usbekistan übergeben. Traditionell wird zwar angegeben, das Koranexemplar stamme von Kalif Uthman aus der Mitte des 7. Jahrhunderts, aber die Kalligraphie und eine Radiokarbondatierung sprechen eher für das 8. Jahrhundert, wie auch etliche muslimische Forscher angeben (z. B. www.islamic-awareness.org/Quran/Text/Mss/samarqand.html). Damit wäre es zwar immer noch eines der zwei bis drei ältesten Koranmanuskripte, könne aber nicht direkt aus der Zeit Laif Uthmans stammen.

von links: Sheik Mansur, Thomas Schirrmacher, Marad Zakhidov

von links: Sheik Mansur, Thomas Schirrmacher, Marad Zakhidov

Fotos © Katja Kreder

Links:

  • Zur Datierung des Koranexemplars: E. A. Rezvan, “On The Dating Of An »’Uthmanic Qur’an« From St. Petersburg”, Manuscripta Orientalia, 2000, Volume 6, No. 3, pp. 19-22
  • Download des Koranexemplars

Untergräbt der evangelikale Glaube die Religionsfreiheit?

März 11, 2014 by · 1 Kommentar 

Ein Kopfstand in Sachsen

Warum der Satz über die Evangelikalen „Ein christlich-fundamentalistischer Glaube unterscheidet nicht zwischen religiöser Gewissheit und staatsbürgerlichen Freiheiten“ völliger Unsinn ist.

Die Autorin des Textes ‚Evangelikale in Sachsen‘ (Jennifer Stange. Evangelikale in Sachsen. Dresden: Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen, 2014) macht viel Aufhebens darum, dass Evangelikale keinen rein privaten Glauben befürworten, sondern ihr Glaube an die Öffentlichkeit will und dass sie die Welt verändern und die Politik beeinflussen wollen (S. 7). Ja mei, leben wir in einer Demokratie oder nicht? Und die Heinrich-Böll-Stiftung beschränkt dichterisches Schaffen rein aufs Private und will nicht die Politik beeinflussen? Und muss man neuerdings für das, was jede Weltanschauung in unserem Land in den demokratischen Diskurs einbringt, vorher irgendwo um Erlaubnis bitten, ob man für das Konzert der Meinungen überhaupt zugelassen ist? Vielleicht bei der Heinrich-Böll-Stiftung?

Die Untersuchung der Autorin greift wahllos Statements von Privatpersonen und Webseiten auf. Sie studiert nicht die offiziellen Quellen und Statements (z. B. das Grundsatzpapier der Deutschen Evangelischen Allianz ‚Suchet der Stadt Bestes‘), sondern erhebt die zitierten Beispiele zum Standard. Dabei werden auch schnell ungenannte Kirchengemeinden und die „konfessionell gebundenen“ Christen (S. 27) und andere mit hineingerührt. Angesichts der enormen Spannbreite, die die evangelikale Bewegung umfasst, lässt sich da schnell etwas finden. Es wird aber nicht belegt, dass die jeweiligen Aussagen und Positionen Aussagen der Evangelikalen an sich oder der offiziellen Standesvertretungen der Evangelikalen wären. Das wäre so, als würde man die SPD im Lichte der Äußerungen jedes SPD-Mitglieds darstellen, von dem sich Äußerungen finden lassen.

Aber ich will mich hier eigentlich nur auf einen Absatz in meinem Kommentar beschränken, der grundfalsch ist und die Sicht der Evangelikalen mutwillig in ihr Gegenteil verkehrt:

„Dieser Anspruch deutet ein grundlegendes Problem an, das zur zentralen These dieses Beitrags führt: Ein christlich-fundamentalistischer Glaube unterscheidet nicht zwischen religiöser Gewissheit und staatsbürgerlichen Freiheiten. Bibeltreue Christen vertreten und verbreiten eine kompromisslose Glaubensauffassung, die sich zum Teil massiv von einem aufgeklärten Glauben, wie zum Beispiel dem liberalen Protestantismus, unterscheidet. Denn wer die Unfehlbarkeit der Bibel propagiert, steht einerseits im latenten Konflikt mit anderen Religionen, anderseits untergräbt ein Glaube, der aufgrund religiöser Absolutheitsansprüche gesellschaftliche Geltungsmacht beansprucht, die Religionsfreiheit als Freiheit von der Religion.“ (S. 7, Hervorhebung hinzugefügt)

Nun brauchte man sich hier als Evangelikaler nicht angesprochen fühlen, ist doch nur von ‚fundamentalistisch‘ die Rede. Aber die Autorin mixt die Begriffe ‚evangelikal‘ und ‚fundamentalistisch‘ fortlaufend und zielt mit diesem Absatz offensichtlich auf die, die Gegenstand ihrer Untersuchung sind, die Evangelikalen.

Mehreres steht hier Kopf.

  1. Die Evangelikalen waren mit die ersten, die für Religionsfreiheit und dabei für eine Trennung von Kirche und Staat eintraten und sind heute noch weltweit im Einsatz für Religionsfreiheit führend (so etwa Allen D. Hertzke. Freeing God’s Children: The Unlikely Alliance for Global Human Rights. Oxford: Rowman & Littlefield, 2004). Bei der Gründung der Weltweiten Evangelischen Allianz 1846, als auch in Sachsen die Kirchen noch den seligen Schlaf der Staatskirchen schliefen, gehörte die Religionsfreiheit zum Gründungsprogramm und wurde in großen Kampagnen europaweit und oft erfolgreich eingeklagt, etwa zugunsten von einigen Schwedinnen, die zum Katholizismus konvertierten. Die Allianz brachte das Anliegen aggressiv beim türkischen Sultan Abdülmecid I., beim deutschen und beim österreichischen Kaiser, bei Reichskanzler Bismarck und einvernehmlich beim amerikanischen Präsidenten vor. Dies hat Gerhard Lindemann in seiner monumentalen Habilitationsschrift „Die Geschichte der Evangelischen Allianz im Zeitalter des Liberalismus [1846–1879]“ (Münster: Lit Verlag, 2011) nachgewiesen. Dasselbe gilt auch für die Evangelische Allianz in Deutschland (z. B. Karl Heinz Voigt, Thomas Schirrmacher. Menschenrechte für Minderheiten in Deutschland und Europa: Vom Einsatz für die Religionsfreiheit durch die Evangelische Allianz im 19. Jahrhundert. VKW: Bonn, 2003). 1861 stellte ein französischer Pastor für die Allianz die These auf, dass Religionsfreiheit die staatliche Ordnung stabilisiere und Frieden garantiere, eine damals bei den großen Kirchen höchst umstrittene Sicht, die heute die soziologische Forschung wiederholt bestätigt hat. Lindemann schreibt: „Mit ihrem Engagement für die Religionsfreiheit leistete die Allianz, deren angloamerikanischer Flügel sich nicht mit bloßer Toleranz zufriedengab, sondern das öffentliche Bekennen des Glaubens als ein Grundrecht ansah, auch der Durchsetzung der bürgerlichen Freiheiten in den betreffenden Ländern einen bemerkenswerten Dienst und trug zur Entstehung einer europäischen Zivilgesellschaft nicht unwesentlich bei.“ (S. 943).
  2. Deswegen ist die Trennung persönlicher religiöser Gewissheit von der Aufgabe von Staat und Justiz integraler Bestandteil der Überzeugung der Evangelikalen, was dann oft dazu führt, dass sie sich – leider – gerade nicht politisch und gesellschaftlich engagieren!
  3. Die Bibel lehrt die Evangelikalen gerade, dass Mission nie Sache des Staates sein darf und der Staat keiner Kirche oder Religion hörig sein darf. Aus ‚Fundamentalismus‘ (so jedenfalls die Sprachregelung der Autorin) sind die Evangelikalen für einen völlig freien Glauben ohne jeden Zwang in religiösen Fragen. Die Formel, dass aus dem Absolutheitsanspruch Jesu die Konsequenz gezogen werden müsste, die Religionsfreiheit in Frage zu stellen, ergibt sich im Kopf der Autorin, nicht im Kopf der Evangelikalen. Denn es ist für Evangelikale gerade dieser Jesus, der den Glauben nicht erzwingen will und seinen Anhängern kein Mandat zu Zwang oder Rache gibt, sondern Respekt und Liebe fordert. Die Religionsfreiheit ist bei den Evangelikalen ebenso im Grundsätzlichsten ihres Glaubens verankert, wie es etwa seit 1965 auch bei der Katholischen Kirche der Fall ist. Im ganzen Heft bringt die Autorin keinen einzigen Beleg, wo Evangelikale fordern, die Religionsfreiheit zu beschränken oder dies gar aktiv tun. Es ist ein reines Hirngespinst: Es muss einfach so sein. Dass man aus der Bibel ‚fundamentalistisch‘ auch Gutes ableiten könnte, kommt ihr gar nicht in den Sinn. Es ist aber nie empfehlenswert, als Außenstehender ohne Studium der Quellen Schlüsse zu ziehen, was andere eigentlich schlussfolgern müssten. Außerdem sollte in einer Demokratie gelten, dass jeder zunächst einmal für sich selbst sprechen kann und erst dann kritisiert wird. Evangelikale leiten seit Jahrhunderten ‚fundamentalistisch‘ aus der Bibel ab, dass ‚Rassismus‘ falsch ist (deswegen ihr Ursprung in der Anti-Sklaverei-Bewegung) und dass es in Fragen der Religion um den Glauben des Herzens geht, den niemand mit irgendeiner Art des Zwangs bedrohen oder erzwingen darf.
  4. Dass Religionsfreiheit „Freiheit von der Religion“ sei, verrät zwar viel über die Autorin, steht aber im Widerspruch zu dem, was in unserer Demokratie Sache und rechtens ist. Hier ist Religionsfreiheit die Freiheit jeder Religion und Weltanschauung, ihre Überzeugung allein und in Gemeinschaft praktizieren und öffentlich propagieren zu dürfen. Die negative Religionsfreiheit beinhaltet, dass man nicht zur Teilnahme an der Ausübung anderer Religionen und Weltanschauungen gezwungen werden darf. Atheisten haben also nicht nur eine „Freiheit von der Religion“, sondern auch „Freiheit von“ anderen atheistischen und humanistischen Weltanschauungen!
  5. Zu guter Letzt: Die Studie zitiert einen evangelikalen Privatmann, der – meines Erachtens zu Unrecht – die Unterscheidung von Islam und Islamismus ablehnt (wie ihn etwa gerade das Institut für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz propagiert!, siehe das Buch ‚Islamismus‘. Holzgerlingen: SCM Hänssler, 2012). Dieser Privatmann kritisiert laut Autorin „[s]elbst Volker Kauder, den rechtskonservativen evangelikalen Bundestagsabgeordneten der CDU“, „[w]eil Kauder Muslimen die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit zusicherte“ (S. 25). Nun ist die politische Zuschreibung des Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder sicher eigenwillig, dann könnte man auch die Bundeskanzlerin gleich so einordnen, und nichts spricht dafür, dass Kauder sich selbst als Evangelikalen sieht. Aber nun nennt die Autorin ihn nun einmal so. Doch wie kommt sie darauf? Weil er sich massiv gegen Christenverfolgung und für Religionsfreiheit, auch der Muslime in Deutschland, einsetzt und dabei von niemand massiver als von den Evangelikalen unterstützt wird! Das müsste ja eigentlich ein Widerspruch in sich sein. De facto aber offenbart die Autorin damit, dass man Evangelikale an ihrem Einsatz für Religionsfreiheit erkennt! Als Kauder auf der größten evangelikalen Konferenz zum Thema, die zweijährlich in Schwäbisch-Gmünd stattfindet, ausführlich für die Religionsfreiheit für alle in Deutschland ebenso wie weltweit plädierte, erhielt er tosenden Beifall der Anwesenden.

Fakt ist: Die Weltweite Evangelische Allianz setzt sich im globalen Maßstab ebenso wie die nationalen Allianzen auch für die Religionsfreiheit der Muslime ein. Man schaue etwa einmal auf der Webseite von deren Internationalem Institut für Religionsfreiheit unter dem Reiter „Religionen“ die Meldungen zu Muslimen als Opfer an. Das ist auch der Grund, warum die Schweizerische Evangelische Allianz seinerzeit gegen die Schweizer Minarettinitiative Stellung bezogen hat!

Religionsfreiheit fördert Frieden

IGFM lädt Schirrmacher in die Universität Freiburg ein

Prof. Schirrmacher während der Vorlesung (© IGFM)

Prof. Schirrmacher während der Vorlesung (© IGFM)

(Bonner Querschnitte 279) „Religionsfreiheit ist nicht nur ein unverzichtbares Menschenrecht, sondern auch für das Fortbestehen einer friedlichen Gesellschaft unerlässlich.“ Diese These begründete der Religionssoziologe Prof. Dr. Thomas Schirrmacher in einer Gastvorlesung zum Thema „Die Verfolgung christlicher und anderer religiöser Minderheiten weltweit – Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme“ im Hauptgebäude der Universität Freiburg. Mit der Veranstaltung stellte sich die neugegründete Freiburger Arbeitsgruppe der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) erstmals der Öffentlichkeit vor. Schirrmacher ist auch Vorstandsmitglied der IGFM.

Religionsfreiheit sei erwiesenermaßen in der Hälfte der Länder der Welt noch immer nur ein Wunschtraum, in ihnen wohnten zwei Drittel der Menschheit, so Schirrmacher. Vielerorts würden Angehörige von religiösen Minderheiten benachteiligt, diskriminiert, unterdrückt, verfolgt, inhaftiert, gefoltert oder sogar hingerichtet. Anhand der Zahlen internationaler Rankings zur Religionsfreiheit zeigte der Referent auf, dass sich die Lage der Religionsfreiheit in den letzten 5 Jahren verschlechtert habe.

Zur Frage, ob das Christentum wirklich, wie oft gesagt, die am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft sei, führte Schirrmacher aus, dass es darauf ankäme, welche Form der Verletzung von Religionsfreiheit man messe. Wenn man einfach nur Frage, wer am wenigstens Religionsfreiheit hätte, seien von den großen Religionen Muslime am stärksten betroffen, da die meisten Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit keine oder kaum Religionsfreiheit zugeständen. Nur würden ein Großteil der Muslime nichts davon etwas merken, solange sie die angestammte vorgegebene Form des Islam praktizierten. Das Christentum dagegen habe einen sehr hohen Anteil an Anhängern, die Religionsfreiheit erlebten, vor allem da Länder mit christlicher Bevölkerungsmehrheit zu einem großen Teil Demokratien seien und Religionsfreiheit gewährten.

Blick aus dem Plenum (© IGFM)

Blick aus dem Plenum (© IGFM)

Gefängnisstrafen kämen schon anteilig häufiger bei Christen vor, aber prozentual seien hier etwa die Bahai oder die Zeugen Jehova noch viel stärker betroffen. Je schwerer die Verletzung von Religionsfreiheit sei, desto mehr komme aber das Christentum in den Blick. So würden etwa prozentual mehr Kirchen zerstört, als Gotteshäuser anderer Religionen. Und auch das Töten von vielen Christen gleichzeitig, etwa durch Bombenanschläge während eines Gottesdienstes und bei anderen Gelegenheit, bei denen Dutzende oder bisweilen sogar Hunderte oder Tausende Menschen wegen ihres Christseins getötet würden, habe Ausmaße angenommen, für die es kaum Vergleiche bei anderen Religionen gäbe.

Internationales Institut für Religionsfreiheit begrüßt mehrfache Erwähnung der Religionsfreiheit im Koalitionsvertrag: „Unsere Erwartungen sind sehr hoch“

Dezember 27, 2013 by · 2 Kommentare 

(Bonner Querschnitte 284, 16.12.2013) Der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit mit Sitz in Bonn, Kapstadt und Colombo, hat nach der Annahme des Koalitionsvortrages durch die SPD-Mitglieder begrüßt, dass dieser dreimal die Religionsfreiheit als zentrales Ziel der neuen Regierung benennt. Dies werde ausdrücklich für die EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei, für die Länder der Arabellion und grundsätzlich für Außen- und Menschenrechtspolitik festgestellt. Erfreulich sei, dass man ausdrücklich auch verfolgte Christen erwähne, weil angesichts der Freiheiten, die die Mehrheitsreligion in unserem Land habe, oft übersehen werde, dass das Christentum in vielen Ländern zur unerwünschten Religion geworden sei.

Schirrmacher im Gespräch mit dem muslimischen Präsidenten von Albanien über die Lage der Christen im Land (© Republik Albanien)

Schirrmacher im Gespräch mit dem muslimischen Präsidenten von Albanien über die Lage der Christen im Land (© Republik Albanien)

Schirrmacher fügte wörtlich hinzu: „Die Große Koalition des ersten Kabinett Merkel hat erstmals das Thema Religionsfreiheit einschließlich auch eines offensiven Einsatzes für verfolgte christliche Minderheiten zu einem zentralen Thema der Außenpolitik, aber auch der Arbeit im Menschenrechtsausschuss des Bundestages gemacht. Dies setzte sich erfreulicher Weise in der schwarz-gelben Koalition des zweiten Kabinett Merkel fort, auch wenn der kleine Koalitionspartner recht wenig mit religiösen Fragestellungen anfangen konnte. Das dritte Kabinett Merkel mit dem Außenminister des ersten Kabinetts Merkel hat nun die Möglichkeit, auf das bisher Erreichte aufzubauen und noch entschiedener die Religionsfreiheit in alle Menschenrechtsdialoge gleichwertig mit anderen Menschenrechten einzubinden. Unsere Erwartungen sind deswegen sehr hoch, dass Religionsfreiheit im In- und Ausland gefördert wird und auch die Bereitschaft bestehen bleibt, dabei die Diskriminierung und Verfolgung von christlichen Minderheiten namentlich anzusprechen.“

Schirrmacher meinte weiter, dass es begrüßenswert sei, dass das Recht auf Religionswechsel ausdrücklich erwähnt werde. Dies führe hoffentlich dazu, dass religiöse Konvertiten unter den Asylbewerbern besonders geschützt werden und die Außenpolitik in bilateralen Gesprächen besonders darauf hinweisen wird, dass das Recht auf Religionswechsel ein integraler Bestandteil des internationalen Menschenrechtskataloges ist und keine bürgerlichen oder strafrechtlichen Folgen haben darf.

Die drei Erwähnungen der Koalitionsfreiheit im Koalitionsvertrag:

Grundsätzlich zu Religionsfreiheit und Christenverfolgung: „Wir treten für die Religionsfreiheit als elementares Menschenrecht ein. Dies gilt auch für das Recht, keiner Religionsgemeinschaft anzugehören und die Religion zu wechseln. Die Solidarität mit benachteiligten und unterdrückten religiösen Minderheiten ist uns ein besonderes Anliegen. In vielen Ländern der Welt werden besonders Christen wegen ihres Glaubens bedrängt, verfolgt und vertrieben. Religiöse Konflikte vermischen sich oftmals mit sozialen und wirtschaftlichen Spannungen.“ (S. 179)

Zur Türkei heißt es: „Die unbedingte Achtung der Werte, auf denen auch die EU fußt, wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit sowie Religions- und Meinungsfreiheit, und deren innerstaatliche Durchsetzung sind Voraussetzung für weitere Fortschritte.“ (S. 165)

Zur arabischen Welt heißt es: „Der Umgang mit der jeweiligen Opposition, die Gewährung elementarer Grund- und Freiheitsrechte einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit sowie die Existenz einer freien Presse- und Medienlandschaft sind für uns ausschlaggebende Kriterien für die Unterstützung dieser Staaten. Religiöse Minderheiten müssen ihren Glauben frei ausüben können und vor Gewalt geschützt werden.“ (S. 172)

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Für Verfolger beten – Verfolger bekehren sich

August 11, 2013 by · 2 Kommentare 

Aus meinem Buch „Christenverfolgung geht uns alle an“, das es lange nur als Din A4-Heft gab, seit 2011 aber auch als Buch, siehe hier.

Für Verfolger beten

These: Das Neue Testament fordert in alttestamentlicher Tradition (z. B. Hiob 31,29; 42,8-9) immer wieder dazu auf, für die Verfolger zu beten und um Gnade für sie zu bitten.

Jesus selbst forderte seine Jünger auf: „Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Mt 5,44; lies V. 45–48); „Liebet eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet, die euch fluchen, betet für die, die euch beleidigen“ (Lk 6,27–28). Paulus formulierte dasselbe Gebot ähnlich: „Segnet, die euch verfolgen“ (Röm 12,14; vgl. V. 19–20) und berichtet, wie er es selbst befolgte: „geschmäht segnen wir, verfolgt dulden wir, gelästert reden wir Gutes“ (1Kor 4,12).

Zu den eindrucksvollsten Zeugnisse eines Martyriums gehört die Bitte der Sterbenden an Gott, den Peinigern gegenüber Gnade walten zu lassen. Jesus selbst betete „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34) und der erste christliche Märtyrer Stephanus rief im Sterben: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu“ (Apg 7,60). Die Bitte beider wurde unter anderem dadurch erhört, dass Verfolger unmittelbar oder kurz darauf zum Glauben an Christus fanden (der Hauptmann in Lk 23,47; Paulus in Apg 9,1–18).

Es liegen viele Zeugnisse aus der Frühen Kirche und der gesamten Kirchengeschichte vor,[1] dass Märtyrer im Sterben verkündigt und für ihre Verfolger gebetet haben,[2] so etwa von Polykarp.[3]

Dies gilt auch für die Gegenwart. Nach einem Bericht des indonesischen Evangelisten Petrus Oktavianus[4] ging 1913 ein Missionar in das Toradjagebiet in Südcelebes. 5 Männer des Stammes wollten ihn töten, aber erlaubten ihm vorher noch ein Gebet zu sprechen. Er betete laut für die Errettung seiner Mörder. Drei der Mörder wurden später nach Java verbannt, bekehrten sich im Gefängnis zu Christus und kehrten später nach Toradja zurück. Die von ihnen begonnene Kirche war 1971 die viertgrößte Kirche Indonesiens mit über 200.000 Christen.

Berühmt ist auch das Beispiel der fünf Missionare, die von den Auca-Indianern erschossen wurden. Einige der Mörder wurden später zu Säulen der entstehenden Kirche unter den Aucas.[5]

Verfolger bekehren sich

These: Immer wieder haben sich Menschen, die Christen verfolgt haben, zu Christus bekehrt.

Zwei Beispiele dafür haben wir bereits kennengelernt. Das berühmteste Beispiel ist natürlich die Bekehrung des Paulus. Paulus sagt selbst immer wieder, dass er früher „Verfolger“ (1Kor 15,9; Gal 1,13+23; Phil 3,6; 1Tim 1,13; vgl. Apg 9,4–5; 22,4+7–8; 26,11+14+15), ja ein „Lästerer, Verfolger und Gewalttäter“ (1Tim 1,13) war. Paulus schreibt über die Reaktion der Christen, die von seiner Bekehrung hörten: „Sie hatten nur gehört: Der uns früher verfolgte, der predigt jetzt den Glauben, den er früher zu zerstören suchte, und priesen Gott über mir“ (Gal 1,23–24).

Wenn Christen für Verfolgungssituationen beten, beten sie deswegen nicht nur für die betroffenen Christen, sondern immer auch für die Verfolger selbst. Die Verfolger werden durch das Zeugnis der Verfolgten und durch die Gebete zur Umkehr gebracht oder aber weiter verstockt, sie bleiben jedenfalls davon nicht unberührt.


[1] Siehe z. B. Eusebius von Caesarea. Kirchengeschichte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt, 1984 [Lizenz von Kösel: München, 19812]. S. 245 [5. Buch, Kap. 4, V.5].

[2] Z. B. Eusebius, Kirchengeschichte, 5, 2, 5–7 (Brief der Gemeinden von Vienne und Lyon), abgedruckt in Eusebius von Caesarea. Kirchengeschichte. a. a. O. S. 246.

[3] Das Gebet findet sich im Martyrium des Polykarp 14,1–3 + 15,1 = S. 12-15 in: Herbert Musurillo (Hg.). The Acts of Christian Martyrs. Clarendon Press: Oxford, 1972, ‘Martyrium des Polykarp’ S. 2-21, auch abgedruckt in Eusebius von Caesarea. Kirchengeschichte. a. a. O. S. S. 212 [4. Buch, Kap. 15, V.33-35]. Vgl. zum Martyrium von Polykarp Hans-Werner Surkau. Martyrien in jüdischer und frühchristlicher Zeit. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, 1938. S. 126–134 und die Quellentexte: Eusebius von Caesarea. Kirchengeschichte. a. a. O. S. 206–215 (4. Buch, Kap. 14–15); vgl. auch die echten Briefe Polykarp, in denen er auch seine Sicht des Martyriums darstellt: „Die beiden Polykarp-Briefe“. S. 227-265 in: Joseph A. Fischer (Hg.). Die Apostolischen Väter. Kösel: München, 19818.

[4] Petrus Oktavianus. „Die Narde ausschütten“. S. 120–128 in: Otto Riecker (Hg.). Ruf aus Indonesien, Hänssler: Neuhausen, 19733 [19711]. S. 126.

[5] Vgl. den Bericht der Ehefrau des Leiters der Gruppe Elisabeth Elliot. Die Mörder – meine Freunde. CLV: Bielefeld, 1999.

Frucht und Martyrium 2: Keine automatische Frucht

August 8, 2013 by · 1 Kommentar 

Aus meinem Buch „Christenverfolgung geht uns alle an“, das es lange nur als Din A4-Heft gab, seit 2011 aber auch als Buch, siehe hier.

These: Verfolgung führt jedoch nicht automatisch zu Gemeindewachstum oder zur Reinigung und Festigung des Glaubens.

Dies machen für Deutschland sowohl die Zeit des Nationalsozialismus als auch des Kommunismus in der DDR deutlich. Die Leidenserfahrung dieser Zeiten haben weder zu einer gründlichen Beschäftigung mit dem Thema Christenverfolgung noch zu einer Erweckung oder zu Gemeindewachstum geführt. Doch selbst, wenn des Martyrium große Frucht bringt, handelt es sich um keinen Automatismus, sondern um eine Gnade Gottes.

Nach Jesu Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld (Mt 13,3–8+2022) sind Verfolgung und Druck für den Glauben ebenso gefährlich wie Reichtum und Habsucht.

Welches ist eine größere Bedrohung des Glaubens: Verfolgung oder Reichtum? Christen im Westen neigen dazu, Christenverfolgung zu glorifizieren, Christen in Ländern mit Christenverfolgung neigen dazu, Freiheit und Wohlstand zu glorifizieren. In seinem berühmten Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld nennt Jesus neben denen, die das Wort Gottes gerne aufnehmen und umsetzen, und denen, die es rundheraus ablehnen, zwei weitere Gruppen von Menschen, die prinzipiell für das Wort Gottes aufgeschlossen sind, aber bei denen der Glaube dann doch unter die Räder kommt: „Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg; da kamen die Vögel und fraßen’s auf. Einiges fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging bald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. Einiges fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen empor und erstickten’s. Einiges fiel auf gutes Land und trug Frucht, einiges hundertfach, einiges sechzigfach, einiges dreißigfach“ (Mt 13,3–8). „Bei dem aber auf felsigen Boden gesät ist, das ist, der das Wort hört und es gleich mit Freuden aufnimmt; aber er hat keine Wurzel in sich, sondern er ist wetterwendisch; wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung erhebt um des Wortes willen, so fällt er gleich ab. Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört, und die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht“ (Mt 13,20–22).

Der Glaube der einen nimmt durch Druck und Verfolgung Schaden, der Glauben der anderen durch die Sorgen der Welt und den betrügerischen Reichtum, also den Wohlstand. Das betrifft uns, als wären diese Worte nicht vor fast 2000 Jahren, sondern im Jahr 1999 zur aktuellen Lage gesprochen worden! Jesus glorifiziert weder die Verfolgung mit ihren Sorgen noch den Wohlstand und die damit einhergehenden Sorgen. Beide sind schwerwiegende Prüfungen unseres Glaubens. In der einen wie der anderen Situation gilt es, das Wort Gottes zu bewähren und Frucht hervorzubringen.

So sollten wir nicht ‚neidisch‘ auf die anderen schielen, sondern von ihnen lernen. Wir Christen in freien Ländern müssen von Menschen, die Verfolgung erleben, lernen, dass Christsein keine Schönwetterreligion ist, sondern auch die schlimmsten Konsequenzen überstehen will und kann. Außerdem dürfen wir unseren Wohlstand und unsere Zeit in den Dienst unserer leidenden Glaubensgeschwister stellen. Umgekehrt können Christen unter Druck von uns lernen, dass Frieden und Wohlstand allein nicht glücklich machen und das Ausleben der biblischen Botschaft niemanden in den Schoß fällt. Nicht die Umstände machen unserer Glauben, sondern der treue Gott, der uns durch seinen Heiligen Geist erfüllt und die Kraft gibt, ihm zu dienen und Jesus Christus ähnlicher zu werden.

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Thomas Schirrmacher