Den folgenden Brief seines Lehrers an seinen Vater Carl Friedrich Schirrmacher (1790–1855) hat Friedrich-Wilhelm Schirrmacher (1824–1904) aufgehoben (zu beiden siehe zuletzt meine Blogs Das Glaubensbekenntnis meines Ururgroßvaters und Leopold von Ranke über meinen Großvater Friedrich Wilhelm Schirrmacher von Oktober 2010). Er beweist einmal mehr, das schlechte Schulleistungen kein Indikator dafür sind, dass man später nicht zu Leistungen in der Wissenschaft fähig ist. Mein Urgroßvater schrieb auf den Umschlag:

Dieses energische Eingreifen meines heiß geliebten Lehrers in meine von den Zielen vorgeschriebener Pflichten ablenkenden Liebhabereien hat das Verdienst einen Wendepunkt in meinem Leben zu bezeichnen.

Fr. Schirrmacher

Rostock, nach Marquardt’s Tode. 30.Nov. 1882

Herrn Oberlehrer Schirrmacher Westgarben (?)

Euer Wohlgeboren,

werden aus der beifolgenden Censur sehen, daß es nach den Ferien mit Ihrem Sohn schlecht gegangen ist. Schon seine schriftlichen Ferienarbeiten waren unvollständig, ohne daß er dafür eine Entschuldigung brachte, gelernt aber hatte er gar nichts. Auch nach den Ferien hat er sich keineswegs angestrengt, und ich habe gestern, als ich wegen einer fehlenden Präperation, die er übrigens zu haben vorgab, als ich ihn aber nach Hause schickte, nicht bringen konnte, ihn nach der Stunde noch besonders zu Rede steckte, erfahren, daß er sich mit allerlei zeitraubenden u weniger nützlichen Dingen beschäftigt, die ihm zu seinen Schularbeiten die Zeit rauben. Er macht nämlich als Geschenk für Sie einen Atlas, was ich insofern lobe, als er später eine Freude dadurch zu machen denkt, was ihn jedoch so sehr in Anspruch nehmen muß, daß ich kein Bedenken trage, Ihnen diese Überraschung früher zu entdecken, damit Sie selbst dabei helfen mögen. Dann wie sehr Ihr Sohn im Lateinischen zurück ist, können Sie aus dem beifolgenden vorgestern geschriebenen Monatsextemporale sehen, welches das schlechteste in der ganzen Claße, und so schlecht ist, daß mit Ausnahme einiger ganz schlechter Schüler noch über 12 Fehler, von den besten nur 1, 2, 3 Fehler gemacht worden, während Ihr Sohn es bis auf 32 gebracht hat. Ich glaube nach unserer Verabredung Ihnen diese Mitteilung nun genauso schuldig zu sein, als nur durch baldige Anstrengung Ihres Sohnes hierbei geholfen werden kann, u bleibe hochachtungsvoll Ihr ergebender Marquart

Danzig, 1.Sept. 1838

 

Ein Kommentar

  1. wolfgang barnbeck 25. August 2015 at 09:53

    …ach das gehört zur familientradition…jetzt wird mir vieles klarer………

     

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