Zusammengestellt von der Webseite des Martin Bucer Seminars
(u. a. http://www.bucer.de/das-seminar/ueber-das-martin-bucer-seminar/theologische-ausrichtung.html und http://www.bucer.de/fileadmin/dateien/Dokumente/Allgemein/MBS_Theologische_Ausrichtung.pdf)

Gemeinsam mit den Reformatoren, den reformatorischen Bekenntnissen und reformatorischen Kirchen und Bewegungen, wie sie auch am Beginn vieler europäischer Freikirchen wie den Baptisten oder Freien Evangelischen Gemeinden stehen, glauben wir an die Allmacht und Souveränität Gottes in allen Fragen der Schöpfung, der Heilsgeschichte und des Heils. Wir glauben auch, dass es der Heilige Geist ist, der Menschen die Erkenntnis Gottes und seiner Offenbarung schenkt, so dass es ohne Pfingsten keine Gemeinde geben würde. Diese Sicht wird oft mit dem Begriff „Prädestination“ verbunden.

Immer wieder werden wir deswegen von Christen, die mit dem Begriff Prädestination eher Fehlentwicklungen verbinden, gefragt, wie das Martin Bucer Seminar zur Prädestinationslehre steht. Hier ist unsere Reaktion darauf.

  • Bei uns unterrichten Dozenten aus ganz unterschiedlichen Kirchen, landes- wie freikirchlichen. Darunter sind in der Prädestinationsfrage eher reformiert Denkende ebenso wie Christen anderer Prägung.
  • Unsere Studenten unterzeichnen kein Glaubensbekenntnis. Bei den Aufnahmegesprächen weisen wir drauf hin, dass nur eines ein Studium bei uns sehr schwierig macht, nämlich wenn ein Student konstant bestimmte Dinge, die gelehrt werden, oder bestimmte Gemeinderichtungen, zu denen Dozenten und Studenten gehören, als Irrlehre bezeichnet und dagegen protestiert. Das macht die Zusammenarbeit fast unmöglich. Das gilt aber nicht für eine gründliche Diskussion der damit verbundenen Fragen mit der Bibel in der Hand.
  • Unser Seminar lebt von einem sehr offenen Gespräch der Studenten und der Dozenten untereinander und miteinander gerade über solche Fragen, die innerhalb der evangelikalen Bewegung unterschiedlich beantwortet werden. Keiner muss Angst haben, bei uns ‚überfahren‘ zu werden.
  • Bei uns geht die Auslegung der Schrift, also Exegese und Hermeneutik, der dogmatischen Lehre voraus. Das wird unten näher ausgeführt.
  • Sie können sich gerne bei Gemeinden erkundigen, in denen unsere Absolventen arbeiten, dass diese keine Streitthemen oder Spaltung verbreiten. Unser Interesse ist wirklich nicht, Spaltgeister auszubilden, sondern Christen, die gelernt haben, mit der Bibel in der Hand und im Vertrauen auf den Heiligen Geist die Einheit mit anderen Christen zu suchen.
  • Übrigens zeigt auch unsere Konzentration auf Weltmission und die großen Fragen der Weltchristenheit – etwa ökumenischer Ethikkodex für Mission, Christenverfolgung oder die Herausforderung des Islam –, dass wir zwar überzeugt sind, dass nur der Heilige Geist seine Gemeinde weltweit ausbreiten kann, wir dabei aber die volle Verantwortung haben, unseren Beitrag zu leisten.

Wir sind „bibeltreu“, „allianzgesinnt“, „reformiert“

Begriffe zur Bezeichnung theologischer Anliegen und Positionen sind nicht ungefährlich, weil der andere beim Hören meist schon genau zu wissen meint, wofür der andere steht und es so schnell zu einer Verurteilung kommt, bevor man den anderen überhaupt gehört hat. Dennoch wagen wir hier, drei Schlagworte zu verwenden, auch wenn uns jeder näher kennenlernen muss, der wirklich wissen will, was diese Begriffe für uns bedeuten.

„Bibeltreu“ bedeutet, dass wir auf der Grundlage der völligen Vertrauenswürdigkeit der Heiligen Schrift arbeiten und meinen, dass wissenschaftliche Theologie auf atheistische Methoden verzichten muss. Allein die Schrift und kein Bekenntnis ist die letzte Instanz der Gemeinde Jesu – und an dieser Verfassung wollen wir uns jeden Tag neu messen lassen, auch wenn wir wissen, dass unsere menschliche Auslegung der Schrift fehlbar sein kann und immer wieder neu mit anderen Christen diskutiert und im Leben bewährt werden muss.

„Allianzgesinnt“ bedeutet, dass wir uns nicht nur mit allen an Jesus Christus Glaubenden Menschen weltweit verbunden wissen, sondern besonders mit evangelikalen Christen zusammenarbeiten. Das tun wir unter anderem auf der Glaubensbasis der Deutschen, Schweizerischen und Österreichischen bzw. der Europäischen Evangelischen Allianz und der Glaubensbasis der Weltweiten Evangelischen Allianz. Wir suchen die Zusammenarbeit mit allen Evangelikalen, die sich in biblischer Lehre, Evangelisation, Mission und Gemeindebau engagieren.

Das verbindet uns auch mit Erweckungsbewegungen und geistlichen Aufbrüchen weltweit, von denen wir immer neu auch Anregungen nach Europa tragen wollen.

„Reformiert“ (oder „reformatorisch“) bedeutet, dass wir neben der in der Bibel breit bezeugten vollen Verantwortung des Menschen komplementär (= zwei scheinbar unvereinbare Wahrheiten ergänzen sich trotzdem gegenseitig) die vollkommene Allmacht und Souveränität Gottes in allen Dingen verkündigen. Reformiert bedeutet auch, dass wir das Alte Testament hoch schätzen, den Ordnungen Gottes eine große Rolle für alle Bereiche der Schöpfung zumessen und unsere Aufgabe nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für die Gesellschaft sehen.

Wir sind nicht reformiert in einem falsch verstandenen, rein konfessionellen Sinne, so dass wir die Vorordnung der Schrift vor alle Dogmatik (bibeltreu) oder das Lernen von allen missionarisch gesinnten Christen (allianzgesinnt) in Frage stellen. Wir wissen, dass das Reich Gottes größer ist, als es eine konfessionelle Richtung zum Ausdruck bringt. Dennoch ist das Bewusstsein für die eigene Position und die Ehrlichkeit anderen Christen gegenüber auch in der eigenen Zuordnung Voraussetzung für jedes Gespräch.

Unser Namensgeber Martin Bucer war reformiert und stellte doch das Bibelstudium jedes Christen und die Bibeltreue über jedes Bekenntnis. Zugleich setzte er sich wie wir für die Versöhnung und Zusammenarbeit der Christen ein und war wie wir davon überzeugt, dass gemeinsames gründliches Forschen in der Schrift und Auseinandersetzen über theologische Positionen die Einheit der Christen nicht stört, sondern fördert. Kein Wunder, dass man ihm vorwarf, selbst keine Position zu haben oder sein Fähnchen nach dem Wind zu hängen, ein merkwürdiger Vorwurf für jemanden, der am Ende für seine Überzeugungen beinahe gestorben wäre und nur durch Flucht nach Cambridge überlebte. Klarheit und Umgänglichkeit, Wahrheit und Liebe müssen keine Gegensätze sein. Wir wollen unsere Überzeugungen eindeutig, aber in Sanftmut und Ehrerbietung weitergeben (1Petr 3,15).

Martin Bucer: Exegese kommt vor der Dogmatik

Unser Namensgeber Martin Bucer (1491-1551) arbeitete zeitlebens am Text der Schrift und war immer neu be­reit, auf die Schrift zu hören, gerade auch aufgrund von Anregungen sei­ner Gegner aller Couleur.

„Bucers Theologie ist grundlegend biblisch. Seine Schriften sind reich an Bibelzitaten, seine Kenntnis der Hl. Schrift ist au­ßerordentlich und seine exegetische Lei­stung beeindruckend. Der Aufbau seiner Ekklesiologie ist niemals Ergeb­nis einer Reihe dogmatischer Prämissen, die er erst a posteriori mit Bibel­zitaten belegt hätte, sondern Frucht unermüdlichen exegetischen For­schens und Reflexierens.“ (Gottfried Hammann).

Neben der Vorordnung der Exegese vor die Dogmatik – ein typisches Kennzeichen des späteren Pietismus, aber auch der Aufklärung – war auch die Praxis und die Ethik wichtiger als eine ‚saubere‘ Dogmatik:

„Bucer war an Verkündigung und Ethik mehr gele­gen als an widerspruchsfreier Lehre. Sein Herz schlägt bei der Schriftaus­legung, in der er außerordentlichen Gedankenreichtum entfal­tet.“ (Werner Neuser)

Textauszug 1: Komplementarität

Auszug aus: Thomas Schirrmacher. „Die Entdeckung der Komplementarität, ihre Übertragung auf die Theologie und ihre Bedeutung für das biblische Denken“, MBS Texte 66 (Theologische Akzente). Bonn: Martin Bucer Seminar, 2006.

Die Bibel macht den Menschen als einzelne Person voll verantwort­lich. Und dennoch bezieht sich diese Verantwortung nur auf den Verantwortungs­bereich, den Gott den Menschen gegeben hat. Dar­über steht Gott in seiner Allmacht und lenkt die Schöpfung. Aus dieser All­macht heraus wird über­haupt erst die Verantwortung des Menschen und das Gebot an den Menschen begrün­det. Dies macht etwa Phil 2,12-13 deutlich: „Schaffet euer Heil mit Furcht und Zittern, denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wol­len, als auch das Vollbrin­gen schafft, nach seinem Wohlgefallen“. Hier führt das Wissen darum, dass Gott alles wirkt, nicht zur Passivität, sondern gerade zum ‚Schaffen‘.

In ähnli­cher Weise werden in Eph 2,8-10 die guten Werke des Chri­sten mit Gottes souveränem Handeln verbunden: „Denn aus Gnaden seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich niemand rühme. Denn wir sind sein Ge­bilde, geschaffen in Christus Je­sus zu guten Werken, die Gott zu­vor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“

„Laut Augustinus muß man, wenn dem Reichtum und der Komple­xität der biblischen Aussagen zu diesem Thema Gerechtigkeit wi­derfahren soll, zugleich an der absoluten Souveränität Gottes und an der wirklich menschlichen Freiheit und Verantwortlichkeit festhal­ten. Die Problematik durch eine Bestreitung der Souveränität Gottes oder der menschlichen Freiheit zu vereinfachen liefe auf eine ernst­hafte In­fragestellung des christlichen Verständnisses der Art und Weise hin­aus, in der Gott den Menschen rechtfertigt.“ [Alister E. McGrath. Der Weg der christlichen Theologie. C. H. Beck: Mün­chen, 1997. S. 436]

Viele biblische Themen und Fragen haben zwei Seiten, die glei­chermaßen wichtig sind, und manche theologische Diskus­sion in Ge­schichte oder Gegen­wart ergibt sich nur dar­aus, dass die Diskussions­partner eine in der Bibel offenbarte Seite betonen und eine andere vernachlässi­gen. Als Beispiele können angeführt werden:

  • Gott ist einer und doch drei.
  • Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott;
  • Die Bibel ist ein von Menschen verfasstes menschliches Buch und zugleich das vom Heiligen Geist inspirierte Wort Gottes
  • Der Christ ist frei vom Gesetz und lebt dennoch nach den Gebo­ten Got­tes.
  • Der Christ ist frei von der Sünde und dennoch nicht sündlos.
  • Der Teufel ist längst entmachtet und hat dennoch große Macht.
  • Der Christ hat ewiges, unverlierbares Leben und wird dennoch eindring­lich gewarnt, den Glauben festzuhalten.

Dass das Wissen darum, dass Gott alle Dinge lenkt, die Ver­antwortung des Menschen nicht schmä­lert und umgekehrt die völ­lige Verantwortung des Menschen nicht die Sou­veränität Gottes in Frage stellt, zeigen insbeson­dere solche Bibeltexte, in denen beide Seiten zugleich vorkom­men, ja, in denen aus der einen Seite ein Schluss auf die andere gezogen wird.

  • Phil 2,12-13: „Schaffet euer Heil mit Furcht und Zittern, denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbrin­gen wirkt nach seinem Wohlgefal­len [oder: Ratschluss].“ (Christen schaffen, doch das nur, weil sie wissen, dass Gott alles tut.)
  • Joh 1,12-13: „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kin­der Got­tes zu heißen [oder: zu werden], denen, die an seinen Na­men glau­ben, die nicht von ih­rer Ab­stammung her, noch aus dem Wil­len des Flei­sches, noch aus dem Willen des Man­nes, sondern aus Gott geboren sind.“ (Man muss Gott persönlich auf­nehmen, und dennoch geschieht dies nicht aus menschlicher Kraft, sondern von Gott her.)
  • Joh 6,37: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kom­men, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaussto­ßen.“ (Man muss zu Jesus kommen, doch wer kommt, ist vom Vater gegeben.)
  • Joh 6,29: „Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er ge­sandt hat.“ (Antwort auf die Frage in 6,28, welche Werke Gottes ge­tan werden sollen.) (Sie glauben persönlich und doch ist dieser Glaube das Werk Gottes.)
  • Gal 4,8-9: „Aber damals, als ihr Gott noch nicht kanntet, habt ihr denen gedient, die von Natur aus keine Götter sind. Aber jetzt habt ihr Gott erkannt, vielmehr seid ihr von Gott erkannt wor­den.“

Henry Meeter hat darauf hingewiesen, dass Calvin und die Calvinisten nicht nur die Prädestination stärker betonen als an­dere, sondern auch die menschliche Ver­antwortung. So wurde ih­nen gleichermaßen der Vorwurf gemacht, die Prädestination zu sehr zu betonen und deswegen Fatalisten zu sein, wie die Verant­wortung zu sehr zu betonen und deswegen gesetzlich zu sein!

Textauszug 2: Pfingsten – Wir sind beteiligt – nicht trotz, sondern wegen des Heiligen Geistes

Auszug aus: Thomas Schirrmacher. Missio Dei. VTR: Nürnberg & RVB: Hamburg, 2011.

Ohne den Heiligen Geist wäre jede Weltmis­sion und jede Missi­onsstrategie sinnlos und zum Scheitern verurteilt. Nur der Heilige Geist kann Menschen von ihrer Schuld über­führen (Joh 16,7-10), sie zur Erkenntnis Got­tes und des Heils­werkes Jesu führen und sie zu neuen Men­schen in Christus ma­chen (Joh 3,5).

„Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. … Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden“ (1Kor 2,12+14).

„Er wird die Welt überführen“, heißt es vom Heiligen Geist (Joh 16,8). Wir stellen oft die Frage nach Prädestination und Verantwortung und wollen wissen, wie sich unsere Verantwortung damit verträgt, dass Gott alles regiert. Hier stellt sich jedoch eher die gegenteilige Frage, was wir eigentlich noch mit Mission zu tun haben, wenn Vater, Sohn und Heiliger Geist alles tun und wenn der Geist die Welt überführt?

Was ist mit mir, der ich Zeuge bin, der ich jemanden zum Glauben führe? Kann ich jemand anders zum Glauben führen? Oder tut Gott das? Um einen anderen zum Glauben zu führen, braucht man den Heiligen Geist. Aber die Tatsache, dass der Heilige Geist die Aufgabe hat, anderen Menschen das Evangelium zu offenbaren, bedeutet nicht, dass wir uns zur Ruhe setzen können. Wer die Kraft des Heiligen Geistes empfängt, die die Voraussetzung ist, das Evangelium überhaupt verkündigen zu können, bleibt nicht ruhig auf dem Stuhl sitzen, sondern wird Zeuge.

Es ist nicht so, dass die Gemeinde Jesu das Programm ‚Mission‘ hat, und man jetzt überlegen muss, welche Rolle dabei eigentlich Gott spielt. Es ist auch nicht so, dass wir Gott nur als Befehlsgeber brauchen, etwa auch, um Kritikern entgegenhalten zu können: „Wir haben den Befehl direkt von Gott.“ Das wäre viel zu wenig. Hinter der Mission steht nicht, dass Gott uns nur einen Befehl gegeben hätte. Hinter dem ‚Befehl‘ steht eine Verheißung und letztlich die Missio Dei und damit Gottes Wesen selbst.

Unsere Missionsaufgabe ist eine direkte Fortsetzung der Mission Gottes. Deswegen ist die entscheidende Frage, warum Gott, der mit seiner Mission allein viel besser klar käme, uns Menschen mit hineinnimmt. Der Heilige Geist will Menschen von Sünde überführen. Da ist es doch unsinnig, uns dafür einzusetzen!

Missionsbefehl und der Heilige Geist! Das Verwunderliche daran ist nicht der Heilige Geist, sondern das Verwunderliche daran ist unsere Beteiligung! Oder anders gesagt: Warum gibt es eigentlich einen Missionsbefehl? Wenn Gott dem Menschen schon im Garten Eden und immer und immer wieder in der Geschichte nachläuft, wieso dann noch den Menschen beauftragen? Wenn Jesus der Missionar schlechthin ist, dem wir eigentlich unseren Glauben zu verdanken haben – nach dem Hebräerbrief ist „Jesus“ „der Apostel“ (Hebr 3,1) –, wofür werden dann noch Menschen benötigt? Wenn der Heilige Geist vor allen Dingen eine Aufgabe hat: „Er wird die Welt überführen von Sünde, Gericht und Gerechtigkeit“, was haben wir dann eigentlich damit zu tun? Das ist meines Erachtens die eigentliche Frage.

Johannes Calvin schreibt zu Recht:

„Ich bin nun genötigt, abermals zu wiederholen, was ich bereits oben auseinan­dergesetzt habe. Gott könnte dies sein Werk zwar auch rein aus sich selber, ohne jedes andere Hilfsmit­tel oder Werkzeug tun, könnte es ebenso auch durch die En­gel verrich­ten; aber es gibt eine Anzahl von Ursachen, warum er es lieber durch Men­schen tut.“ [Johan­nes Calvin. Unter­richt in der christlichen Religion. Institu­tio Chri­stianae Religio­nis. Neukir­chener Verlag: Neukir­chen, 19885. S. 714 (aus 4. Buch, 3. Kap., Ab­schnitt 1)]

Als ersten Grund nennt Calvin Gottes Wertschätzung des Menschen als seines eigenen Geschöpfes und Ebenbildes.

Ein moderner reformierter Theologe, John Stott, schreibt ähnlich:

„Der Platz, den der Heilige Geist in der Evangelisation einnimmt, ist primär. Denn der Heilige Geist ist selbst der oberste Evangelist, der Hauptzeuge und erste Kommunikator des Evangeliums. Normalerweise will er allerdings nicht ohne die Hilfe menschlicher Werkzeuge evangelisieren, doch ohne die Hilfe des Heiligen Geistes wird die Arbeit des menschlichen Evangelisten auf jeden Fall ergebnislos sein.“ [John R. W. Stott. Der Heilige Geist in der Evangelisation. Gnadauer Materialdienst 2. Denkendorf: Gnadauer Verlag, 1976. 12. S.]

Die Geistesgaben sind also ein schönes Beispiel für die Missio Dei und die Komplementarität der Mission, die Gott selbst durchführt und in die er doch die Menschen voll hineinnimmt. Gott selbst bestimmt durch die Gaben, wer in Gemeinde und Mission welche Fähigkeiten und Aufgaben hat. Und doch wird der einzelne Christ und die Kirche als Ganzes dadurch nicht entmündigt, sondern der Geist befähigt Christen, ihre Besonderheiten und Individualität erst recht einzubringen.

 

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