Eine Bedrohung der Religionsfreiheit in der einzigen Demokratie des Nahen Ostens

Die nationalreligiösen Parteien in Israel erhalten derzeit zusammengenommen etwa 15% der Wählerstimmen. Doch als kleine Koalitionspartner haben sie erstaunlichen Einfluss gewonnen. Per Gesetz müssen immer mehr Israelis so leben, wie es sich die Minderheit der orthodoxen Juden vorstellt, obwohl diese teilweise die Existenz eines Staates Israels eigentlich ablehnen und sich deswegen etwa vom Militärdienst befreien lassen. Das alles ist um so erstaunlicher, als die meisten Juden in Israel die folgenden Gesetze nicht teilen, da sie noch liberaler als das Reformjudentum sind oder ihrer Religion nur nominell, das heißt aus abstammungsmäßigen Gründen angehören. Hier einige der Gesetze, die durchgesetzt wurden:

Sabbatgesetz: Die Sabbatruhe wird immer strikter auch außerhalb der orthodoxen Viertel staatlich durchgesetzt. Die Fluglinie El-Al darf am Sabbat weder aus- noch einfliegen. Ein Regierungsinstitut entwickelt Roboter, die am Sabbat Arbeiten aller Art verrichten können, die für die Menschen Sünde wären.

Kaschrutgesetz: Hotels und Restaurants müssen ‚Koscher-Wächter’ bezahlen, die sicherstellen, das nirgends Nahrunsgmittel angeboten werden, die den rabbinischen Vorschriften der ‚koscheren’ Zubereitung widersprechen oder wie Schweinefleisch ganz verboten sind. Diese ‚Kapläne’ finden sich in vielen Bereichen der Gesellschaft, etwa auch in der Armee.

Ehegesetz: Jüdische Ehen dürfen nur von Rabbinern geschlossen werden, andere religiöse Ehen nur von den jeweiligen Religionsvertretern, eine standesamtliche Heirat gibt es nicht. Das ist tragisch für religionsverschiedene Paare, von denen immer einer – zumindest zum Schein – die Religion wechseln muss.

Rückkehrgesetz: Wer einwandern und israelischer Staatsbürger werden darf, wird nach streng orthodoxen Regeln entschieden. So werden oft Reformjuden und erst recht messianische Juden (Judenchristen) als nichtjüdisch abgelehnt. Reformjüdische Rabbiner dürfen in Israel keine religiösen Handlungen ausüben, obwohl die Reformjuden international den größe Flügel der jüdischen Religion darstellen.

Medizin: Autopsien und Transplantationen sind gesetzlich fast unmöglich.

Archäologie: Grabungen sind dort verboten, wo orthodoxe Behörden jüdische Gräber vermuten. Davon sind wichtige Grabungsvorhaben in Jerusalem, Cäsarea und Tiberias betroffen.

Diese seit Mitte der 1980er Jahre zunehmende Übernahme orthodox-jüdischer Gesetze in die staatliche Gesetzgebung Israels wird vor allem von ‚Agudat Israel’ und der daraus entstandenen ‚Schass’ vorangetrieben, in denen die Vorsteher der Talmudschulen (Jeshibot) und der chassidischen Gemeinden den Ton angeben.

 

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