(New York, Bonn, 23./30.04.2015) Der Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) Bischof Efraim Tendero aus den Philippinen hat einen Offenen Brief an alle Kirchenoberhäupter und Christen der Orthodoxen und Altorientalischen Kirchen und Christen geschickt, in dem er stellvertretend für die 600 Millionen Evangelikale, die der WEA angehören, nicht nur an den Genozid vor 100 Jahren erinnert, sondern auch daran, dass das Leiden und der Völkermord heute aktuell weitergehen.

„Auch wenn wir wissen, dass im Irak, in Syrien und zunehmend auch in den Nachbarländern auch nichtchristliche Minderheiten diskriminiert und verfolgt werden und im Schatten der Bürgerkriege viele schreckliche Gräuel geschehen, leiden wir doch ganz besonders mit den Angehörigen der orientalischen Kirchen im ganzen Nahen Osten, dass sie gegenwärtig vor einer Neuauflage des Genozids stehen, vor allem die Syro-Aramäer“, schreibt Tendero und fügt hinzu: „Ideologisch zieht sich ein roter Faden von den Völkermorden vor 100 Jahren zu den Gräueln im Nahen Osten, die sich vor unseren Augen vollziehen.“

Am Schluss des Schreibens fügt der Generalsekretär hinzu:

„Als Weltweite Evangelische Allianz setzen wir uns weltweit für Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung ein. Ein besonderer Schwerpunkt ist der Einsatz für alle orientalischen Kirchen, die unter Diskriminierung und Verfolgung leiden. Durch Gebet, durch Veröffentlichungen und durch Einflussnahme auf Kirchenleiter, Medien und Politiker versuchen wir, ihr Leiden bekannt zu machen und ein Handeln zu ihren Gunsten zu bewirken.“

Parallel zum Offenen Brief veröffentlichte das Internationale Institut für Religionsfreiheit, dessen Direktor Thomas Schirrmacher den Brief entwarf, eine Kritik der Argumente, mit denen die Türkei den Genozid leugnet (BQ 352), einen Bericht über die Lage der Armenier in der Türkei heute (IIRF-Bulletin 2015/4) und einen Bericht der Türkischen Evangelischen Allianz zur Lage der Christen in der Türkei (IIRF-Bulletin 2015/1).

Offener Brief an die Orientalischen Kirchen und Christen in Deutschland

Liebe Bischöfe, liebe Mitglieder der Kirchenleitungen, liebe Mitchristen und Mitchristinnen!

Am 24.4.2015 gedenkt die Weltchristenheit des Tages vor 100 Jahren, als mit der Massenverhaftung armenischer Intellektueller der Völkermord am armenischen Volk in seiner Heimat begann. Zur Weltchristenheit gehören auch die 600 Millionen Protestanten, die in der Weltweiten Evangelische Allianz zusammen geschlossen sind.

Im gleichen Atemzug sind neben den 1,5 Millionen Armeniern, die starben, auch die anderen Todesopfer der parallelen ethnischen Säuberungen stark christlich besiedelter Teile des einstigen Osmanischen Reiches zu nennen, nämlich 300.000 Pontos-Griechen, 300.000 aramäischsprachige Christen (Aramäer, Assyrer, Chaldo-Assyrer, christliche Syrer), wobei sich diese Genozide fast zehn Jahre hinzogen.

Wir begrüßen, dass die internationale Genozidforschung den Völkermord an den Armeniern aufgearbeitet hat. Wir fordern aber die Türkei auf, die Archive aus der Zeit des Ersten Weltkrieges und der türkischen Prozesse gegen die Hauptverursacher des Genozids für Historiker aus aller Welt zu öffnen.

Wir bedauern außerordentlich, dass die Genozidforschung in Bezug auf die Syro-Aramäer und die Pontos-Griechen noch in den Anfängen steckt. Weder wurde ihr Schicksal in den letzten 50 Jahren gut erforscht, noch wird in diesem Jahr weltweit zur Genüge daran erinnert.

Deswegen wenden wir uns heute auch an die Millionen orientalischer Christen, die heute in der westlichen Welt leben, weil sie wegen der Verfolgungen in ihrer Heimat in großer Zahl in diese Länder kamen und gut integriert zum Wohl ihrer Länder arbeiten, und die in den letzten zehn Jahren fortlaufend als Folge der Verfolgung im Irak und in Syrien flohen oder ausgewandert sind und derzeit fliehen oder auswandern. Wir wissen, dass Ihr gerade wegen Eurer Friedlichkeit und demokratischen Gesinnung in den westlichen Ländern gegenüber im Vergleich zu anderen Migrantengruppen aus dem Blick geraten seid. Ihr sollt wissen: Wir stehen an Eurer Seite, sowohl im Gedenken und Erinnern als auch in der gegenwärtigen Lage, in der viele mit Schrecken auf Nachrichten ihrer Verwandten im Nahen Osten warten.

Auch wenn wir wissen, dass im Irak, in Syrien und zunehmend auch in den Nachbarländern auch nichtchristliche Minderheiten diskriminiert und verfolgt werden und im Schatten der Bürgerkriege viele schreckliche Gräuel geschehen, leiden wir doch ganz besonders mit den Angehörigen der orientalischen Kirchen im ganzen Nahen Osten, dass sie gegenwärtig vor einer Neuauflage des Genozids stehen, vor allem die Syro-Aramäer. Ideologisch zieht sich ein roter Faden von den Völkermorden vor 100 Jahren zu den Gräueln im Nahen Osten, die sich vor unseren Augen vollziehen.

Als Weltweite Evangelische Allianz setzen wir uns weltweit für Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung ein. Ein besonderer Schwerpunkt ist der Einsatz für alle orientalischen Kirchen, die unter Diskriminierung und Verfolgung leiden. Durch Gebet, durch Veröffentlichungen und durch Einflussnahme auf Kirchenleiter, Medien und Politiker versuchen wir, ihr Leiden bekannt zu machen und ein Handeln zu ihren Gunsten zu bewirken.

In einem ähnlichen Brief der Deutschen Evangelischen Allianz an die Orientalischen Christen in Deutschland finden sich folgende zusätzlichen oder auf Deutschland bezogenen Abschnitte:

Wir sind insbesondere als Christen in Deutschland beschämt, dass Deutschland als Kriegspartner der Türkei um die Vorgänge wusste, aber seine Stimme nicht erhob und seinen Einfluss nicht geltend machte. Wir halten alle Menschen, darunter Pfarrer und Missionare, in Ehren, die schonungslos ehrlich über den sich vollziehenden Völkermord nach Hause berichteten oder vor Ort versuchten, Opfern zu helfen, besonders der wachsenden Zahl von Waisenkindern. Stellvertretend sei der Theologe Johannes Lepsius genannt, dessen Gedenken das wichtige Archiv im Lepsiushaus in Potsdam garantiert.

Deswegen wenden wir uns heute an die Hunderttausenden orientalischer Christen in Deutschland, die wegen der Verfolgungen in ihrer Heimat in großer Zahl in unser Land kamen und gut integriert zum Wohl unserer Landes arbeiten und die in den letzten zehn Jahren fortlaufend als Folge der Verfolgung im Irak und in Syrien nach Deutschland gekommen sind und weiterhin kommen. Wir wissen, dass Ihr gerade wegen Eurer Friedlichkeit und demokratischen Gesinnung der deutschen Gesellschaft gegenüber im Vergleich zu anderen Migrantengruppen aus dem Blick geraten seid. Ihr sollt wissen: Wir stehen an Eurer Seite, sowohl im Gedenken und Erinnern als auch in der gegenwärtigen Lage, in der viele mit Schrecken auf Nachrichten ihrer Verwandten im Nahen Osten warten.

 

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