Eine Studie des Gesundheitsministeriums (CDC) der USA veröffentlichte 2013 ihre Befragung von 33.000 Erwachsenen.1 Danach gaben 96,6% an, heterosexuell zu sein, 1,6%, homosexuell oder lesbisch zu sein [Männer: 1,8%; Frauen: 1,5%], 0,7% bisexuell [Männer: 0,4%; Frauen: 0,9%]. 1,1% gaben keine oder andere Antworten (z. B. ‚weiß nicht‘).

Eine britische Regierungsstudie kam zu dem Ergebnis, dass 0,9% der Bevölkerung angeben, homosexuell oder lesbisch sind (davon 2/3 [68%] männlich), zusätzlich 0,5% bisexuell zu sein (davon 2/3 Frauen), zusammen also 1,4%.2 (3,8% machten keine Angaben und gaben an, die Antwort nicht zu wissen.)

Dieselbe britische Regierungsstudie listet 8 ältere britische Untersuchungen 2005 – 2009 mit viel geringeren Zahlen der Befragten auf, die zusammengenommen einen Anteil von LGB zwischen 1,1% und 2,4% ausweist.3 Außerdem verweist die Studie auf nationale Studien anderer Länder, etwa Norwegen 2010 mit 1,2% LGB (kleine Zahl der Befragten) und Kanada 2005 mit 2% (große Zahl der Befragten).4

Die Zahl ist damit im Einklang mit der Zahl, die Martin Hirschfeld für 1904 in Berlin unter Studenten und Metallarbeitern ermittelte,5 wenn auch mit unzulänglicheren Methoden, da eine wissenschaftliche Breitenuntersuchung aufgrund der Gesetzeslage nicht möglich war. 95% waren Heterosexuelle, 1,5% waren Homosexuelle und 3,5% in irgendeiner anderen Form „abweichend“.6 Hirschfeld versuchte sich dann an einer Gesamtschätzung für Berlin. 95% seien rein heterosexuell, 5% in irgendeiner Form abweichend, darunter 1,0% bis 2,2% homosexuell.

Es gibt eine Vielzahl von kleinen und großen Studien in den Jahrzehnten davor, die ähnliche Zahlen erbrachten. Nach der bisher umfangreichsten Studie zur Sexualität in den USA von 19937 bezeichnen sich 2,8% der Männer selbst als homosexuell, 1,4% der Frauen als lesbisch. Homosexuelle Kontakte in den letzten 12 Monaten hatten 2% der Männer und 1,5% der Frauen, jemals einen homosexuellen Kontakt seit der Pubertät hatten 9% der Männer und 4% der Frauen.

Einzige Ausnahme sind die viel höheren Zahlen von 10%, die Alfred Charles Kinsey in seinen berühmten Reports von 1948 und 1954 genannt hat, die aber schon lange für methodisch völlig unzulänglich gehalten werden.8

Wer also der Meinung ist, dass Homosexualität heute verbreiteter ist, weil sie sich frei entfalten kann und öffentlich gefördert wird, wird von den Zahlen korrigiert. Homosexualität ist heute öffentlicher, aber nicht verbreiteter als früher.

 


Fußnoten

1 Brian W. Ward u. a. „Sexual Orientation and Health Among U.S. Adults: National Health Review Survey, 2013“. National Health Statistics Reports No. 77 (July 15, 2014): 1-10.
2 Office for National Statistics. Measuring Sexual Identity: An Evaluation Report. ONS: Newport (GB), 2010. S. 10.
3 Ebd. S. 15.
4 Ebd. S. 17.
5 So auch Nach Reinhard Wille. „Sexualität“. S. 326-331 in: Lexikon der Bioethik. 3 Bde. Bd. 3. Gütersloher Verlagshaus: Gütersloh, 1998. S. 330.
6 Magnus Hirschfeld. Das Ergebnis der statistischen Untersuchungen über den Prozentsatz der Homosexuellen. Max Spohr: Leipzig, 1904. S 54-61 (zuerst erschienen in Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen 6 [1904] 109-178). Vgl. dazu Magnus Hirschfeld. Berlins Drittes Geschlecht. Hermann Seemann: Berlin, 1904/1, 8, letzte Auflage: 1908/24; Neuausgabe: dito. Verlag rosa Winkel: Berlin, 1991 (dort bes. S. 175); vgl. zudem die kleinere Schrift Magnus Hirschfeld. Was muss das Volk vom dritten Geschlecht wissen! Max Spohr: Leipzig, 1901.
7 Robert T. Michael (Hg.). Sex in America. Brown: Boston, 1994.
8 Gegen Kinseys Untersuchung siehe Walter Krämer u. a. Das neue Lexikon der populären Irrtümer. Eichborn: Frankfurt, 1998. S. 175-176; Judith A. Resiman, Edward W. Eichel. Kinsey, Sex, and Fraud. Huntington House: Lafayette (LA), 1990; Diana E. H. Russell. The Secret Trauma: Incest in the Lives of Girls and Women. Rev. edition. Basic Books: 19992 (19861). S. 5-9; Simon LeVay. Keimzellen der Lust: Die Natur der menschlichen Sexualität. Spektrum Akadamischer Verlag: Heidelberg, 1994. S. 149-151; Robert T. Michael (Hg.). Sex in America. Brown: Boston, 1994. S. 18-20+172-174. Ebd. hat berechnet, dass, wenn man die Gefängnisinsassen, die Kinsey vor allem befragt hat, herausrechnet, sich aus Kinseys Daten 4% Homosexuelle ergeben. Bei Collegestudenten sind es 3%, wobei weitere 3% gelegentlich einmal homosxuelle Erfahrungen machten.

 

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