2005 und 2007 erließ der indonesische Fatwarat „Majelis Ulama Indonesia“, („Indonesian Council of Ulema“, MUI) scharfe Fatwas gegen die etwa 300.000 Ahmadiyyas im Land, die zu einer islamischen „Sekte“ gehören, die 1889 von Mirza Ghulam Ahmad aus dem Islam heraus entwickelt wurde und Propheten nach Mohammed anerkennt und deswegen beim Mehrheitsislam als „Apostasie“ gilt. 2008 erließ die Regierung, statt gegen die Stellungnahme der MUI anzugehen, anzugehen, einen gemeinsamen Erlass mehrerer Ministerien, der die Aktivitäten der Ahmadiyyas einfror. Ahmadiyyas dürfen keine anderen Indonesier missionieren, was als Gotteslästerung gilt und mit bis zu 5 Jahren Gefängnis bestraft wird. Allerdings dürfen die Ahmadiyyas weiterhin ihre Gottesdienste abhalten. Es war jedoch nicht verwunderlich, dass einzelne Regierungsstellen und viele islamistische Institutionen ein völliges Verbot forderten. Und es ist auch nicht verwunderlich, dass Polizei und Armee in Fällen nicht oder viel zu spät eingriff, wo der Mob Ahmaddiys verprügelte oder ermordete oder ihre Gotteshäuser zerstörte. Seit 2006, vor allem aber seit 2009 werden ständig Ahmadiyyas aus ihren zerstörten Häusern vertrieben und leben in Flüchtlingslagern. Weltweites Aufsehen erregte im Februar 2011 der Fall der öffentlichen Ermordung von 3 Ahmadiyyaführern vor ihren Häusern durch einen großen Mob. Etwa 30 Polizisten sahen dem Morden tatenlos zu. Die 12 Mörder erhielten eher symbolische Strafen zwischen drei und sechs Monaten.

Wie in Pakistan, wo sich die Apostasiegesetze zunächst gegen die Ahmadiyyas richteten und erst später gegen Christen angewandt wurden, scheint sich die staatlich-religiöse legitimierte Gewalt gegen Ahmadiyyas auch negativ auf die Toleranz gegenüber Christen auszuwirken. So hing der Mord an den drei Ahmadiyyas am 6.2.2011 in der Provinz Zentraljava und das Niederbrennen dreier Kirchen in der Provinz Westjava am 8.2.2011 wohl zusammen.

Das US-Außenministerium zählt für 2010 50 größere gewaltsame Angriffe gegen die Ahmadiyyas und 75 gegen Christen (http://www.state.gov/j/drl/rls/irf/2010_5/168356.htm). Das „Wahid Institute“, eine islamische Organisation, die für Toleranz wirbt (Englisch: www.wahidinstitute.org/?lang=en), zählte 2010 198 schwere Übergriffe gegen religiöse Minderheiten, 2011 276, die sich vor allem auf Ahmadiyyas und Christen verteilten. Das „Setara Institute for Democracy and Peace“ in Jakarta und das Internationale Institut für Religionsfreiheit untersuchten für 2010, an wie vielen der vom Wahid-Institut gezählten 198 gewaltsamen Übergriffen gegen religiöse Minderheiten staatliche Stellen beteiligt waren. In 56 war die Polizei beteiligt, in 19 Fällen die „district chiefs“, in 17 die „sub-district chiefs“ (Fernando Perez. „Why Religious Violence has Grown in Indonesia“. 18.2.2011. http://www.iirf.eu, dann unter Länder „Indonesia“ anklicken).

 

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