(Bonn, 06.12.2016) Der für Ökumene zuständige stellvertretende Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, hat am Rande des Treffens der Generalsekretäre der meisten Konfessionen in Rom begrüßt, dass die evangelikale Theologie immer bessere Konfessionskundler hervorbringe und der bisweilen vorschnellen Verurteilung das gründliche Studium, konkrete Kennenlernen und fair Darstellen anderer Konfessionen immer mehr die Regel werde.

Als Beispiel nannte er die neue Konfessionskunde des Präsidenten der Europäischen Evangelischen Allianz, Dr. Frank Hinkelmann, die im renommierten österreichischen Böhlau Verlag veröffentlicht wurde. Das Buch erscheine mit Unterstützung der katholischen und der lutherischen Kirche in Österreich, was beweise, dass diese Kirchen auch die Darstellung über sich selbst als fair empfänden. Zudem habe Hinkelmann die einzelnen Abschnitte von Experten der jeweiligen Kirchen gegenlesen lassen. So werde verhindert, Strohmänner aufzurichten.

Interview mit Frank Hinkelmann

Im Folgenden finden Sie ein Interview mit dem Autor des Buches.

Bonner Querschnitte: Herr Dr. Hinkelmann, vor wenigen Wochen erschien Ihr neuestes Buch „Kirchen, Freikirchen und christliche Gemeinschaften in Österreich – Handbuch der Konfessionskunde“ im Wiener Böhlau Verlag. Um was geht es konkret in dem Buch?

Frank Hinkelmann: Das Buch möchte einen umfassenden Überblick über alle christlichen Kirchen und Denominationen in Österreich geben, die sich inzwischen auf über 60 belaufen. So gibt es zwischenzeitlich zahlreiche orthodoxe Kirchen, orientalische Nationalkirchen sowie auch katholische Ostkirchen, die mit Gemeinden in Österreich präsent sind. Daneben zeigt sich vor allem im protestantisch-freikirchlichen Bereich eine große Vielfalt an Kirchen – und nicht zu vergessen sind die zahlreichen Gemeinden mit Migrationshintergrund, die oftmals Filialen ihrer Gemeinden im Globalen Süden, also Afrika, Lateinamerika und Asien sind.

BQ: Warum ist solch ein Buch überhaupt notwendig?

F. H.: Bei Vorträgen und Seminaren sowohl im volkskirchlichen als auch im freikirchlichen Kontext konnte ich immer wieder feststellen, wie wenig man jeweils über die anderen Gruppen wusste, vielleicht einmal abgesehen davon, dass man sie ablehnte und gegen sie war. Hier ist es mein Wunsch, dass der interessierte Leser sachliche Informationen gerade auch über die konfessionellen Gruppen erhält, die ihm unbekannt und fremd sind. Gleichzeitig möchte das Buch eine Einladung sein, andere Kirchen mit einer anderen Tradition und Prägung kennenzulernen und sie vielleicht einmal zu besuchen.

BQ: Wie lange haben Sie für das Buch geforscht?

F. H.: Seit rund sieben Jahren sammle ich Informationen zu Kirchen, die in Österreich präsent sind. Gerade bei jüngeren Kirchen bedeutet dies eine regelmäßige Beobachtung des Internets und oftmals erhalte ich auch über Freunde und Kollegen Tipps zu Gruppen, die neu in Österreich entstehen.

BQ: Was haben Sie selbst bei den Recherchen und dem Schreiben des Buches gelernt?

F. H.: Zum einen sicher die Erkenntnis, wie bunt Gottes Volk auch in unserem Land inzwischen ist. Und das sehe ich zuerst einmal positiv und als Bereicherung. Zum anderen habe ich aber auch gelernt, meine eigene kirchliche und geistliche Heimat zu schätzen.

BQ: Sie unterrichten ja unter anderem am Institut für Theologie und Gemeindebau in Linz und Innsbruck, dem österreichischen Partner des Martin Bucer Seminars. Wie reagieren Ihre Studenten, wenn sie erfahren, wie viele Kirchen es gibt, die man als zukünftiger Pastor eigentlich kennen sollte?

F.H.: Zum einen erlebe ich großes Erstaunen über die große Anzahl der in Österreich vorhandenen Kirchen. Zum anderen freut es mich, dass die Vorlesung immer wieder Studenten motiviert, auch einmal Gottesdienste anderer Kirchen zu besuchen und diese so aus erster Hand kennenzulernen.

BQ: Wir danken für das Gespräch.

Zum Autor

Pfr. i. E. Dr. Frank Hinkelmann schloss sich nach dem Abschluss seines Theologiestudiums an der Freien Theologischen Akademie (heute FTH) in Gießen 1994 dem Missionswerk Operation Mobilisation in Österreich an. Im Herbst 2014 promovierte er an der Freien Universität in Amsterdam mit einer Arbeit über die Geschichte der Evangelikalen Bewegung in Österreich.

Hinkelmann leitete fast zehn Jahre die Arbeit von OM in Österreich, bevor er 2008 gebeten wurde, die europäische Leitung zu übernehmen. Zusätzlich zu seinen Aufgaben bei OM engagiert er sich bei der Evangelischen Allianz. 12 Jahre hatte er den österreichischen Vorsitz inne und ist derzeit sowohl Präsident der Europäischen Evangelischen Allianz als auch Vorstandsmitglied der Weltweiten Evangelischen Allianz. Er lebt gemeinsam mit seiner Frau und drei Kindern in Petzenkirchen, Niederösterreich.

Verlagstext

Was glauben orthodoxe Christen? Welche Geschichte und Bekenntnisgrundlage hat die Evangelische Kirche? Seit wann gibt es Freikirchen in Österreich und was lehren sie? Das vorliegende Handbuch stellt rund 60 Kirchen, Freikirchen und christliche Gemeinschaften in kompakter Form vor, die gegenwärtig in Österreich vertreten sind. Erstmals werden hierbei auch neue fremdsprachige Kirchen und Gemeinschaften berücksichtigt. Zu jeder dieser Kirchen und Gemeinschaften erhält der Leser Informationen über ihre Geschichte und Lehrüberzeugungen sowie über die Präsenz der Kirche in Österreich, in der Regel mit statistischen Angaben und Kontaktinformationen. Zusätzlich finden sich in einem ausführlichen Anhang zentrale Dokumente zu Theologie und Bekenntnis der verschiedenen Kirchen. Ein unentbehrliches Nachschlagewerk.


Bibliografische Angaben:


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