Falschmeldungen, Enten, bewusst als Propaganda platzierte Nachrichten gab und gibt es auch im Bereich der Religionsfreiheit und der Diskriminierung und Verfolgung von Christen schon immer. Da soll ein Baptistenpastor in Bethlehem verhaftet worden sein, weil er pro-israelische Äußerungen machte: Wir kontaktieren ihn und er weiß von nichts. Ein kurzes Video zeigt, wie ein Riesen-Bulldozer in China eine Kirche in einem Geschäftshaus abreißt. Als dann endlich der gesamte Film gefunden ist, zeigt sich: Die Bulldozer planierten eine illegal erbaute Siedlung am Hang. Die Menschen waren längst umgesiedelt, niemand wohnte mehr dort und die Kirche war nur eines unter Tausenden von Gebäuden.

In jüngster Zeit muss immer wieder einmal vor Falschmeldungen zur Lage der Christen in Irak und Syrien gewarnt werden.

Jüngst machte monatelang eine dringende Meldung die Runde, drei namentlich genannte Christen seien zum Tod verurteilt worden – eine Ente.

Seit Längerem tauchen immer wieder Bilder von durch ISIS gekreuzigte Christen auf. In Italien schafften sie es sogar gleichzeitig auf die Titelseite fast aller großen Zeitungen. Die Fotos zeigen aber ältere Ereignisse und keine Christen, sondern Kurden, und schließlich wurden die Opfer erst getötet und dann an den Armen aufgehängt, nicht gekreuzigt (Details jetzt hier). Das ist natürlich ebenso furchtbar, aber sollte korrekt dazugeschrieben werden.

Da sind Bilder im Umlauf, die die vermeintliche Enthauptung eines Babys durch IS in Syrien zeigen sollen. Ausnahmsweise ließ sich die Geschichte der Bilder zurückverfolgen, nämlich auf eine für Assad kämpfende Webseite: Das Bild ist mindestens ein Jahr alt und stammt aus dem Jemen. Es ist offensichtlich gestellt, denn man sieht nur ein sitzendes Baby und einen Mann, der ein Schwert erhebt. Inwiefern es wirklich Enthauptungen von Babys gab, ist derzeit unklar, da die Aussagen dazu nicht von Augenzeugen stammen. Aber mir geht es hier nur um die Bilder.

Die Christenverfolgung in Irak und Syrien kann nicht aus dem Medienkrieg herausgehalten werden, der in und um den Nahen Osten tobt. Ist sowieso immer schon Sorgfalt im Umgang mit Nachrichten geboten, gilt dies in Kriegszeiten allemal, und erst recht im Nahen Osten der Gegenwart mit seinen vielen, unübersichtlichen Fraktionen, die zum Teil über erhebliche Gelder für die mediale Selbstdarstellung und den Krieg gegen andere auch mit Mitteln des Internets verfügen. Wenn Israel und Palästinenser, Iran und Saudi Arabien, Assad und IS im Medienkrieg sind, sind hervorragende Fälscherprofis am Werk.

Christen, die sich gegen die Diskriminierung und Verfolgung von Christen einsetzen, sei selbstkritisch gesagt: Blauäugigkeit und Setzen auf unbestätigte, dabei womöglich möglichst dramatische Berichte schadet bisweilen mehr als es nutzt. Insbesondere dort, wo Nachrichten an Politiker oder säkulare Medien weitergegeben werden, muss sichergestellt werden, dass es sich um glaubwürdige Informationen auf dem neuesten Stand handelt.

Eine besondere Gefahr sind natürlich typische Erscheinungen des Webs und der sozialen Medien, etwa Kettenemails oder Kettentweets, die Monate lang, manchmal sogar Jahre lang im Internet herumgeistern. Man muss nicht nur damit rechnen, dass Meldungen veraltet sind oder dass man sie nicht verwenden kann, wenn nicht angegeben wird, wer die Verantwortung dafür übernimmt, sondern muss nüchtern sehen, dass einige auch bewusst als Enten im Internet auf den Weg gebracht werden.

Es gibt so viele gut belegbare schreckliche Fälle rund um das Thema Diskriminierung und Verfolgung von Christen, dass es wirklich nicht nötig ist, mit Meldungen hausieren zu gehen, die nicht aus zuverlässiger Quelle stammen und die Politiker oder Medienschaffende in Schwierigkeiten bringen, wenn sie sie verwenden und bei Kritik dann von uns die genaueren Quellen erbitten, wir aber nicht liefern können.

Leider gibt es beim Thema Christenverfolgung immer mehr selbst ernannte ‚Experten‘. So wie gegenwärtig immer mehr Leute über Nacht zu Islamexperten werden, nimmt auch die Zahl derer zu, die meinen, allerlei Situationen der Diskriminierung und Verfolgung von Christen besser zu kennen und mutiger zu beschreiben, als alle anderen, insbesondere als forschende Fachleute.

Manche mögen meinen, dass ich damit nur die Forschungsarbeit von Institutionen wie unserem Internationalen Institut für Religionsfreiheit für sakrosankt erklären will. Aber ist es bei der Religionsfreiheit nicht wie überall, dass nur gründliche Forschungs- und Quellenarbeit Zuverlässigkeit herstellen kann?

 

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