oder: Die Gleichberechtigung der gut Situierten

Die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (gemeinsam mit sie unterstützenden Parteifreunden) kann Forderungen und Programme mit ungeheurer Beharrlichkeit und Sturheit so lange vorantreiben, bis ihre Partei ermüdet zumindest zum Teil nachgibt. So jüngst mit der Frauenquote für Aktiengesellschaften geschehen.

Im Falle der Frauenquote geschieht das im Namen der Gleichberechtigung. Ich habe aber das Empfinden, dass hier gut situierte Frauen vor allem an die Gleichberechtigung von gut situierten Frauen denken. Ich wünschte mir, dass die Bundesarbeitsministerin ebenso beharrlich, forsch und fordernd gegen Menschenhandel in Deutschland und der EU vorgehen würde, von der – vor allem in der Zwangsprostitution – überwiegend Frauen betroffen sind. Hier kann man Frauen helfen, deren erzwungene Arbeit überhaupt nicht bezahlt wird. Hier kann man Gleichberechtigung herbeiführen, wo sie massiv verletzt und die Würde von Frauen mit Füßen getreten wird.

Dass das nicht nur an die Adresse der Arbeitsministerin, sondern auch an die Adresse der Frauenquotenpläne der derzeitigen Oppositionsparteien zu sagen ist, ist klar. Aber diese Parteien stellen derzeit nun mal nicht die Arbeitsministerin. Und das Bundesarbeitsministerium hat eine Schlüsselstellung, das Justizministerium und andere Behörden zu notwendigen rechtlichen, ausstattungsmäßigen und ideellen Verbesserungen in Bezug auf Menschenhandel zu drängen.

Nur wenn wir an die schwächsten Frauen zuerst denken, die unterdrückt werden, und ihre Würde wieder her stellen, haben wir auch die moralische Berechtigung, die Gleichberechtigung der oberen Etagen auszubauen.

 

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