Aus meinem Buch „Christenverfolgung geht uns alle an“, das es lange nur als Din A4-Heft gab, seit 2011 aber auch als Buch, siehe hier.

Für Verfolger beten

These: Das Neue Testament fordert in alttestamentlicher Tradition (z. B. Hiob 31,29; 42,8-9) immer wieder dazu auf, für die Verfolger zu beten und um Gnade für sie zu bitten.

Jesus selbst forderte seine Jünger auf: „Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Mt 5,44; lies V. 45–48); „Liebet eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet, die euch fluchen, betet für die, die euch beleidigen“ (Lk 6,27–28). Paulus formulierte dasselbe Gebot ähnlich: „Segnet, die euch verfolgen“ (Röm 12,14; vgl. V. 19–20) und berichtet, wie er es selbst befolgte: „geschmäht segnen wir, verfolgt dulden wir, gelästert reden wir Gutes“ (1Kor 4,12).

Zu den eindrucksvollsten Zeugnisse eines Martyriums gehört die Bitte der Sterbenden an Gott, den Peinigern gegenüber Gnade walten zu lassen. Jesus selbst betete „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34) und der erste christliche Märtyrer Stephanus rief im Sterben: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu“ (Apg 7,60). Die Bitte beider wurde unter anderem dadurch erhört, dass Verfolger unmittelbar oder kurz darauf zum Glauben an Christus fanden (der Hauptmann in Lk 23,47; Paulus in Apg 9,1–18).

Es liegen viele Zeugnisse aus der Frühen Kirche und der gesamten Kirchengeschichte vor,[1] dass Märtyrer im Sterben verkündigt und für ihre Verfolger gebetet haben,[2] so etwa von Polykarp.[3]

Dies gilt auch für die Gegenwart. Nach einem Bericht des indonesischen Evangelisten Petrus Oktavianus[4] ging 1913 ein Missionar in das Toradjagebiet in Südcelebes. 5 Männer des Stammes wollten ihn töten, aber erlaubten ihm vorher noch ein Gebet zu sprechen. Er betete laut für die Errettung seiner Mörder. Drei der Mörder wurden später nach Java verbannt, bekehrten sich im Gefängnis zu Christus und kehrten später nach Toradja zurück. Die von ihnen begonnene Kirche war 1971 die viertgrößte Kirche Indonesiens mit über 200.000 Christen.

Berühmt ist auch das Beispiel der fünf Missionare, die von den Auca-Indianern erschossen wurden. Einige der Mörder wurden später zu Säulen der entstehenden Kirche unter den Aucas.[5]

Verfolger bekehren sich

These: Immer wieder haben sich Menschen, die Christen verfolgt haben, zu Christus bekehrt.

Zwei Beispiele dafür haben wir bereits kennengelernt. Das berühmteste Beispiel ist natürlich die Bekehrung des Paulus. Paulus sagt selbst immer wieder, dass er früher „Verfolger“ (1Kor 15,9; Gal 1,13+23; Phil 3,6; 1Tim 1,13; vgl. Apg 9,4–5; 22,4+7–8; 26,11+14+15), ja ein „Lästerer, Verfolger und Gewalttäter“ (1Tim 1,13) war. Paulus schreibt über die Reaktion der Christen, die von seiner Bekehrung hörten: „Sie hatten nur gehört: Der uns früher verfolgte, der predigt jetzt den Glauben, den er früher zu zerstören suchte, und priesen Gott über mir“ (Gal 1,23–24).

Wenn Christen für Verfolgungssituationen beten, beten sie deswegen nicht nur für die betroffenen Christen, sondern immer auch für die Verfolger selbst. Die Verfolger werden durch das Zeugnis der Verfolgten und durch die Gebete zur Umkehr gebracht oder aber weiter verstockt, sie bleiben jedenfalls davon nicht unberührt.


[1] Siehe z. B. Eusebius von Caesarea. Kirchengeschichte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt, 1984 [Lizenz von Kösel: München, 19812]. S. 245 [5. Buch, Kap. 4, V.5].

[2] Z. B. Eusebius, Kirchengeschichte, 5, 2, 5–7 (Brief der Gemeinden von Vienne und Lyon), abgedruckt in Eusebius von Caesarea. Kirchengeschichte. a. a. O. S. 246.

[3] Das Gebet findet sich im Martyrium des Polykarp 14,1–3 + 15,1 = S. 12-15 in: Herbert Musurillo (Hg.). The Acts of Christian Martyrs. Clarendon Press: Oxford, 1972, ‘Martyrium des Polykarp’ S. 2-21, auch abgedruckt in Eusebius von Caesarea. Kirchengeschichte. a. a. O. S. S. 212 [4. Buch, Kap. 15, V.33-35]. Vgl. zum Martyrium von Polykarp Hans-Werner Surkau. Martyrien in jüdischer und frühchristlicher Zeit. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, 1938. S. 126–134 und die Quellentexte: Eusebius von Caesarea. Kirchengeschichte. a. a. O. S. 206–215 (4. Buch, Kap. 14–15); vgl. auch die echten Briefe Polykarp, in denen er auch seine Sicht des Martyriums darstellt: „Die beiden Polykarp-Briefe“. S. 227-265 in: Joseph A. Fischer (Hg.). Die Apostolischen Väter. Kösel: München, 19818.

[4] Petrus Oktavianus. „Die Narde ausschütten“. S. 120–128 in: Otto Riecker (Hg.). Ruf aus Indonesien, Hänssler: Neuhausen, 19733 [19711]. S. 126.

[5] Vgl. den Bericht der Ehefrau des Leiters der Gruppe Elisabeth Elliot. Die Mörder – meine Freunde. CLV: Bielefeld, 1999.

 

2 Kommentare

  1. Dr. Reiner Hennig 11. August 2013 at 12:45

    Danke für Ihren Beitrag. Gott ist Liebe, und das wird am deutlichsten daran, daß Jesus für Seine Feinde gestorben ist. Hat Gottes Geist und Seine Liebe in uns den Freiraum, daß sie die gleiche Liebe auch in uns bewirken kann? Dies hier ist ein ganz deutlicher Fall davon, daß es mit gutem Willen allein überhaupt nicht geht, sondern daß wir Gottes Liebe, ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, wirklich nötig haben.

     
  2. Pingback: Was ich gern zum Lesen weiterempfehle (KW 33 & 34 – 2013) | lgvgh – ein Blog von Viktor Janke

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.