Hahn und Schirrmacher bei Ministerpräsident und Patriarch

Mit dem Ministerpräsidenten

(Bonn, 16.07.2016) Gemeinsam mit dem Leiter des deutschen Professorenforums, Hans-Joachim Hahn, hat der Präsident der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und Beauftragte für Ökumene und Religionsdialog der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, die Spitzen des Staates, der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Religionen und der Menschenrechtsorganisationen in Georgien besucht.

„Kann man in drei Tagen die Spitzen aller Bereiche der Gesellschaft eines Staates besuchen? Ja, in einem kleineren Land mit großer Gastfreundschaft wie Georgien geht das“, so Schirrmacher gegenüber den Medien. „Und wenn man Freunde hat mit guten Verbindungen, wie in diesem Fall das Professorenforum unter Hans-Joachim Hahn, seinem gegenüber, dem Metropoliten Daniel, und den Vorsitzenden der georgischen Sektion der IGFM, Avtandil Davitaia“, fügte er hinzu.

Höhepunkt war ein gemeinsames Essen mit dem Ministerpräsidenten des Landes, Giorgi Kvirikashvili, und dem Patriarchen der Georgisch-Orthodoxen Kirche, Ilja II., sowie seiner rechten Hand, Metropolit Daniel (Datuashvili), in der Mutterkathedrale der Kirche in Mzecheta. Bei dem Gespräch ging es um das Verhältnis von Kirche und Staat in Georgien angesichts des Wunsches Georgiens, der EU beizutreten, was europäische Standards der Religionsfreiheit einschließt.

Zu den weiteren Gesprächspartnern gehörten:

  • der Präsident der Exil-Regierung von Abchasien, Vakhtang Kolbaia, gemeinsam mit dem Präsidenten des Exil-Parlamentes und einzelner Minister,
  • der Staatsminister für europäische und euro-atlantische Integration, David Bakradze,
  • der Präsident der Nationalen Sektion der ISHR in Georgien, Prof. Dr. Avtandil Davitaia, mit weiteren Vorstandsmitgliedern,
  • der Präsident der Akademie der Wissenschaften von Georgien, Prof. Dr. Tamas Gamqrelidse,
  • der Rektor der Orthodoxen Universität Prof. Dr. Sergo Vardosanidze mit dem Dekan der Fakultät Sozialwissenschaften und Recht, Prof. Dr. Dimitri Nadirashvili,
  • der Präsident der Vereinigung der 62 größten georgischen Unternehmen (Business Association of Georgia), George Chirakadze, mit weiteren Vorstandsmitgliedern,
  • die Ökumenebeauftragte der Georgisch-Orthodoxen Kirche, Prof. Dr. Eka Kvachantiradze, Historikerin an der Tbilisi State University,
  • der gesamte Vorstand des „International Centre for Christian Studies at the Georgian Orthodox Church“, darunter der Vorsitzende Prof. Dr. Mushhelishvili und seine beiden Stellvertreter Erzbischof Anania (Japaridze), Metropolit von Manglisi und Tsalka, und Archimandrit Prof. Dr. Adam (Vakhtang Akhaladze), Professor der Medizin und Rektor der Universität König Tamar.
  • Zudem hatten Kirche und Regierung ein Treffen mit der ‚Intelligentsia‘, das heißt 60 führenden Künstlern, Journalisten, Wissenschaftlern und Unternehmern des Landes, im International Cultural Center in Tiblis organisiert, bei denen lange über zwei kurze Einstiegsbeiträge von Hahn und Schirrmacher zum Verhältnis von Christentum und Moderne diskutiert wurde.
  • Außerdem hielten Hahn und Schirrmacher Gastvorlesungen an der Orthodoxen Universität des Landes in Tiflis zu Bedeutung und Besonderheit christlicher Pädagogik.

Schirrmacher wurde von seinem persönlichen Referenten, Martin Warnecke, und seiner Tochter, der Islamwissenschaftlerin (BA) Esther Schirrmacher, begleitet.

Die georgische orthodoxe Apostelkirche

(v. l.) Schirrmacher, Patriarch Ilja II., Hahn, Metropolit Daniel

Die georgische orthodoxe Apostelkirche (GOK) ist eine autokephale orthodoxe Kirche und geht in ihren ersten Anfängen auf die Missionsarbeit der Apostel im 1. Jahrhundert zurück. Im Jahre 325 nahm der aus dem westlichen Georgien stammende Bischof Stratophilos von Pityounta (heute Pizunda) am Ersten Konzil von Nicäa teil. König Mirian III. nahm Kontakt mit Konstantinopel auf und lud orthodoxe Priester ein, ins Land zu kommen, die ab 326 in Iberia missionierten. 327 wurde das Christentum zur Staatsreligion Iberiens erklärt. Seit 487 ist die Kirche autokephal, seit dem 11. Jh. heißt das Oberhaupt Katholikos-Patriarch von Gesamt-Georgien. 1811 wurde die Autokephalie von Russland abgeschafft, 1917 wieder eingeführt.

Der 1933 geborene Patriarch Illia II. wurde 1977 gewählt. Zu seinen Verdiensten gehört unter anderem die Herausgabe der Bibel in modernem Georgisch.

Der Patriarch nahm persönlich am 09.04.1989 in Tiflis an den Demonstrationen gegen die sowjetische Herrschaft teil. Vergeblich versuchte er zu erreichen, dass sich die Demonstranten in die nahe gelegene Kaschueti-Kirche zurückzogen. Schließlich wurde die friedliche Demonstration vom sowjetischen Militär beendet, 22 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Während der Bürgerkriege in den 1990er Jahren rief Illia II. immer wieder dazu auf, eine friedliche Lösung der Krise zu finden.

1997 trat die GOK aus Protest gegen ethisch „liberale“ Positionen aus dem ÖRK aus, obwohl Illia II. zeitweise Vizepräsident des ÖRK gewesen war.

Kathedrale

Luftbild der Swetizchoweli-Kathedrale, Mzcheta, Georgien (CC BY 2.0 by Paata Vardanashvili, Wikimedia)

Die 1010 bis 1029 errichtete Swetizchoweli-Kathedrale, in der der Empfang durch Ministerpräsident und Patriarch stattfand, war über mehrere Jahrhunderte die Krönungs- und Begräbniskirche der georgischen Könige und die Hauptkirche der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche. Bis heute ist sie Sitz des Erzbischofs von Mzcheta und Tiflis, der zugleich der Katholikos-Patriarch von Georgien ist. An ihrer Stelle stand bereits im 4. Jahrhundert die erste Kirche Georgiens, auf die sich auch etliche Legenden zur Christianisierung Georgiens im Jahre 317 beziehen.

Professorenforum

Seit seiner Gründung Ende der 1990er Jahre verbindet das von Hans-Joachim Hahn koordinierte „Professorenforum“ Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachrichtungen, Ländern und Konfessionen zum Diskurs über christlich-abendländische Werte und Weltanschauung in ihrer Bedeutung für Wissenschaft und Gesellschaft. Dabei entstehen Veranstaltungen, Veröffentlichungen, Netzwerke und Impulse in die Öffentlichkeit. Das Professorenforum organisiert auch Diskussionsveranstaltungen an deutschen Universitäten, bei denen christliche und nichtreligiöse Wissenschaftler in einen Disput treten. Daneben finden Symposien mit ähnlichen Initiativen im nichtdeutschsprachigen Ausland statt, seit 2013 auch im georgisch-deutschen Dialog.


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