Die islamische Welt sieht sich gerne der westlichen und der christlichen Welt als moralisch überlegen an. Selbst wenn man einmal nur die islamischen Werte selbst als Maßstab anlegt, wird diese Behauptung in vielen Fragen ganz einfach von der Statistik widerlegt.

Dabei geht es mir nicht darum, moralische Fehlentwicklungen bei ‚uns‘ zu beschönigen. Dazu habe ich andernorts genügend gesagt, etwa in meinen Büchern ‚Internetpornografie‘ oder ‚Menschenhandel‘. Schon gar nicht geht es um eine Retourkutsche in dem Sinne, dass die westliche Welt moralischer sei als die islamische.

Auch geht es nicht darum, Muslime allgemein schlecht zu machen. Unter Muslimen gibt es wie bei ‚uns‘ solche und solche Menschen, liebevolle Mütter wie Kriegstreiber, am Gespräch interessierte Gelehrte wie Bankräuber. Und in islamischen Ländern und Kulturen gibt es Bereiche, in denen sie uns Vorbilder sein können.

Zudem haben Muslime wie alle Menschen ein Anrecht darauf, vor Verleumdung geschützt zu werden, wie das 9. der Zehn Gebote gegen „falsches Zeugnis“ deutlich macht. Deswegen habe ich mein Buch „Feindbild Islam“ geschrieben, dass einige typische, falsche Aussagen über Muslime widerlegt.

Dennoch möchte ich einmal vier Beispiele dafür anführen, dass oft ein Lücke zwischen dem offiziellen moralischen Anspruch und der Realität klafft – was natürlich am Ende wohl für alle Menschen und alle Religionen gilt, aber eben auch für den Islam.

Beispiel 1: Pornografie

Internetpornografie hat in den arabischen Ländern die höchsten Zugriffsraten. Gemäß ‚Google Trends‘ (http://www.google.de/trends) sind unter den zehn Ländern, in denen am häufigsten nach etwas im Zusammenhang mit dem begriff ‚Sex‘ gesucht wird, sieben muslimische Länder: Pakistan, Ägypten, Türkei, Algerien, Marokko, Indonesien und Iran. Pakistan führt fast jedes Jahr bei Begriffen wie ‚animal sex‘, ‚rape sex‘ usw. Daran ändert sich auch nichts Grundlegendes, wenn man die Zugriffsraten ins Verhältnis zur Einwohnerzahl der Länder setzt.

Beispiel 2: Drogenhandel und Drogenmissbrauch

Iran (siehe hier) und Afghanistan (siehe hier) sind die größten Drogenhändler der Welt und überziehen die Welt mit harten Drogen. Die Drogengeschäfte finanzieren dabei oft auch Prediger einer eisernen Moral und ihren Kampf gegen Andersdenkende, denn – und das ist nicht das einzige Beispiel – „Der Drogenhandel gehört zu den Haupteinnahmequellen der Taliban.“

Aber die Drogen werden nicht nur dem „Feind“ und den „Ungläubigen“ geliefert, sondern auch von vielen Muslimen in der Lebensumwelt der Herstellungsgebiete konsumiert. „Oft wird vergessen, dass das Opium als Heroin auch in Afghanistan konsumiert wird.“ (wie letzte Quelle).

Der islamische Jemen dürfte das am stärksten von Drogenmissbrauch geplagte Land der Erde sein, die ganze Kultur ist von der Kaudroge ‚Qat‘ geprägt. „Der Anbau führt zu Dürren, der Konsum zu breiter Armut … Einer Studie der Weltbank zufolge kauen 72 Prozent der Männer und 33 Prozent der Frauen im Jemen regelmäßig Qat. War der Konsum in den 1960er-Jahren noch den Reichen vorbehalten, kaut heute die Hälfte aller Jemeniten jeden Tag der Woche – auch die Ärmsten der Armen. Und das in einem Land, in dem knapp ein Drittel der 22 Millionen Einwohner mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen muss. Qat ist aber verhältnismäßig teuer. Eine Backe voll guten Stoffs kann zwei oder drei Euro kosten. So gehen bis zu einem Drittel des Familieneinkommens statt in Nahrung in den Drogenkonsum, was ein Fünftel aller betroffenen Familien in den Ruin treibt.“ (Quelle: welt.de)

Beispiel 3: Sklaverei und Menschenhandel

Islamische Länder wie der Jemen waren die letzten Länder, die Sklaverei offiziell abgeschafft haben. Sklaverei ist leider in der islamischen Welt auch in ihrer klassischen Form weiter vorhanden, obwohl sie dort als moralisch verwerflich gilt und gerne dem Westen vorgeworfen wird. Die neueren Formen des Menschenhandelns oder der Haushaltssklaverei finden sich in einigen Ländern der islamischen Welt tief verwurzelt, wenn man etwa die Behandlung der Philippinos in Saudi Arabien anschaut.

Laut UNO, UNESCO und ILO sind Länder wie Sudan oder Mauretanien führend, was Sklaverei und Menschenhandel betrifft. Das Außenministerium der USA listet in seinem ‚Trafficking in Persons Report 2010‘ viele islamische Länder mit vielen Details auf, die führend im Menschenhandel einschließlich Frauen- und Kinderhandel für die Sexindustrie, darunter besonders Saudi Arabien (hier: http://www.state.gov/documents/organization/142979.pdf).

(Siehe zu diesem Thema im Detail Tidiane N‘Diaye. Der verschleierte Völkermord: Die Geschichte des muslimischen Sklavenhandels in Afrika. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010 und William Gervase Clarence-Smith. Islam and the Abolition of Slavery. Oxford/New York: Oxford University Press, 2006. – (Zur Kritik am westlichen Menschenhandel siehe mein Buch ‚Menschenhandel‘.)

Beispiel 4: Teenagersexualität

Nach drei globalen Beispielen schauen wir uns noch ein deutsches Beispiel an. Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kommt zu dem Ergebnis: „Jungen aus Migrantenfamilien sind früher und damit auch insgesamt häufiger sexuell aktiv als ihre deutschen Geschlechtsgenossen …“ (Jugendsexualität: Repräsentative Wiederholungsbefragung von 14- bis 17-Jährigen und ihren Eltern – aktueller Schwerpunkt Migration – 2010. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2010. S. 8, s. S. 8-9). (Download hier)

Während 4% der deutschen männlichen unter 14-Jährigen sexuelle Erfahrungen haben, sind es bei ihren Altersgenossen mit Migrationshintergrund 10 %. Der Vorsprung bleibt auch bei den unter 17-Jährigen erhalten (65% zu 72%) (Tabellen für 2009 bei Angelika Heßling. „Jugendsexualität in Deutschland 2010 – Schwerpunkt Migration“. BzgA Forum Sexualaufklärung und Familienplanung 2/2010: 3–9. S. 5) (Tabellen zum Download hier).

Bei den Mädchen sieht es bei den unter 17-Jährigen zwar umgekehrt aus (Deutsch 66%, Migrationshintergrund 53%), aber bei den weiblichen unter 14-Jährigen haben 7% der Deutschen, aber 9% der Mädchen mit Migrationshintergrund sexuelle Erfahrungen.

Nun weiß ich auch, dass ‚Migrationshintergrund‘ nicht automatisch ‚muslimisch‘ bedeutet, auch wenn die Muslime hier die Mehrheit ausmachen. Dass hier möglicherweise auch ‚Russlanddeutsche‘ mit erfasst sind, bei denen es dann oft eine ähnlich Diskrepanz zwischen konservativer oder religiöser Forderung und tatsächlicher Praxis der Teenager gibt, liegt da irgendwie auf derselben Linie, nur im christlichen Bereich. Aber die Tendenz ist klar und wird von anderen Studien und der Erfahrung bestätigt.

 

Ein Kommentar

  1. Pingback: Frauen und Scharia: Eine Geschichte des Elends mit einer Zukunft in Europa? « lautschriften

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.