Auch wenn man sicher als Christ zwischen der tatsächlichen geschehenden Versöhnung für glaubende Christen und dem allgemeinen Versöhnungsaufruf an jedermann unterscheiden muss, so prägt doch eine christliche Kultur auch diejenigen in Richtung Versöhnung, die sie selbst nicht glaubend oder religiös in Anspruch nehmen.

Ebenso gilt: Auch wenn man zwischen Kirche und Staat unterscheiden muß und man zwischen der Versöhnung und Vergebung, die die Kirche verkündigt und praktiziert und der Bedeutung der Versöhnung für den Staat, der irdische Gerechtigkeit aufrichten soll, unterscheiden muß, gilt doch: Christliche Kulturen sind von dem Versöhnungs- und Vergebungskonzept auf allen Ebenen der Gesellschaft geprägt (Eltern und Kinder, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Völker untereinander), auch wenn dies oft nur noch säkular vollzogen wird.

Die aufs Ganze gesehen erfolgreiche Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach zwei Weltkriegen war zwischen zwei christlichen Völkern möglich, auch wenn sie wirksame Hilfsmittel wie den gigantischen Schüleraustausch der Nachriegsjahre zu Hilfe nahm. (Sie war aber nicht zwingend, wie Nordirland leider lange bewies und Belgien von Tag zu Tag mehr beweist). Es war kein Wunder, dass das Symbol der Versöhnung zwischen Adenauer und De Gaulle ein Gottesdienst in der Kathedrale von Reims am 8.7.1962 war (leider kann ich das Foto hier nicht einstellen, siehe also hier).

Wo dagegen dieser kulturelle Hintergrund fehlt, ist eine Versöhnung viel schwieriger. So ist eine entsprechende grundlegende Versöhnung zwischen Juden und Palästinensern aufgrund der anderen religiösen Hintergründe kaum zu erwarten, so dass wohl bestenfalls ein Waffenstillstand wie zwischen Israel und Ägypten in Aussicht stehen kann.

 

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