Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Menschenrechte!

Eine Websuche zeigt mir, dass alle wichtigen Schweizer Medien – Fernsehen, Print und Online; sfr, NZZ und Schweiz am Sonntag – die Preisverleihung des Menschenrechtspreises der Schweizer Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte an den Kriegsreporter Kurt Pelda berichtet haben. Kein Wunder, sind sie doch alle Abnehmer seiner begehrten und ungewöhnlichen Kriegsreportagen. Aber auch in Deutschland finden sich alle führenden Medien unter den Beziehern der Reportagen, wie Spiegel, Focus, WELT oder ARD und ZDF.

Doch so bewundernswert Kriegsreporter an sich schon sind, Pelda ist eine seltene Spezies unter ihnen. Denn sein Interesse gilt nicht vorrangig Kriegsverläufen oder Analysen der Waffenstärke, sondern dem persönlichen Schicksal der Menschen und den gerade im Krieg überbordenden Menschenrechtsverletzungen. Kürzlich gefragt, warum er sich in Syrien und Irak in Gefahr begibt, antwortete er:

„Weil mich das Schicksal der Menschen … nicht kalt lässt. Es ist die grösste humanitäre Katastrophe seit Jahrzehnten, deshalb müssen wir wissen, was dort passiert, und zwar von unabhängigen Reportern, die sich bis ins Krisengebiet vorwagen. Es gibt schon viel zu viele Journalisten, die sich ihre Berichte aus dem Internet zusammenschreiben. Das ist unseriös. Ich glaube, dass sich der Augenschein am Ort des Geschehens durch nichts ersetzen lässt. Er ist auch ausschlaggebend für jede ernsthafte Analyse. … Die Tendenz der Medien zur Fern-Diagnose und -Analyse halte ich für fatal.“

Jede Menschenrechtsorganisation kann dem nur zustimmen. Das ist nicht die Haltung eines Mannes, der möglichst schnell zu Ruhm oder Geld kommen will, nicht die Haltung eines Mannes, den Abdruckquoten oder ‚Political correctness‘ interessieren, sondern eines Mannes, der das wahre Schicksal der Opfer sehen, mitfühlen und wahrhaft und nachvollziehbar berichten will, auch wenn das nicht nur sein Leben in Gefahr bringt, sondern ihn auch wirtschaftlich stark gefährdet. Bedeutet es doch nicht nur fehlende Anstellung, sondern auch viele Extrakosten für Sicherheitsmassnahmen, die keiner ersetzt.

Um so erfreulicher, dass Kurt Pelda nun hohes Lob von einer Menschenrechtsorganisation erfährt, die beurteilen kann, dass am Ende das tatsächliche Einzelschicksal zählt, nicht das politische Ausschlachten einer Situation. In Kriegen werden sind mehr Menschen von Menschenrechtsverletzungen betroffen, werden Menschenrechtsverletzungen oft flächendeckend begangen, sind Menschenrechtsverletzungen am leichtesten zu vertuschen. Das immer wieder neu aufzudecken und westlichen Lesern bewusst zu machen, ist ein Verdienst des Preisträgers. Ich bin stolz darauf, dass eine unserer Sektionen das erkannt und in ein öffentliches Dankeschön umgesetzt hat.

Thomas Schirrmacher
Präsident des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte/
International Society for Human Rights

 

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