Während in wirtschaftlichen Fragen Deutschland eher Vorbild für Frankreich zu sein scheint, gilt das in Sachen Prostitution und Menschenhandel genau umgekehrt.

Nach Jahren heißer Debatte hat das französische Parlament ein Gesetz verabschiedet, nach dem der Kauf von Sexdienstleistungen (Prostitution) verboten ist und ein Zuwiderhandeln mit 1.500 € bestraft wird, während die Prostituierten selbst entkriminalisiert werden.

Den 80% der rund 40.000 ‚Sex workers‘ im Land, die keine französischen Bürger sind, wird die Einbürgerung stark erleichtert, wenn sie aus ihrem Gewerbe aussteigen und dazu ein sechsmonatiges Aussteigerprogramm absolvieren. Daneben wird eine Stiftung eingerichtet, die jährlich 4,8 Mio. € und alle Einnahmen aus den Strafgebühren erhält, um Ausstiegsprogramme für Sex-worker zu fördern. Alle Achtung!

Damit folgt Frankreich den Erfahrungen in Schweden, Norwegen und Island (deswegen auch „das nordische Modell“ genannt), dass dies der beste Weg ist, Zwangsprostitution zu bekämpfen und zu reduzieren. Weitere Länder wie Israel sind auf dem Weg zu ähnlichen Gesetzen.

In den Niederlanden, das vor 16 Jahren und noch vor Deutschland die Prostitution völlig legalisiert hat, ist ein ähnliches Vorgehen in der Diskussion. Erstes Ergebnis ist ein Gesetzesentwurf mit guten Chancen, das Verkehr mit einer Zwangsprostituierten mit bis zu 4 Jahren Gefängnis und rund 20.000 Euro bestrafen will.

Das Europäische Parlament hat in einer Entschließung „Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels“ vom 12.05.2016 alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union aufgefordert, Leitlinien zur Bestrafung der Kunden nach dem skandinavischen Modell vorzulegen

„Das Europäische Parlament … 48. … fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Leitlinien zur Bestrafung der Kunden nach skandinavischem Vorbild vorzulegen und gleichzeitig die Sensibilisierung für alle Formen des Menschenhandels, insbesondere sexuelle Ausbeutung, zu erhöhen 

Während also Länder, die einst fast ein Synonym für freie Prostitution waren, das Schicksal von Frauen in den Mittelpunkt stellen, wird Deutschland mehr und mehr zum Eldorado der Freier, der Zuhälter und der Bordellbetreiber. Hatte man die im Gesetz vorgesehen Überprüfungsfrist des Erfolges oder Misserfolges des Gesetzes nach zehn Jahren schon sowieso länger verstreichen lassen, so ist auch der neueste Gesetztentwurf ein Gemurxe und Geeiere, das an der grundsätzlichen Situation nichts ändert, dass Deutschland ein Paradies für Bordellbetreiber ist und eine ganze Tourismusindustrie Freier in großen Zahlen – vor allem mit Bussen  aus Nachbarländern zu uns bringt und Deutschland bei der Bekämpfung von Zwangsprostitution weiterhin zu einem der Schlusslichter macht.

Was mir Hoffnung macht: Zwar sind nur ein Viertel der Deutschen für ein generelles Verbot für Sex gegen Geld. Aber eine Mehrheit von 57 Prozent der unter 30-Jährigen würde Prostitution am liebsten ganz verbieten.

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