Georgisch-deutsches Symposium „Christentum und die europäische Zivilisation“ des Professorenforums und des International Center for Christian Studies at the Orthodox Church of Georgia (ICCS)

Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Metropolit Daniel (Datuashvili)

Thomas Schirrmacher im Gespräch mit Metropolit Daniel (Datuashvili)

(Bonn, 02.12.2015) Unter dem Titel „Christentum und die europäische Zivilisation“ lud das Professorenforum in Kooperation mit dem International Center vor Christian Studies at the Orthodox Church of Georgia (ICCS) zu einem georgisch-deutschen Symposium in das Kloster des Heiligen Kreuzes in Scheyern bei Pfaffenhofen ein.

In seinem Eröffnungsvortrag „Christentum und Menschenrechte“ erklärte Prof. Dr. Thomas Schirrmacher vor hochrangigen Repräsentanten aus Wissenschaft und Geistlichkeit beider Länder, dass der moderne Gedanke der Menschenrechte ohne seine Ursprünge im Christentum nicht ausreichend legitimiert werden könne:

„Menschenrechte sind im Wesen des Menschen als Geschöpf Gottes begründet, nicht in der Zugehörigkeit zu einer Religion oder Weltanschauung.“

Die zentrale Forderung des Theologen und Religionssoziologen lautete aber auch:

„Menschenrechte müssen nicht nur allen Staaten, sondern auch allen Religionen und Weltanschauungen vorgeordnet sein, sonst funktionieren sie nicht!“

Thomas Schirrmacher bei seinem Vortrag vor zwölf georgischen und zwölf deutschen Professoren

Thomas Schirrmacher bei seinem Vortrag vor zwölf georgischen und zwölf deutschen Professoren

Zwar hätten die Menschenrechte auch elementare Wurzeln im christlichen Denken, aber gerade deswegen sei die institutionelle Christenheit ihnen untergeordnet, nicht übergeordnet.

Mit dem Anspruch universeller Gültigkeit seien die Menschenrechte in Form der UNO-Menschenrechtserklärung von 1948 kodifiziert worden, allerdings ohne eine allgemein akzeptierte Herleitung oder Begründung mitgeliefert zu haben. Wenn es jedoch keine Rückbindung des Menschenrechtskataloges an eine höhere Instanz gebe, so Schirrmachers Befürchtung, seien die Menschenrechte eben nur das Ergebnis einer Abstimmung und hätten nur so lange Geltung, wie Ihnen zugestimmt würde. Ihre Vorstaatlichkeit könnte nur weltanschaulich begründet werden.

Zugleich, so Schirrmacher weiter, gälte:

„Das Christentum tut sich am leichtesten mit dem über den Religionen stehenden, gewissermaßen säkularen Charakter der Menschenrechte.“

Anschließend analysierte Schirrmacher die theologischen Grundlagen des Menschenrechtsgedankens und hob hervor:

„Menschen, und zwar alle Menschen, nicht nur die Christen, sind Geschöpfe Gottes und Ebenbilder Gottes und haben deswegen eine unglaubliche Würde, die allem anderen vorausgeht. Diese Würde ist davon unabhängig, wie der einzelne Mensch zu Gott steht, also auch davon, ob er Christ ist oder nicht.“

Menschenwürde und Menschenrechte seien demnach im Wesen des Menschen als Geschöpf Gottes begründet. Folglich schaffe nicht der Staat die Menschenrechte, sondern formuliere und schütze sie lediglich.

Die abschließende Forderung Schirrmachers lautete:

„Die Menschenrechte müssen nicht nur allen Staaten, sondern auch allen Religionen und Weltanschauungen vorgeordnet seien, sonst funktionieren sie nicht!“

Deshalb dürften auch die christlichen Kirchen die Menschenrechte nicht für sich vereinnahmen:

„Wir Christen wissen, der Umstand, dass wir an Gott glauben, bewahrt uns nicht vor schlimmen Entscheidungen und Handlungen, wie zahlreiche Beispiele der Geschichte belegen.“ Letztlich würde es aber „vielen religiösen Menschen weltweit helfen, wenn sie weniger den säkularen, und damit für sie eher bedrohlichen Charakter der Menschenrechte sehen würden, sondern sich mit dem Juden- und Christentum bei der Autorisierung der Menschenrechte durch den Schöpfer und der Verankerung der Menschenrechte im Geschaffensein durch Gott einzusetzen.“

Das Symposium

Thomas Schirrmacher wendet sich an Metropolit Daniel (Datuashvili), links daneben Hans-Joachim Hahn, Koordinator des Professoren-Forums, rechts ein Übersetzer

Thomas Schirrmacher wendet sich an Metropolit Daniel (Datuashvili), links daneben Hans-Joachim Hahn, Koordinator des Professoren-Forums, rechts ein Übersetzer

Seit seiner Gründung Ende der 1990er Jahre verbindet das von Hans-Joachim Hahn koordinierte „Professorenforum“ Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachrichtungen, Ländern und Konfessionen zum Diskurs über christlich-abendländische Werte und Weltanschauung in ihrer Bedeutung für Wissenschaft und Gesellschaft. Dabei entstehen Veranstaltungen, Veröffentlichungen, Netzwerke und Impulse in die Öffentlichkeit.

Das Symposium organisiert auch Diskussionsveranstaltungen an deutschen Universitäten, bei denen christliche und nichtreligiöse Wissenschaftler in einen Disput treten. Daneben finden Symposien mit ähnlichen Initiativen im nichtdeutschsprachigen Ausland statt, seit 2013 auch im georgisch-deutschen Dialog.

Das diesjährige Symposium wurde durch den georgischen Metropoliten Daniel (Datuashvili) mit den Worten eröffnet:

„Das Hauptziel unserer Konferenz ist es, der europäischen Gesellschaft und der ganzen Welt vor Augen zu führen, welche Rolle das Christentum bei der Entwicklung der intellektuellen Kultur gespielt hat. Glaube und Wissenschaft stehen einander nicht entgegen, sondern ergänzen sich.“

Unter den Referenten der Tagung unter dem gemeinsamen Vorsitz von Hans-Joachim Hahn und Metropolit Daniel befanden sich unter anderem die Historikerin an der Tbilisi State University Prof. Dr. Eka Kvachantiradze, der Religionsphilosoph und Direktor der Internationalen Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein Prof. Dr. Daniel von Wachter, die Philosophin Prof. Dr. Edith Düsing sowie der Ökonom an der Universität Erlangen-Nürnberg Prof. Dr. Werner Lachmann.

 

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