Diese Tabelle ist eine Erweiterung der Tabelle in meinem Buch „Koran und Bibel“ (2009), das inzwischen im Mai 2012 in 4. Auflage erschienen ist (Bestellmöglichkeit hier). Zudem sind die beiden Spalten hier vertauscht worden, so dass die Bibel links steht und man von eher Bekanntem zu eher Unbekanntem geht. Die Vorgehensweise wird in dem Buch näher erläutert, die einzelnen Punkte dort näher belegt.

Vergleich zwischen dem Inspirationsverständnis von Bibel und Koran

Bibel

Koran

A. Gott und Mensch oder nur Gott?

Gott und Mensch sind beide Autoren
(Komplementarität zu je 100%).

Nur Gott ist Autor (100% göttlich, 0% menschlich).

Die Bibel entstand sukzessive im Laufe einer langen Geschichte; die einzelnen Bücher jeweils, wenn Menschen sie niederschrieben oder zusammenstellten.

Der Koran wurde nicht geschrieben, sondern „herabgesandt“, und war im Himmel immer schon als ewige „Mutterschrift“ bei Gott fertig.

Zahlreiche und vielfältige Autoren.

Kein menschlicher Autor, nur ein Empfänger.

Spiegelt die menschliche Persönlichkeit der jeweiligen Autoren wider.

Hat nichts mit irgendeiner menschlichen Persönlichkeit zu tun.

Die Texte sind meist eng mit der Lebensgeschichte ihrer Verfasser oder der dargestellten Personen verquickt.

Der Koran findet keine Begründung in der Lebensgeschichte Muhammads.

B. Vielfältige normale Sprache oder einheitliche, heilige Sprache?

Sammlung von 66 Schriften.

Ein einheitliches Buch.

Große literarische Vielfalt.

Einheitlicher Stil.

Keine Perfektion der Sprache, sondern „normale“ Sprache; grammatische „Fehler“ selbstverständlich; viele Sprachstile und sprachliche Eigenheiten.

Perfektion der Sprache als Zeichen des Wundercharakters des Korans.

Keine heilige Sprache, vorwiegend Gebrauchssprache, mehrere Sprachen und Sprachstile, wichtige Aussagen nur in Übersetzung erhalten (z. B. Jesusworte).

Heilige und vollkommene Sprache.

Gebete sind in jeder Sprache der Erde möglich.

Weltweit sind die täglichen Pflichtgebete und das Glaubensbekenntnis nur in der Sprache des Korans angenehm vor Gott.

Verlesen der Bibel in den Ursprachen ist sinnlos, wenn Leser und Hörer diese Sprachen nicht verstehen.

Verlesen (Rezitieren) des Korans auf Arabisch ist erforderlich und verdienstvoll, auch wenn Hörer und Leser das klassische Arabisch nicht verstehen.

Notwendigkeit der Übersetzung und der Verkündigung zum Verständnis, die Botschaft entfaltet Wirkung.

Wahrheit und Wirkung sind nicht auf das Verstehen angewiesen.

C. Wissenschaftlicher Umgang oder reine Verteidigung?

Verpflichtung zur Übersetzung und Verständlichmachung.

Übersetzung eigentlich nicht möglich; Koranübersetzungen sind Interpretationen.

Textkritik ist zulässig und Teil der Geschichte.

Textkritik ist nicht zulässig.

Textkritische Textausgaben mit verschiedenen Lesarten seit frühester Zeit.

Glaubenssatz der Einheitlichkeit der Überlieferung.

Die Bibel unterliegt in ihrer Auslegung hermeneutischen und literaturwissenschaftlichen Prinzipien wie jeder andere Text auch.

Keine Hermeneutik und Literaturwissenschaft für die Koranauslegung, wenn doch, dann eine spezielle, die für keinen anderen Text gilt.

„Wissenschaftliche Literatur zur Bibel“ meint Literatur, die für andere vernünftig nachvollziehbar die Bedeutung, Geschichte und Umwelt der Bibel kommentiert und erforscht.

„Wissenschaftliche Literatur zum Koran“ meint Literatur, die den Koran als höchste Leistung der Wissenschaft darstellt und verteidigt.

D. Geschichtliches Buch oder geschichtsloses Buch?

Im Laufe von Jahrhunderten entstanden.

In 22 Jahren herabgesandt und im Himmel immer schon vorhanden.

In unterschiedlichen Kulturen niedergeschrieben.

Innerhalb einer Kultur offenbart.

An den unterschiedlichsten geografischen Orten niedergeschrieben und zusammengestellt.

In einem kleinen geografischen Gebiet offenbart.

Viele Details über eigene historische Entstehung finden sich in der Bibel selbst.

Keine historischen Details über eigene Entstehung, zumal es keine historische Entstehung gibt.

Viele historische, chronologische, geografische Angaben; häufige Verknüpfung mit der Geschichte anderer Völker.

Kaum greifbare historische Angaben.

Für unterschiedliche, letztlich für alle Völker.

Zunächst für die arabische Welt.

Fortschreitende Offenbarung und Heilsgeschichte stehen im Mittelpunkt.

Alle Propheten verkündigen die ewig gleiche Botschaft.

Keine besondere Wertschätzung des einzelnen Buchexemplars.

Äußerster Respekt und Verehrung gegenüber dem einzelnen Buchexemplar.

E. Zweifel, Klage, Vertrauen oder für richtig halten?

Zweifel und Klagen gegenüber Gott sind in das Wort Gottes aufgenommen worden (z. B. Klagelieder Jeremias, Klagepsalmen).

Zweifel und Klagen gegenüber Gott sind ausgeschlossen und nicht im Buch zu finden.

Aufforderung zur Prüfung durch Gott.

Prüfen verboten, da es bedeuten würde, den Schöpfer zur Rechenschaft zu ziehen.

Glaube = für wahr halten und vertrauen auf Gott, vor allem auf seine Versöhnung.

Glaube = für wahr halten und sich Gott unterwerfen.

Gott legt sich per Eid selbst fest. Er schließt einen Bund mit Menschen. Er bindet sich an sein Wort.

Gott ist nicht an sein Wort gebunden, sondern auch darin souverän und unerforschlich.

Gewissheit des Glaubens und des Heils, da Gott sich mit Eid an seine Heilszusage bindet.

Keine letzte Gewissheit, da Gott souverän bleibt und am Ende ganz frei auch anders entscheiden kann.

F. Offenbart Gott sich oder bleibt er verborgen?

Gottes Wort gilt als echte Offenbarung des Wesens Gottes.

Gott offenbart sich nicht und bleibt trotz der Herabsendung des Korans verborgen.

Gott offenbart sich selbst in der biblischen Offenbarung und noch viel mehr in seinem Sohn Jesus Christus, auf den die biblische Offenbarung abzielt und der Gott als Mensch offenbart.

Gott bleibt verborgen, er sendet nur ein Buch herab.

Jesus Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes, womit die eigentliche Offenbarung Gottes in persona geschieht.

Keine Offenbarung Gottes in persona.

Es gibt viele christliche Feste, die sich auf Jesus beziehen, aber keines, das die Bibel feiert.

Der Fastenmonat Ramadan feiert die Herabsendung des Korans. Er endet mit dem Fest des Fastenbrechens und hat einen Höhepunkt gegen Ende in der „Nacht der Macht‘“, in der die erste Offenbarung an Muhammad geschah.

Der Stifter Jesus steht über der Heiligen Schrift. Sie erhält ihre Bedeutung von ihm. Jesus ist das eigentliche „Wort Gottes“, die Schrift legt als „Wort Gottes“ von ihm Zeugnis ab.

Der Religionsstifter Muhammad steht unter der Heiligen Schrift. Er erhält seine Bedeutung von der Schrift, da er ihr Empfänger ist.

Der Stifter ist nicht nur Prophet, sondern selbst Gott und der, der das Heil bringt und erwirkt.

Der Stifter ist nur Prophet.

Gott hat vor allem Jesus aus der Ewigkeit herabgesandt, das Buch (die Bibel) kündigte dies nur an, bezeugt und verkündigt es.

Gott hat vor allem den Koran aus der Ewigkeit herabgesandt.

G. Selbstkritik oder Triumph?

Unterscheidung zwischen Buchstaben und Geist, das heißt zwischen tötender Umsetzung des Formalen und lebendigem Erfülltsein mit Sinn und Botschaft.

Keine vergleichbare Unterscheidung zwischen Buchstabe und Geist, der Buchstabe ist der Geist.

Kritische Darstellung der Gläubigen bei „Versagen“, demgegenüber nimmt die Kritik an anderen viel weniger Raum ein, und Ungläubige können Gläubigen als Vorbild hingestellt werden.

Triumph der Gläubigen; keine kritische Darstellung der Gläubigen, demgegenüber nimmt die Kritik an den anderen den größten Raum ein; Ungläubige können nie Vorbilder sein.

Ständige Selbstkritik der Gläubigen im Buch selbst.

Keine Selbstkritik der Gläubigen im Buch selbst.

Gebot der Selbstkritik und Prüfung der eigenen Religion.

Abwehr oder mit Strafe belegtes Verbot jeder Selbstkritik und Prüfung der eigenen Religion.

 

5 Kommentare

  1. Roderich 24. August 2013 at 17:18

    Eine fantastische Zusammenstellung – besten Dank! Das ist sehr hilfreich – und zeigt meines Erachtens auch, dass die Bibel doch wesentlich glaubwuerdiger ist als der Koran.

     
  2. Pingback: Vergleich zwischen dem Inspirationsverständnis von Bibel und Koran | Andy Fronius

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  4. Chihi Hesna 8. Juni 2015 at 19:11

    ich finde diese Thema sehr interessant und ich mochte dieseq themas in meinen Masterarbeit vorbereiten , aber die problem ich finde nicht vielen lehrwerken behandelt uber die vergleiche zwischen Koran und Bibel

     
  5. Chihi Hesna 8. Juni 2015 at 19:14

    ich finde diese Thema sehr interessant und ich möchte dieses themas in meinen Masterarbeit vorbereiten , aber die problem ich finde nicht vielen lehrwerken behandelt uber die vergleiche zwischen Koran und Bibel

     

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