Eine Stellungnahme von Thomas Schirrmacher, Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz

Dieser Blogeintrag ist eine Ergänzung zu folgender Meldung aus BQ, Pro, idea u.a.

Die Weltweite Evangelische Allianz verurteilt den Mord an UN-Mitarbeitern

Aber Jones habe zuvor den Namen Jesu in den Schmutz gezogen

(Bonn, 01.04.2011) Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) hat sowohl die Verbrennung des Koran durch eine winzige Splittergruppe in den USA, als auch die Ermordung von UN-Mitarbeitern in Afghanistan auf das Schärfste verurteilt. Wie der Generalsekretär der WEA, der Kanadier Geoff Tunnicliffe, in einer Erklärung mitteilte, könne eine verabscheuungswürdige Tat, die mit dem christlichen Glauben nichts zu tun habe, niemals eine noch verabscheuungswürdigere Tat rechtfertigen. Tunnicliffe sprach den Angehörigen der UN-Mitarbeiter sein tiefes Beileid aus und forderte muslimische Leiter weltweit auf, gewaltbereite Menschen zu beruhigen und deutlich zu machen, dass die Koranverbrennung von allen christlichen Kirchen verurteilt worden wäre.

Der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, erklärte, die Koranverbrennung sei gegen den eindeutigen Willen Jesu geschehen, der seinen Jüngern sowohl das Schwert gegen andere untersagt habe, als auch den Ruf nach Feuer vom Himmel. Die Gemeinde in Gainesville habe im Beisein von Terry Jones habe mit ihrem Akt den Namen Jesu Christi vor aller Welt in den Schmutz gezogen. Er verwies darauf, dass sich die WEA mehrfach massiv gegen die Koranverbrennung gewandt und in den USA in dieser Sache einen Schulterschluss mit muslimischen Leitern vollzogen habe.

Schirrmacher verwies auch darauf, dass die WEA Jones und andere mehrfach gewarnt hatte, dass den Preis für seinen Irrsinn nicht Jones und andere im sicheren Amerika, sondern Unschuldige in aller Welt bezahlen müssten. Genau das sei jetzt geschehen, sowenig die Verbrennung eines Buches die Ermordung von Menschen rechtfertigen könne.

Dass bei dem Anschlag auch Hindus und Nichtreligiöse ermordet wurden, zeige, so Schirrmacher, dass der Islamismus nicht nur gegen das Christentum antrete, sondern gegen alle Andersdenkenden mobil mache. Dagegen müssten sich friedliebende Menschen aller Religionen und Weltanschauungen gemeinsam wenden. Religionsfreiheit, Frieden und Gerechtigkeit seien unteilbar.

Quelle z. B. ERF und PRO

Während Jesus seinen Nachfolgern prophezeit: „Die Sanftmütigen werden das Erdreich besitzen. … Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Mt 5,5.9) und sein Apostel Paulus uns auffordert: „Haltet, solange es an euch liegt, mit allen Menschen Frieden“ (Röm 12,18), hat Jones beschlossen, dass Zündeln angesagt ist, zunächst wörtlich, jetzt durch Nutzung der sozialen Netzwerke im Web für eine internationale Gerichtsverhandlung gegen den Koran und die anschließende Verurteilung und Verbrennung eines Koranexemplars.

Auch wenn wir alle in Gefahr stehen, nicht dem Evangelium entsprechend zu leben, gilt doch hier ganz besonders, was Gott sagt: „Um euretwillen wird Gottes Name verlästert unter den Heidenvölkern“ (Röm 2,24). Bisher hat Terry Jones jedenfalls weder den Gott der Liebe noch Jesus weltweit bekannt gemacht, sondern nur sich selbst!

Terry Jones versucht aus der politischen Stimmung gegen den Islam Kapital für den Glauben – oder besser für sich selbst – zu schlagen. Doch: „Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen“ (Mt 26,52). Dem steht entgegen: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut …“ (Gal 5,22–23). Unser Auftrag lautet deswegen anders: „Erinnere sie daran, dass sie der Gewalt der Obrigkeit untertan und gehorsam seien, zu allem guten Werk bereit, niemanden verleumden, nicht streiten, gütig seien, alle Sanftmut beweisen gegen alle Menschen.“ (Tit 3,1–2).

Terry Jones verquickt gegenüber dem Islam die Aufgabe der Kirche und die Aufgabe des Staates bis zur Unkenntlichkeit miteinander. Am Ende gesteht er aber weder der Kirche noch dem Staat irgendeinen Platz, sondern nimmt als Individuum das Heft des Handelns an Stelle der vermeintlich zu freundlichen Kirche und des zu laschen Staates selbst in die Hand. Der islamistische Gedanke, dass der Einzelne Gewalt üben und den Islam durchsetzen darf, wenn der Staat und die Gemeinschaft das tun müssten, aber nicht tun, der jedes staatliche Rechts- und Gewaltmonopol unmöglich macht, findet hier seine Entsprechung im pseudochristlichen Gewand.

Natürlich ist es falsch, dass Muslime auf solche Provokationen mit Gewalt reagieren. Aber wer trotzdem derart überzogen provoziert und bewusst Gewalt schürt und dabei selbst kriegerische Sprache benutzt, ist für die anschließende Gewalt zumindest mit verantwortlich. Deswegen hatte die Weltweite Evangelische Allianz Jones zu Recht den Besuch von Witwen von Christen angekündigt, deren Männer Opfer islamistischer Gewalt waren.

Christen sind froh, dass Gott selbst der Richter ist und sich selbst jedes endgültige Urteil vorbehalten hat. Nur Gott selbst kann Menschen ins Herz schauen und sein Urteil am Ende kennen wir nicht, denn „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HErr aber sieht das Herz an.“ (1Sam 16,7).

Gott hat uns auch untersagt, irgendeine Art von Strafurteil über unsere Kritiker zu vollziehen und Menschen für ihren ‚Unglauben‘ zu strafen. Schon Jona musste erleben, dass Gott barmherziger war als Jona selbst, der lieber das Gericht über Ninive gesehen hätte (Jona 4,1–10). Und Jesus verwarf den Gedanken seiner Jünger deutlich, auf ablehnende Dörfer Feuer vom Himmel zu schicken (Lk 9,51–56). Christliche Verkündiger mögen blutenden Herzens bedauern, dass andere Menschen das Angebot der Erlösung in Christus ablehnen, aber sie haben nie das Recht, sie dafür zu Unmenschen zu erklären, zu beschimpfen, den Staat auf sie zu hetzen oder das Gericht über sie herbeizuflehen oder es auszuführen.

Das Gewaltmonopol in dieser Welt hat nach biblischem Verständnis nur der Staat inne, der aber weder die Aufgabe hat, das Evangelium zu verkündigen, noch die christliche Kirche zu vergrößern, ja überhaupt sich aus Fragen des Gewissens und der Religion herauszuhalten hat, weswegen er im Gegenzug sogar ausdrücklich als „Gottes Diener“ Christen bestrafen muss, die Böses tun (Röm 13,1–7). Der Staat hat Christen nur insofern zu beschützen, als er alle beschützen soll, die Gutes tun und als er im Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden alle daran hindern muss, die Gewalt planen oder ausüben, gleich ob religiös motiviert oder nicht.

Hätte Jesus wohl einen Koran verbrannt? Hätte Paulus das befürwortet? Zwar „ergrimmte“ auch er über die vielen Götzen in Athen (Apg 17,16), redete aber anschließend freundlich und in Hochachtung mit den griechischen Philosophen (Apg 17,22–23). Denn Christen „verteidigen“ ihren Glauben immer „in Sanftmut und Ehrerbietung“ gegenüber Kritikern (1Petr 3,15–16).

 

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