Der katholische Pfarrer Wolfgang Beck stellte vor einiegr Zeit im Wort zum Sonntag einige Tausend Salafisten und einige Tausend Piusbrüder mit Millionen von Evangelikalen auf eine Stufe. Wäre dem so, müssten die Evangelikalen rein zahlenmäßig die eigentliche Bedrohung sein.

Der Medienbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gebhard Fürst, hielt den Einspruch der Evangelikalen dagegen für berechtigt. Er wisse sich vielen evangelikalen Christen auch persönlich verbunden und Beck habe nicht nur evangelikale, sondern auch evangelische Mitchristen irritiert (Quelle: kath.net). Der Medienbeauftragte der EKD, Markus Breuer, nannte gegenüber epd die Gleichsetzung von Evangelikalen und Salafisten „vollkommen inakzeptabel“. In Zeiten, in denen Vatikan, Weltkirchenrat und Weltweite Evangelische Allianz gemeinsame Erklärungen verabschieden, wirken Beck’s Ausführungen schon etwas provinziell.

Aber Beck ist nicht allein. Die Berliner CDU-Politikerin Barbara John, die allerdings nicht mehr auf Wählerstimmen angewiesen ist, schreibt im Tagesspiegel, dass das Kernproblem sei, dass für Evangelikale, Pfingstler, Mormonen und Salafisten der „reine Glaube“ zählt. Wohlgemerkt auch hier: drei Gruppen mit Zigmillionen Anhängern werden nicht etwa mit allen Muslimen gleichgesetzt, sondern mit einer absoluten Minderheit unter Muslimen, den Salafisten. „Aktiv handeln als Staatsbürger und gläubig sein, das kriegen einige nicht auf die Reihe“, bei den Evangelikalen alle Millionen, unter den Muslimen nur einige Tausend. Billige Sektenklischees mischen sich hier mit Sippenhaftung ganzer Gruppen und emotionaler Verunglimpfung als religiöse Gewalttäter. Ich teile den Glauben der Mormonen nicht, aber mit welchen Gewalttaten haben sie in Deutschland solche Verunglimpfungen verdient?

Nun denn, da die Gleichsetzung der Evangelikalen mit Salafisten nur eine Neuauflage der bisherigen gelegentlichen Gleichsetzung von Evangelikalen mit muslimischen Märtyrern oder mit Islamisten ist, erlaube ich mir, im Folgenden einen Kommentar von 2009 und im nächsten Blog ein Interview in den „Bonner Querschnitten“ von 2009 aktualisiert neu vorzulegen.

Wer hat schon Angst vor evangelikalen Terroristen?

Wider die bösartige Gleichsetzung von Evangelikalen und islamistischen Terroristen

Innerhalb von beliebigen drei Tagen fand ich folgende wahllos herausgegriffene Meldungen über Islamisten, die parallel in fast allen großen Medien Deutschlands veröffentlicht wurden:

In der pakistanischen Hauptstadt Islambad hat ein islamistischer Selbstmordattentäter durch einen Bombenanschlag auf das örtliche Hauptquartier des Welternährungsprogrammes vier UN-Angestellte getötet.

Islamisten haben einen Tag lang das Hauptquartier der pakistanischen Armee durch Beschuss und Geißelname lahmgelegt. 30.000 pakistanische Soldaten versuchen nun, gegen Islamisten vorzugehen und die Schande wiedergutzumachen.

Ein einstündiges deutschsprachiges Video einer mit Al-Kaida verbundenen islamistischen Gruppe, in dem mehrere deutsche und deutschsprachige Islamisten Deutschland drohen, zeigt im Hintergrund Bilder aus den Terrorcamps, auf denen sich auffällig viele blonde oder europäisch wirkende Kinder befinden.

Im Jemen kämpft die Regierung einen verzweifelten Kampf gegen das islamistische Netzwerk Al-Kaida, das Jemen zu seiner neuen Hauptzentrale ausbauen will. Obwohl sich hier die Zukunft des islamischen Terrorismus entscheiden könnte, fehlt Jemen die internationale Unterstützung.

In Hamburg wurde eine zehnköpfige islamistische Terrorzelle entdeckt, die im März zur Terrorausbildung in den Hindukusch gereist sind. In Deutschland sollen derzeit rund 80 ausgebildete islamistische Terroristen leben.

155 Beamte durchsuchen in Berlin Wohnungen in einem Schlag gegen eine Gruppe von 15 Islamisten, die im Verdacht stehen, Anschläge gegen Russland zu planen, und die sich absetzen wollten.

Ein Buch über Ehrenmorde im Droste Verlag erscheint in letzter Minute aus Angst vor Racheakten von Islamisten doch nicht.

Das waren nur drei Tage!

Und mit solchen Islamisten werden Evangelikale verglichen? Absurd! Haltlos! Böswillig!

Schon meine friedlichen muslimischen Nachbarn mit solchen Terroristen zu vergleichen, wäre eine Schande, aber friedliche, oft pazifistisch eingestellte Evangelikale?

Evangelikale dürfen mit ihren „Zwangsgebühren“, das heißt staatlich verordneten Gebühren, ARD und ZDF bezahlen, damit die mit konspirativen Mitteln propagieren, was nicht zu beweisen ist, dass Evangelikale eine Art christliche Islamisten sind. Fakt ist: Es gibt keine evangelikalen Terroristen, keine evangelikalen Selbstmordattentäter und kein evangelikales Netzwerk, dass Gewalt plant. Es gibt überhaupt keine Evangelikalen, die planen, irgendetwas durch Tod und Gewalt durchzusetzen. Alles andere ist faktischer Unsinn und Verleumdung.

Wo muss man evangelikale Gemeinden nach Waffen durchsuchen? Wo unterhalten Evangelikale Terrorcamps, überfallen Armeehauptquartiere und liefern sich Gefechte mit 30.000 Soldaten?

Wer hat schon Angst, in ein Urlaubsland zu fahren, weil dort Evangelikale wohnen? Wo sind die Evangelikalen, die andersdenkende Journalisten oder ihre Familien mit Gewalt bedrohen? Warum kommt keine evangelikale Gruppe in irgendeinem Verfassungsschutzbericht vor, weder in Deutschland noch irgendwo weltweit?

Und dazu kommt: Trotz dieser pausenlosen Horrormeldungen über den Islamismus, werden wir – zu Recht – immer wieder daran erinnert, ja erinnern selbst immer wieder daran, dass man Islamisten und friedliche Muslime auseinanderhalten muss. Man überlege einmal, 1,8 Mio. Evangelikale in Deutschland wollten Freiheit mit Gewalt einschränken. Und davon hat noch keiner etwas mit bekommen, wo uns gleichzeitig einige Tausend Islamisten in Atem halten?

Denn im Falle der 600 Millionen Evangelikalen – ich nehme der Einfachheit halber die Zahlen aller Mitgliedskirchen der Weltweiten Evangelischen Allianz – muss man dagegen wohl nicht zwischen Terroristen (wo immer die sein mögen) und zigmillionen friedlichen Anhängern unterscheiden. Da reicht ein negatives Beispiel, um Zigmillionen in Sippenhaft zu nehmen! Selbst wenn es einen einzigen evangelikalen Terroristen geben sollte oder wenigstens einen, der davon träumt, einer zu sein, müsste man ihn klar von den zigmillionen friedlichen Evangelikalen unterscheiden.

Noch eine Frage an ARD und ZDF: Gehört nicht zur Religionsfreiheit auch, dass man vor Verfolgung und Diskriminierung durch Institutionen geschützt ist, die durch staatlich verordnete „Zwangsgebühren“ finanziert werden? Wissen unsere staatlichen Medien eigentlich, dass es keine Verfolgung von Minderheiten gibt, in denen nicht die Medien eine zentrale Rolle spielen und dass heute oft die Medien mehr als andere darüber entscheiden, welche Minderheit als Opfer und welche als aussätzig und selbst dran schuld gilt? Beim ‚Wort zum Sonntag‘ mögen sich ARD und ZDF zurücklehnen und sagen, dass ja die Verantwortung bei den kirchlichen Redaktionen liegt. Aber selbst haben sie es ja oft genug nicht anders gemacht.

Aber ich will auch darauf hinweisen, dass es wieder einmal ein Theologe, ein Pfarrer ist, der hier sein Mütchen kühlt. Auf billige Weise setzt er seine ‚Konkurrenz‘ herab. Wurden die kleineren religiösen Mitbewerber früher als „Sekten“ in die Ecke gestellt, was heute kaum noch zieht, werden sie heute zu Fundamentalisten und gefährlichen Gewalttätern gestempelt.

Statt sich inhaltlich, theologisch und sachlich mit den Evangelikalen auseinanderzusetzen, wie es etwa der Vatikan oder der Ökumenische Rat der Kirchen mit der Weltweiten Evangelischen Allianz tun, stellt er andersdenkende Mitchristen in die Gewaltecke – ohne jeden Beleg.

Wie bewusst dabei vorgegangen wird, zeigt auch seine Formulierung. Er klagt nicht die Muslime an, sondern differenzierend nur die „Salafisten“, also einige Tausend der Muslime. Bei den 400–700 Millionen Evangelikalen weltweit gibt es für ihn nichts zu differenzieren. Sie werden pauschal neben Islamisten gestellt, als würden wir täglich von evangelikalen Bomben und Straßenschlachten lesen. Noch einmal: Wenn wirklich eine Million Evangelikale in Deutschland die Freiheit mit Gewalt einschränken wollten, würde man davon doch etwas mitbekommen, wo uns gleichzeitig einige Tausend Islamisten in Atem halten!

 

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