Leserbrief zum Weltverfolgungsindex

Leserbrief zum Artikel „Wo der Hass auf Christen besonders groß ist“ von Mathias Kamann, DIE WELT 7.1.2015

Abgedruckt in DIE WELT 8.1.2015, S. 2 und gekürzt 9.1.2015, S. 2

[kursiv] = im Druck gekürzt, bzw. in zweiter Fassung einen Tag später

[Herzlichen Dank für ihre wirklich gute Zusammenfassung des Weltverfolgungsindex und den darüber hinaus gehenden strategischen Überlegungen.] Da das Internationales Institut für Religionsfreiheit [vertreten durch unser Kapstädter Büro] jährlich eine unabhängige Überprüfung des Weltverfolgungsindex durch internationale Experten vornimmt – wobei wir [– gewissermaßen wie Wirtschaftsprüfer –] vor allem stichprobenartig [die komplette Datenbasis von drei von uns ausgewählten Ländern durch-] vorgehen, würde ich gerne ihre Kritik an gewissen Aspekten kommentieren:

Erstens: Natürlich können Sie den veröffentlichten Teilen des Berichts nicht die Gewährsleute und die Fragebögen für jedes Land entnehmen. Aber die wissenschaftliche Methodologie ist veröffentlicht und das Angebot steht und wird genutzt, dass Wissenschaftler Einsicht in die Datenbasis und die Originalauskünfte nehmen – wir tun das regelmäßig. Das ist ein gewaltiger Fortschritt im Vergleich zur Situation vor 5 Jahren.

Zweitens: Die Zahl von 100 Millionen verfolgten Christen ist kein Bestandteil des Originalberichtes und wird durch die Fragebögen und Experten nicht erhoben oder erfasst. Es ist eine grobe Schätzung, was man sicher deutlicher sagen sollte.

Drittens: Der Vergleich mit dem ökumenischen Bericht der DBK und EKD hinkt etwas, da dafür keinerlei eigene Daten erfasst wurden, sondern die Angaben des amerikanischen PEW-Think Tank übernommen wurden, die wiederum überwiegend amerikanische Regierungsberichte zusammenfassen. Hier wird Christenverfolgung nicht eigens thematisiert, sondern nur gesagt, dass keine Religion in mehr Ländern bedrängt wird als das Christentum, gefolgt vom Islam, kein Wunder, sind es ja auch die Religionen, die es in den weitaus meisten Ländern gibt.

Viertens: Es ist richtig, dass es schade ist, dass wir keine entsprechenden Daten zu anderen Religionen haben. Das ist aber eine Frage der Finanzen: Da derzeit niemand weltweit solche Forschung finanziert, können das nur private Spendenorganisationen leisten, und die kommen zu dem Thema derzeit fast ausschließlich aus dem christlichen Bereich. Wir fordern schon lange eine konzertierte Aktion zur globalen Datenerhebung, die weder auf eine Religion abzielt, noch regional stark gefärbt ist (wie die amerikanischen Berichte), aber die Wissenschaft behandelt das Thema immer noch sehr stiefmütterlich. Das einzige Land, das ich kenne, in denen alle Religionen einschließlich des Islam gemeinsam derartige Daten erfassen, ist Indonesien. Allerdings ist Open Doors zu danken, die dafür nötige Vorarbeit durch ihre Art der Erfassung geleistet zu haben, die leicht auf andere Religionen zu übertragen ist.

Fünftens: Schließlich stellen Sie die Frage, ob es sich in Mexiko (und anderen Situationen) wirklich um Christenverfolgung handelt, und bringen dabei eine korrekte Definition ein. Bei einem derart umfangreichen Datenwerk werden solche Einzelfragen immer möglich bleiben. Insgesamt aber zeigt unsere Überprüfung, dass die Definition von Christenverfolgung für alle Länder gleich angewendet wird, und das ist das Wichtigste für ein solches Ranking.

Thomas Schirrmacher, Bonn, Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Präsident des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte

 

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