ArchivTheologie
Das Glaubensbekenntnis meines Ururgroßvaters
Februar 17, 2010 by Schirrmacher · 2 Kommentare
Meine Vorfahren waren reformierte Hugenotten, die aus Salzburg nach Preußen kamen und sich schließlich in Danzig und Königsberg niederließen. Mein Ururgroßvater Carl Friedrich Schirrmacher (1790–1827), Erster Oberlehrer (Direktor) der Petrischule in Danzig, hinterließ folgendes handschriftliche Glaubensbekenntnis, das auch das meine ist:
Mein Glaubensbekenntnis
Die evangelische Kirche protestirt von Anfang an und muß fortwährend protestiren; aber einmal von einer positiven Grundlage aus, nämlich dem unbedingten Glauben an die freie Gnade Gottes in Christo wie sie nämlich in den Schriften des Paulus, Petrus und Johannes als absolute Form für alle Zeiten geoffenbart ist, und zweitens sie protestiert auf rein religiösem Gebiet nur gegen dasjenige, was deren Glaubensgrund in irgend einer Weise alteriert.
Carl Friedrich Schirrmacher
geboren den 14. Septb 1790
in Königsberg in Preussen
[Handschriftliche Eintragung von Carl Friedrich Schirrmacher auf der ersten Seite des Vorsatzblattes eines Exemplares Das Vater Unser: Ein Erbauungsbuch für jeden Christen. Mit einer Abhandlung über den Inhalt und Gebrauch des Vater Unsers, von dem Vicepräsidenten und Oberhofprediger Christoph Friedrich von Ammon D. Ch. G. Kayser’schen Buchhandlung F. Beyer: Leipzig, 1839 (in meinem Besitz)]
Sein Sohn und mein Urgoßvater, Friedrich Wilhelm Schirrmacher (1824–1904) hinterließ im Danziger reformierten Gesangbuch folgende Zeilen, die ich mir auch zu eigen machen möchte:
Eins nur wünsch ich mir hienieden,
Jesu, Deinen Geist und Frieden,
Und von den Ruhm an meinem Grabe,
daß ich Dich geliebet habe.
Friedrich Wilhelm Schirrmacher
[Handschriftliche Eintragung in einem Gesangbuch (Kirchen Gesang-Buch Der Evangelisch-Reformierten Gemeinde in Dantzig. Thom. Joh. Schreiber: Dantzig, 1745) in meinem Besitz. Die erste Eintragung in das Gesangbuch stammt vom 14.9.1777 von A. V. E. (vermutlich kein Vorfahre der Familie Schirrmacher). Am 14.9.1854 widmete „Carl Friedrich Schirrmacher” das Buch seinem Sohn Friedrich Wilhelm, der undatiert die zitierte Widmung schrieb. Das Buch gelangte wohl über dessen Sohn Leo Schirrmacher zu dessen Sohn Klaus Leo Schirrmacher, der es am 16.3.1968 zum Geburtstag „meinem lieben Bruder Bernd Schirrmacher“ vermachte. Dieser – mein Vater – vermachte mir das Buch mit Widmung von „Weihnachten 1989“. (Vgl. zu diesem Gesangbuch Franz Kessler. Danzinger Gesangbücher 1586–1793. Einzelschriften der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung 15. Institut Nordostdeutsches Kulturwerk: Lüneburg, 1998. S. 65–70 unser Gesangbuch; sowie S. 3–7 zur Reformation und S. 6–7 zu den Reformierten in Danzig.)]
Ich habe zwei Bücher meines Großvaters neu herausgegeben und beide mit einer gleichlautenden Biografie eingeleitet, die in ähnlicher Form auch im Biografisch-Bibliografischen Kirchenlexikon erschienen ist:
„Über den Verfasser“. S. 5–28 in: Friedrich Wilhelm Schirrmacher. Briefe und Akten zum Marburger Religionsgespräch (1529) und zum Augsburger Reichstag (1530). Geschichte – Kirchengeschichte – Reformation 21. Bonn: VKW, 2003
„Friedrich Wilhelm Schirrmacher“. S. 5–23 in: Friedrich Wilhelm Schirrmacher. Die Entstehung des Kurfürstenkollegiums. Geschichte – Kirchengeschichte – Reformation 22. Bonn: VKW, 2003
„Friedrich Wilhelm Schirrmacher (1825–1904)“. S. 142–151 in: Thomas Schirrmacher, Klaus Schirrmacher, Ingrid von Torklus (Hg.). Baumeister bleibt der Herr: Festgabe zum 80. Geburtstag von Prof. Bernd Schirrmacher. VKW: Bonn, 2001
„Schirrmacher, Friedrich Wilhelm“. 1226–1235 in: Friedrich Wilhelm Bautz, Traugott Bautz (Hg.). Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Bautz: Herzberg ab Bd. I, 1975, hier Bd. XIX, 2001
- www.bbkl.de
- S. auch in der Wikipedia: www.wikipedia.org
Dr. Reinhard Hempelmann schafft eine Grundlage für das Gespräch mit den Evangelikalen
Februar 2, 2010 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Frank Hinkelmann und Thomas Schirrmacher zu einem neuen Text der EZW
Dass die Evangelische Kirche fundiert, informiert, differenziert und fair über Evangelikale berichten kann, ohne Besorgniserregendes und Kritisches zu verschweigen, hat der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in seinem Büchlein „Evangelikale Bewegungen: Beiträge zur Resonanz des konservativen Protestantismus“ (EZW-Texte 206, Berlin, 2010) soeben bewiesen.
Gratulation und herzlichen Dank, Dr. Hempelmann, können wir da als Evangelikale nur sagen. Evangelikale wie Nichtevangelikale in den Kirchen sollten diese Studie lesen und als Grundlage für intensivere Gespräche nutzen.
Ich (Thomas Schirrmacher) gebe zwar offen zu, dass ich in meinem soeben erschienen Buch ‚Fundamentalismus‘ einen anderen Fundamentalismusbegriff vorschlage, als ihn Hempelmann verwendet, der einen eher innerchristlichen Begriff verwendet und deswegen die Frage des Schriftverständnisses für die Definition von Fundamentalismus für zentral hält, während ich für alle Religionen und Weltanschauungen von einem ‚militanten Wahrheitsanspruch‘ als Fundamentalismus ausgehe, die Schriftfrage aber für zweitrangig halte (schon bei der katholischen Kirche geht es nicht um die Schrift als letzte Instanz, sondern um das päpstliche Lehramt und im Hinduismus und anderen Religionen gibt es gewalttätigen Fundamentalismus ohne Rückbezug auf irgendwelche Schriften).
Aber da Dr. Hempelmann deutlich macht, dass man mit einem sehr konservativen Schriftverständnis tolerant und demokratiefreundlich und ohne ein solches trotzdem unbelehrbar sein kann, können wir kann ich dennoch fast alles nachvollziehen, was er schreibt.
„Es gibt berechtigten Anlass, differenzierende Begriffsverwendungen anzumahnen.“ (29), schreibt Dr. Hempelmann, etwa nicht Fundamentalismus und Evangelikalismus gleichzusetzen. Auch bei einem fundamentalistischen Schriftverständnis mahnt er immer noch weitere Differenzierungen an, ob man sich „offen und anerkennend in einer größeren Gemeinschaft von Christinnen und Christen bewegt“ oder ob man andersdenkenden Christen einfach das Christsein abspricht (29).
Offen sieht Hempelmann den Fundamentalismus auch als Anfrage an die Kirche und die Kirchen, zeigt er doch „Defizite an gemeinschaftsbildender Kraft, ethischer Verbindlichkeit und religiöser Orientierung auf“ (35).
Sicher wird es im von Hempelmann gut dargestellten enorm breiten Spektrum der Evangelikalen, Charismatiker und Pfingstler auch solche geben, die weder das Gespräch mit anderen Evangelikalen, noch das mit der Evangelischen Kirche wünschen. Aber wer unter den Evangelikalen an dem Gebot Jesu zur Einheit der Christen festhält und wer davon überzeugt ist, dass wir nur gemeinsam unserem Volk die christliche Botschaft bezeugen können, wird die Anfragen selbstkritisch prüfen und die ausgestreckte Hand nicht ausschlagen, die angesichts des Drucks der Medien nicht selbstverständlich ist, sondern ihrerseits Mut erfordert.
Drs. Frank Hinkelmann, Vorsitzender der Österreichischen Evangelischen Allianz
Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, Sprecher für Menschenrechte der weltweiten Evangelischen Allianz
Link: http://www.ekd.de/ezw/Publikationen_2109.php
Christenverfolgung in der BILD Zeitung
Dezember 2, 2009 by Schirrmacher · 1 Kommentar
Nach langem Interview erschien heute folgender Artikel in der BILD, zum Glück auf Seite 2, nicht wie beim letzten Mal mit mir auf S. 1 neben einer Nacktdarstellung :-)
Minarett-Verbot in der Schweiz erzürnt Moslems
Wie viel Kirchturm erlaubt Allah?
02.12.2009 – 00:45 UHR
Moslems in der ganzen Welt protestieren gegen das Minarett-Verbot der Schweiz.
Der Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg empörte sich gestern über das „intolerante“ Verbot, das die Schweizer in einer Volksabstimmung beschlossen haben. Es missachte „verfassungsmäßige Rechte einer religiösen Minderheit“. Der türkische Premier Erdogan sprach von einer „rassistischen und faschistischen Haltung“ der Schweiz gegen Moslems.
Aber wie steht es um die Religionsfreiheit in islamischen Ländern – wie viel christlichen Kirchturm erlaubt Allah?
„Die Türkei, Malaysia, Iran, Jordanien, Saudi-Arabien, Marokko sind – in verschiedenen Abstufungen – noch immer meilenweit von religiöser Toleranz entfernt, wie wir sie in Mitteleuropa kennen. Die wenigsten islamischen Länder kennen echte Religionsfreiheit“, meint der Bonner Theologe und Religionssoziologe Prof. Thomas Schirrmacher.
Beispiel Türkei: Offiziell herrscht dort zwar Religionsfreiheit. Doch in der Praxis werden Christen am Bosporus behindert, verfolgt, bespitzelt, in seltenen Fällen sogar mit dem Tode bedroht! 2007 ermordeten Jugendliche drei Missionare in der Stadt Malatya, fesselten ihre Opfer, schnitten ihnen die Kehlen durch. Auf dem Höhepunkt des Streits um die 2006 in dänischen Zeitungen veröffentlichten Mohammed-Karikaturen wurde der katholische Priester Andrea Santaro (60) erschossen.
Christliche Kirchen dürfen in der Türkei keine Häuser oder Grundstücke kaufen, keine Schulen oder Klöster einrichten. „Bestehende Einrichtungen werden systematisch dem Verfall preisgegeben“, so Prof. Schirrmacher. Folge: Die deutsche Evangelische Gemeinde in Ankara hält ihre Gottesdienste auf dem Gelände der Deutschen Botschaft ab.
Beispiel Saudi-Arabien: Dort genügt es, wenn Christen ein Kreuz oder eine Bibel mit sich führen, um sie für Monate ins Gefängnis zu sperren. Selbst in der eigenen Wohnung ist das christliche Gebet verboten! Ein katholischer Gastarbeiter von den Philippinen landete im Knast, weil er auf einem Foto in seiner Brieftasche einen Rosenkranz betet. Verboten!
Beispiel Iran: Dort herrscht die strenge Scharia: Wer zum Christentum „konvertiert“, Werbung für Christen macht, wird mit dem Tode bestraft. Christentreffen finden – wie im alten Rom – heimlich statt, in Kellern und Scheunen. Jüngster Fall: Ehsan Fattahian († 28), ein Christ aus dem Nordiran. Wegen „Abfallens von Gott“ verurteilte ihn das Revolutionsgericht zum Tode. Das Urteil (Tod durch Erhängen) wurde – trotz internationaler Proteste – vor genau drei Wochen, am 11. November um vier Uhr früh vollstreckt.
Quelle: www.bild.de
Fundamentalismus ist militanter Wahrheitsanspruch
November 21, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
In Kürze erscheint in der Reihe ‚kurz und bündig’ (Verlag: SCM Hänssler) mein Taschenbuch ‚Fundamentalismus’. Da erlaube ich mir im Vorfeld schon einmal als Religionssoziologe, meine Fundamentalismus-Definition in den Ring zu werfen. Man sollt nämlich meines Erachtens nur von Fundamentalismus sprechen, wenn Gewalt im Spiel ist oder eine echte Gefahr für die innere Sicherheit besteht.
Fundamentalismus wird seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in der Öffentlichkeit meist einfach als radikale, gewaltbereite, religiös motivierte Extremisten oder einfach gar als religiöse Terroristen verstanden. Was der Volksmund mit ‚Fundamentalismus’ meint, ist militanter Wahrheitsanspruch und genau das finde ich die kürzeste Definition.
Meines Erachtens gibt es nur zwei Möglichkeiten, den Begriff ‚Fundamentalismus’ für eine seriöse Anwendung zu retten: Entweder wird der Fundamentalismusbegriff näher an den alltäglichen Sprachgebrauch herangeführt und auf wirklich gewaltnahe Bewegungen bezogen. Oder aber die weite Verwendung auf allerlei Bewegungen ist gewünscht, dann muss der Begriff dringend entemotionalisiert werden und eine neutrale, nicht abwertende Bedeutung erlangen und dazu müsste es einen Großeinsatz von Fachleuten geben, die sich den Massenmedien entgegenstellen, derzeit eine Illusion.
Meines Erachtens sollten sich diejenigen, die die Öffentlichkeit vor fundamentalitischen Strömungen warnen, auf die Gruppen beschränken, die durch ihre prinzipielle Rechtfertigung von Gewalt oder durch Gewaltbereitschaft – oder gar durch angewandte Gewalt – gefährlich sind, oder von denen wenigstens die Gefahr ausgeht, dass sie auf undemokratische Weise politische Gewalt über Andersdenkende gewinnen wollen. Deswegen lautet meine Definition im in Kürze erscheinenden Buch:
Fundamentalismus ist ein militanter Wahrheitsanspruch, der aus nicht hinterfragbaren höheren Offenbarungen, Personen, Werten oder Ideologien einen Herrschaftsanspruch ableitet, der sich gegen Religionsfreiheit und Friedensgebot richtet und nichtsstaaliche oder nichtdemokratisch-staatliche Gewalt zur Durchsetzung seiner Ziele rechtfertigt, fordert oder anwendet. Dabei beruft er sich oft gegen bestimmte Errungenschaften der Moderne auf historische Größen und Zeiten, nutzt diese Errungenschaften aber zugleich zur Ausbreitung und schafft meist eine moderne Variante alter Religionen und Weltanschauungen. Fundamentalismus ist eine modernitätsbestimmte Transformation von Religion oder Weltanschauung.
Institut für Religionsfreiheit begrüßt Passage im Koalitionsvertrag
Oktober 24, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Hier eine brandaktuelle Meldung über meine Reaktion auf den Koalitionsvertrag, der soeben den Fraktionen der CDU/CSU und der FDP vorgelegt wird:
Der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo) der Weltweiten Evangelischen Allianz, der Religionssoziologe und Theologe Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher (Bonn), begrüßt den ausdrücklichen Hinweis auf Religionsfreiheit und Christenverfolgung im Entwurf des Koalitionsvertrages, wie er heute den Fraktionen vorgelegt wird. Dort heißt es im Abschnitt, in dem die Bedeutung des Menschenrechtsschutzes für die Außenpolitik hervorgehoben wird: „Ebenso kontinuierlich wird sich die Bundesregierung weltweit für Religionsfreiheit einsetzen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Lage christlicher Minderheiten legen.“
„Ich bin erfreut“, so Schirrmacher wörtlich, „dass die künftige Bundesregierung auch nach dem Regierungswechsel an der in den letzten Jahren erworbenen Vorreiterrolle Deutschlands im Einsatz gegen Verfolgung Andersgläubiger festhalten will.“ Religionsfreiheit sei ein wichtiges Menschenrecht im Konzert aller Menschenrechte, für das sich Außenpolitik weltweit unabhängig von jeder Parteizugehörigkeit einsetzen müsse.
Zur ausdrücklichen Erwähnung christlicher Minderheiten betonte Schirrmacher, dass dies aus seiner Sicht keine Bevorzugung sei, denn Religionsfreiheit gelte ja deutlich für alle. Sie sei einfach dem Umstand geschuldet, dass derzeit in Ländern wie Irak, Türkei, Iran oder Indien große, meist alteingessesene ethnische Minderheiten mit christlichem Hintergrund verfolgt würden, deren Rechte es zu schützen gelte.
Wer hat schon Angst vor evangelikalen Terroristen?
Oktober 21, 2009 by Schirrmacher · 7 Kommentare
Wider die bösartige Gleichsetzung von Evangelikalen und islamistischen Terroristen
Innerhalb von drei Tagen fand ich folgende wahllos herausgegriffenen Meldungen über Islamisten, die parallel in fast allen großen Medien Deutschlands veröffentlicht wurden:
In der pakistanischen Hauptstadt Islambad hat ein islamistischer Selbstmordattentäter durch einen Bombenanschlag auf das örtliche Hauptquartier des Welternährungsprogrammes vier UN-Angestellte getötet.
Islamisten haben einen Tag lang das Hauptquartier der pakistantischen Armee durch Beschuss und Geißenahme lahmgelegt. 30.000 pakistanische Soldaten versuchen nun, gegen Islamisten vorzugehen und die Schande wieder gut zu machen.
Ein einstündiges deutschsprachiges Video einer mit Al-Kaida verbundenen islamistischen Gruppe, in dem mehrere deutsche und deutschsprachige Islamisten Deutschland drohen, zeigt im Hintergrund Bilder aus den Terrorcamps, auf denen sich auffällig viele blonde oder europäisch wirkende Kinder befinden.
Im Jemen kämpft die Regierung einen verzweifelten Kampf gegen das islamistsiche Netzwerk Al-Kaida, dass Jemen zu seiner neuen Hauptzentrale ausbauen will. Obwohl sich hier die Zukunft des islamischen Terrorismus entscheiden könnte, fehlt Jemen die internationale Unterstützung.
In Hamburg wurde eine zehnköpfige islamistische Terrorzelle entdeckt, die im März zur Terrorausbildung in den Hindukusch gereist sind. In Deutschland sollen derzeit rund 80 ausgebildete islamistische Terroristen leben.
155 Beamte durchsuchen in Berlin Wohnungen in einem Schlag gegen eine Gruppe von 15 Islamisten, die im Verdacht stehen, Anschläge gegen Russland zu planen, und die sich absetzen wollten.
Ein Buch über Ehrenmorde im Droste Verlag erscheint in letzter Minute aus Angst vor Racheakten von Islamisten doch nicht.
Das waren nur drei Tage!
Und mit solchen Islamisten werden Evangelikale verglichen? Absurd! Haltlos! Böswillig!
Schon meine friedlichen muslimischen Nachbarn mit solchen Terroristen zu vergleichen, wäre eine Schande, aber friedliche, oft pazifistisch eingestellte Evangelikale?
Evangelikale dürfen mit ihren Zwangsgebühren ARD und ZDF bezahlen, damit die mit konspirativen Mitteln ‚beweisen‘ und propagieren, was nicht zu beweisen ist, dass Evangelikale eine Art christlicher Islamisten sind. Fakt ist: Es gibt keine evangelikalen Terroristen, keine Selbstmordattentäter und kein evangelikales Netzwerk, dass irgendeine Gewalt plant. Es gibt überhaupt keine Evangelikalen, die planen irgendetwas durch Tod und Gewalt durchzusetzen. Alles andere ist faktischer Unsinn und übelste Verleumdung.
Wo muss man evangelikale Gemeinden nach Waffen durchsuchen? Wo unterhalten Evangelikale Terrorcamps, überfallen Armeehauptquartiere und liefern sich Gefechte mit 30.000 Soldaten?
Wer hat schon Angst, in ein Urlaubsland zu fahren, weil dort Evangelikale wohnen? Wo sind die Evangelikalen, die andersdenkende Journalisten oder ihre Familien bedrohen? Warum kommt keine evangelikale Gruppe in irgendeinem Verfassungsschutz vor, weder in deutschland noch irgendwo weltweit?
Und dazu kommt: Trotz dieser pausenlosen Horrormeldungen über den Islamismus, werden wir – zu Recht – immer wieder daran erinnert, ja erinnern selbst immer wieder daran, dass man Islamisten und friedliche Muslime auseinander halten muss. Überlegen sie einmal, 1,8 Mio. Evangelikale in Deutschland wollten Freiheit mit Gewalt einschränken. Und davon hat noch keiner etwas mit bekommen, wo uns gleichzeitig einige Tausend Islamisten in Atem halten?
Denn im Falle der 400 Millionen Evangelikalen muss man dagegen wohl nicht zwischen Terroristen (wo immer die sein mögen) und Zigmillionen friedlichen Anhängern unterscheiden. Da reicht ein negatives Beispiel, über Zigmllionen in Sippenhaft zu nehmen! Selbst wenn es einen einzigen evangelikalen Terroristen geben sollte oder wenigstens einen, der davon träumt einer zu sein, müßte man in klar von den Zigmillionen friedlichen Evangelikalen unterscheiden.
Noch eine Frage an ARD und ZDF: Gehört nicht zur Religionsfreiheit auch, dass man vor Verfolgung durch staatliche und quasistaatliche Institutionen geschützt ist? Wissen unsere staatlichen Medien eigentlich, dass es keine Verfolgung von Minderheiten gibt, in denen nicht die Medien eine zentrale Rolle spielen und dass heute oft die Medien mehr als andere darüber entscheiden, welche Minderheit als Opfer und welche als aussätzig und selbst dran schuld gilt?
Wenn indische Dalits zum Christentum oder Islam konvertieren, verlieren sie verfassungsmäßige Garantien und Sozialhilfe
Oktober 12, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
IIRF sucht Sponsoren für ein Forschungsprojekt
Dalits, die zum Islam oder Christentum konvertieren, verlieren in Indien ihren Rechtsstatus als Dalits und damit die ihnen eigentlich nach Verfassung und Gesetz zustehende finanzielle und rechtliche Unterstützung. Mit der Logik, dass sie als Muslime oder Christen ja nicht mehr zur untersten Kaste des Hinduismus gehören, werden ihnen verfassungsmäßige Rechte gestrichen. Merkwürdigerweise gilt dies nicht für Dalits, die Buddhisten oder Sikhs werden, zumindest sieht das die Verfassung so – die Realität ist hier auch oft anders. Das zumindest ist die Klage einer der beiden großen internationalen Vereinigungen von Dalits mit Menschenrechtlern, die es weltweit gibt, dem Dalit Freedom Network (www.dalitnetwork.org) unter Leitung seines internationalen Präsidenten Joseph D’souza.
Zur Begründung des Forschungsprojektes habe ich einen kleinen Text mit Auszügen aus Berichten zur Lage der Dalits verfasst, der in Kürze in der Idea-Dokumentation „Märtyrer 2009: Das Jahrbuch zur Christenverfolgung heute“ erscheinen wird, den ich aber hier schon zur Diskussion stellen möchte: Dalits.pdf
Zur ökumenischen Bedeutung von Johannes Calvin
September 8, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Natürlich durfte mein Beitrag zum 500. Geburtstag Calvins nicht fehlen. Vor allem war da die von mir herausgegebene deutsche Neuausgabe der 1. Auflage seines Hauptwerkes ‚Institutio’ unter dem Titel „Christliche Glaubenslehre“. Aus Anlass von deren Erscheinen hat jetzt der Arbeitskreis für evangelikale Theologie (AfeT) meinen Artikel „Zur ökumenischen Bedeutung von Johannes Calvin“ in der Zeitschrift ‚evangelikale theologie’ 15 (2009) 1 (Mai) S. 5–9 abgedruckt: Download
Mit einem Auszug daraus möchte ich darauf verweisen, wieviele Anregungen ich zum Gedanken der Komplementarität biblischer Wahrheiten Calvin verdanke:
Die Komplementarität der calvinischen Lehre
Francois Wendel hat vertreten, dass Calvin keinen theologischen Hauptgedanken vertritt, sondern nacheinander verschiedene biblische Begriffe bespricht, die nicht immer logisch miteinander vereinbar sind. Es ist Calvin wichtiger, so Wendel, die biblischen Inhalte zu vermitteln, als ein logisch-systematisches System zu entwerfen.
Was ich in meiner Dogmatik ‚Komplementarität’ nenne, nennen Alexandre Ganoczy und Paul Helm etwa „Dialektik“. Calvin, so Ganoczy, will einfach das Wort Gottes in seiner ganzen Fülle präsentieren, und keine rational sortierte Zusammenstellung, weswegen er oft biblische Sachverhalte einfach nebeneinanderstellt. Eva-Maria Faber hat ihre Habilitationsschrift „Symphonie von Gott und Mensch: Die responsorische Struktur von Vermittlung in der Theologie Johannes Calvins“ genannt.
Hein Langhoff meint zu Recht, dass Calvin gezeigt hat, dass christliche Lehre auch die in der Heiligen Schrift „für unseren Verstand widersprüchlichen Aussagen einfangen kann. Er gab Gott auch dadurch allein die Ehre, daß er nicht weniger, aber auch nicht mehr sagen wollte als Gottes offenbarte Wahrheit. Ohne krampfhafte Harmonisierungsversuche ließ er unterschiedliche Seiten der Botschaft Gottes, zwischen denen sein Denken keine Einheit herstellen konnte, nebeneinander stehen.“
Die ‚Instititio’, so Calvin in einer späteren Ausgabe, will nur „zur Lektüre des Wortes Gottes vorbereiten und Anweisung geben“. Die Institutio, so der Calvinforscher Otto Weber, „will nicht geistreiche … Gedanken über Gott und Mensch und Welt, über Christus und die Kirche vorbringen, sondern Auslegung der heiligen Schrift sein“ und deswegen ihre Komplementarität so wiedergeben, wie sie sich in der Offenbarung darbietet.
Dies gilt auch für Calvins Sicht von Erwählung und Prädestination. Ralph C. Hannock und Wilhelm-Albert Hauck haben gezeigt, daß die Prädestinationslehre für Johan nes Calvin das Ethos, also das verantwortliche Handeln nach den Maßstäben Gottes, nicht bremst oder schmälert, sondern gerade begrün det. Hauck faßt Calvins Position zusammen: „Die recht verstandene Prädestinationslehre, auf die sich die Erwählungs- und Heilsge wißheit der Gläubigen gründet, kann niemals ein echtes Ethos zerstören. Sie wirkt viel mehr durch ihre Ausrichtung auf Gottes heiligen Willen, der mit der Erkenntnis auch die Kraft zur Er füllung schenkt, ethosbegründend, ethoserhaltend und ethosvollen dend. Dies beweist übri gens auch ein Blick in die Geschichte des vom sitt lichen Ernst und höchstem ethischen Aktivismus getragenen Calvi nismus …“
Auch H. Henry Meeter hat darauf hingewiesen, daß Calvin und die Calvinisten nicht nur die Prädestination stärker betonen als an dere, sondern auch die menschliche Ver antwortung. So wurde ih nen gleichermaßen der Vorwurf gemacht, die Prädestination zu sehr zu betonen und deswegen Fatalisten zu sein, wie die Verant wortung zu sehr zu betonen und deswegen gesetzlich zu sein! Laut Reinhold Seeberg „ergibt sich ein eigenartiges Gleichgewicht zwischen der religiösen Abhängigkeit des Menschen und seiner sittlichen Aktivität“.
Paul Jacobs verweis bereits 1937 darauf, dass kein Reformator die Ethik breiter behandelt hat und oft die Ethik erst im Nachgang mit dem Hinweis auf Gottes Vorsehung begründet und ermöglicht wird.
Die Schöpfung bewahren – unter oder gegen den Schöpfer?
Mai 18, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Was ich in meinem Buch „Drewermann und der Buddhismus“ ebenso wie im Kapitel zum Umweltschutz in meiner „Ethik“ vor vielen Jahren angesprochen habe, ist heute aktueller denn je, wie mein Kommentar „Environmental Ethics“ in „Lausanne World Pulse“, der Zeitschrift der Internationalen Lausanner Bewegung und des Wheaton College, zeigen soll. Die Ökologie wird immer mehr selbst zur Religion bzw. zu allerlei Religionen, oder aber wird zur Spielwiese allerlei religiöser, esoterischer, aber auch atheistischer Propheten. Mit selbstkritischer und sich auf das, was man wissen kann, beschränkender Wissenschaft hat vieles immer weniger zu tun. Wenn die Stahlindustrie im großen Stil Windmühlenfirmen zur Energiegewinnung fördert und besitzt (Nach der Autoindutsrie der zweitgrößte Stahlabnehmer) und Mitbegründer der Grünen und Ex-Politiker durch Solarfirmen Multimillionäre werden, ist auch der einstige moralisierende Appell Kleine gegen Große und Gute gegen Böse passè.
Nur wenn der Mensch sich dem Schöpfer unterstellt, wird er als Krone der Schöpfung seiner Verantwortung gegenüber der Schöpfung gerecht. Wer die Schöpfung (Natur, Umwelt) selbst vergöttlicht oder wer den Menschen esoterisch mit der Schöpfung gleich stellt, hat für seinen Appell an seine vermeintliche Verantwortung keinerlei Grundlage. Wir werden uns einst nicht vor unseren Enkeln, sondern vor Gott verantworten müssen.
Weitere Informationen:
- Environmental Ethics – Christianity Is Not the Root of the Ecological Crisis?
- Hier gibt es das gesamte Heft als pdf.
Frühere Artikel von mir in „Lausanne World Pulse“ zum Thema Christenverfolgung:
- „Persecution and Mission“. Lausanne World Pulse (Wheaton/IL). November 2008: 8-11.
- „Persecution (Modern Ages)“. Lausanne World Pulse (Wheaton/IL). November 2008: 11-15.
Die Kriminalisierung der Evangelikalen
April 18, 2009 by admin · 1 Kommentar
Meine lange Stellungnahme zum Buch:
- Oda Lambrecht, Christian Baars, Mission Gottesreich: Fundamentalistische Christen in Deutschland, Ch. Links Verlag: Berlin, 2009
ist nun endlich unter www.die-evangelikalen.de erschienen. Eine Kurzfassung des Kommentars hat das Christliche Medienmagazin PRO in seiner Ausgabe 2/2009 veröffentlicht, die gerade in den Versand geht. Die Langfassung kann man als pdf-Datei beim Martin Bucer Seminar oder am Originalplatz herunter geladen werden.
Gern darf die PDF-Datei über e-mail-Verteiler versandt oder an anderer Stelle eingestellt werden.
Hier ein Auszug:
Die Logik des Ganzen: Kontrollieren, Beschränken, Verhindern oder: wie man seine evangelikalen Gegner schachmatt setzt. Damit sind wir bei einem zentralen Dauerbrenner des Buches: Kontrollieren, Beschränken, Verhindern. Die Autoren sprechen nie direkt von Verbieten. Aber worauf anderes läuft es hinaus, wenn sie verhindern wollen, dass je wieder ein freikirchlicher Gottesdienst im staatlichen Fernsehen übertragen wird? Öffentliche Auftritte der Evangelikalen sollten verhindert werden, wenn immer der Staat eine Mögichkeit dazu hat – etwa als Vermieter. Politiker sollten nicht bei evangelikalen Veranstaltungen auftreten. Ihre Privatschulen sollten noch stärker kontrolliert werden – obwohl immer wieder die Stellungnahmen der Kultusministerien und Schulämter zitiert werden, die Schulen hielten sich an die gesetzlichen Vorgaben und Deutschland die strengste Privatschulkontrolle eines freien Landes kennt. Steuergelder für evangelikale Institutionen sollten gestrichen werden, die Gemeinnützigkeit ihrer Organisationen in Frage gestellt werden. Die Evangelikalen sollten keine Bücher an Bundestagsabgeordnete verteilen und religiöse Sendungen im Privatfernsehen sollten besser nicht stattfinden … Die These der Autoren, dass Evangelikale mutwillig Gesetze brechen würden, wird von dafür zuständigen Behörden nicht geteilt. Könnte das nicht daran liegen, dass sie die Gesetze eben nicht brechen? Jedenfalls ist die Marschrichtung der Autoren eindeutig: Gesetze und Überwachung müssen verschärft werden. Die Autoren treten ganz eindeutig für eine Kriminalisierung des Evangelikalseins ein. Sieht so die demokratische Toleranz aus, die die Autoren von Evangelikalen einfordern?
Eine Stellungnahme der Deutschen Evangelischen Allianz können Sie hier herunter laden: mission-gottesreich.pdf.


Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, die weltweit etwa 300 Mio. evangelische Christen vertritt und Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo).