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Deutschland, einer der ärmsten Staaten der Erde – Geburtenzahl sinkt dramatisch
Juni 7, 2010 by Schirrmacher · 2 Kommentare
Über das einzige Land der Erde, dass seit 30 Jahren eine Geburtenrate unter 1,4 hat, obwohl 2,08 nötig wären.
Deutschland einer der ärmsten Staaten? War Deutschland nicht bis 2008 Exportweltmeister, 2009 knapp hinter China Vizeexportweltmeister? Findet sich in Deutschland nicht ein soziales Netz, das wohl nur noch von den skandinavischen Ländern übertroffen wird? Da soll Deutschland arm sein?
Der Heidelberger Finanz- und Steuerrechtler und ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Paul Kirchhof schrieb 2006 in ‚Das Gesetz der Hydra‘ (München: Droemer) über „Das Drama der sterbenden Gesellschaft“ (S. 173): „Deutschland ist einer der ärmsten Staaten dieser Erde“ (S. 173, siehe S. 173–175) und machte darauf aufmerksam, dass einer der reichsten Länder der Erde eines der „kinderärmsten“ sei und Kinderarmut langfristig in echte Armut führen werde.
Während das Nachbarland Frankreich eine Geburtenrate von 2,02 aufzuweisen hat, liegt Deutschland für 2009 bei 1,35, einem der niedrigsten Werte weltweit – und dass schließt ja bereits die kinderreichen Familien von Migranten mit deutschem Pass ein. (Die Geburtenrate ist hier Zahl der Geburten pro Frau. Um die Bevölkerungszahl in Deutschland stabil zu halten, wäre eine Geburtenrate von 2,08 nötig. Es gibt auch eine Geburtenrate als Lebendgeburten pro 1000 Einwohner, die Ergebnisse für einen Ländervergleich sind dieselben.)
Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat schon lange vorgerechnet, dass schon lange jede Kindergeneration kleiner ist, als die jeweils vorangegangene – gleich welche man miteinander vergleicht, und nennt deswegen „Deutschland – eines der kinderärmsten Länder“ (Sabine Sütterlin. „Deutschland – eines der kinderärmsten Länder“).
Der 56. FDP-Bundesparteitag fasste das am 7.5.2005 so zusammen: „Demografische Veränderungen haben einen langen Vorlauf. Seit Jahren gehen in Deutschland die Kinderzahlen zurück. Seit Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts ist jede Kindergeneration um ein Drittel kleiner als die ihrer Eltern. Dieser Rückgang ist aus zwei Gründen bisher kaum wahrgenommen worden: Die Lebenserwartung ist in den letzten 30 Jahren um ca. acht Lebensjahre angestiegen, und in Deutschland leben mittlerweile zwölf Millionen Aussiedler, Ausländer und eingebürgerte Migranten und Migrantinnen.“ (parteitag.ftp.de)
Selbst der Spiegel schreibt zu den allerneuesten Zahlen für 2009: „Geburtenzahl in Deutschland sinkt dramatisch“ (spiegel.de).
Das Statistische Bundesamt gibt in „Mikrozensus 2008 – Neue Daten zur Kinderlosigkeit in Deutschland“ an, dass 2008 21% der 40–44jährigen Frauen kinderlos waren – in höherem Alter danach erhöht sich die Rate der Mütter kaum noch. Die zehn Jahre älteren Jahrgänge (1944–1948) waren zu 16% kinderlos, die zwanzig Jahre älteren zu 12%. Für 2008 lag der Anteil der Kinderlosen unter den 40–44jährigen Frauen unter Akademikerinnen noch höher, als der Durchschnitt, nämlich bei 28% (destatis.de).
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes („Geburten in Deutschland“, 2007) lag die Geburtenrate mit 2,5 Anfang der 1960er Jahre am höchsten, Tiefpunkt war mit weniger als 1,3 die Mitte der 1980er Jahre. Bis 1990 stieg die Geburtenrate auf 1,5, seit 1998 sinkt sie wieder bis auf 1,3 im Jahr 2006. In diesem Jahr hatten sich auch die Geburtenrate in den alten und den neuen Bundesländern einander angeglichen.
Frauen mit Migrationshintergrund (ohne Eingebürgerte) hatten Anfang der 1990er Jahre eine Geburtenrate von 2,0, aber auch hier ist die Rate bereits auf 1,6 gesunken.
Deutschland, so das Statistische Bundesamt, hat zwar nicht die niedrigste Geburtenrate der Welt, da Italien, Griechenland und sieben osteuropäische Länder ein bisschen niedriger liegen, aber Deutschland verfügt doch über eine besorgniserregende Besonderheit, weil es als einziges Land der Erde bereits seit fast 30 Jahren eine Geburtenrate unter 1,4 hat.
Übrigens gilt eine geringere Kinderlosigkeit bei Frauen mit Migrationshintergrund nur, wenn sie selbst, nicht schon ihre Eltern zugewandert sind. Bei den in Deutschland geborenen Frauen mit Migrationshintergrund hat sich die Zahl der kinderlosen Frauen praktisch der der Frauen ohne Migrationshintergrund angepasst!
Damit mich keiner falsch versteht: Jeder Rassismus ist mir fern und dem ‚deutschen‘ Boden dürfte es ziemlich egal sein, welche Menschen auf ihm leben. Und wenn ein Teil der ‚Deutschen‘ eben nicht mehr für eine Zukunft mit Kindern leben will, dann werden eben andere Menschen den Platz ausfüllen.
Aber ich gebe Kirchhof recht: „Wir stehen vor der Frage, ob wir eine im Erwerbsleben stehende oder eine im Kind vitale Gesellschaft sein wollen“ (S. 194). Ersteres funktioniert nur einige Jahre lang, nie aber über längere Zeit. Deswegen gilt: „Familienpolitik ist die beste Wirtschaftspolitik“ (S. 194) und „Familienpolitik ist deswegen kein Gegensatz zur Wirtschaftspolitik, sondern deren Grundlage“ (S. 195).
Ist Selbstverleugnung christlich?
April 12, 2010 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Wenn Jesus zur Selbstverleugnung aufruft und dabei auffordert, das Kreuz auf sich zu nehmen, meint er keine psychologische Größe – etwa Selbstverachtung oder fehlendes Selbstbewusstsein –, sondern schlicht und einfach die Bereitschaft zum Martyrium für den Glauben: „Wenn jemand mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wenn jemand sein Leben erretten will, wird er es verlieren. Wenn aber jemand sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es finden“ (Mt 16,24–25). Denn dieser Abschnitt stammt aus der ersten großen Martyriumsrede Jesu in Mt 10,16–42. Die Begriffe ‚Kreuz‘ und ‚Verfolgung‘ sind fast identisch geworden! [S. dazu ausführlicher These 8 in Thomas Schirrmacher. Christenverfolgung geht uns alle an: Auf dem Weg zu einer Theologie des Martyriums. Idea-Dokumentation 15/99. Idea: Wetzlar, 2001, 2. Aufl.]
Selbstverleugnung bedeutet, das Vertrauen in Gott prinzipiell und ausnahmslos an die erste Stelle zu setzen und deswegen bereit zu sein, dafür zu sterben. Selbstverleugnung bedeutet aber nicht automatisch, jeden anderen Menschen an die erste Stelle zu setzen. Denn aus der Unterordnung unter Gott ergibt sich erst der richtige Umgang mit anderen Menschen.
Sein Leben für andere zu geben ist in dieser Welt die höchste Form der Liebe. Jesus lehrt dies eindeutig: „Dies ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe. Denn niemand hat eine größere Liebe als wenn er sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,12–13). Deswegen wird die Liebe der Christen immer wieder an dem größten Liebesopfer Jesu, am Kreuz, ausgerichtet: „Wandelt in Liebe, wie auch Christus euch geliebt und sich selbst für uns als Gabe und Opfer gegeben hat“ (Eph 5,2). Deswegen soll auch der Ehemann gegebenenfalls bereit sein, sein Leben für seine Frau zu lassen, eine Absage an alle Vorstellungen des ‚Hauptseins‘ des Mannes, die darin vor allem die Kommandogewalt des Mannes sehen wollen: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie dahingegeben hat“ (Eph 5,25).
Dazu möchte ich an folgenden Abschnitt aus meiner Ethik erinnern (auf neue Rechtschreibung umgestellt):
Gott zerstört die Persönlichkeit nicht
(Aus Ethik. ab 2. Aufl. Bd. 1, Lektion 12, Abschnitt 6.)
Gott arbeitet nicht mit Zwang. Zwang und Besessenheit sind die Kennzeichen des Teufels. Der Teufel fragt uns nicht, unterstützt uns nicht, hilft uns nicht, sondern verführt und zwingt uns und bringt uns zur Sünde, ehe wir zum Nachdenken gelangt sind. Gott dagegen schenkt uns alles, möchte aber dennoch die echte Persönlichkeit, die selbstbeherrscht, nüchtern und ruhig sich für den Weg Gottes entscheidet und ihn dann in Gottes Kraft geht.
Nur der Teufel regiert Menschen, indem er sie ihrer Persönlichkeit beraubt, wie die in den Evangelien erwähnten Besessenen im Extremfall zeigen, die bisweilen wie Tiere lebten und durch die Vertreibung der Dämonen wieder eigenständig handelnde Personen wurden. Dies wird in der Heilung des besessenen Geraseners (Mt 8,28–34;Mk 5,1–20; Lk 8,26–39) am deutlichsten. Hier war ein Mensch durch die Dämonen völlig seiner Persönlichkeit beraubt. Er kleidete sich nicht, lebte in Höhlen, sprach mit niemandem und griff jeden an (Mk 5,: „er hatte seine Wohnung in den Grabhöhlen. Und niemand konnte ihn mehr binden, auch nicht mit Ketten; denn er war oft mit Fesseln und Ketten gebunden gewesen und hatte die Ketten zerrissen und die Fesseln zerrieben; und niemand konnte ihn bändigen. Und er war allezeit, Tag und Nacht, in den Grabhöhlen und auf den Bergen, schrie und schlug sich mit Steinen“; Lk 8,27+29: „der hatte böse Geister; er trug seit langer Zeit keine Kleider mehr und blieb in keinem Hause, sondern in den Grabhöhlen … Denn er hatte dem unreinen Geist geboten, aus dem Menschen auszufahren. Denn der hatte ihn lange Zeit geplagt; und er wurde mit Ketten und Fesseln gebunden und gefangen gehalten, doch er zerriss seine Fesseln und wurde von dem bösen Geist in die Wüste getrieben“). Jesu Befreiungswort bewirkte, dass seine Persönlichkeit wieder zum Vorschein kam, so dass er wieder normal aß, sich anzog und ganz vernünftig mit anderen redete, wie die Außenstehenden erschrocken feststellen (Mt 5,15: „… und kamen zu Jesus und sahen den Besessenen, wie er dasaß, bekleidet und vernünftig, den, der die Legion unreiner Geister gehabt hatte; und sie fürchteten sich“; Lk 8,35: „Da gingen die Leute hinaus, um zu sehen, was geschehen war, und kamen zu Jesus und fanden den Menschen, von dem die bösen Geister ausgefahren waren, sitzend zu den Füßen Jesu, bekleidet und vernünftig, und sie erschraken“).
Zerstört Gott unsere Persönlichkeit? Schaltet er alle gleich? Irgend etwas kann da ja nicht stimmen! Es ist doch gerade Gott, der uns als unverwechselbare Persönlichkeiten geschaffen hat und der die ungeheure Vielfalt liebt. Gott arbeitet nicht mit Zwang. Je mehr uns Gott von unserer Sünde und aus Abhängigkeiten befreit, umso deutlicher kommt unsere unverwechselbare Persönlichkeit zum Ausdruck. Zwang und Besessenheit sind die Kennzeichen des Teufels. Der Teufel fragt uns nicht, unterstützt uns nicht, hilft uns nicht, sondern verführt und zwingt uns und bringt uns zur Sünde, ehe wir zum Nachdenken gelangt sind. Gott dagegen schenkt uns alles, möchte aber dennoch die echte Persönlichkeit, die selbstbeherrscht, nüchtern und ruhig sich für den Weg Gottes entscheidet und ihn dann in Gottes Kraft geht. Nur der Teufel regiert Menschen, indem er sie ihrer Persönlichkeit beraubt.
Das hat auch für die Entstehung der Bibel und das richtige Inspirationsverständnis große Bedeutung. Gott lässt sein Wort nicht durch Zwang schreiben, wie dies bei vielen mechanisch inspirierten Offenbarungen in den Religionen bis hinein in den Bereich christlicher Sekten der Fall ist. Wenn Gottes Geist an und durch Menschen wirkt, macht er sie zu echten Persönlichkeiten. Überall, wo die Inspiration einer heiligen Schrift damit begründet wird, dass die menschlichen Verfasser völlig unbeteiligt waren, also unter Zwang schrieben, besessen waren, in Ekstase unzurechnungsfähig waren, wie dies in vielen Religionen und Bewegungen der Fall ist, liegt nach der Bibel teuflische Inspiration vor. Selbst die Propheten, die in Verzückung unglaubliche Bilder sahen, können sich im Alten und Neuen Testament ganz vernünftig mit den die Visionen auslegenden Engeln unterhalten (z. B. in der Offenbarung des Johannes oder in Daniel und Hesekiel). Ja, Paulus hält es in 1Kor 14,32 für selbstverständlich, dass Propheten sich und die Offenbarung unter Kontrolle haben: „Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan“. Deswegen können sie ihre Prophezeiung auch jederzeit unterbrechen oder für sich behalten (1Kor 14,30–32).
Die Bibel ist nicht von Marionetten mechanisch geschrieben worden, sondern im Gegenteil von echten Persönlichkeiten, deren Unverwechselbarkeit gerade in ihren Schriften zum Ausdruck kommt. Göttliche Inspiration schließt die menschliche Persönlichkeit nicht aus, sondern führt sie zu ihrer vollen Entfaltung. Deswegen gibt es kein religiöses Buch, das seine eigene rein menschliche Entstehungsgeschichte derartig ausbreitet und für wesentlich hält wie die Bibel. Die menschliche Seite ist kein Beweis gegen die göttliche Inspiration der Bibel, wie dies in anderen Religionen der Fall ist, wo die Göttlichkeit der Schrift dadurch bewiesen wird, dass kein Mensch daran beteiligt war oder die beteiligten Menschen zu so etwas unfähig waren.
Ein schönes Beispiel dafür findet sich am Ende des 2. Petrusbriefes. Dort schreibt Petrus: „Achtet die Langmut unseres Herrn als Errettung, wie auch unser geliebter Bruder Paulus in der ihm gegebenen Weisheit euch geschrieben hat, wie auch in allen seinen Briefen, wenn er von solchen Dingen spricht. In ihnen ist etliches schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Unbefestigten wie auch die anderen Schriften zu ihrem eigenen Verderben verdrehen“ (2Petr 3,15–16). Die menschliche Seite der Bibel, hier die Besonderheit des petrinischen und des paulinischen Stils, tut ihrer göttlichen Seite keinen Abbruch. Selbst Petrus hat Mühe, die Paulusbriefe zu verstehen. Und dennoch ist es für Petrus keine Frage, dass Paulus im Namen Gottes spricht und dass man die Paulusbriefe nur zu seinem eigenen Verderben verdrehen kann.
Die Stellungnahme von Petrus ist also ein wichtiger Text zum Verständnis der Inspiration der Bibel. Die Bibel spiegelt die Unterschiedlichkeit der Charaktere ihrer Verfasser voll und ganz wider. Petrus schreibt in kurzen, knappen Sätzen, gibt einprägsame Warnungen, wechselt das Thema häufig und scheint keiner Gesamtgliederung seiner Briefe zu folgen. Paulus schreibt dagegen meist im Rahmen von langwierigen Gliederungen, benutzt oft lange, verschachtelte Sätze, die bisweilen sogar unfertig stehen bleiben, weil sie zu lang wurden. Er begründet eins aus dem anderen. Petrus ist ‚leichte‘ Lektüre, Paulus nicht. Dies kann sogar Petrus selbst über Paulus feststellen, denn Petrus selbst hatte Mühe, Paulus zu verstehen.
Die Lebensrechtsbewegung als Menschenrechtsbewegung
November 6, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Die Lebensrechtsbewegung hat sich immer als eine Menschenrechtsbewegung verstanden. Sie tritt vor allem für das Recht auf Leben derer ein, die sich nicht selbst vertreten können. Waren es anfänglich nur die Ungeborenen, so sind aufgrund der gesellschaftlichen und medizinischen Entwicklung inzwischen weitere Felder hinzugetreten: Alte, Kranke und Behinderte ebenso wie künstlich gezeugte Embryonen.
Heute ist der ungeborene Mensch gewissermaßen nicht ein Mensch, der angenommen wird, sondern entgegen aller Logik wird er erst Mensch, wenn er angenommen wird – ein ungewolltes Kind hat kein Lebensrecht.
Menschenrechte bedeuten aber gerade, dass uns die Würde des Menschen an sich zukommt, bevor wir irgendeinem anderen Menschen oder einer Institution wie Familie oder Staat begegnen. Jeder andere Mensch und erst recht der Staat findet unsere Menschenwürde vor, er erschafft sie nicht kraft seines Amtes.
Das Verbot, Unschuldige zu töten, gehört zum Wesen des Rechtsstaates. Alle Gegner der Todesstrafe erwarten sogar vom Staat, dass er keine Schuldigen tötet. Aber die Unschuldigsten und Wehrlosesten aller Menschen, die im Mutterleib, stehen ohne jeden staatlichen Schutz da, wenn die, die sie eigentlichen mehr als alle anderen beschützen sollten, Mutter, Vater und Arzt/Ärztin, ihren Tod beschlossen haben.
Derzeit jagt eine nationale oder europäische Antidiskriminierungsmassnahme und –richtlinie die andere. Aber das Ungeborene diskriminiert werden, weil sie ungeboren sind, oder zusätzlich, weil sie behindert oder ungeliebt sind, oder gar noch schlimmer, aufgrund ihres Geschlechtes – all’ das beschäftigt die nicht, denen der bishrige Schutz gegen Diskriminierung nicht weit genug geht.
Jedes ungeborene Kind ist vom Moment seiner Zeugung ein Mensch und hat Anspruch auf dieselben Menschenrechte, wie jedes andere Mitglied der menschlichen Gemeinschaft. Sein Leben ist unbedingt zu schützen, ihn zu töten ist undenkbar.
Die Menschenrechte des Embryos sind dabei wie alle Menschenrechte auch unabhängig vom Gewissen anderer, als etwa der Mutter oder der Ärzte.
Dort, wo ein Mensch doch rechtmäßig getötet werden kann, kann dies nur sein, um ihn am Töten zu hindern (z. B. Notwehr, Notwehrrecht des Staates) – etwas, was bei einem Ungeborenen ausgeschlossen ist – oder in einer schwerwiegenden Pflichtenkollision, in der Leben gegen Leben steht (z. B. gerechter Krieg, Selbstaufopferung für andere), nie aber, um einen niedrigeren Wert zu verteidigen.
Ethik in 4. Auflage
April 1, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Kein Aprilscherz: Soeben ist meine derzeit 8 bändige Ethik in 4. Auflage erschienen, äußerlich auf dem Rücken an dem Balken „2009” (und vorne an dem Schriftzug „4. Auflage 2009“) von der bisherigen Ausgabe zu unterscheiden. In der neuen Einleitung heißt es:
Auch wenn ich an einer grundsätzlichen Neuausgabe meiner Ethik arbeite, die neue Themen und Literatur und auch einige veränderte exegetische oder theologische Einsichten enthalten wird, dafür auch manches Bisherige auslassen wird, erschien es mir doch gut, aufgrund aktueller Entwicklungen eine Zwischenauflage mit Korrekturen in vier Lektionen zu veröffentlichen. Die vier Lektionen sind so bearbeitet, dass sie grundsätzlich die gleiche Länge haben und sich die Seitenzahlen der unbearbeiteten Lektionen nicht verschieben, so dass die 3. und 4. Auflage im Unterrihct problemlos nebeneinander verwendet werden können. Gleiche und ähnliche Abschnitte verschieben sich innerhalb der bearbeiteten Lektionen höchstens um bis zu drei Seiten. Das ist im neuen Kursbuch und neuen Register bereits berücksichtigt. Es handelt sich um folgende Lektionen: 40 „Mann und Frau“ in Band 4; 47 „Homosexualität“ in Band 4; 48 „Erziehung und Vorbild“ in Band 5; 62 „Zur Todesstrafe“ in Band 6.
Für Besitzer der 3. Auflage lohnt sich der Kauf der 4. Auflage nicht.
Zum Thema Armut bei der Oliver-Geissen-Show (RTL)
März 25, 2009 by admin · Schreiben Sie einen Kommentar
Heute war ich zur Aufnahme einer Folge der Oliver-Geissen-Show von RTL in Köln-Hürth zum Thema ‘Armut in Deutschland’. Der Ausstrahlungstermin ist noch nicht bekannt, aber die Sendung erwies sich als ungewöhnlich gut. Es gelang der Spagat zwischen Solidarität mit unverschuldet und verschuldet arm Gewordenen einerseits und der Rückfrage, inwieweit persönliches Versagen eine Rolle spielt, aus der Notlage herauszukommen. Sehr eindrücklich war auch – weil völlig ungeplant – wie stark im Falle aller Betroffenen deutlich wurde, dass Armut oft eine Folge auseinanderbrechender Familien ist. So war es einerseits durchgängig das Fehlen einer Familie oder der Zusammenbruch einer Familie, die maßgeblich in die Armut führten, andererseits zeigte sich, dass echter Familienzusammenhalt sowohl hilft, Glück im Unglück zu empfinden und stark zu bleiben, als auch einen Weg aus der armut zu finden.
Ungeheuer beeindruckend waren die interviewten ehrenamtlichen Helfer, die sich für andere in einer Weise aufopfern, dass einem nur der Mund offen stehen bleiben kann.
Auf die Frage an mich, ob es denn angehe, dass im Sozialstaat so viele arm würden, antwortete ich zum einen, dass ohne den Sozialstaat die Zahl derer, die sich kaum selbst versorgen können wahrscheinlich drei bis viermal so hoch wäre und dass zweitens alle Schicksale zeigten, wo die Grenzen des Staates lägen: Zum einen könne er Familie nicht ersetzen oder allein durch finanzielle Unterstützung ausgleichen, zum anderen könne er das unglaubliche ehrenamtliche soziale Engagement nicht beliebig in Berufe umwandeln. Es sei nun einmal ein großer Unterschied zwischen einer fürsorglichen Dame, die Straßenkinder bei sich baden ließe (und nicht zufällig ‘Mama’ genannt würde) und einem Sozialarbeiter/in, der/die eine Sprechstunde habe. Sozialarbeiter/innen könnten natürlich die gleiche volle Motivation haben, aber Ausbildung und Karriereweg könnten das nicht garantieren.


Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, die weltweit etwa 300 Mio. evangelische Christen vertritt und Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo).