ArchivJohannes Calvin
Johannes Calvin als Vorreiter der Weltmission
Januar 8, 2010 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
edition afem veröffentlicht Aufsatzsammlung zum Calvinjubiläum
(Bonn, 22.12.2009) Calvin hatte nicht nur die weltweite Verkündigung der Botschaft von Gottes Gnade im Blick, sondern entsandte auch erste Missionare nach Brasilien. Dass später die Kirchen reformiert geprägter Länder wie die Niederlande, Schottland, England oder in jüngster Zeit Südkoreas eine führende Rolle in der Weltmission spielten, ist kein Zufall. Das jedenfalls ist die Essenz einer Sammlung von 16 Forschungsbeiträgen aus den letzten 120 Jahren zu Calvins Sicht der Mission.
Der (im Wesentlichen) englischsprachige Band ist in der Reihe ‚mission classics‘ der edition afem des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie erschienen, die als Koproduktion im Verlag für Theologie und Religionswissenschaft (Nürnberg) und Verlag für Kultur und Wissenschaft (Bonn) erscheint. Mit dem Band erinnert der afem und das Martin Bucer Seminar zum Ende des Calvinjubiläumsjahres daran, dass Johannes Calvin auch Vordenker und Planer der evangelischen Weltmission war.
Eine ähnliche Aufsatzsammlung zum Verhältnis Martin Bucers zur Weltmission erschien bereits 2006 in deutscher Sprache unter dem Titel ‚Martin Bucer als Vorreiter der evangelischen Mission‘ in der edition afem.
Thomas Schirrmacher (Hg.). Calvin and World Mission: Essays. 2009. 204 S. Pb. 18,00 €. ISBN 978-3-938116-84-5 (VKW), ISBN 978-3-941750-20-3 (VTR)
Thomas Schirrmacher (Hg.). Martin Bucer als Vorreiter der evangelischen Mission. 2006. 110 S. Pb. 9,80 € (D), 10,10 € (A), 18,50 SFr. ISBN 978-3-938116-22-7 (VKW), ISBN 978-3-937965-57-4 (VTR)
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Zur ökumenischen Bedeutung von Johannes Calvin
September 8, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Natürlich durfte mein Beitrag zum 500. Geburtstag Calvins nicht fehlen. Vor allem war da die von mir herausgegebene deutsche Neuausgabe der 1. Auflage seines Hauptwerkes ‚Institutio’ unter dem Titel „Christliche Glaubenslehre“. Aus Anlass von deren Erscheinen hat jetzt der Arbeitskreis für evangelikale Theologie (AfeT) meinen Artikel „Zur ökumenischen Bedeutung von Johannes Calvin“ in der Zeitschrift ‚evangelikale theologie’ 15 (2009) 1 (Mai) S. 5–9 abgedruckt: Download
Mit einem Auszug daraus möchte ich darauf verweisen, wieviele Anregungen ich zum Gedanken der Komplementarität biblischer Wahrheiten Calvin verdanke:
Die Komplementarität der calvinischen Lehre
Francois Wendel hat vertreten, dass Calvin keinen theologischen Hauptgedanken vertritt, sondern nacheinander verschiedene biblische Begriffe bespricht, die nicht immer logisch miteinander vereinbar sind. Es ist Calvin wichtiger, so Wendel, die biblischen Inhalte zu vermitteln, als ein logisch-systematisches System zu entwerfen.
Was ich in meiner Dogmatik ‚Komplementarität’ nenne, nennen Alexandre Ganoczy und Paul Helm etwa „Dialektik“. Calvin, so Ganoczy, will einfach das Wort Gottes in seiner ganzen Fülle präsentieren, und keine rational sortierte Zusammenstellung, weswegen er oft biblische Sachverhalte einfach nebeneinanderstellt. Eva-Maria Faber hat ihre Habilitationsschrift „Symphonie von Gott und Mensch: Die responsorische Struktur von Vermittlung in der Theologie Johannes Calvins“ genannt.
Hein Langhoff meint zu Recht, dass Calvin gezeigt hat, dass christliche Lehre auch die in der Heiligen Schrift „für unseren Verstand widersprüchlichen Aussagen einfangen kann. Er gab Gott auch dadurch allein die Ehre, daß er nicht weniger, aber auch nicht mehr sagen wollte als Gottes offenbarte Wahrheit. Ohne krampfhafte Harmonisierungsversuche ließ er unterschiedliche Seiten der Botschaft Gottes, zwischen denen sein Denken keine Einheit herstellen konnte, nebeneinander stehen.“
Die ‚Instititio’, so Calvin in einer späteren Ausgabe, will nur „zur Lektüre des Wortes Gottes vorbereiten und Anweisung geben“. Die Institutio, so der Calvinforscher Otto Weber, „will nicht geistreiche … Gedanken über Gott und Mensch und Welt, über Christus und die Kirche vorbringen, sondern Auslegung der heiligen Schrift sein“ und deswegen ihre Komplementarität so wiedergeben, wie sie sich in der Offenbarung darbietet.
Dies gilt auch für Calvins Sicht von Erwählung und Prädestination. Ralph C. Hannock und Wilhelm-Albert Hauck haben gezeigt, daß die Prädestinationslehre für Johan nes Calvin das Ethos, also das verantwortliche Handeln nach den Maßstäben Gottes, nicht bremst oder schmälert, sondern gerade begrün det. Hauck faßt Calvins Position zusammen: „Die recht verstandene Prädestinationslehre, auf die sich die Erwählungs- und Heilsge wißheit der Gläubigen gründet, kann niemals ein echtes Ethos zerstören. Sie wirkt viel mehr durch ihre Ausrichtung auf Gottes heiligen Willen, der mit der Erkenntnis auch die Kraft zur Er füllung schenkt, ethosbegründend, ethoserhaltend und ethosvollen dend. Dies beweist übri gens auch ein Blick in die Geschichte des vom sitt lichen Ernst und höchstem ethischen Aktivismus getragenen Calvi nismus …“
Auch H. Henry Meeter hat darauf hingewiesen, daß Calvin und die Calvinisten nicht nur die Prädestination stärker betonen als an dere, sondern auch die menschliche Ver antwortung. So wurde ih nen gleichermaßen der Vorwurf gemacht, die Prädestination zu sehr zu betonen und deswegen Fatalisten zu sein, wie die Verant wortung zu sehr zu betonen und deswegen gesetzlich zu sein! Laut Reinhold Seeberg „ergibt sich ein eigenartiges Gleichgewicht zwischen der religiösen Abhängigkeit des Menschen und seiner sittlichen Aktivität“.
Paul Jacobs verweis bereits 1937 darauf, dass kein Reformator die Ethik breiter behandelt hat und oft die Ethik erst im Nachgang mit dem Hinweis auf Gottes Vorsehung begründet und ermöglicht wird.
Christliche Glaubenslehre
Februar 10, 2009 by Schirrmacher · Schreiben Sie einen Kommentar
Die ‚Christianae Religionis Institutio‘, kurz ‚Institutio‘ genannt, ist das Hauptwerk des Schweizer Reformators Johannes (Jean) Calvin (1509–1564), dessen Geburtstag sich 2009 zum 500. Mal jährt. In Deutschland wurde fast ausschließlich die letzte, große Auflage des Werkes von 1559 verwendet. Die erste und kürzeste Auflage von Calvins Hauptwerk von 1536 erschien erst 1887 in deutscher Sprache in der unserer Ausgabe zugrunde gelegten Übersetzung von Bernhard Spiess. Für die vorliegende Ausgabe wurde die Übersetzung von Spiess sprachlich und orthographisch modernisiert. Zudem wurden die Abkürzungen und Verweise vereinheitlicht, die biblischen Belegstellen überprüft und korrigiert und neue Zwischenüberschriften zur schnelleren Orientierung eingefügt.
Allzuoft musste die Erstausgabe der ‚Institutio‘ von 1536 hinter der Endfassung des Werkes von 1559 zurücktreten, die bei fünffachem Umfang die reifere und abschließende Leistung Calvins war. Die Erstausgabe ist in der Forschung immer stiefmütterlich behandelt worden. Dabei gerät jedoch leicht in Vergessenheit, dass die Erstausgabe 1536 Calvins legendären Ruf begründete und 1559 die Reformation bereits gefestigt war, 1536 aber noch weitgehend erst um ihren Kurs rang und Calvin mit seiner Kurzdogmatik eine neue Literaturgattung schuf.
Das Erscheinen der ‚Institutio‘ sieht der bedeutende französische Calvinforscher Bernard Cottret als historische Schwelle der Reformationszeit, denn hier geschah eine Fixierung vieler Fragen und Themen, die im Fluss waren und viele Umherirrende gewannen eine feste Orientierung.
Durch den erstmals 1552 vom Hamburger lutherischen Pastor Joachim Westphal verwendeten und polemisch gemeinten Ausdruck ‚calvinistisch‘ ist der Eindruck entstanden, Calvin sei nur für einen Teil der Christenheit als Ziehvater von Bedeutung. Weit gefehlt. Kaum ein Reformator hat schon zu Lebzeiten so breit gewirkt, und viele Grundprinzipien der Theologie Calvins haben alle christlichen Konfessionen stark beeinflusst, wie viele Autoren betont haben. Heidi Neuenschwander-Schindler schreibt: „Unter den Reformatoren des 16. Jahrhunderts ist keiner auf Weltebene so erfolgreich gewesen wie Jean Calvin, keiner ist aber auch mehr hinter sein Werk zurückgetreten.“
Calvins ‚Institutio‘ gilt auch außerhalb der reformierten Welt als bedeutende Zusammenfassung des christlichen Glaubens. Selbst einer der polemischsten und unsachlichsten Kritiker Calvins, Stefan Zweig, schreibt: „Diese ‚Institutio‘ ist eines der zehn oder zwanzig Bücher der Welt, von denen man ohne Übertreibung sagen kann, dass sie den Ablauf der Geschichte bestimmt und das Antlitz Europas verändert haben.“
Dieser Einfluss gilt nicht nur im Bereich sozialer und gesellschaftlicher Themen oder etwa darin, dass heute selbst örtliche katholische Kirchengemeinden und praktisch fast alle Konfessionen die von Calvin eingeführte Gemeindeleitungsstruktur aus gewählten Laienältesten plus den Pastoren verwenden, sondern auch in Calvins ureignen Fachgebieten, der Exegese und – was hier herausgestellt werden soll – der Dogmatik.
Ein junger Mann schreibt die bedeutendste Dogmatik der Reformationszeit
Februar 5, 2009 by admin · Schreiben Sie einen Kommentar
Die ‚Christianae Religionis Institutio‘, kurz ‚Institutio‘ genannt, ist das Hauptwerk des Schweizer Reformators Johannes (Jean) Calvin (1509–1564), dessen Geburtstag sich 2009 zum 500. Mal jährt. In Deutschland wurde fast ausschließlich die letzte, große Auflage des Werkes von 1559 verwendet. Die erste und kürzeste Auflage von Calvins Hauptwerk von 1536 erschien erst 1887 in deutscher Sprache in der unserer Ausgabe zugrunde gelegten Übersetzung von Bernhard Spiess. Für die vorliegende Ausgabe wurde die Übersetzung von Spiess sprachlich und orthographisch modernisiert. Zudem wurden die Abkürzungen und Verweise vereinheitlicht, die biblischen Belegstellen überprüft und korrigiert und neue Zwischenüberschriften zur schnelleren Orientierung eingefügt.
Allzuoft musste die Erstausgabe der ‚Institutio‘ von 1536 hinter der Endfassung des Werkes von 1559 zurücktreten, die bei fünffachem Umfang die reifere und abschließende Leistung Calvins war. Die Erstausgabe ist in der Forschung immer stiefmütterlich behandelt worden. Dabei gerät jedoch leicht in Vergessenheit, dass die Erstausgabe 1536 Calvins legendären Ruf begründete und 1559 die Reformation bereits gefestigt war, 1536 aber noch weitgehend erst um ihren Kurs rang und Calvin mit seiner Kurzdogmatik eine neue Literaturgattung schuf. Read more



Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, die weltweit etwa 300 Mio. evangelische Christen vertritt und Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo).