Thomas Schirrmacher
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Das Glaubensbekenntnis meines Ururgroßvaters

Februar 17, 2010 by Schirrmacher · 2 Kommentare 

Meine Vorfahren waren reformierte Hugenotten, die aus Salzburg nach Preußen kamen und sich schließlich in Danzig und Königsberg niederließen. Mein Ururgroßvater Carl Friedrich Schirrmacher (1790–1827), Erster Oberlehrer (Direktor) der Petrischule in Danzig, hinterließ folgendes handschriftliche Glaubensbekenntnis, das auch das meine ist:

Mein Glaubensbekenntnis
Die evangelische Kirche protestirt von Anfang an und muß fortwäh­rend protestiren; aber einmal von einer posi­tiven Grundlage aus, näm­lich dem unbedingten Glauben an die freie Gnade Gottes in Christo wie sie nämlich in den Schriften des Paulus, Petrus und Johannes als absolute Form für alle Zeiten geoffenbart ist, und zweitens sie prote­stiert auf rein
religiösem Gebiet nur gegen dasjenige, was deren Glau­bensgrund in ir­gend einer Weise alteriert.
Carl Friedrich Schirrmacher
geboren den 14. Septb 1790
in Königsberg in Preussen

[Handschriftliche Eintragung von Carl Friedrich Schirrmacher auf der ersten Seite des Vorsatzblattes eines Exemplares Das Va­ter Unser: Ein Erbau­ungsbuch für jeden Christen. Mit einer Abhand­lung über den Inhalt und Gebrauch des Vater Un­sers, von dem Vi­cepräsidenten und Oberhofpredi­ger Christoph Friedrich von Am­mon D. Ch. G. Kayser’schen Buchhand­lung F. Beyer: Leipzig, 1839 (in meinem Besitz)]

Sein Sohn und mein Urgoßvater, Friedrich Wilhelm Schirrmacher (1824–1904) hinterließ im Danziger reformierten Gesangbuch folgende Zeilen, die ich mir auch zu eigen machen möchte:

Eins nur wünsch ich mir hienieden,
Jesu, Deinen Geist und Frieden,
Und von den Ruhm an meinem Grabe,
daß ich Dich geliebet habe.
Friedrich Wilhelm Schirrmacher

[Handschriftliche Eintragung in einem Gesangbuch (Kirchen Ge­sang-Buch Der Evangelisch-Reformierten Gemeinde in Dantzig. Thom. Joh. Schrei­ber: Dantzig, 1745) in meinem Besitz. Die erste Eintragung in das Gesangbuch stammt vom 14.9.1777 von A. V. E. (vermutlich kein Vor­fahre der Familie Schirrmacher). Am 14.9.1854 widmete „Carl Friedrich Schirrma­cher” das Buch seinem Sohn Friedrich Wilhelm, der undatiert die zitierte Widmung schrieb. Das Buch gelangte wohl über dessen Sohn Leo Schirrma­cher zu dessen Sohn Klaus Leo Schirrmacher, der es am 16.3.1968 zum Geburtstag „meinem lieben Bruder Bernd Schirrmacher“ ver­machte. Dieser – mein Vater – vermachte mir das Buch mit Wid­mung von „Weihnachten 1989“. (Vgl. zu diesem Gesangbuch Franz Kessler. Danzinger Gesangbücher 1586–1793. Einzelschriften der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung 15. Institut Nordostdeutsches Kulturwerk: Lü­neburg, 1998. S. 65–70 unser Gesangbuch; sowie S. 3–7 zur Reformation und S. 6–7 zu den Reformierten in Danzig.)]

Ich habe zwei Bücher meines Großvaters neu herausgegeben und beide mit einer gleichlautenden Biografie eingeleitet, die in ähnlicher Form auch im Biografisch-Bibliografischen Kirchenlexikon erschienen ist:

„Über den Verfasser“. S. 5–28 in: Friedrich Wilhelm Schirrmacher. Briefe und Akten zum Marburger Religionsgespräch (1529) und zum Augsburger Reichstag (1530). Geschichte – Kirchengeschichte – Reformation 21. Bonn: VKW, 2003

„Friedrich Wilhelm Schirrmacher“. S. 5–23 in: Friedrich Wilhelm Schirrmacher. Die Entstehung des Kurfürstenkollegiums. Geschichte – Kirchengeschichte – Reformation 22. Bonn: VKW, 2003

„Friedrich Wilhelm Schirrmacher (1825–1904)“. S. 142–151 in: Thomas Schirrmacher, Klaus Schirrmacher, Ingrid von Tor­klus (Hg.). Baumeister bleibt der Herr: Fest­gabe zum 80. Geburtstag von Prof. Bernd Schirrmacher. VKW: Bonn, 2001

„Schirrmacher, Friedrich Wilhelm“. 1226–1235 in: Friedrich Wilhelm Bautz, Traugott Bautz (Hg.). Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Bautz: Herzberg ab Bd. I, 1975, hier Bd. XIX, 2001

Meine Artikel im Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Nur wenige wissen, dass ich zu drei Personen, mit denen ich mich inhaltlich wie historisch intensiv beschäftigt habe, jeweils Artikel im Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon verfasst habe und diese im Internet zur Verfügung stehen, ein für ein Großlexikon seltenes und rühmliches Vorgehen! Es handelt sich um den Wiener reformierten Systematiker Eduard Böhl (1836-1903), dessen Dogmatik ich neu herausgegeben habe, um Hans Naumann (1886-1951), Germanist und Volkskundler in Bonn und Rektor der Universität Bonn während der Karl-Barth-Affäre im Dritten Reich, über den meine zweite Dissertation ging, und um meinen Urgroßvater Friedrich Wilhelm Schirrmacher (1824-1904), Geschichtsprofessor in Rostock.

Eigentlich hätte ich längst Ähnliches für Theodor Christlieb (1833–1889) (Thema meiner ersten Dissertation) tun müssen, aber der Artikel ist über die Rohfassung nie hinausgekommen und inzwischen hat Karl-Heinz Vogt eine gute Biografie mit vollständiger Bibliografie Christliebs im BBKL fertiggestellt: www.bautz.de

Thomas Schirrmacher