Meine Vorfahren waren reformierte Hugenotten, die aus Salzburg nach Preußen kamen und sich schließlich in Danzig und Königsberg niederließen. Mein Ururgroßvater Carl Friedrich Schirrmacher (1790–1855), Erster Oberlehrer (Direktor) der Petrischule in Danzig, hinterließ folgendes handschriftliche Glaubensbekenntnis, das auch das meine ist:

Mein Glaubensbekenntnis
Die evangelische Kirche protestirt von Anfang an und muß fortwäh­rend protestiren; aber einmal von einer posi­tiven Grundlage aus, näm­lich dem unbedingten Glauben an die freie Gnade Gottes in Christo wie sie nämlich in den Schriften des Paulus, Petrus und Johannes als absolute Form für alle Zeiten geoffenbart ist, und zweitens sie prote­stiert auf rein
religiösem Gebiet nur gegen dasjenige, was deren Glau­bensgrund in ir­gend einer Weise alteriert.
Carl Friedrich Schirrmacher
geboren den 14. Septb 1790
in Königsberg in Preussen

[Handschriftliche Eintragung von Carl Friedrich Schirrmacher auf der ersten Seite des Vorsatzblattes eines Exemplares Das Va­ter Unser: Ein Erbau­ungsbuch für jeden Christen. Mit einer Abhand­lung über den Inhalt und Gebrauch des Vater Un­sers, von dem Vi­cepräsidenten und Oberhofpredi­ger Christoph Friedrich von Am­mon D. Ch. G. Kayser’schen Buchhand­lung F. Beyer: Leipzig, 1839 (in meinem Besitz)]

Sein Sohn und mein Urgoßvater, Friedrich Wilhelm Schirrmacher (1824–1904) hinterließ im Danziger reformierten Gesangbuch folgende Zeilen, die ich mir auch zu eigen machen möchte:

Eins nur wünsch ich mir hienieden,
Jesu, Deinen Geist und Frieden,
Und von den Ruhm an meinem Grabe,
daß ich Dich geliebet habe.
Friedrich Wilhelm Schirrmacher

[Handschriftliche Eintragung in einem Gesangbuch (Kirchen Ge­sang-Buch Der Evangelisch-Reformierten Gemeinde in Dantzig. Thom. Joh. Schrei­ber: Dantzig, 1745) in meinem Besitz. Die erste Eintragung in das Gesangbuch stammt vom 14.9.1777 von A. V. E. (vermutlich kein Vor­fahre der Familie Schirrmacher). Am 14.9.1854 widmete „Carl Friedrich Schirrma­cher” das Buch seinem Sohn Friedrich Wilhelm, der undatiert die zitierte Widmung schrieb. Das Buch gelangte wohl über dessen Sohn Leo Schirrma­cher zu dessen Sohn Klaus Leo Schirrmacher, der es am 16.3.1968 zum Geburtstag „meinem lieben Bruder Bernd Schirrmacher“ ver­machte. Dieser – mein Vater – vermachte mir das Buch mit Wid­mung von „Weihnachten 1989“. (Vgl. zu diesem Gesangbuch Franz Kessler. Danzinger Gesangbücher 1586–1793. Einzelschriften der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung 15. Institut Nordostdeutsches Kulturwerk: Lü­neburg, 1998. S. 65–70 unser Gesangbuch; sowie S. 3–7 zur Reformation und S. 6–7 zu den Reformierten in Danzig.)]

Ich habe zwei Bücher meines Großvaters neu herausgegeben und beide mit einer gleichlautenden Biografie eingeleitet, die in ähnlicher Form auch im Biografisch-Bibliografischen Kirchenlexikon erschienen ist:

„Über den Verfasser“. S. 5–28 in: Friedrich Wilhelm Schirrmacher. Briefe und Akten zum Marburger Religionsgespräch (1529) und zum Augsburger Reichstag (1530). Geschichte – Kirchengeschichte – Reformation 21. Bonn: VKW, 2003

„Friedrich Wilhelm Schirrmacher“. S. 5–23 in: Friedrich Wilhelm Schirrmacher. Die Entstehung des Kurfürstenkollegiums. Geschichte – Kirchengeschichte – Reformation 22. Bonn: VKW, 2003

„Friedrich Wilhelm Schirrmacher (1825–1904)“. S. 142–151 in: Thomas Schirrmacher, Klaus Schirrmacher, Ingrid von Tor­klus (Hg.). Baumeister bleibt der Herr: Fest­gabe zum 80. Geburtstag von Prof. Bernd Schirrmacher. VKW: Bonn, 2001

„Schirrmacher, Friedrich Wilhelm“. 1226–1235 in: Friedrich Wilhelm Bautz, Traugott Bautz (Hg.). Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Bautz: Herzberg ab Bd. I, 1975, hier Bd. XIX, 2001

 

9 Kommentare

  1. Pastor Dr. Andreas Flick 17. Februar 2010 at 14:30

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Schirmacher,

    mit Verlaub gesagt, waren Ihre Vorfahren – sofern sie aus Salzburg kamen – weder Hugenotten noch Reformiert. Die Salzburger Emigranten, die wie die französischen Hugenotten, wegen ihres protestantischen Bekenntnisses ihre Heimat Österreich verlassen mußten, waren durchweg Lutheraner. In Ostpreußen haben sich zahlreiche Salzburger Emigranten niedergelassen.

    Mit freundlichem Gruß
    Pastor Dr. Andreas Flick, Celle
    Präsident der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft

     
  2. admin 17. Februar 2010 at 15:29

    Danke für den Hinweis, ich bin da noch am Forschen, inwieweit die überlieferte Familiengeschichte stimmt. Aus den Familienunterlagen ergibt sich, dass meine Vorfahren Ende 17. Jh. in der Niederung Mews angesiedelt wurden. Woher sie genau kamen, ist noch nicht gesichert und Gegenstand meiner Untersuchungen. Aber sie waren von Anfang an in reformierten Minderheitengemeinden, wie mir die Gesangbücher und Bibeln mit Eintragungen zeigen.

     
  3. Michael Lohrer 17. Juni 2010 at 08:10

    Sehr geehrter Herr Professor Schirrmacher,

    noch eine kurze Anmerkung zu Ihren Vorfahren. Ich war selbst im letzten Jahr in Danzig unterwegs auf Spuiren des reformierten Psalmdichters Petrus Dathenus.
    Der Name Schirrmacher weist ja eineutig in den österreichischen / alpinen Raum. Da sich in jener Zeit sehr viele verschiedene Glaubensflüchtlinge im Danziger Gebiet aufgehalten haben (Mennoniten / niederländische u. franzosische Calvinisten etc.) gibt es ja verschiedene Möglichkeiten.
    Einmal hat ein “Schirrmacher” eine Hugenottin geheiratet, dann natürlich der recht frühzeitige Übertritt zu den Reformierten, vielleicht schon auf den Zügen der Salzburger Richtung Ostpreußen (eventuell Frankfurt/M, wo es viele Hugenotten gab) als weiter Möglichkeit.
    Wenn ich richtig verstanden habe , gibt es in Ihrer Familientradition irgend einen Hinweis auf hugenottische Vorfahren. Das könnte ja dann für eine “Einheirat” sprechen.
    Jedenfalls gehörten Ihre Vorfahren schon recht früh nicht zu den Salzburgern (z.B. in Gumbinnen),
    sondern haben sich rigendwann den Reformierten angeschlossen.
    Auskunft könnte es eventuell im “Salzburger Archiv” in Bielefeld geben.

    Herzliche Grüße

    Michael Lohrer, Lübeck

     
  4. Joachim Rebuschat 14. März 2011 at 12:30

    Hier noch Hinweise auf eine vor einigen Wochen eröffnete Austausch- und Informationsliste:
    http://SalzburgerEmigranten.de/
    und auf das Hugenottenmuseum in Bad Karlshafen:
    http://www.hugenottenmuseum.de/

    Freundliche Grüße
    Joachim Rebuschat

     
  5. wolfgang barnbeck 15. Juni 2014 at 23:49

    ….verbrachte ich doch meine kindheit und folgejahre mit dem originalen selbstbildnis ihres ururgrossvaters.
    über die danziger wurzeln der familie Schirrmacher ist mir allerdings nichts bekannt. eine starke protestantische verwurzelung wurde allerdings stets gepflegt, was ich aber eher als folge der krichlichen berufstraditionen meiner namensgeber sehe.
    einer meiner ururgrossväter, Ernst Wilhelm Förstemann, war in 1.ehe mit Clara Schirrmacher verheiratet.

    nun, das internet macht´s möglich.

    viele grüsse
    wolfgang barnbeck

     
  6. wolfgang barnbeck 16. Juni 2014 at 10:45

    ich kann es doch noch um 2 generationen weiter zurück verfolgen. kann sein, dass auf der ahnenrolle, die im bestitz meiner schwester ist, eine weitere verfolgung möglich ist.

    diese linie scheint aber nicht aus der von ihnen beschriebenen region zu stammen. das muss ich noch genauer nachsehen.

    viele grüsse
    wolfgang barnbeck

     
  7. wolfgang barnbeck 16. Juni 2014 at 18:15

    nun noch mal etwas genauer, denn ich war ja erstmal etwas überrascht, dieses bild von Carl, Friedrich Schirrmacher hier zu sehen.
    es ist unser beider ururgrossvater. er war verheiratet mit Juliana Wilhelmina Riemeck(wenn ich das richtig lese). mit deren tochter Clara, Maria Schirrmacher war also mit meinem urgrossvater Ernst Wilhelm Förstemann verheiratet.
    bei der männlichen seite sind vor Carl Friedrich Christian (*11.5.1759 +18.2.1852) und David (*- +31.1.1800) hier aufgeführt. geburtsort Jeschkendorf ? Brotken? die gattin war eine geb Nietsch.
    weiter in der generation: Ernst Koehsling , Christian Riemeck(Rymeck ursprünglich oder auch) geboren in Rekowniza 12.03.1740. weiter Johann,Michael Felske Danzig 1753. name der frau evt. Berta, Elisabeth (kein nachname)
    weiter hab ich hier keine einsicht. eine hugenotten-verbindung ist dadurch weder zu belegen noch auszuschliessen. dann aber vor 1700. mir ist nie etwas darüber berichtet worden. und ob in “unserer” grossen ahnenrolle diese linie weiter aufgeführt ist, weiss ich nicht, könnte ich aber nachsehen lassen.

     
  8. Hans Förstemann 26. Juli 2014 at 10:23

    Herrn Wolfgang Barnbeck

    Meine “Datensammlung Förstemann” ist, auch durch Hinweise mehrerer Familienmitglieder, zuletzt auch durch die letztjährige Förstemann-Ausstellung in Nordhausen, zu einem umfangreichen Verzeichnis gewachsen. Hieraus gebe ich gern Auskunft.

     
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