In Deutschland wie in vielen anderen Ländern ist der gefährlichste Ort der Mutterleib, also genau der Ort, der früher in Sprachgebrauch und Literatur als der Inbegriff von Geborgenheit und Sicherheit galt. Nirgends ist der Mensch heute wehrloser, schutzloser und rechtloser.

Mehr und mehr sind Glück, Gesundheit, Wohlstand und Selbstverwirklichung die Werte, die unsere Gesellschaft zusammen halten, während bei anderen Werten zunehmend jeder Konsens fehlt. Wenn alles eine Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen wird, ist es kein Wunder, dass dies auch für Schwangerschaft und Kinder gilt. Die ökonomische und materialistische Dominanz unserer Kultur schlägt gegen die Schwächsten der Gesellschaft durch.

Abtreibungsgegner nehmen dagegen zunächst einmal einfach die Position des Ungeborenen ein. Alles andere ergibt sich daraus von selbst. Ihre Position läßt sich ganz einfach beschreiben – alles andere sind nur logische Konsequenzen daraus: Bei der menschlichen Zeugung entsteht mit der Verschmelzung der Keim­zellen eine neue biologische und geistige Realität, der Mensch mit seiner unverwechselbaren Würde, und später gibt es keinen Ein­schnitt, der in seiner Bedeutung diesem Ereignis auch nur nahe käme und aus einem Nichtmenschen einen Menschen machte.

Der Schutz des menschlichen Lebens ist zweifellos die zentrale und wichtigste Aufgabe des Staates, die Pflichten wie Rechte begründet. Daraus folgerte das Bundesverfassungsgericht 1993, dass der Staat nie und nimmer aktiv die Beendigung menschlichen Lebens, auch des vorgeburtlichen, betreiben oder auch nur für Recht erklären dürfe.

Während es um diesen Schutz des Lebens während des Lebens in demokratischen Staaten im Vergleich zur Geschichte vorangegangener Jahrhunderte sehr gut steht, versagen dieselben Staaten am Anfang des Lebens in der vorgeburtlichen Phase (und zunehmend auch am Ende des Lebens) fast völlig und verweigern damit den Schwächsten der Gesellschaft den Schutz vor anderen Menschen, die sie töten wollen. Unseres Erachtens rüttelt das an den Grundfesten des Staates und führt durch Gewöhnung dazu, dass der Lebensschutz generell mehr und mehr zu einem Anliegen unter vielen wird, dass man durchaus auch einmal anderen Überlegungen unterordnen kann.

Wenn wir wieder soweit sind, dass der Staat meint, dass er über das Lebens­recht gan­zer Bevölkerungsteile abstimmen kann, verliert der Staat seine wichtig­ste Existenzberechti­gung, nämlich das Leben der Bürger vor ande­ren Menschen zu schüt­zen. Zur gleichen Zeit, als man in Rio de Janeiro ein Artenschutzab­kommen für Tiere und Pflanzen unterschreibt, be­schließtender Deut­sche Bundes­tag, dass man die ‘Art’ Mensch im Mut­terleib töten darf.

Häufigste Todesursache weltweit

Abtreibung ist die häufigste Todesursache auf unserem Planeten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO standen 2007 136 Mio. Geburten und 54 Mio. Todesfällen 42 Mio. gemeldete Abtreibungen gegenüber. Von den 54 Mio. starben 17,5 Mio. an Herz-Kreislauferkrankungen, 11 Mio. Menschen an einem Krebsleiden. Weniger als ein Fünftel der 54 Mio. waren Kinder. Demnach werden jährlich viermal so viele Kinder im Mutterleib getötet, wie geborene Kinder sterben.

Aus einem in Washington veröf­fentlichten Bericht des For­schungsinstitutes ‚World-Watch’ geht hervor, dass jährlich fast ebenso viele Kin­der abgetrieben werden, wie im 2. Weltkrieg insge­samt an Menschen umkamen. Wäh­rend im Welt­krieg 55 bis 60 Millio­nen Men­schen starben, werden jähr­lich mindestens 50 Millio­nen Kinder im Mutterleib getötet, wobei zusätzlich 200.000 Frauen ihr Leben lassen.

In Japan und Frankreich wird die Hälfte aller Kinder im Mutter­leib getötet, in Deustchland und den Niederlanden ein Viertel.

Betrachtet man allerdings die deutschen Medien, könnte man den Eindruck gewinnen, als ginge es statistisch um ein Randproblem und um eine moralische Bagatelle.

 

Ein Kommentar

  1. […] Betrachtet man allerdings die deutschen Medien, könnte man den Eindruck gewinnen, als ginge es statistisch um ein Randproblem und um eine moralische Bagatelle. via Thomas Schirrmacher […]

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