Führungskräfte der weltweit größten unabhängigen muslimischen Organisation und der weltweit größten evangelikalen christlichen Organisation beginnen eine gemeinsame Aktion, um global auf Bedrohungen der Religionsfreiheit zu reagieren, die von religiösem Extremismus und säkularem Extremismus ausgehen. Sie haben hochrangige Theologen, Menschenrechtler und Aktivisten für Religionsfreiheit aus beiden Religionen in eine gemeinsame Arbeitsgruppe des Humanitären Islam und der Weltweiten Evangelischen Allianz berufen, um die globalen Diskussionen und Interaktionen der Religionen in der Wissenschaft, im öffentlichen Leben, in der Bildung, bei der Konfliktlösung und in humanitären Notsituationen neu zu gestalten. Dies geschieht als direkte Reaktion auf das schreckliche Ausmaß religiöser Verfolgung und religiös motivierter Gewalt im 21. Jahrhundert.

World Evangelical Alliance and Humanitarian Islam leaders sit beneath a painting that depicts Indonesia’s founding father, Sukarno, cradling a barefoot independence martyr slain by Dutch colonial forces in late-1940s Java. A crucifix dangles from the young man’s neck. Sri Ayati’s Legacy hangs in the Jakarta headquarters of Nahdlatul Ulama’s young adults organization, GP Ansor, and has become a potent symbol of the Humanitarian Islam movement. © BQ/Martin Warnecke

World Evangelical Alliance and Humanitarian Islam leaders sit beneath a painting that depicts Indonesia’s founding father, Sukarno, cradling a barefoot independence martyr slain by Dutch colonial forces in late-1940s Java. A crucifix dangles from the young man’s neck. Sri Ayati’s Legacy hangs in the Jakarta headquarters of Nahdlatul Ulama’s young adults organization, GP Ansor, and has become a potent symbol of the Humanitarian Islam movement. © BQ/Martin Warnecke

Die muslimischen Teilnehmer repräsentieren den Humanitären Islam, der in der Nahdlatul Ulama (NU) verwurzelt ist, mit einer geschätzten Mitgliederzahl von mehr als 90 Millionen, hauptsächlich in ihrem Heimatland Indonesien. Seit ihrer Gründung vor fast einem Jahrhundert hat die NU breite Anerkennung für ihre Förderung einer Version der islamischen Orthodoxie erlangt, die durch Respekt für religiösen Pluralismus und für Toleranz gekennzeichnet ist. Ihre Mitglieder sind heute in den meisten größeren Städten rund um den Globus zu finden.

Die „Gerakan Pemuda Ansor Erklärung zum humanitären Islam“ von 2017 und das „Nusantara Manifest“ von 2018 – beide von der NU-Organisation für junge Erwachsene veröffentlicht – verweisen darauf, dass sich bestimmte veraltete Lehren der islamischen Orthodoxie für die Instrumentalierung der Religion für politische Zwecke eignen und systematisch von staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren wie ISIS, al-Qaida, den Taliban, der Hisbollah, Saudi-Arabien, Katar, Iran und Pakistan ausgenutzt werden.

Der christliche Partner in diesem Projekt ist die Weltweite Evangelische Allianz (WEA), die – aufgrund des globalen Wachstums des evangelikalen Christentums im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert – zu einer der bedeutendsten weltweiten christlichen Organisationen geworden ist, die über 600 Millionen Christen mit nationalen evangelikalen Allianzen in 140 Ländern vertritt.

„Wir wollen den Grundstein für eine friedliche und stabile globale Zivilisation legen und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unseren Freunden von der Weltweiten Evangelischen Allianz, um dazu beizutragen“, sagte Kyai Haji Yahya Cholil Staquf, Generalsekretär des Obersten Rates der Nahdlatul Ulama in Indonesien. „Bestimmte veraltete und problematische Lehren existieren in der Tat innerhalb der islamischen Orthodoxie und prägen weiterhin die Denkweise vieler Muslime. Diese problematischen Elemente sind das Erbe einer vergangenen zivilisatorischen Situation, die von anhaltenden religiösen Konflikten geprägt war. Sie sind weder relevant noch mit den geopolitischen und demografischen Realitäten des 21. Jahrhunderts vereinbar. Daher müssen wir eine neue normative Plattform religiöser Orthodoxie entwickeln, die Hass, Beherrschen Wollen und Gewalt nicht legitimiert.“

Thomas Schirrmacher, stellvertretender Generalsekretär der WEA für theologische Fragen und Religionsfreiheit, kommentierte daraufhin: „Obwohl die WEA ein umfangreiches Dialogprogramm mit führenden muslimischen Führern weltweit hat, suchen wir vor allem eine enge Zusammenarbeit mit denjenigen muslimischen Führern und Theologen, die sich uns im Kampf für die Menschenrechte und gegen Rassismus, religiösen Extremismus außerhalb des Islams und religiösen Extremismus innerhalb des Islamssowie gegen jede Art der Unterordnung des Staates unter irgendeine religiöse Gruppe anschließen. Wir haben uns eingehend mit den Gründen befasst, warum Indonesien einen anderen und positiven Weg in seiner Beziehung zu religiösen Minderheiten einschlägt, und sind überzeugt, dass es hilfreich wäre, wenn Indonesien seine Erfahrungen möglichst vielen anderen Staaten zugänglich machen könnte.

Hochrangige Vertreter der NU und der WEA haben sich in Jakarta getroffen und vereinbart, eine gemeinsame Arbeitsgruppe (JWG) zu bilden. Die muslimische Delegation in der gemeinsamen Arbeitsgruppe wird von C. Holland Taylor, Abgesandter für die UN, Amerika und Europa von Gerakan Pemuda Ansor, der 5 Millionen Mitglieder starken Bewegung junger Erwachsener der NU, geleitet. Ansor und Bayt ar-Rahmah – eine religiöse Organisation mit Sitz in den USA, die hilft, die globale Ausweitung der Nahdlatul Ulama zu koordinieren — dienen als organisatorische Heimat für die Humanitäre Islam-Bewegung. Die christliche Delegation in der gemeinsamen Arbeitsgruppe wird von dem Menschenrechtstheoretiker und Ethiker Dr. Thomas K. Johnson geleitet, der der Weltweiten Evangelischen Allianz als leitender Berater für Theologie und Religionsfreiheit dient und seine Rolle als WEA-Sondergesandter im Vatikan fortsetzen wird.

Nach ausführlichen Gesprächen gaben Taylor und Johnson die folgende Erklärung ab:

„Viele aufmerksame Beobachter haben ihre Besorgnis über einen erneuten Zusammenprall zwischen christlicher und muslimischer Zivilisation zum Ausdruck gebracht und betrachten jeden Akt der Aggression zwischen Muslimen und Christen als einen weiteren Schritt in diese Richtung. Unter diesen Umständen muss die Welt wissen, dass eine bedeutende christliche Körperschaft und eine bedeutende muslimische Körperschaft nicht nur in Frieden miteinander leben, sondern dass sie sich verpflichtet haben, aktiv zum Wohle der Menschheit zusammenzuarbeiten. Anstatt in einem potenziellen Konflikt auf der gegnerischen Seiten zu stehen, verpflichten sich evangelikale Christen und humanitär gesinnte Muslime, die Religionsgemeinschaften des jeweils anderen zu schützen, geleitet von einem moralischen Kompass, der in allgemeinen ethischen Grundsätzen und Werten verwurzelt ist. Dies ist nicht der Friede gemeinsamer religiöser Überzeugungen; es ist der Friede miteinander verträglicher Ansätze für das Leben in der Gesellschaft.“

„Wenngleich wir Gott immer auf sehr unterschiedliche Weise verstehen und wahrnehmen, sind sich humanitäre Muslime und evangelikale Christen einig, dass das menschliche Leben, die Familie, der Glaube, die Vernunft und das Eigentum grundlegende menschliche Güter sind, die für ein umfassendes Wohlbefinden in dieser Welt unerlässlich sind. Wir wissen, dass diese menschlichen Güter verletzlich sind und des Schutzes vor verschiedenen Bedrohungen bedürfen, darunter sowohl religiöser Extremismus als auch Formen des säkularen Extremismus, die danach streben, die Rolle der Religion im gesellschaftlichen und öffentlichen Leben zurückzudrängen oder gar auszulöschen. Wir verpflichten uns daher, zusammenzuarbeiten, um jene sozialen und rechtlichen Normen, einschließlich grundlegender Menschenrechte und Freiheiten, zu stärken und voranzubringen, die zum Schutz dieser grundlegenden menschlichen Güter unerlässlich sind. Wir glauben auch an die Existenz universeller ethischer Normen, die unsere Zusammenarbeit in den Bereichen Theologie, Politik, Konfliktlösung und Bildung sowie bei der Verfolgung gemeinsamer humanitärer Ziele bestimmen und inspirieren werden.“

The potential impact of this agreement is significant and global in scale. The WEA holds Special Consultative Status in the Economic and Social Council of the UN (ECOSOC); routinely advises political, religious and intellectual leaders in many countries; and is a key player in religious freedom endeavors worldwide. The WEA’s Religious Liberty Commission (RLC) monitors the religious liberty situation in more than 100 nations, defending persecuted Christians, informing the global Church, challenging the Church to pray and giving all possible assistance to those who are suffering.

Die potentielle Tragweite dieses Abkommens ist erheblich und von globalem Ausmaß. Die WEA hat einen besonderen Beraterstatus im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC), berät routinemäßig politische, religiöse und intellektuelle Führungspersönlichkeiten in vielen Ländern und ist ein wichtiger Akteur bei den weltweiten Bemühungen um Religionsfreiheit. Die Religious Liberty Commission(RLC) der WEA überwacht die Situation der Religionsfreiheit in mehr als 100 Nationen, verteidigt verfolgte Christen, informiert die weltweite Kirche, fordert die Kirche zum Gebet auf und gibt den Leidenden jede mögliche Unterstützung.

Die Humanitäre Islam-Bewegung hat über Indonesiens größte islamische politische Partei PKB, die ihre Wurzeln in der Nahdlatul Ulama hat, direkten Zugang zum größten politischen Netzwerk der Welt – der Zentristisch-demokratischen Internationalen/Europäischen Volkspartei (CDI/EEP). In den letzten Jahren haben sich NU-Führer mit hochrangigen Beamten in den USA und vielen anderen Nationen getroffen. Nach einem Treffen im Mai 2018 im Weißen Haus erklärte US-Vizepräsident Mike Pence, dass die Trump-Administration „mit der NU in ihrem Kampf für Religionsfreiheit und gegen den Dschihad zusammensteht“.

Neben Johnson gehören zu den WEA-Delegierten in der Gemeinsamen Arbeitsgruppe Christine Schirrmacher (Deutschland), vielgelesene Autorin und Professorin für Islamwissenschaften an der Universität Bonn; und Kyle Wisdom, ein Doktorand an der Universität Middlesex, der derzeit indonesische Formen des Islam und der politischen Philosophie erforscht. Paul Marshall, Distinguished Professor für Religionsfreiheit an der Baylor University, Senior Fellow am Institut für Religionsfreiheit und Fellow am Zentrum für Religionsfreiheitdes Hudson-Instituts, fungiert als leitender Berater. Die WEA-Delegation ist Professor Thomas Schirrmacher unterstellt.

Die muslimische Delegation wird von Kyai Haji Yahya Cholil Staquf geleitet. Zu den muslimischen Teilnehmern der gemeinsamen Arbeitsgruppe gehören neben C. Holland Taylor – der zusammen mit Herrn Staquf die grundlegenden Texte der Humanitären Islam-Bewegung verfasst hat – auch Kyai Haji Hodri Ariev, ein hoch angesehener indonesischer Religionswissenschaftler, Theologe, Pädagoge und Übersetzer, der gemeinsam mit C. H. Taylor und dem ehemaligen indonesischen Präsidenten und NU-Vorsitzenden S.E. KH. Abdurrahman Wahid, ‚The Illusion of an Islamic State‘ verfasst hat.

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