Zwei Tage vor dem Nationalen Gebetsfrühstück (NPB) 2017 in Washington brach die deutsche Abgeordnetendelegation und ihre Experten direkt vom Flughafen zu dem Anwesen „The Cedars“ in Arlington auf, wo Douglas „Doug“ Coe lebte. Seit vielen Jahren war es Tradition, dass er die deutsche Delegation direkt nach ihrer Ankunft im Washingtoner Hilton, dort, wo das NPB stattfindet, empfing. Doch dieses Mal war er mit seinen 88 Jahren zu schwach, daher besuchten wir ihn zu Hause im Zentrum der NPB-Bewegung in den Bergen.

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Douglas Coe mit Wiltrud und Rudolf Decker an seiner Seite in „Cedars“, 31. Januar 2017

Rudolf Decker bat mich, im Namen der deutschen Delegation für Doug zu beten, und dadurch hatte ich das Privileg, für diese geistliche Größe ein letztes Mal zu beten, der mich umgehend zurechtgewiesen hätte, wenn er diesen Ausdruck in Bezug auf seine Person gehört oder gelesen hätte, denn Doug war ein Mann der Bescheidenheit.

Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir ihn das letzte Mal hier auf Erden gesehen haben würden. Doch rückblickend hat er uns sein Erbe hinterlassen: Jesus, Jesus und nochmal Jesus. Und wir alle bekamen zwei Bücher ohne Titel auf dem Cover: eins mit den Evangelien und eins mit der ganzen Bibel.

„Doug Coe ist friedlich in seinem zu Hause in Annapolis, Maryland, eingeschlafen, um seine Belohnung entgegenzunehmen. Er war umgeben von seiner Frau, seinen fünf noch lebenden Kindern und deren Ehepartnern und den meisten seiner Enkel und Urenkel, die gemeinsam an seinem Bett Lieder und Hymnen sangen“, sagte A. Larry Ross, der Sprecher der Familie. ‚Nach Jahrzehnten der Treue seiner Berufung gegenüber, ist er nun im Angesicht Jesu vereint mit vielen seiner Freunde und Familienangehörigen, die ihm vorausgegangen waren, wie sein Sohn Jon.’ … Coe wurde von seiner Frau Janice, fünf Kindern und Ehepartnern, … 21 Enkeln und 56 Urenkeln überlebt.“ (Quelle)

Coe wurde 1958 von Dr. Abraham Vereide in die International Christian Leadership an dem Dupont Circle in Washington D.C. geholt, dem Platz, wo heute das Hilton steht, in dem das NPB stattfindet. Vereide, ein Methodistenprediger aus Seattle, gründete die Gemeinschaft 1942 und verlegte sein Büro nach Washington, wo er 1953 das Nationale Gebetsfrühstück gründete. Coe übernahm die Leitung der Organisation nach dem Tode Vereides 1969.

Coe besuchte außer drei kleinen Inselstaaten jedes Land der Welt.

Das Nationale Gebetsfrühstück

„Viele Menschen halten den Kongress für den Gastgeber der jährlichen Veranstaltung des NPB, das diese Woche stattfindet. Dem ist nicht so. Das Frühstück wird von 33 Mitgliedern des Kongresses organisiert, die zu einer mit guten Verbindungen ausgestatteten, aber verschwiegenen christlichen Gruppe namens Fellowship Foundation, gehört, die von Douglas Coe geleitet wird. Coe, 76, wird der ,geheime Billy Graham‘ genannt.“ (Quelle)

„Unter der Leitung von Mr. Coe wurde das NPB, das seit 1953 existiert, zu einer lokalen Institution in Washington, an dem seit Dwight D. Eisenhower jeder amtierende Präsident teilnimmt. Präsident Trump hat dort am 2. Februar vor den geistlichen Leitern gesprochen.“ (Zach Montague. “Doug Coe, Influential Evangelical Leader, Dies at 88”. New York Times, NY Edition, Febr 23, 2017. S. B 14, ähnlich hier.)

„Unter der Leitung von Coe wurde die Arbeit zielgerichteter und personenbezogener. Der Fokus lag dabei auf intensiven Beziehungen untereinander sowie der Unterstützung bedürftiger Einzelpersonen. Dies schließt die Armen der Stadt sowie die entrechtete Jugend auf der ganzen Welt ebenso mit ein wie ein internationales Netzwerk von Kongressvorsitzenden, Heerführern, Parlamentariern und Geschäftsleuten. Während der Gemeinschaftstreffen der kleinen Gruppe fanden Haus- und Senatsgebetsgruppen statt, die dazu dienten, Freundschaften zu vertiefen, füreinander zu beten und sich untereinander zu beraten. Coe nahm mehr als 50 Jahre an diesen Sitzungen teil, war aber nur einmal in fünf Jahrzehnten der Redner. 1953 luden beide Gruppen gemeinsam Präsident Eisenhower ein, sich ihrem Treffen anzuschließen, aus dem schließlich das erste jährliche NPB wurde, mit dem Ziel, im Gebet die Führung und Kraft Gottes zu suchen und das Land und sich selbst Gott und seinem Willen hinzugeben.“ (Quelle)

Friedensstifter

Ich suchte im Internet und in anderen Quellen nach Fällen, in denen Coe und die Gruppe, die hinter dem NPB steht, Geheimdiplomatie oder der Kontakt zu „Bösewichten“ und ebensolchen Regierungen vorgeworfen wurde. Bei diesen handelte es sich immer um verfeindete Parteien in Bürgerkriegen oder ähnlich verfahrenen Situationen, die am Ende Frieden miteinander schlossen. Dass der Erfolg von Camp David 1978/1979 Jahrzehnte später nicht abschließend wiederholt werden konnte, ist eine andere Sache.

Es gibt Schlimmeres, als Friedensstifter zu sein. Aber Frieden stiften ist nur hinter verschlossenen Türen möglich, wenn das Verhältnis auf beiden Seiten von Vertrauen und vielleicht sogar Freundschaft geprägt ist. Die Gegenwart der Medien wirkt dagegen in der Sache des Friedenstiftens eher hemmend.

„In den 1980er und 90er Jahren organisierte er mehrere Treffen von Kongressmitgliedern und afrikanischen Regierungschefs, die von den Westmächten gemieden wurden, darunter Präsident Mohammed Siad Barre von Somalia und Präsident Omar al-Bashir aus dem Sudan.“ (NYT)

„2001 lud Mr. Coe unter Inanspruchnahme seiner Verbindungen nach Afrika die miteinander im Krieg stehenden Präsidenten Joseph Kabila aus dem Kongo und Paul Kagame aus Ruanda zu sich nach Hause (Arlington, Va) zu einem ungezwungenen Treffen in der Hoffnung auf eine Friedenseinigung ein. Die beiden führten die Gespräche fort und unterzeichneten schließlich 2003 ein Übereinkommen.“ (NYT)

Dem Vorwurf eines Komplotts muss man entgegenhalten, dass Coe und andere nicht die Entscheidungsgewalt beim NPB innehaben. Momentan sind es vor allem 33 Mitglieder vom Capitol Hill, den beiden Kammern des Parlaments einflussreiche Männer und Frauen, die es gewohnt sind, den Weg vorzugeben. Und sie sollten nicht in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen? Dieses trifft auch auf das NPB in Deutschland zu, wo eine Stiftung das „International Berlin Gathering“ / die „Internationale Begegnung in Berlin“ organisiert und Abgeordnete aller Parteien und der Bundestagspräsident als Einlader das letzte Wort haben.

Wikipedia schreibt Folgendes (29.03.2017):

„Die Gemeinschaft war 1978 bei dem Übereinkommen von Camp David der Drahtzieher hinter den Kulissen. In Zusammenarbeit mit Präsident Carter initiierte sie einen weltweiten Gebetsaufruf für den israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin und den ägyptischen Staatspräsidenten Anwar Sadat. 2000 traf sich Coe mit den Wirtschaftsfunktionären Pakistans als ‚Sonderbeauftragter‘ des U. S. Abgeordneten Joe Pitts Coe traf Präsident George H. W. Bush während dessen Mittagessen mit dem irakischen Botschafter in den USA Mitte der 80er. 2001 half die Gemeinschaft, ein privates Treffen auf ‚The Cedars‘ zwischen den beiden miteinander Krieg führenden Staatsoberhäuptern Joseph Kabila aus der Demokratischen Republik Kongo und Paul Kagame aus Ruanda. Dies war das erste einer ganzen Serie heimlicher Treffen zwischen den beiden afrikanischen Regierungschefs, die letzten Endes zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens führten. Coe war ein Mitglied der großen U. S. amerikanischen Kongress- und Ministerdelegation, die die First Lady Hillary Clinton 1997 zu der Beerdigung Mutter Teresas, der Begründerin der Schwestern der Barmherzigkeit, begleitete.“

„Außenministerin Hillary Clinton traf Coe mehrere Male als First Lady der Vereinigten staaten. Dem Nachrichtensender NBC News zufolge nahm sie an einem Gebetsmittagessen auf ‚The Cedars‘, dem historischen Konferenzhaus der Fellowship Foundation am Ufer des Potomac im Februar 1993, teil, traf privat mit Coe in ihrem Büro im Weißen Haus am 19. Dezember 1997 zusammen und begegnete ihm bei einem „Meet and Greet von Geschäftsleuten“ am 04. Februar 1998. Clinton schrieb, dass Coe ‚in Washington eine einzigartige Persönlichkeit ist: ein wahrhaft liebevoller geistlicher Mentor und Vorbild für jeden, der seine Beziehung zu Gott vertiefen möchte – unabhängig von der politischen oder religiösen Ausrichtung.‘ Der frühere Vizepräsident Al Gore bezeichnete Douglas Coe als Freund und Held.“

 

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