Maja Caspari, Vorsitzende der IGFM-Sektion Rumänien, ist nach 30-jähriger Mitgliedschaft im Internationalen Rat nach langer Krankheit im März 2020 im Alter von 88 Jahren von uns gegangen.

Die Ehrenvorsitzender der IGFM, Katrin Bornmüller (rechts), bei einem der letzten Besuche bei Maja Caspar im Krebs- und Diabetes-Center in Medias (Rumänien), zugleich Sitz der Sektion Rumänien der ISHR © Katrin Bornmüller

Die Ehrenvorsitzender der IGFM, Katrin Bornmüller (rechts), bei einem der letzten Besuche bei Maja Caspar im Krebs- und Diabetes-Center in Medias (Rumänien), zugleich Sitz der Sektion Rumänien der ISHR © Katrin Bornmüller

Unmittelbar nach dem Sturz des rumänischen Diktators Ceausescu im Jahre 1989 hatte Maja Caspari die Idee und den Mut, kranke Menschen aus der Isolation zu holen und zur Übernahme von Aufgaben und Verantwortung für andere Kranke zu bewegen. Aus dieser Initiative, als sich Diabetiker, Krebskranke und Eltern diabetischer Kinder erstmals trafen, um sich gegenseitig zu helfen, entstand die rumänische Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), die mithalf, gesellschaftliche Hindernisse zur Integration Behinderter und Kranker zu beseitigen. Unter schwierigsten Voraussetzungen und ebenso schwierigen Bedingungen hat sie, unterstützt von den IGFM-Sektionen aus Deutschland und Österreich, durch außerordentliche Anstrengungen und durch selbstlose Arbeit ein großes Werk zustande gebracht, von dem alle profitierten, nicht nur die Kranken und Behinderten, sondern auch die Bürger ihrer Heimatstadt Medias.

Das Eintreten für die Menschenrechte war ihr Anliegen schon zu Zeiten des Diktators Ceausescu. Denn sie gehörte zu denen, die für die kommunistische Diktatur Ceausescus nicht den Vollkommenheitskriterien entsprachen, nämlich den behinderten Menschen, die sich in der Öffentlichkeit nicht zeigen durften und ein Leben in der inneren Verbannung im Kreise ihrer Angehörigen fristeten. Maja Caspari, selbst schwer diabeteskrank, hatte ihre Stimme dagegen erhoben und sich für die Verbesserung ihrer Lage eingesetzt. Mit der Gründung des von Kranken und ihren Angehörigen unter ihrer Leitung selbstverwalteten Krebs- und Diabeteszentrums in Medias hat sie den früher Verstoßenen Recht und Würde wiedergegeben. Sie hat allen behinderten Menschen in Rumänien durch ihren ganz persönlichen Einsatz ein Beispiel gegeben und ihnen durch ihren dauerhaften Kampf mit den Behörden und durch die Institutionen einen unschätzbaren Dienst erwiesen.

Das Krebs- und Diabeteszentrum wurde zum Stützpunkt der humanitären Hilfe für zahlreiche karitative Verbände in Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen europäischen Ländern. Medias wurde durch diese Hilfe weit über die Stadt- und Landesgrenzen bekannt. Als Leiterin der rumänischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte hat sie beharrlich und öffentlich auf Verletzungen der Menschenrechte und andere rechtliche Missstände hingewiesen. Sie hat an der Bildung über Menschenrechte mitgewirkt und die Bürger aufgerufen, selbst für die Bewahrung der Menschenrechte tätig zu werden. Maja Caspari war mit ihrer fast 30-jährigen Mitgliedschaft eine der tragenden Säulen des Internationalen Rates der IGFM. Wir werden ihr ein ehrendes Gedenken bewahren.

Karl Hafen
Mitglied des Vorstandes des Internationalen Rates der IGFM

Grußwort von Thomas Schirrmacher an die Vorsitzende der Sektion Rumänien der IGFM zum 25-jährigen Jubiläum im Juni 2015

Liebe Frau Caspari,
Liebe Verantwortliche, Mitglieder und Freunde
der Rumänischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte,

Im Dezember 1989 wurde eine Auseinandersetzung um die Religionsfreiheit in Timişoara, wo ich an der Universität des Westens regelmäßig unterrichte, der Ausgangspunkt der rumänischen Revolution. Die kommunistische Regierung wollte einen Pastor loswerden, der die Regierung häufig kritisierte. Die Gemeindeglieder und zunehmend Bürger aller Art schützten den Pastor, solche rumänischer wie ungarischer und deutscher Abstammung. Die harsche und brutale Reaktion der Regierung wurde ein Signal für Proteste in ganz Rumänien, der Beginn des Endes einer Herrschaft gegen die Menschenrechte. Auch wenn uns die vielen Menschen, die dabei starben, sehr leid tun, hat das rumänische Volk Freiheit und Menschenrechte gegen die Diktatur erkämpft.

Die Geschichte der tapferen Rumänen, die mit der IGFM/ISHR verbunden waren, beginnt vor dieser Zeit, aber es war ein stolzes und offensichtliches Zeichen der neuen Ära, dass sie in kurzer Zeit zusammenkamen und 1990 die Rumänische Sektion der IGFM gründeten, als noch keiner wusste, was aus Rumänien werden würde. Sie wollten sicherstellen, dass das neue Rumänien auf der Idee der Menschenrechte erbaut würde.

Dass das rumänische Volk einen Präsidenten aus Sibiu gewählt hat, geprägt von seinem Kampf gegen Korruption und von deutscher Abstammung, zeigt, dass das rumänische Volk bereit ist, von Rassismus, Manipulation und Regierungskorruption abzusehen und den Menschenrechten eine Chance zu geben. Die rumänische IGFM spielt dafür eine wesentliche Rolle.

Im Namen des Internationalen Rates der ISHR gratuliere ich der Sektion zum 25. Jubiläum und danke für 25 Jahre harte Arbeit. Stellvertretend für die weltweite ISHR-Familie bin ich stolz, dass wir so viele erfahrene Kämpfer für die Menschenrechte in unserer Mitte haben. Ich hoffe, dass diese Geschichte bald geschrieben wird, damit andere von dem guten Vorbild lernen können.

Thomas Schirrmacher
Präsident des International Rates der ISHR

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