Der stellvertretende Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, der unter anderem für den interreligiösen Dialog dieses Netzwerks von 600 Millionen Protestanten verantwortlich ist, ruft die obersten Religionsführer weltweit auf, die „Beiruter Erklärung ,Faith for Rights‘ (F4R)“ des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) zu unterzeichnen und damit dazu beizutragen, den Rabater Maßnahmenplan der UN umzusetzen. Die beiden Dokumente sind auf Englisch, Französisch und Arabisch hier verfügbar.

Schirrmacher (im lila Hemd) stellt die Beiruter Erklärung bei einer Pressekonferenz vor. Zweiter von links: Der UN Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit Ahmed Shaheed (Malediven). Dritter von links: Sheikh Maytham Al-Salman (Bahrain). Zu Schirrmachers Linken: Ibrahim Salama, Leiter der Abteilung für Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen. Zu Schirrmachers Rechten: Abdel Salam Sidahmed, Gebietsvertreter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen. © BQ / Warnecke

Schirrmacher (im lila Hemd) stellt die Beiruter Erklärung bei einer Pressekonferenz vor. Zweiter von links: Der UN Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit Ahmed Shaheed (Malediven). Dritter von links: Sheikh Maytham Al-Salman (Bahrain). Zu Schirrmachers Linken: Ibrahim Salama, Leiter der Abteilung für Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen. Zu Schirrmachers Rechten: Abdel Salam Sidahmed, Gebietsvertreter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen. © BQ / Warnecke

Religionsführer, die diese Erklärung befürworten wollen, können Michael Wiener vom OHCHR unter faith4rights@ohchr.org informieren.

Die Konferenz, die im Lancaster Plaza Hotel in Beirut stattfand und die beiden genannten Dokumente zum Abschluss brachte, wurde von dem Gebietsvorsteher des OHCHR in Beirut, Abdel Salam Sidahmed, geleitet. Etliche hochrangige religiöse und gesellschaftliche Persönlichkeiten sowie Diplomaten nahmen daran teil. Die Konferenz brachte die Beiruter Erklärung heraus, die in die Fußstapfen des 2012 in Marokko herausgegebenen Rabater Maßnahmenplans tritt und als Entwurf und zur Befürwortung von Nebeneinander und Pluralismus gilt. Die Erklärung legt drei Kernverantwortlichkeiten für Religionsführer fest: erstens das Unterlassen von Aufrufen zu Intoleranz, die Gewalt, Feindlichkeiten oder Diskriminierung auslösen könnten, zweitens ein entschiedenes Auftreten gegen Intoleranz, diskriminierendes Einordnen von Stereotypen und gegen Hassreden sowie drittens eine klare Äußerung, dass Gewalt niemals als Antwort auf Hassaufrufe toleriert werden kann.

Pressemitteilung des OHCHR: Beiruter Erklärung festigt die Rolle der Religionen bei der Stärkung der Menschenrechte

Ein Artikel des Büros des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte

(Von links nach rechts): Sheik Maytham Al-Salman (Bahrain), Ibrahim Salama, Leiter der Abteilung für Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen, Bischof Thomas Schirrmacher (WEA) © BQ / Warnecke

(Von links nach rechts): Sheik Maytham Al-Salman (Bahrain), Ibrahim Salama, Leiter der Abteilung für Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen, Bischof Thomas Schirrmacher (WEA) © BQ / Warnecke

Die Initiative „Glaube steht für Rechte ein“, die bei einer kürzlichen Konsultation religiöser und zivilgesellschaftlicher Persönlichkeiten aus der ganzen Welt aus der Taufe gehoben wurde, strebt das Zusammenstehen von Religionsgemeinschaften verschiedener Glaubensrichtungen an, um Diskriminierungen und religionsbezogener Gewalt durch das gemeinsame Ziel der Stärkung der Menschenrechte sowie der Aufrechterhaltung der Freiheit von Religion und Weltanschauung entgegenzuwirken.

„Unser Ziel ist die Förderung der Entwicklung friedlicher Gesellschaften, in denen Vielfalt nicht bloß toleriert, sondern vollkommen respektiert wird und ausgelebt werden kann“,

teilte Zeid Ra’ad Al Hussein, der Hohe Kommissar für Menschenrechte der UN, den Teilnehmern des zweitägigen Treffens in Beirut in einer Videobotschaft mit. Veranstalter war das Büro für Menschenrechte.

„Religionsführer sind wegen ihres beträchtlichen Einflusses auf die Herzen und Gedanken von Millionen Menschen möglicherweise sehr wichtige Akteure für die Menschenrechte“, sagte Herr Zeid.

Auf den Rabater Maßnahmenplan von 2012 aufbauend, der die Kernverantwortlichkeiten von Religionsführern darin sieht, Aufwiegelung zum Hass entgegenzuwirken, weitet die Beiruter Erklärung diese Verantwortung auf das gesamte Spektrum der Menschenrechte aus. Sie ruft Gläubige aller Glaubensrichtungen auf, Hand in Hand und vereinten Herzens zusammenzustehen, um Wege zu kommunizieren, wie sie zur Verteidigung fundamentaler Rechte gegen Diskriminierung und Gewalt beitragen können.

Delegierte des UNHCHR-Symposiums in Beirut © BQ / Warnecke

Delegierte des OHCHR-Symposiums in Beirut © BQ / Warnecke

Sheik Maytham Al Salman, ein Religionsführer und Menschenrechtsverfechter aus Bahrain, mahnte Religionsführer und glaubensbasierte Organisationen, die Vorreiterrolle beim Entgegenwirken gegen Hassparolen, die hauptsächlich gegen religiöse Gruppen gerichtet sind, einzunehmen. „Religiös motivierte Feindlichkeiten haben ein erschreckendes Ausmaß angenommen“, sagte er.

Mit der Beiruter Erklärung sind 18 „Faith for Rights“-Verpflichtungserklärungen zur Stützung der Menschenrechte verbunden. Diese beinhalten auch Zusicherungen, Aufrufe zu einer Staatsreligion zu vermeiden, damit nicht Diskriminierungen gegen Einzelpersonen oder Gruppen gerechtfertigt werden können. Weitere Zusicherungen sind die Gewährleistung der Gleichwertigkeit der Geschlechter sowie von Minderheitenrechten, die Unterdrückung kritischer Stimmen zu unterlassen und sich mit Kindern und Jugendlichen auszutauschen.

Ahmed Shaheed, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Religions- und Glaubensfreiheit, drückte seine Besorgnis über die explizite Zielgruppenansprache Jugendlicher von Seiten „derer, die Jagd auf junge Seelen machten“, aus. Er appellierte an die Religionsführer, besonders der Schutzlosigkeit der Jugendlichen Aufmerksamkeit zu schenken, die Hasspredigten ausgesetzt sind.

Delegierte des UNHCHR-Symposiums in Beirut © BQ / Warnecke

Delegierte des OHCHR-Symposiums in Beirut © BQ / Warnecke

„Jugendliche blicken zu Religionsführern auf und suchen bei ihnen Führung, Mentoring, Unterstützung und Rat. Daher ist es unerlässlich, ihnen schon in jungen Jahren eine Geisteshaltung der Toleranz, Aufgeschlossenheit und des Respekts für andere zu vermitteln“, erklärte Herr Shaheed.

„Es ist wichtig, über die Kammer des UN-Menschenrechtsrats hinaus mit Menschen im Alltag in Kontakt zu treten, damit wir die Entwicklung von Solidarität und Zusammenarbeit über die Gemeinschaftsgrenzen hinweg sicherstellen und Menschen bewegen können, Religions- oder Glaubensfreiheit zu unterstützen.“

Ibrahim Salama, Leiter der Abteilung für Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen, begrüßte die Beiruter Erklärung als einen auf Rechten gegründeten weltweiten Aufruf an Menschen allen Glaubens, friedvolle Gesellschaften, die sich auf gegenseitigen Respekt gründen, zu fördern.

„Anstatt sich auf die theologischen und lehrmäßigen Unterschiede zu fokussieren, sucht die Beiruter Erklärung eine gemeinsame Basis aller Religionen und Glaubensrichtungen auszumachen, um damit die Würde und den Wert aller Menschen zu wahren“, sagte er.

 

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