Prof. Dr. Thomas Schirrmacher hat sich zum zweiten Mal im Auftrag der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) mit „Seiner Heiligkeit“ Mirza Masroor Ahmad, dem fünften Kalif der Ahmadiyya Muslime, diesmal in dessen Hauptquartier in London, getroffen. In dem Dialoggespräch ging es um den gemeinsamen Kampf für Religionsfreiheit.

Schirrmacher vor der Fazl Moschee mit „Seiner Heiligkeit“ Kalif Mirza Masroor Ahmad © BQ / Warnecke

Schirrmacher vor der Fazl Moschee mit „Seiner Heiligkeit“ Kalif Mirza Masroor Ahmad © BQ / Warnecke

Die Verantwortlichen der Ahmadiyya Muslim Jamaat dankten der Weltweiten Evangelischen Allianz, dass sie sich weltweit für den Schutz der Ahmadiyyas einsetzt und Pakistan immer wieder heftig dafür kritisiert, Ahmadiyyas zu töten, zu verfolgen und in der Verfassung das Bürgerrecht abzusprechen.

Schirrmacher hatte den Kalifen bereits 2014 in Karlsruhe getroffen, vor 34.000 Besuchern den christlichen Glauben und die Arbeit der WEA erläutert und für die Ablehnung jeder Gewalt gegen Andersdenkende gedankt. Die Ahmadiyyas seien auch ein großes friedliches Vorbild für die Gewalttäter eines politischen Islam. In Karlsruhe wurde eine weitere Zusammenarbeit auf Ebene der UNO und globaler Plattformen vereinbart. Ein Beispiel der Zusammenarbeit war die Tagung des Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen innerhalb des sogenannten Rabat-Prozesses im Libanon Anfang 2017.

Schirrmacher hat als Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit mehrfach darauf hingewiesen, dass erst die Ahmadiyya-Muslime und dann die Christen Opfer geworden seien, so etwa in Indonesien.

Das Treffen fand gegenüber der Fazl Moschee im Londoner Stadtteil Wandsworth statt. Die 1924 bis 1926 erbaute Fazl Moschee (Deutsch: „Moschee des Freigebigen/Tugendhaften“) ist die älteste Moschee in Großbritannien und seit 1984 zusammen mit den umliegenden Gebäuden Sitz des Kalifen und der internationalen Leitung, da der Kalif in seiner Heimat Pakistan seines Lebens nicht sicher ist.

Im Gespräch mit Mahmud Mubartik, Leiter der britischen Ahmaddiyyas © BQ / Warnecke

Im Gespräch mit Mahmud Mubartik, Leiter der britischen Ahmaddiyyas © BQ / Warnecke

Weitere Einzelgespräche führte Schirrmacher mit verschiedenen Vertretern des britischen Zweiges der Ahmadiyya Muslim Jamaat, so mit deren Präsidenten Rafiq Ahmed Hayat, dem Vizepräsidenten Mansoor A. Ahab und dem Generalsekretär Mahmud Mubartik sowie mit dem Imam der Londoner Moschee, Ataul Mujeeb Rashed.

Die Verfolgung in sunnitischen muslimischen Ländern, und vor allem im Ursprungsland Pakistan, geht vor allem darauf zurück, dass es dort nach Mohammed keinen weiteren Propheten geben darf. Sonderrichtungen des Islam mit einem Propheten nach Mohammed werden in der Regel viel stärker als Juden und Christen diskriminiert und verfolgt und nicht als Buchreligion eingestuft.

Die Ahmadiyya-Bewegung entstand 1889, nachdem sich Mirza Ghulam Ahmad (1835–1908) zunächst als Empfänger von Offenbarungen bezeichnet hatte, später auch als Inkarnation des Christus, Krishna und Mahdi, der einem von Gott beauftragten Propheten gleichkäme, auch wenn er nicht mit einer Schrift gesandt sei. 1904 bezeichnete sich Mirza Ghulam Ahmad auch als eine Wiedererscheinung Mohammeds. Ab 1914 unter seinem übernächsten Nachfolger, seinem Sohn Mirza Bashir ad-Din Ahmad, spaltete sich die Bewegung in die sog. Qadiyani-Gruppe, die Mirza Bashir ad-Din Ahmad als zweiten Kalifen verehrt, und die sog. Lahori-Gruppe, die den Gründer Mirza Ghulam Ahmad lediglich als „Erneuerer“ betrachtet, das Kalifenamt ablehnt und stattdessen von einem Emir geleitet wird. Heute ist die Qadiyani-Gruppe als Ahmadiyya Muslim Jamaat (Ahmadiyya Muslim-Gemeinschaft) die weitaus größere und weltweit verbreitet.

Die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft tritt im Gegensatz zur großen Mehrheit der sunnitischen und schiitischen Theologen für Religionsfreiheit ein und lehnt Gewalt zur Ausbreitung des Islam strikt ab. Sie will durch intensive, aber völlig freiwillige und friedliche Missionsarbeit für sich werben. Das wichtigste Motto des Kalifen hängt bei Großveranstaltungen in großen Bannern überall: „Love for all, hatred for no one“.

 

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