Von Michaela Koller, 21. März 2021, Die Tagespost

Thomas Schirrmacher © Carsten Behler for WEA

Der Bonner Theologe und Religionswissenschaftler Bischof Thomas Schirrmacher ist neuer Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz. Er vertritt damit nach der katholischen Kirche die zweitgrößte religiöse Organisation der Welt.

Neuer Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) ist seit seiner Einführung am vorigen Samstag in Köln der Bonner Theologe und Religionswissenschaftler Bischof Thomas Schirrmacher. Er vertritt damit sechshundert Millionen Protestanten, die in diesem größten evangelikalen Dachverband verbunden sind. Auch wenn diese Nachrichten nicht auf den Titelseiten der Gazetten zu finden ist: Die WEA ist immerhin nach der katholischen Kirche die zweitgrößte religiöse Organisation der Welt. Seit 2016 ist Schirrmacher der leitende Bischof der „Communio messianica“, einer Gemeinschaft besonders für vom Islam zum Christentum übergetretene Konvertiten.

Entstammt einer Gelehrtendynastie

Verheiratet ist er mit der Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher.

Bei ökumenischen Treffen darf Thomas Schirrmacher Papst Franziskus künftig auf Augenhöhe begegnen, obschon dies an ihrem Umgang miteinander wohl nichts ändern wird: Die beiden Oberhäupter trafen bereits dutzendfach zusammen und telefonieren auch miteinander.

Die Evangelische Allianz ist flach-hierarchisch aufgebaut und Teilgemeinschaften genießen größtmögliche Unabhängigkeit. Die überwiegende Mehrheit der Christen unter diesem Dach lebt in der südlichen Hemisphäre.

Schirrmacher entstammt einer Gelehrtendynastie. Der Historiker Friedrich Wilhelm Schirrmacher war sein Urgroßvater, sein Vater Bernd Schirrmacher, Nachrichtentechnik-Professor, war im Vorstand einer Missionsgesellschaft und Pionier der evangelikalen Schulbewegung.

Thomas Schirrmacher studierte in der Schweiz und in den Niederlanden, wo er erstmals 1985 promovierte. Nach einer Doktorarbeit in den USA und ersten Ehrendoktorwürden erfolgte noch 2007 im Fachgebiet der Religionswissenschaft eine Dissertation über „Hitlers Kriegsreligion“ in Bonn. Seine Lehrtätigkeit begann Schirrmacher bereits 1983, die er an Akademien und Universitäten in Deutschland, den USA, Brasilien und Rumänien ausübte. Mehr als hundert Bücher tragen seinen Namen auf der Titelseite, als Autor oder Herausgeber.

Reisender Netzwerker für Menschenrechte

Unter seinen Werken sind zahlreiche Fachbücher zu spezifischen Menschenrechtsthemen wie Religionsfreiheit, Christenverfolgung und Menschenhandel, Anliegen, für die er bereits als langjähriger WEA-Vize-Generalsekretär Bündnisse mit hohen Repräsentanten von Religionsgemeinschaften und Regierungsvertretern knüpfen konnte. Als reisender Netzwerker für Menschenrechte wurde der erste Deutsche in diesem Amt international bekannt und seine Wahl im vergangenen Herbst erfolgte für Beobachter nicht überraschend.

 

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