Während des Treffens der Konvokation der Episkopalkirchen in Europa (CECE) 2020 stellte Pfarrer Stephen McPeek, Frankfurt, Vorsitzender der Aktionsgruppe „Racism, Reconciliation, and Beloved Community“ [Rassismus, Versöhnung und geliebte Gemeinschaft], einen Bericht und eine Umfrage zu Rassismus in Europa vor. Aus diesem Anlass befragte die CECE während ihrer jährlichen Konvokation (Kirchenparlament), die wegen Covid-19 online stattfand, drei Experten zum Thema Rassismus, den anglikanischen Priester Yejide Peters, den muslimischen Experten Dr. Michaël Privot, Direktor des Europäischen Netzwerks gegen Rassismus, und den Autor eines Buches gegen „Rassismus“ (Holzgerlingen, 2015), Bischof Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, Präsident des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte.

Screenshot of the online meeting

Screenshot des Online-Meetings mit (von oben links nach unten rechts) Pfr. Stephen McPeek (Vorsitzender der Task Force, Frankfurt), Pfr. Dr. Yejide Peters (Podiumsmitglied aus UK), Dr. Thomas Schirrmacher (Podiumsmitglied aus Deutschland), Dr. Michaël Privot (Podiumsmitglied aus Großbritannien), Botschafterin Xolelwa Mlumbi-Peter (Moderatorin des Podiums in Genf), Dave Case (Moderator des Podiums, München), Allison Lafontaine (Moderatorin der Umfrage des Task Force Berichts über Rassismus), Rt. Rev. Mark Edington (Bischof der CECE) und Stephanie Burette (Moderatorin der Umfrage des Task Force Berichts über Rassismus)

Schirrmacher erklärte, Rassismus sei mehr als nur ein gesellschaftliches Übel, das man mit dem Gesetz und der Macht des Staates unterdrücken könne.

„Er ist Sünde“, sagte er, er sei „eine dunkle innere Triebfeder, die aus der Tiefe unseres Herzens kommt und mit der wir oft so vertraut sind, dass wir sie gar nicht mehr wahrnehmen“.

Angesichts der ersten Ernennung eines afroamerikanischen Kardinals aus den USA kritisierte Bischof Thomas Schirrmacher, dass die Führungsspitze von Kirchen und globalen christlichen Gemeinschaften sehr oft nicht die rassischen Komponenten ihrer Kirchen widerspiegeln würde. In Indien schrieben Dutzende von Dalit-Gemeinden offiziell an Papst Franziskus, dass sie die katholische Kirche verlassen werden, wenn er nicht eine beträchtliche Anzahl von Dalits zu Bischöfen ernennen würde. Dalit-Christen bilden ein Viertel bis ein Drittel aller Katholiken und Christen in Indien.

„Rassismus“, so Schirrmacher, „ist nicht nur eine alltägliche Diskriminierung, sondern tief in Macht- und Finanzstrukturen verankert. Die Kirche Jesu Christi soll zeigen, dass solche Gefühle und Vorurteile durch die Versöhnung in Jesus Christus überwunden sind“.

Die Konvokation der Episkopalkirchen in Europa ist eine 1859 gegründete Diözese, die zwölf Gemeinden der Episkopalkirche der USA in Kontinentaleuropa umfasst, genauer gesagt derzeit in Belgien, Deutschland, Frankreich, Georgien, Italien, Österreich und der Schweiz. In Deutschland finden sich Gemeinden vor allem an ehemaligen Standorten der US-Streitkräfte, in München, Nürnberg, Frankfurt und Wiesbaden. Sie wird seit 2018 von Bischof Mark David Wheeler Edington geleitet. The Rt. Rev. Edington war zuvor als Bischof der Diözese Massachusetts Kaplan an der Harvard University und Leiter des anglikanischen Verlags Amherst College Press (mit Lever Press).

Aus dem Programm – die drei Experten auf dem Podium zum Thema Rassismus

Reverend Yejide Peters ist eine episkopale Pfarrerin, die die Metropole New York und die Ufer des Hudson River verlassen hat, um im ländlichen England in Shropshire zu arbeiten und nun Vikarin von St. Chad’s ist, zusammen mit St. Mary’s und St. Alkmund’s. Sie hat sowohl persönliche als auch berufliche Erfahrungen mit Rassismus gemacht und ist u.a. Mitbegründerin von Repair: Rivertowns Episcopal Parishes Action on Inclusion and Race.

Dr. Michaël Privot ist Direktor des Europäischen Netzwerks gegen Rassismus, eines paneuropäischen Anti-Rassismus-Netzwerks, das sich für die Gleichstellung der Rassen einsetzt und die Zusammenarbeit zwischen Anti-Rassismus-Akteuren in Europa fördert. Michaël verfügt über Fachwissen im Bereich Diversitäts- und Inklusionsmanagement, ist Muslim und Gründer des Europäischen Instituts für Islamwissenschaften, das an der Entwicklung eines europäischen Masterstudiengangs zur Ausbildung von islamischen Geistlichen für Europa mitwirkt.

Prof. Dr. Thomas Schirrmacher ist Präsident des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, stellvertretender Generalsekretär für theologische Fragen der Weltweiten Evangelischen Allianz und leitender Bischof der ‚Communio Messianica‘. Er spricht vor vielen Gremien, darunter dem EU-Parlament, dem US-Repräsentantenhaus und den Vereinten Nationen, zum Thema Menschenrechte und ist ein vielseitiger Autor. Zu seinem Engagement für unser heutiges Thema gehört ein Band mit dem Titel „Rassismus“, der Teil einer Reihe ist, die aus evangelisch-christlicher Perspektive Einblicke in einige der größten Herausforderungen gibt, denen wir in der Welt gegenüberstehen.

Siehe auch „Schirrmacher: Evangelicals combat Racism“ und das Buch „Rassismus“.

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