Schwäbisch Gmünd (IDEA) – Der Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), hat an Politiker appelliert, Frauen in der Prostitution als Opfer wahrzunehmen. Er sprach auf dem Kongress „Gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung – Auch Christen sind gefragt“.

Die Veranstaltung fand vom 29. Mai bis 1. Juni im Christlichen Gästezentrum Württemberg „Schönblick“ in Schwäbisch Gmünd statt. Im Blick auf die Opfer sagte er:

„Wir stehen hier heute, weil wir beobachten, dass Menschen keine Fürsprecher haben. Sie sind so gebrochen, dass sie noch nicht mal für sich selber sprechen können.“

Schirrmacher plädierte für die Einführung des Nordischen Modells in Deutschland, das Freier bestraft, bei dem Anbieterinnen sexueller Dienste aber straffrei bleiben. Der Effekt sei, dass Prostitution dann nicht mehr gesellschaftsfähig sei und zurückgehe.

Der Generalsekretär sprach von „Aldisierung“ angesichts der Billigpreise beim Sexkauf. Schirrmacher: „Sie können heute Geld machen, indem Sie eine Sache teuer machen oder indem Sie es billig machen und in Massen verkaufen.“ Diese Verbilligung zwinge Zwangsprostitution herbei und mache sexuelle Dienstleistungen für jeden zugänglich. Dem könne das Nordische Modell entgegenwirken.

Christen bekämpften die Sklaverei

Schirrmacher erinnerte daran, dass die Weltweite Evangelische Allianz Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Kampf gegen die Sklaverei entstanden sei:

„Damals hatten die Sklaven keinerlei Fürsprecher. Zu Fürsprechern haben sich Menschen gemacht, die selber keine Macht hatten. Die Befreiung ist nicht die Geschichte von Premierministern und Präsidenten.“

Es seien Christen gewesen, die gegen das Unrecht aufgestanden seien. Deswegen seien insbesondere Christen dazu aufgefordert, die Gnade und Barmherzigkeit Gottes widerzuspiegeln.

Schirrmacher berichtete ferner von einer Pakistan-Reise, bei der er sehen konnte, wie Kinder schwerste Arbeiten in einer Fabrik verrichteten. Beklemmend sei, dass man für diese Fabrik heute mehr Interesse wecken könne, weil sie dem Klima schade, „als für die Menschen, die da schuften müssen“.

Erster Bürgermeister: Die Menschenwürde ist unantastbar

Der Erste Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Christian Baron (CDU), unterstrich in seinem Grußwort die Gottesebenbildlichkeit des Menschen (1. Mose 1,26) und verwies auf die im Grundgesetz verankerte Menschenwürde. Es gelte, diese Würde zu verteidigen und zu schützen. Baron dankte allen Beteiligten, die mit dem Kongress dieses Anliegen vorantreiben.

Mitternachtsmission Heilbronn sucht Frauen im Rotlichtmilieu auf

Die stellvertretende Leiterin der Beratungsstelle Mitternachtsmission Heilbronn, Kathrin Geih, berichtete von ihrer Arbeit unter den Prostituierten:

„Wir verbinden unseren Glauben mit der sozialen Arbeit. Wir gehen da hin, wo die Menschen sind: ins Rotlicht.“

Die Sozialarbeiterin verwies darauf, dass sie sich teilweise jahrelang für betroffene Frauen einsetze. Manche brächen dann aber den Kontakt ab und die Frauen blieben im Milieu.

„Das muss ich akzeptieren, auch wenn es mir das Herz bricht.“

Resolution an den Deutschen Bundestag

Um für die Rechte der betroffenen Frauen einzustehen, haben die Veranstalter eine Resolution verfasst, die dem Deutschen Bundestag vorgelegt werden soll. Wie es darin heißt, befinden sich nach Schätzungen bis zu 400.000 Menschen in Deutschland in der Prostitution.

Hintergrund ist, dass ab dem 1. Juli 2022 das fünf Jahre zuvor in Kraft getretene Prostituiertenschutzgesetz evaluiert werden soll. In der Resolution wird eine breite öffentliche Debatte über „käufliche Sexualität“ gefordert, „um in der Gesellschaft ein Bewusstsein für diese menschenverachtende Problematik zu schaffen“.

Veranstalter des Kongresses sind das Bündnis „Gemeinsam gegen Menschenhandel“, die Organisationen „Mission Freedom“, „Aktion Hoffnungsland“ und „International Justice Mission“ sowie die Deutsche Evangelische Allianz und das christliche Gästezentrum „Schönblick“. Die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA zählt zu den Medienpartnern des Kongresses.

 

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