Seminar in der Mennoniten-Brüdergemeinde Bielefeld: Inmitten riesengroßer Probleme wächst die Kirche weltweit

 Während des Seminars © BQ/Warnecke

Während des Seminars © BQ/Warnecke

Nach Einschätzung des evangelikalen Theologen und Soziologen Thomas Schirrmacher nehmen die Probleme der Christenheit zwar weltweit zu und erfassten immer mehr Länder und Situationen, gleichzeitig wachse die Gemeinde Jesu aber in einem Maße, wie nie zuvor, in manchen Regionen wie dem Iran oder China dabei scheinbar fast von selbst. Da der christliche Glaube grundsätzlich eine  Ausbreitung des Glaubens mit Zwang, Gewalt oder durch den Staat verwerfe, müsse – so Schirrmacher – die Gemeinde Jesu aushalten, dass die Feindschaft gegen sie zunehmend politisch oder durch Gewalt und Menschenrechts-verletzungen zum Ausdruck komme. Oft würde sie jedoch gerade gleichzeitig die Herzen der Menschen gewinnen, die die Gewalt innerhalb ihrer eigenen Religion oder Weltanschauung abstößt, und für die Botschaft von der Liebe Jesu öffnen. „Das ist gut neutestamentlich und ein Auftrag, ja Gebot Jesu und der Apostel, die Verfolger zu segnen und für sie zu beten“, so Schirrmacher wörtlich. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, betete schon Jesus unter dem Kreuz und Stephanus vor seiner Steinigung.

 Während der Predigt © BQ/Warnecke

Während der Predigt © BQ/Warnecke

Das ganztägige Seminar „Weltweite Ausbreitung des Christentums“ war in vier Blöcke eingeteilt und wurde von 300 Teilnehmern besucht. Der Hauptpastor der Gemeinde, Heinrich Klassen, zeigte sich sehr zufrieden. Es sei für eine Gemeinde und für Christen überhaupt wichtig, über den Tellerrand der Probleme vor Ort die ganze Welt in den Blick zu nehmen.

Die Mennoniten-Brüdergemeinde Bielefeld wurde 1974 von russlanddeutschen Christen gegründet und ist heute auf drei Standorte aufgeteilt. Sie hat mehr als 1000 Mitglieder und gehört zum Bund Taufgesinnter Gemeinden (BTG), einem Zusammenschluss von 27 Gemeinden in ganz Deutschland.

Am Sonntag predigte Schirrmacher im Gottesdienst der Gemeinde über Röm 12,1–2. Als Mittel gegen die Gleichstellung der Christen mit dieser Welt – so Schirrmacher – sähe Paulus „die Erneuerung eures Denkens“. Danach seien die bösen und ungerechten Prinzipien nicht irgendwo außerhalb des Christen oder der Gemeinde zu finden, sondern in ihren Köpfen. Nur ein gerne denkender Christ könne liebgewordene, aber falsche Denkprinzipien anhand der Bibel entlarven und überwinden.

 Während der Predigt © BQ/Warnecke

Während der Predigt © BQ/Warnecke

Auf die Frage, was er den russlanddeutschen Christen in Bezug auf ihr Verhältnis zur deutschen Mehrheitskultur rate, empfahl Schirrmacher, eine gelungene Integration mit einem selbstbewussten Beibehalten eigener kirchlicher Traditionen zu kombinieren. Menschen seien weder glücklich, wenn sie ihre Besonderheiten völlig und zwangsweise zugunsten einer Mehrheitskultur aufgäben, noch, wenn sie sich im Dauerkrieg mit der Umwelt befänden. So wäre es etwa schade, wenn die russlanddeutsche Musikkultur einfach verschwände. Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, in einer multikulturellen Gesellschaft, wie es Deutschland nun einmal sei, auch auf andere Kulturen zuzugehen, wie das die Bielefelder Gemeinde ja vorbildlich mit Menschen aus dem Iran täte.

 Pastor Heinrich Klassen interviewt Thomas Schirrmacher © BQ/Warnecke

Pastor Heinrich Klassen interviewt Thomas Schirrmacher © BQ/Warnecke

Schirrmacher erinnerte die Täuferbewegung daran, dass sie das Prinzip der Religionsfreiheit hervorgebracht habe, die selbst für die eigenen Kinder gelte. Die Erwachsenentaufe sei das äußere Symbol für die Sicht, dass Gott auch Kinder aus gläubigen Familien nicht in die Kirche zwinge. Daher müssten gerade die russlanddeutschen Täufergemeinden diese DNA der Täuferbewegung im Umgang mit ihren Kindern beweisen, die, in Deutschland geboren, die typischen Probleme einer zweiten oder dritten Einwanderergeneration zu bewältigen hätten.

Anschließend moderierten die Studienleiter des Studienzentrum Bielefeld des Martin Bucer Seminars, Bodo und Dr. Rita Heller, ein Gespräch der Bielefelder Studenten mit dem Referenten.

 

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