„Tag der Menschenrechte“ an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW

Die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW hat sich im Rahmen ihres „Tag der Menschenrechte“ neben Referaten zum Thema „Polizei und Menschenrechte“ auch mit sicherheitspolitisch relevanten Fragen rund um den Islamismus beschäftigt. Die Bonner und Leuvener Islamwissenschaftlerin, Christine Schirrmacher, ging dabei vor allem auf die Radikalisierung von Jugendlichen ein.

Der Vorlesungssaal während des Vortrags von Prof. Dr. Christine Schirrmacher © BQ

Auf die Frage nach den Ursachen für die Radikalisierung von Jugendlichen gebe es nicht die eine Antwort, so Schirrmacher. Wörtlich sagte sie:

„Zurecht hat der multifaktorielle Ansatz viel Anerkennung gefunden, der zur Erklärung von Radikalisierung im Leben europäischer Jugendlicher verschiedene begünstigende Faktoren zu einem Gesamtbild von Gefährdungsmomenten zusammenfügt. Fragen der Identität und Zugehörigkeit, Entwurzelung und Vaterlosigkeit, Kriminalität sowie Chancen- und Perspektivlosigkeit auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt können vorbereitende Faktoren werden für die menschlich oft warme Aufnahme und Akzeptanz in einer salafistischen Gruppe.“

Extremistische Gruppen böten klare Regeln und einfache Feindbilder, eine Elite-Identität, den Einsatz für eine vermeintlich gerechte Sache, einen Platz innerhalb der Gesellschaft, Bewunderung durch die muslimische Gemeinschaft und das Angebot der Wiederherstellung der verloren geglaubten Ehre. Sie schenkten durch die Verbindung mit einer Gemeinschaft Gleichgesinnter Geborgenheit und stellten die vermeintlich „natürliche“ Ordnung wieder her, in der der „wahre“ Islam und das Gesetz der Scharia die Oberhand erlangen und schließlich siegen werden.

Prof. Dr. Christine Schirrmacher während ihres Vortrags © BQ

Prof. Dr. Christine Schirrmacher während ihres Vortrags © BQ

Die radikalisierte Gruppierung werde, so Schirrmacher, zum vorweggenommenen, schon heute sichtbaren Jenseits, zur besseren Welt der Gläubigen, die die „reine“ islamische Gesellschaft nach dem Vorbild Muhammads erstehen lässt. Der Jihadismus werde so zu einer Handhabe, eine als verdorben wahrgenommene Kultur durch eine andere, bessere Gegenkultur zu ersetzen.

Noch einmal der Wortlaut:

„Extremistische Gruppen bieten dem Entwurzelten ein Zuhause, wahre Freundschaften und eine neue Familie – kurz: Eine neue Identität, mit der die ‚negative‘ Identität des Verachteten, Vereinsamten, Heimatlosen überwunden wird. Ein Anschlag verschafft dem Täter persönliche Bedeutung, ja, eine Art Heldenstatus, der im bürgerlichen Leben für ihn unerreichbar geblieben wäre. Die Suche nach einem Abenteuer oder die Möglichkeit, als Fortsetzung einer früheren kriminellen Karriere Gewalt anzuwenden, sind weitere Komponenten, die zum Eintritt in eine jihadistische Gruppe ermutigen können.“

 

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